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Scherbenmond (Bettina Belitz)
Geschrieben von Judith
Samstag, der 14. Mai 2011

Script 5 (1. Auflage 2011)
Hardcover, 688 Seiten,
19,95 € (D), 20,60 € (A)
ISBN: 978-3-8390-0122-6

Genre: Dark / Romantic Fantasy


Klappentext

„Ich bin wie die See. Ich werde mich über dich erheben und dich umfangen, wenn alle Brücken zerstört sind. Komm zu mir, in die Welt des Wassers. Hier ist niemand außer uns. Wir werden uns ganz nah sein. Und selbst in deinen tiefsten Träumen werde ich dich niemals loslassen.“

Längst ist der Sommer vergangen, der Elisabeth Sturm die Augen öffnete für die gefährliche Welt der Mahre, der Sommer, in dem sie sich in einen von ihnen verliebte. Seit Monaten ist Colin nun verschwunden und Ellie quält sich durch einen nicht enden wollenden Winter. Um auf andere Gedanken zu kommen, quartiert sie sich bei ihrem Bruder in Hamburg ein. Doch sie erkennt Paul kaum wieder: Er wirkt gehetzt und scheint etwas vor ihr zu verbergen. Ellie ahnt nicht, dass ihre Sorge um Paul und ihre Liebe zu Colin sie tiefer verletzen könnten als der abgründigste Traum …


Rezension

Im Falle von „Scherbenmond“ ist der Klappentext ein wenig irreführend, denn Ellie besucht ihren Bruder Paul nicht einfach nur, um auf andere Gedanken zu kommen. Sie soll ihn zurück zur Familie holen. So lautet der Auftrag ihres Vaters, der von einer Reise nach Italien nicht zurückgekehrt ist und verschollen bleibt. Ellie nimmt diesen Auftrag gerne an, da sie endlich etwas anderes tun kann, als vor Sehnsucht nach Colin zu vergehen. Sie berichtet ihrem Bruder von den Ereignissen des letzten Sommers, doch dieser erklärt sie verrückt. Möchte sie am liebsten in psychiatrischer Behandlung sehen. Doch auch Paul wirkt, als würde er Hilfe brauchen. Sein Medizinstudium hat er scheinbar grundlos abgebrochen, er lebt mit dem theatralischen Francois in einer nervenaufreibenden Partnerschaft und schläft wie ein Toter. Nichtsdestotrotz beschließt Ellie, bei ihm zu bleiben, um ihn wieder aufzubauen …

Wie beim Vorgänger „Splitterherz“ macht es Bettina Belitz den Lesern auch in „Scherbenmond“ recht schwer, mit Ellie warm zu werden. Sie hat ihre sympathischen Momente, doch noch immer mangelt es ihr an Authentizität. Ihr Abitur gelingt ihr trotz depressiver Verstimmungen und Stress mit ihrem Bruder mit besten Noten und man fragt sich wieder einmal, wie eine so intelligente junge Dame dermaßen irrational und übertrieben reagieren kann wie Ellie. Ihre Gefühlsausbrüche werden mit ihrer hohen Sensibilität erklärt, gleichzeitig soll sie eine geborene Naturwissenschaftlerin sein, die alles hinterfragt und nüchtern betrachtet. Und genau das tut sie leider meistens nicht. Ellie ist impulsiv und mit ihren Nerven am Ende, was man in Anbetracht der Situation auch nachvollziehen kann. Trotzdem reagiert sie oftmals zu heftig, wird bösartig und bockt wie ein zickiges kleines Mädchen. Einerseits macht gerade ihre extreme Angst vor den Nachtmahren sie glaubwürdig, andererseits übertreibt es die Autorin mit ihren Dramatisierungen auch etwas.

Von ihrem Bruder wir Ellie als „schizoid“ bezeichnet – und hier kommen wir zum nächsten Kritikpunkt: Psychiatrische Begriffe werden hier nicht exakt verwendet. Ellie ist alles andere als schizoid, wobei man hier immerhin nicht total am Thema vorbei ist. Dann wird sie plötzlich nach einem für eine Diagnose viel zu kurzen Gespräch mit einem Arzt als hochsensible Persönlichkeit bezeichnet und letztlich passen auch die genannten Medikamente und Drogen mit ihren Wirkungen nicht richtig zusammen. In anderen Romanen hat man das einfach schon besser gelesen. Man kann der Autorin nicht vorwerfen, dass alles grundsätzlich falsch ist, aber die Recherche war entweder zu oberflächlich oder sie hat nicht an den richtigen Stellen recherchiert. Andererseits sollte hier aber auch erwähnt werden, dass Bettina Belitz mehrere Überraschungen im Handlungsaufbau gut gelingen. Auch das Ende bietet neue Erkenntnisse und bleibt dennoch logisch, wenn man auf die Gesamthandlung zurückblickt. Spannend ist der Roman zudem alle mal, auch wenn man Ellie oft gerne mal eine kräftige Ohrfeige verpassen würde.

Colin bleibt glücklicherweise der faszinierende Charakter, der er schon in „Splitterherz“ war. Seine Dunkelheit ist keine Fassade, die ihn besonders reizvoll machen soll, sondern fester Bestandteil seiner Person. Er verkörpert sie und kämpft gegen sie, ebenso wie gegen seine Vergangenheit. Die Momente zwischen ihm und Ellie sind die wahren Highlights in „Scherbenmond“ und ihre schwierige Beziehung bietet jede Menge Konfliktpotential. Sowohl ihre Nähe als auch ihre zwischenzeitliche Ferne berühren den Leser tief. Auch andere Charaktere glänzen, vor allem Tillmann und Ellies Bruder Paul. Allerdings begibt sich die Autorin mit der homosexuellen Beziehung von Paul auf Glatteis: Ellie ist gegen die Beziehung, sie kann Francois nicht leiden und besteht darauf, dass ihr Bruder nicht schwul ist. Angeblich soll sie dabei nicht homophob sein, wirkt aber dennoch so. Die Instrumentalisierung der Homosexualität, die zeigen soll, dass mit Paul etwas nicht stimmt, ist eine wirklich unglückliche Wahl und hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Positiv sei noch die wundervolle Gestaltung des Hardcovers erwähnt. Script5 hat schon mit „Splitterherz“ einen optischen Hingucker hingelegt, aber „Scherbenmond“ sieht noch besser aus. Als Extra gibt es ein passend schwarzes Lesebändchen. Insgesamt ist dieser Roman sehr viel düsterer als sein Vorgänger und für Jugendliche nur noch eingeschränkt zu empfehlen. Es gibt doch ein paar sehr heftige Szenen, die mehr an Horror als an Fantasy erinnern. Daher dieses Mal auch die Zuordnung zu „Dark Fantasy“. Insbesondere die (Alp-)traumsequenzen sind faszinierend, aber schon schwierig bei den Übergängen zur Realität. Manchmal vermischt sich beides und wer nicht aufmerksam liest, wird sich ab und an fragen, was gerade passiert. Trotz vieler Kritikpunkte ist das Buch allen Lesern von „Splitterherz“ zu empfehlen und auch jenen, die über manche Schnitzer hinwegsehen können. Denn eines hat die Geschichte von Ellie und Colin: Das gewisse Etwas.


Fazit

„Scherbenmond“ ist wesentlich düsterer und dramatischer als sein Vorgänger. Man muss etwas Geduld mit Ellie haben und wird dafür mit einigen wundervollen Passagen belohnt. Dark Fantasy mit dem gewissen Etwas, das kleine Patzer verzeihen lässt.


Pro & Contra

+ Colin bleibt ein starker Charakter
+ Überraschungen im Storyverlauf
+ Momente der Nähe zwischen Colin und Ellie
+ düsterer als sein Vorgänger
+ gänzlich neues Setting

o Traumsequenzen vermischen sich mit der Realität

- Ellies irrationale Reaktionen
- Verwendung psychiatrischer Begriffe schwammig

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Rezension zu "Panthersommernächte"

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Interview mit Bettina Belitz (Oktober 2011)

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 17. Februar 2016
 

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