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Chronik des Cthulhu-Mythos I (H. P. Lovecraft)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 07. Dezember 2012

Festa-Verlag (Oktober 2011)
Paperback, Umschlag in Festa-Lederoptik
512 Seiten, 13,95 EUR
ISBN: 978-3-86552-144-6

Genre: Horror


Klappentext

Diese Chronik in zwei Bänden vereint erstmals die vollständigen Werke Lovecrafts zum Cthulhu-Mythos – neben allen Kurzgeschichten auch seine berühmten Novellen. Mit einem Vorwort und ausführlichen Erläuterungen von Deutschlands führendem Lovecraft-Experten Marco Frenschkowski.

Geschichten Band 1: „Dagon“, „Nyarlathotep“, „Stadt ohne Namen“, „Die Musik des Erich Zann“, „Das Fest“, „Der Ruf des Cthulhu“, „Die Farbe aus dem All“, „Geschichte des Necronomicons“, „Der Fall Charles Dexter Ward“, „Das Grauen von Dunwich“ und „Der Flüsterer im Dunkeln“.


Rezension

Neben Edgar Allan Poe gilt insbesondere H .P. Lovecraft als Meister des klassischen Horrors. Mit dem Cthulhu-Mythos hat er eine eigene, unheimliche Legende um feindselige Götter und die Großen Alten erschaffen, die bis heute andere Künstler inspirieren und viele Leser faszinieren. Doch Lovecraft ist keine Lektüre für Zwischendurch und entspricht auch nicht typischen Horrorklischees. Großes Blutvergießen und massenweise monströse Kreaturen sucht man hier vergebens. Lovecraft geht viel subtiler vor, lässt das Grauen aus bösen Vorahnungen und den Irrungen der menschlichen Psyche entstehen. Doch der Horror besteht nicht nur aus Hirngespinsten, denn es gab sie tatsächlich: die Großen Alten, die lange vor dem Morgen der Menschheit über die Erde herrschten und grauenhafte Kreaturen hervorgebracht haben. Auf alle Geschichten einzugehen, würde den Rahmen des Rezension sprengen, daher werden nur drei ausgewählte Werke angesprochen, die beispielshaft für die anderen Geschichten stehen.

Wer sich mit dem Cthulhu-Mythos beschäftigen möchte, kommt um die namensgebende Kurzgeschichte „Der Ruf des Cthulhu“ nicht herum. Cthulhu ist ein schrecklicher Gott, eine außerirdische Wesenheit, die am Grund des Ozeans in der Stadt R’lyeh träumend ruht. Die Geschichte beginnt mit einem Todesfall: Der Neffe des Verstorbenen entdeckt in dessen Nachlass Aufzeichnungen über merkwürdige Träume und stößt bald auf den grausamen Cthulhu-Kult. Was der Protagonist zunächst als unmöglich ablehnt, stellt sich nach und nach als wahnsinnige Realität heraus – bis der Leser schließlich Bekanntschaft mit Cthulhu selbst macht. „Der Ruf des Cthulhu“ gehört zu jenen Werken des Mythos, in denen man einer dieser uralten Kreaturen tatsächlich begegnet.

„Die Musik des Erich Zann“ illustriert auf eindrucksvolle Weise, wie subtil Lovecrafts Horror wirkt. Oberflächlich betrachtet geht es in der Geschichte um einen alten und offenbar dem Wahnsinn verfallenen Musiker, der seiner Geige bizarre aber ebenso eindrucksvolle Töne entlockt. Der Protagonist dieser Geschichte wird Zeuge dieser widernatürlichen Musik und ist fasziniert davon. Doch bis kurz vor Ende kann er sie mit keinem grauenhaften Phänomen zusammenbringen. Trotzdem ist „Die Musik der Erich Zann“ eine der unheimlichsten Geschichten Lovecrafts mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Das Grauenhafte versteckt sich in den bildhaften Beschreibungen, in der Interaktion zwischen dem Erzähler und dem alten Geiger. Lovecraft lässt stets viel Spielraum für eigene Ideen – und die eigene Phantasie denkt sich schreckliche Erklärungen aus.

„Stadt ohne Namen“ beeindruckt im Hinblick auf einen von Lovecrafts größten Kurzromanen, „Die Berge des Wahnsinns“ (enthalten in Band 2). Das Setting ist gänzlich anders und doch erkennt man einige Parallelen in dieser Kurzgeschichte: Der Protagonist ist in der arabischen Wüste auf die Stadt ohne Namen gestoßen, die vor jeglicher menschlicher Zivilisation erbaut wurde und von der die Einheimischen nur grauenhafte Geschichten flüstern. Die wissenschaftliche Neugier treibt den Erzähler jedoch in die Ruinen, deren Größenverhältnisse nicht zu menschlichen Bewohnern passen wollen. In den alten Tempeln der namenlosen Stadt entdeckt er grauenhafte Mumien, die jeder beschriebenen Art spotten. Auch die „Stadt ohne Namen“ zeigt wunderbar den subtilen Horror Lovecrafts, der seine Macht aus der Vergänglichkeit und Wertlosigkeit des menschlichen Daseins zieht.

Zwar hat jede Geschichte in diesem Band ihr eigenes Setting und neue Figuren, doch eines ist allen gemein: der schleichende Horror und das Traumhafte. Lovecrafts Geschichten scheinen aus Alpträumen gesponnen zu sein und tatsächlich findet man in den Anmerkungen Frenschkowskis Hinweise auf Träume, aus denen Lovecraft seine Inspiration zog. Im Cthulhu-Mythos drehen sich die Geschichte allesamt um außerirdische Phänomene und schrecklichen Kreaturen aus dem All, die man jedoch kaum mit modernen „Aliens“ vergleichen kann. Lovecraft beschreibt sie einerseits detailliert und andererseits so vage, dass man sich kaum ein richtiges Bild machen kann. Die eigene Phantasie spinnt sich etwas Abartiges zusammen und daraus ziehen Lovecrafts Geschichten ihre Kraft: mit seinem subtilen und bildhaften Schreibstil, mit vielen Andeutungen und kleinen grausamen Details spricht Lovecraft die Gedankenwelt des Lesers an. Und deswegen wirken seine Geschichten auch nach dem Lesen nach.

Allerdings muss man bedenken, dass diese Werke Anfang des letzten Jahrhunderts verfasst wurden und den Umstände der damaligen Zeit berücksichtigen. Doch auch ohne diesen Kontext lässt sich Lovecraft heute noch wunderbar lesen. Aufmerksame Leser werden zudem wiederkehrende Motive entdecken, wie die scheinbare Existenz des Necronomicons – ein Buch, in dem die Geheimnisse der alten schrecklichen Götter enthalten sein sollen. Was genau in diesem Buch steht, erfährt der Leser nicht. Wer in diesem Buch gelesen hat, dessen Seelenheil ist verloren. Auch der Ort Arkham spielt eine große Rolle im Mythos und darüber hinaus gibt es viele kleine Verbindungen zwischen den einzelnen Geschichten, die entdeckt werden wollen.

Die Sammelausgaben „Chronik des Cthulhu-Mythos“ sind vor allem für Lovecraft-Neulinge geeignet. Sie umfassen die gesammelten Werke zum Mythos und enthalten passende Erläuterungen, die auf die Geschichten einstimmen und das Verständnis unterstützen, ohne zu viel zu verraten. Auch lernt man in diesen einleitenden Worten den Menschen Lovecraft besser kennen. Marco Frenschkowski gelingt es, seine Erläuterung wohl zu portionieren, sodass ausreichend Informationen geliefert werden, aber die Texte auch nicht so lange geraten, dass man sie vor den Geschichten überspringt. Sehr schön ist auch die „Geschichte des Necronomicons“ zu lesen, ein kurzer Abriss über wichtige Daten, die mit dem mysteriösen Buch in Zusammenhang stehen.


Fazit

„Chronik des Cthulhu-Mythos“ eignet sich vor allem für Neuentdecker Lovecrafts, die sich speziell mit dem Mythos beschäftigen wollen. Die günstige Sammelausgabe bietet eine ansprechende Übersetzung und gelungene Erläuterungen, die das Leseerlebnis vertiefen. Wer einmal in den Cthulhu-Mythos eintaucht, wird sich seinem unheimlichen Sog nicht mehr entziehen können.


Pro & Contra

+ klassische Horrorliteratur vom Feinsten
+ unheimlich-kreativ
+ faszinierende Ideen
+ Verknüpfungen zwischen den Werken
+ auch heute noch gut lesbar
+ günstige und schön gestaltete Ausgabe

Wertung:

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Gestaltung: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


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Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 16. April 2015
 

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