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Das leuchtende Mittelalter (Jaques Dalarun, Hrsg.)
Geschrieben von Lilach
Donnerstag, der 18. August 2011


Primus-Verlag
großformatiges Hardcover, Jubiläumsausgabe
302 Seiten, durchgehend Farbabbildungen, 24, 90 EUR
ISBN: 978-3-89678-748-4 

Genre: Sachbuch

Klappentext

„Wer wird, nachdem er diese Bilder gesehen und diese Texte gelesen hat, noch leugnen wollen, dass das Mittelalter außerordentlich kreativ, strahlend und farbenprächtig war?“ – Jaques Le Goff


Rezension

Das Mittelalter, jene ferne, rätselhafte, phantasieanregende Periode zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit, hat schon viele Beinamen gehabt. Häufig sind sie negativ besetzt, vor allem der wohl bekannteste, das „finstere“ Mittelalter. Er ist so weit verbreitet, dass er sich zu einem geflügelten Wort entwickelt hat, einem Synonym für alles Rückständige. „Wir sind doch nicht mehr im finsteren Mittelalter!“ Nach einem Abend mit Dalaruns Buch bereut man das.

Denn das Mittelalter, das er und die beteiligten Wissenschaftler uns präsentieren, ist alles andere als finster und rückständig. Es strahlt schon vom farbenfrohen Einband des Hardcovers und entfaltet seine ganze Pracht dann immer noch stärker, Seite für Seite, Druck um Druck. Aber es geht dem Herausgeber nicht allein um Optisches. In drei großen Kapiteln wird der Leser kundig, sachlich und immer gut lesbar eingeführt in die Geisteswelt des Mittelalters, in die Grundlagen unserer heutigen Kultur und Wissenschaft. Die herrlichen Abbildungen aus Stundenbüchern, Psaltern, Bibeln und anderen Quellen sind dabei mehr als bloßer Augenschmaus; sie veranschaulichen die Texte wunderbar passend und sind selbst noch einmal von kurzen Erklärungen begleitet.

Das Kapitel „Die Schöpfung“, mit Einzelbeiträgen von Dalché, Pastoureau und Lett, das den Text nach einem ausführlichen Vorwort eröffnet, zeichnet ein für heutige Leser gut fassbares Bild von Kosmos, Zeit und Raum in ihrer Beziehung zum Menschen, wie es sich dem mittelalterlichen Geist darstellte.Wir finden Beispiele für die Berechnung der Tierkreiszeichen, für Sonnenstunden und Mondphasen; für geographische Karten, Darstellungen der Planetenläufe, „Sphärenschichten“. Vieles, was fremd erscheint auf den ersten Blick, rückt durch die Texte näher und näher heran. Auch heute längst überwundene Vorstellungen, wie diejenige von der Erde als Mittelpunkt des Universums, werden nicht nur nachvollziehbar, sondern vor allem erkennbar als notwendige Grundlagen unserer heutigen Weltsicht.

In „Der Mensch und sein Schicksal“ (Mane, Boucheron und Russo) wendet das Buch sich dann dem mittelalterlichen „Mittelpunkt des Mittelpunkts“ zu, dem Menschen selbst und seinem vielfältigen Tun. Der Leser schaut Böttchern und Bauern über die Schulter, schlendert durch einen mittelalterlichen Garten, besucht Apotheker und Kaufleute. Aber das Buch weist auch auf die Bilder hin, die das Mittelalter selbst nie oder nur sehr selten zeigt: den Familienalltag nicht nur mit arbeitenden Erwachsenen, sondern mit Alten, Kindern und vor allem Frauen, deren Arbeit im Haushalt – oft ja nicht weniger aufreibend als das Beackern der Felder – in aller Regel nicht dargestellt wird. Dann löst sich der Text aus der Sphäre der arbeitenden Bevölkerung, verfolgt die Beziehung zwischen Macht und Büchern und führt ein in das mittelalterliche Verständnis der Herrschaft mit all ihren Abstufungen und Verwicklungen. Den Abschluss dieses Teils bilden die Wissenschaften des Mittelalters, bei denen vor allem ihre enge, über lange Zeit untrennbare, Verbindung mit Religion und Kirche nachgezeichnet wird. So erklärt sich die für uns heute eigenartig anmutende,so intensive und oft wutschnaubende Beschäftigung der kirchlichen Oberen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen in dieser Zeit. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass Vertiefung, Entwicklung und vor allem auch Vermittlung der Wissenschaften vor allem im Raum der Kirche betrieben und gefördert wurden.

Das letzte Kapitel, „Vom Himmel hoch“ (Heck, Boespflug), befasst sich mit den Illustrationen des Zentrums der mittelalterlichen Vorstellungswelt: mit dem Gott des Christentums, den Lehren der Bibel; mit den Bildern, die die Menschen sich von Engeln und Teufeln, vom Himmel und von der Verdammnis machten. Das allmähliche Auftauchen des Mysteriums der Dreifaltigkeit in den Darstellungen des 12. Jahrhunderts – von heutigen Christen als so grundlegend und selbstverständlich betrachtet – macht dabei besonders deutlich, dass vieles von dem, was heute als immer da gewesene, urzeitliche und unverrückbare Wahrheit erscheint, eine lange Entwicklung hinter sich hat. Diese Entwicklungen nahmen nicht im Mittelalter ihren Anfang, aber das Mittelalter wirkte in vielerlei Hinsicht prägend auf sie ein; und sie dauern heute noch an.

Im Anhang erfährt der Leser zusätzlich noch sehr Wissenswertes zu mittelalterlichen Büchern allgemein.

Das Buch eignet sich wunderbar für verschiedene Zwecke: als coffeetable book zum immer neuen Herumstöbern und –blättern, aber auch genauso als wissenschaftliches und trotzdem allgemein verständliches Nachschlagewerk zu mittelalterlichen Vorstellungen und Begriffen, wobei hier allerdings ein Schlagwortverzeichnis nützlich gewesen wäre. Vor allem ist es für all jene, die sich mit dem Mittelalter befassen, auf welche Weise und mit welchem Interesse auch immer, eine sprudelnde, betörende Quelle von Inspiration.

Die kleinen Mängel, die sich feststellen lassen, liegen im rein technischen Bereich. Die Drucke hätten eventuell noch ein wenig leuchtender in den Farben ausfallen können, wobei das sicherlich vom gewählten Druckverfahren abhängig ist. Das Papier hat einen recht unangenehmen Eigengeruch, der auch nicht so schnell verfliegt. Und die Schrift im Fließtext ist deutlich zu klein gesetzt, was das Lesen über längere Zeit etwas anstrengend macht.


Fazit

„Das leuchtende Mittelalter“ ist ein wunderbares Buch für interessierte Laien, die sich nicht mit mittelalterlichen Stereotypen zufrieden geben wollen. Die herrlichen Abbildungen laden zum Versinken in fernen Gedankenwelten ein, die sehr gut lesbaren Texte liefern einen wissenschaftlich fundierten Unterbau dazu. Ein Buch, das begeistert, über viele Schmöker-Abende hinweg.


Pro
+ wunderbar anzusehen
+ wissenschaftlich fundiert und trotzdem allgemeinverständlich
+ inhaltlich sehr gut lesbar
+ einleuchtend aufgebaut

Kontra
- zu geringe Schriftgröße
- Farben wirken manchmal, insbesondere angesichts des Buchtitels, nicht ganz „leuchtend“ genug
- fehlendes Schlagwortverzeichnis

Wertung:

Inhalt: 5/5
Aktualität: 5/5
Verständlichkeit: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 18. August 2011
 

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