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All eye cats (Christian Damerow)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 10. August 2012

AAVAA (Februar 2012)
Taschenbuch, 207 Seiten, 11,95 EUR
ISBN Standard-Format: 978-3-8459-0036-0
ISBN Sonderformat Großschrift: 978-3-8459-0037-7

Genre: Belletristik / Philosophie / Phantastik


Klappentext

Nächte können tagelang dauern. Jahrelang. Manchmal dauern sie ein ganzes Leben. Es fällt dir nicht auf. Jeden Morgen klingelt der Wecker, du ziehst die Vorhänge zurück und denkst: „Ein neuer Tag“, doch Irrtum; es ist noch Nacht; die Augen sind offen, doch du schläfst. Und es ist nicht nur Schlaf. Es ist ein Traum. Und dieser Traum ist voller Fehler.


Rezension

Sibylle führt ein geordnetes, normales Leben – bis es Nacht wird und sie dieses Leben im Alkoholrausch zertanzt. Zusammenbrüche, wirres Gemurmel und Freunde, die an ihrem Bett sitzen, sie abduschen, wenn sie sich vollgekotzt hat. Währenddessen gehen eine Bank und ein einfaches Familienhaus in Flammen auf, ein Drogensüchtiger schubst ein Mädchen vor die U-Bahn und so mancher sieht einen Sinn darin, von einem Dach in einen Container voller Müllsäcke zu springen. Andere zweifeln einfach nur am Sinn ihres Lebens, treiben haltlos durch die Stadt und sehen Sibylle, wie sie tanzt und sich vollkommen daneben benimmt. Zwischen all den nächtlichen Episoden ist Sibylle das verbindende Element, die Frau, die viele Schicksale miteinander verbindet, der sich alle anvertrauen und die doch niemand zu kennen scheint …

Worum es wirklich in „All eye cats“ geht, ist schwer zu sagen. Zu Beginn mutet der Roman wie eine Ansammlung nächtlicher Erlebnisse an, die nicht viel miteinander zu tun haben. Es geht um Trinker, Junkies, Verzweifelte und schlichtweg im Alltagstrott Erstickte. Erst nach und nach offenbaren sich filigrane Fäden, die alle Geschichten in diesem Buch zusammenhalten. Die Schicksale der Charaktere scheinen auf mysteriöse Weise verbunden zu sein und was zu Beginn wie reine Großstadtphilosophie anmutet, offenbart sich als phantastische Reise. Nur was uns der Autor Christian Damerow mitteilen will, muss jeder für sich selbst herausfinden. Man kann diesen Roman von außen betrachten und sich über die Seltsamkeiten wundern, die nächtlichen Episoden als nette Unterhaltung sehen und seine Freude am kreativen Schreibstil haben. Man kann sich aber auch an einem einzigen Satz aufhängen und darüber tagelang grübeln.

Man merkt „All eye cats“ an, dass Christian Damerow Philosophie studiert. Viele Gedankengänge sind schwer nachzuvollziehen, manche so verworren, dass man als Leser dem Geschehen recht hilflos gegenübersteht. Aber was will man auch erwarten von Protagonisten, die ohne ihre Droge keinen klaren Gedanken fassen können? Denen einfach vier Wochen ihres Lebens fehlen? Die die meiste Zeit stumm am Krankenbett ihrer komatösen Schwester sitzen? Die Charaktere dieses Romans sind allesamt schwierig. Sie stecken in einer Lebenskrise, leiden an Depressionen oder schlichtweg an Langeweile, manche scheinen gänzlich verrückt zu sein. Und trotzdem liegt in ihren Worten eine gewisse Wahrheit – und Hoffnung. Eine verquere Hoffnung, die sich zwischen Wahnsinn und Verwirrung versteckt. Vielleicht ergibt auch nichts in diesem Buch einen wirklichen Sinn. Es ist eben Nacht. „All eyes cats“ handelt von Momenten, in denen man das Gefühl hat, die Nacht würde niemals enden. In denen man übermüdet mit einem Freund zusammensitzt und über den Sinn des Lebens grübelt und groteske Ideen spinnt. In denen man an einer Stadt baut, die schließlich von alleine wächst.

Einem Genre zuordnen lässt sich der Roman schwer. Am ehesten lässt er sich mit den I-Pop-Werken aus dem UBooks-Verlag vergleichen. „All eye cats“ ist eigenwillig, zu Beginn ein Rausch- und Katererlebnis, gegen Ende zunehmend philosophischer und phantastischer. Das Verständnis wird zusätzlich durch die wechselnden Ich-Erzähler erschwert – man muss sich in jedem Kapitel neu orientieren, um wen es eigentlich geht. Umso spannender ist es allerdings, herauszufinden, welchen der anderen bisher aufgetretenen Charaktere der neue Protagonist kennt und wie sich die Schicksalsfäden miteinander verweben. Christian Damerow schachtelt die Geschichte sehr geschickt ineinander, was das Ganze zu einem interessanten aber auch schwierigen Lesegenuss macht. Ein bisschen eigene Gedanken muss man da schon investieren, sonst ist man verloren. Neben Sibylle sind die verbindenden Elemente Drogen und Feuer. Menschen zünden ihre Häuser an – das Warum erfährt man jedoch nicht.

Von der ersten bis zur letzten Seite grübelt man über den Sinn der Geschichte, wartet auf die große Auflösung am Ende. Doch dort wartet nur ein phantastisches, höchst seltsames Kapitel, das mehr Fragen aufwirft als es beantwortet. Letztlich ist der Sinn der Geschichte die Geschichte selbst. Das, was die Charaktere sagen, wie sie leben, was sie denken und wie sie handeln. Einerseits befindet man sich permanent in Ausnahmesituationen, andererseits spiegelt sich in „All eye cats“ der ganz alltägliche Wahnsinn der Großstädte. Auch wenn so mancher Charakter verrückt oder fernab von Gut und Böse erscheint, so sind es doch eigentlich überwiegend ganz normale Menschen. Viele von ihnen kommen in Berührung mit einer Truhe, in der ein Geheimnis versteckt ist – über das uns der Autor ebenfalls nicht aufklärt. Der Roman besitzt viele Blickwinkel und noch mehr Deutungsmöglichkeiten, die vom Leser verlangen, zwischen den Zeilen etwas zu erkennen. Man muss als Leser Freude daran mitbringen, sich den Kopf über einzelne Sätze zu zerbrechen und bizarre Szenen auf sich wirken zu lassen.

Wer „All eyes cats“ gerne unterwegs lesen möchte, wird schnell merken, dass das Buch nach ein paar Tagen im Rucksack oder der Handtasche ziemlich zerlesen aussieht. Die Aufmachung ist schlicht und ansprechend, aber die Qualität des Taschenbuchs selbst leider nicht besonders gut. Allerdings kommt es auf den Inhalt an und der kann durchaus überzeugen – wenn man es gerne ungewöhnlich, surreal und verkopft mag.


Fazit

„All eye cats“ handelt von nächtlichen Eskapaden, Wahnsinn und Sinnfragen, verbunden im Drogenrausch und phantastischen Träumen. Ein schwieriger, aber äußerst interessanter Roman, der all jenen ans Herz gelegt sei, die es verquer und seltsam mögen und dabei zwischen die Zeilen blicken können.


Pro & Contra

+ geschickte Verknüpfung der Einzelepisoden
+ kreativer Schreibstil
+ außergewöhnliche und gleichzeitig ganz normale Charaktere
+ viel Raum für eigene Gedanken
+ philosophische und phantastische Elemente

o nicht für jedermanns Geschmack

- teilweise verwirrend (vor allem in der zweiten Hälfte)

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5


Interview mit Christian Damerow (August 2012)

Rezension zu "Des Schrecklichen Anfang"

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 03. September 2014
 

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