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Die wilden Piroggenpiraten (Maris Putninš)
Geschrieben von Lilach
Donnerstag, der 21. Juni 2012


Fischer Schatzinsel
Hardcover mit Illustrationen
656 Seiten; 14,99 EUR
ISBN: 978-3-596-85452-3 

Genre: Kinderbuch

Klappentext

Einer für alle, alle für eine.

Eine süße Mohnschnecke an Bord eines Piratenschiffs, eine wilde Pirogge im Kloster, ein Hörnchen im Kerker, ein Eclair, das Schiffbruch erleidet – es wird wild gekämpft, es rieseln die Füllungen, und der Schlachtruf lautet: „Macht sie zu Semmelbröseln!“


Rezension

Die „wilden Piroggenpiraten“ sind tatsächlich das, was ihr Name besagt: Piroggen, kleine Gebäckstücke mit unterschiedlicher Füllung, in der osteuropäischen Küche sehr beliebt. Und auch die „süße Mohnschnecke“ ist nicht etwa ein leicht missglückter Kosename für ein hübsches Mädchen (obwohl sie das natürlich, auf Gebäckart eben, trotzdem ist). Sämtliche Helden und Schurken dieses Kinder-Abenteuerromans stammen aus der Backstube; kein Wunder also, dass ihr liebster Fluch „Beim großen Konditor!“ lautet. Eine ungewöhnliche, herrlich verrückte Idee, die der Autor bis in die Details hinein fortsetzt – und die beim Lesen großen Spaß macht.

Die süße Mohnschnecke Eloise wird bei einer Bootsspazierfahrt von Piroggenpiraten auf der „Speckkugel“ entführt. Ihr Möchtegern-Kavalier Eclair, eben neu im Mohnladen von Vater Mohnstrudel eingestellt, wird aus dem Geschäft davongejagt, weil er sie nicht beschützen konnte. Er flieht in ein kleines, armseliges Pelmendorf und schmiedet dort gemeinsam mit neuen Freunden einen tollkühnen Plan, Mohnschneckes Entführer zu verfolgen und sie zurückzugewinnen. Aber da ist noch ein anderer, der sich dasselbe Ziel gesteckt hat: Artur Weißbrot, genannt Hörnchen, ein ziemlich wehleidiges und egoistisches Gebäck, das bei dem Überfall dabei war und das vor allem die Aussicht auf die Belohnung lockt, die Vater Mohnstrudel in Aussicht gestellt hat …

Was folgt, ist eine bunte Abenteuerfahrt über wilde Meere und durch gefährliche Buchten, wo es überall von seltsamen Gestalten aus Teig, Zimt und Zucker (und anderen Lebensmitteln) nur so wimmelt. Der Leser begleitet dabei nicht nur die rettungswilligen Verfolger, sondern ist auch immer wieder auf der „Speckkugel“ zu Gast, wo Mohnschnecke ihre Entführer gehörig durcheinander wirbelt und aus Feinden bald Freunde werden. Die Geschichte steckt voller spannender, lustiger, überraschender Einfälle (eine gröhlende Wurstmenge ist doch wirklich ein herrliches Bild) und macht so, trotz kindgerechter Schlichtheit, auch erwachsenen Lesern Vergnügen.

Dazu sind die einzelnen, immer nur wenige Seiten langen Kapitel am Anfang jeweils mit kleinen Illustrationen von Karsten Teich verziert. Sie sind hübsch gemacht, allerdings liegt hier auch einer der wenigen Kritikpunkte des Buchs: Die Figuren, die sie abbilden, haben mit Gebäckstücken meistens nicht viel gemein. Es sind einfach kinderbuch-gemäße Zeichnungen von Personen, die etwas seltsam zurechtgemacht werden. Nur gelegentlich, wie bei einer Illustration zu „Zwieback“, wurde wirklich ernsthaft versucht, der skurrilen Grundidee des Textes zu entsprechen. Das ist erstens sehr schade und führt zweitens vermutlich bei manchem kindlichen Leser zu Verwirrungen; vor allem auch deshalb, weil viele Kinder in Deutschland vermutlich gar nicht wissen, was zum Beispiel Piroggen eigentlich sind. Dem Autor und der Geschichte selbst ist es aber nicht anzukreiden.

Inhaltlich muss allerdings bemängelt werden, dass der Autor dazu neigt, Fremde stereotyp darzustellen und lächerlich zu machen. Es ist natürlich für Kinder sehr lustig, wenn die Piroggen aus „Tai-Wan-Tan“ safrangelb und heimtückisch sind und eine so seltsame Sprache sprechen, dass sie sich selbst untereinander nicht verstehen; oder wenn die Piroggen aus „Sibeerien“ bettelarm und hungrig sind, Zobelmützen tragen und ununterbrochen fluchen. Das ist aber nicht unbedingt die Art von Humor, die bei Kindern gefördert werden sollte.

Eine hübsche Idee des Verlags ist die Angabe einer Website, auf der man die Rezepte findet, um die Helden des Buchs nachbacken zu können. Insgesamt ist das Buch sehr schön gemacht, auf dickem Papier gedruckt und mit ordentlich haltbarem Einband, so dass es auch den Schulranzen einigermaßen unbeschadet überstehen dürfte. Obwohl es dafür mit über 650 Seiten eigentlich schon fast zu schwer ist. Das einzige, was fehlt – das ist aber bei Kinderbüchern häufig der Fall – ist eine Altersempfehlung. Nach Sprache und inhaltlichem Anspruch könnte man sich vorstellen, dass Kinder ab etwa 9 Jahren gut mit der Geschichte zurechtkommen würden.


Fazit

„Die wilden Piroggenpiraten“ von Maris Putninš ist ein großer Abenteuerspaß für Kinder, mit Helden aus Gebäck und Dutzenden weiterer skurriler Einfälle. Das Buch ist schön ausgestattet und ordentlich dick, die Geschichte aber in viele kleine Kapitel gegliedert, die auch für Kinder gut zu schaffen sind. Also dann: „Macht sie zu Semmelbröseln!“


Pro und Kontra

+ verrückte Grundidee, die detailliert umgesetzt wird und gut funktioniert
+ hübsch geschrieben und gut übersetzt
+ spannend
+ lustig
+ schön ausgestattet

- Illustrationen passen oft nicht gut zu den Charakteren

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Sprache: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 5/5

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 21. Juni 2012
 

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