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Wenn Irre Irrenärzte werden - Hinter den Kulissen der Psychotherapie (Ulrich Buchner)
Geschrieben von Angelika
Mittwoch, der 11. April 2012

Gütersloher Verlagshaus (Januar 2012)
192 Seiten; 16,99 Euro
ISBN: 978-3579066950

Genre: Sachbuch


Inhalt

Psychologen mit und ohne Diplom, Psychiater, Psychoanalytiker, Ärzte mit Zusatzausbildung, Berater – ganz schön viele Namen für ein und dasselbe. Oder doch nicht dasselbe? Welcher Therapeut darf was, wann und wo tun? Welche Therapieform ist sinnvoll für mich? Und wer übernimmt die Kosten? Wer in Deutschland eine Therapie beginnen möchte, steht vor vielen Fragezeichen. Ulrich Buchner windet sich durch die Bürokratie, beleuchtet Theorien und Methoden der großen Urväter und ihrer Nachfahren und verhilft zu einem Überblick über das tückische System Psychotherapie. Das Ergebnis ist unterhaltsam und schockierend zugleich. Denn mal ehrlich: ABC-Methode? Orgon-Energie? Quantenheilung?

Wer ist hier eigentlich irre?!


Rezension

Ulrich Buchner will aufklären und sich sowie seine Leser fragen: Kann eine Heilmethode eigentlich eine sein, wenn sie doch nichts hilft, außer den bloßen Anschein von Besserung zu erwecken? Wie soll man sich im Therapeuten-Dschungel eigentlich zu Recht finden? Warum fühlt sich ein Psychotherapeut von seiner eigenen Behandlung bedroht? Was lässt sich am bestehenden System verbessern und wer, zum Teufel nochmal, ist hier eigentlich verrückt? Gute Ausgangspunkte für ein Sachbuch, das schon mit seinem Titel „Wenn Irre Irrenärzte werden – Hinter den Kulissen der Psychotherapie“ einen absichtlichen Mangel an Ernsthaftigkeit, oder aber reißerischen Willen, beweist. Doch bevor auf einzelne Punkte eingegangen werden kann, stellt sich der Leser einer ganz anderen Palette ebenso interessanter Fragen. Unter anderem: Wer ist Ulrich Buchner überhaupt? Warum lästert er über „Irrenärzte“? Wie steht er zum Thema Therapeut- und Patientenbeziehung? Und warum schreibt er ein solches Buch?

>> Im Jahr 1968 veröffentlichte der französische Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre einen Tonbandmitschnitt, der ihm kurz zuvor zugestellt worden war. Ein junger Mann, der sich seit seinem 14. Lebensjahr einer psychoanalytischen Behandlung unterzogen und diese mit 28 Jahren mangels Erfolg beendet hatte, tauchte drei Jahre später mit einem Tonband „bewaffnet“ bei seinem ehemaligen Psychoanalytiker auf und drehte den analytischen Prozess einfach um! Dieser Dialog endete damit, dass sich der Psychoanalytiker nicht nur psychisch, sondern auch physisch bedroht fühlte. Er warf seinem ehemaligen Klienten immer wieder vor, dass der ihm Gewalt antun wolle, dabei wollte dieser doch nur reden. Die Aufnahme endete damit, dass der Psychoanalytiker die Polizei rief … <<

Ulrich Buchner ist Diplompsychologe. Er studierte Psychologie, Philosophie sowie Pädagogik, führte eine freie psychologische Praxis, übte diverse Tätigkeiten in der Filmbranche aus und bietet seit 2007 psychologische Beratung, Therapie und Coaching an. Patienten kennt er in seinem Sprechzimmer nicht, denn er bevorzugt den Begriff „Klienten“. In seinem sehr flüssig verfassten Ratgeber widmet er sich den Rahmenbedingungen der Psychotherapie, verschiedenen Berufsbezeichnungen, Therapieformen, Vorteilen- und Nachteilen von Kassenbehandlungen, ersten Therapieeinblicken und natürlich auch diversen kleinen, psychologischen Alltagstipps. Wer sich abseits solcher Themen noch heitere Anekdoten erwartet (wie der Titelzusatz durchaus suggerieren könnte), ist hier allerdings fehl am Platz. Denn egal wie salopp Aufhänger und Inhalt beschrieben sein mögen, so weiß Ulrich Buchner vor allem über die Begründer der Psychologie, die gleich zu Beginn einzeln und informativ portraitiert werden, immer wieder Belächelnswertes zu erzählen. Unter anderem geraten hierbei Sigmund Freud, Alfred Adler, Carl Gustav Jung und Otto Friedemann Kernberg in seine bleihaltige Schusslinie. Für Einsteiger und leidenschaftliche Sichtweisenforscher sicherlich lesenswert. Ebenso interessant: Ulrich Buchner weiß sich weder für eine Vielzahl alter Betrachtungsweisen, noch für das Wörtchen „Unterbewusstsein“ zu erwärmen. In Anlehnung an J. P. Sartre sollte viel mehr von vier Arten bzw. Ebenen gesprochen werden: das setzende-reflexive Bewusstsein, das nicht-setzende-reflexive Bewusstsein, das setzende-unreflektierte Bewusstsein und das nicht-setzende-unreflektierte Bewusstsein. Klingt kompliziert, ist es aber (angeblich) nicht. Schon eher willkommen ist dem Leser das darauffolgende Beschreiben gängiger Therapiearten. Nicht nur einmal markiert man sich gewisse Textteile, genießt einzelne Zusammenfassungen oder ist dankbar für bestimmte Praxistipps zur Suche eines passenden Therapeuten. Der Respekt des Autors vor seinen „Klienten“ lässt ihn zudem mehr und mehr sympathisch werden. Ulrich Buchner unterhält in jedem Fall, egal wie man zu seiner Grundhaltung auch stehen mag. „Herr und Knecht – Das therapeutische Setting“ oder „Achtung Psychotherapie! – Wie Klienten zu Objekten werden“ zeigen seine Vorbehalte überdeutlich. Leser, die sich davon nicht abschrecken lassen und sich vor Beginn einer Therapie informieren mögen, sind nach dieser Lektüre sicherlich erst einmal mit einer, gesunden oder aber auch bedenklichen Skepsis gerüstet und werden mit Sicherheit ihr eventuell zukünftiges, psychoanalytisches Gegenüber vielfach hinterfragen.

Denn glaubt man Ulrich Buchner stark verallgemeinertem (Zerr-)Bild, so zielt eine Vielzahl von „Irrenärzte“ darauf ab, den Patienten als Objekt zu unterdrücken. Er hingegen bevorzugt den Ausdruck „therapeutische, bezahlte Freundschaft“ und steht demnach „den Klienten eher beratend bei“. Gerade diese Schwarz- und Weißmalerei kann dem Leser ab und an äußerst bitter aufstoßen. Abschließend bessert Ulrich Buchner sein Sachbuch mit interessanten Tipps zur Erhaltung der eigenen, psychologischen Gesundheit auf. Ein Teil, der, ebenso wie die Ausführungen bestimmter Therapien, hätte länger sein dürfen und sich, ohne Wenn und Aber, für die angestrebte Zielgruppe richtig lohnt.


Fazit

„Wenn Irre Irrenärzte werden – Hinter den Kulissen der Psychotherapie“ von Ulrich Buchner ist provokant geschrieben, entbehrt aber nicht den notwendigen, interessanten Kapiteln für Neueinsteiger in diesen Bereich. Wer sich informieren möchte über Therapieformen, Psychotherapeuten sowie über die Tücken, die eine Behandlung mit sich bringen kann, ist mit diesem Sachbuch sicherlich gut beraten, sollte aber die Präsentationsart berücksichtigen und gewisse Themen unbedingt eigens hinterfragen.


Pro und Kontra

+ ein Plädoyer für mehr Selbstständigkeit der „Klienten“
+ verschafft einen guten Erstüberblick über Möglichkeiten
+ ein Blick „hinter die (geschichtlichen) Kulissen“
+ allgemein gute Tipps

o unsachlich aber gewitzt und damit unterhaltsam

- sehr verallgemeinernd
- voreingenommener Autor
- Mangel an Ausführlichkeit
- Schwarz- und Weißmalerei

Wertung:

Informationsgehalt: 4 / 5
Sachlichkeit: 2 / 5
Verständlichkeit: 4,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 3,5 / 5

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 11. April 2012
 

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