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Homeless – Mein Weg zurück ins Leben (Brianna Karp)
Geschrieben von Jessica
Sonntag, der 19. Mai 2013

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Mira Taschenbuch, 1. Auflage Oktober 2012
Originaltitel: A Girl’s Guide to Homelessness
Aus dem Amerikanischen von Ivonne Senn
Klappenbroschur, 384 Seiten
12,99 EUR [D] | 13,40 EUR [AT] | 20,50 sFr [CH]
ISBN: 978-3-86278-469-1
Leseprobe

Genre: Biografie


Klappentext:

„Das sind alles Faulpelze. Zu faul, um sich Arbeit zu suchen. Sieh sie nicht an, sprich nicht mit ihnen und gib ihnen nichts. Die Hälfte von ihnen ist gar nicht wirklich obdachlos, weißt du. Sie tun nur so, um Geld zu verdienen, ohne ernsthaft arbeiten zu müssen.“

Mit diesen Worten ihrer Mutter wurde Brianna Karp groß. Mit diesen Worten – und mit den „zärtlichen Liebkosungen“ ihres Vaters, dem religiösen Fanatismus ihrer Großmutter, mit Schlägen, Wut und Enttäuschung.

Brianna schaffte es trotzdem, der familiären Hölle zu entkommen. Sie hatte früh gelernt zu überleben und auf eigenen Beinen zu stehen. Ihr Geld verdiente sie zunächst mit Gelegenheitsjobs, dann festangestellt als Bürokraft. Bis auch sie die Finanzkrise erwischte.

„Es war der 26. Februar 2009. Ich war obdachlos.“

Dies ist ihre Geschichte.


Rezension:

Ich hatte nie darüber nachgedacht, wie die Obdachlosen auf der Straße gelandet waren. Ich hatte nicht einmal daran gedacht zu fragen, warum ein fauler Mensch freiwillig so ein Leben wählen würde. Dabei schien es mir ein ziemlich hartes, beängstigendes, unsicheres Leben zu sein. Also die letzte Art von Leben, sie man sich aus Bequemlichkeit aussuchen würde.
Im Rückblick schämte ich mich für mich. Auf gewisse Weise war das hier meine Wiedergutmachung, meine Buße dafür, dass ich all die Jahre so selbstgerecht gewesen war.
(aus dem Prolog, Seite 12)


Eine junge Frau, die in der Finanzkrise erst ihren Job und dann ihr Haus verlor und gezwungen war, gemeinsam mit ihrem Hund auf einem Walmart-Parkplatz in einem Wohnmobil zu leben – in Homeless – Mein Weg zurück ins Leben erzählt Brianna Karp ihre ganz persönliche Geschichte, während sie quasi passiert. Heute ist sie Aushängeschild und Sprecherin der Obdachlosen in den USA (Quelle: hintere Innenklappe des Buches) und fand über ihren Blog, auf dem sie über ihre eigene Obdachlosigkeit berichtet und eine von wenigen Plattformen für den Austausch unter aktuellen und ehemaligen Betroffenen und Menschen, die helfen möchten, geschaffen hat, eine Möglichkeit, mit ihrer damaligen Situation umzugehen und so nicht den Verstand zu verlieren oder in ein noch tieferes Loch zu fallen. Doch Homeless – Mein Weg zurück ins Leben ist nicht nur ein weiterer Beweis dafür, dass Schreiben die Seele reinigt, sondern auch ein Zeugnis über die Tatsache, dass das Schicksal jeden treffen kann, egal in welcher Form. Denn nichts in Briannas Leben deutete darauf hin, dass sie jemals auf der Straße landen würde.

Ungeschönt und mit klaren Worten berichtet hier eine junge Frau vom Leben am Existenzminimum, von den Schwierigkeiten ohne festen Wohnsitz, von der mangelhaften Akzeptanz auf Grund von mangelhaftem Wissen und vom Umgang mit schmerzlichen Vorurteilen. Diese Buch ist jedoch keines, das auf die Tränendrüse drückt und damit den Wert der Geschichte erhöhen will – man merkt den Worten an, dass hier Wahrheit und auch Leidenschaft hinter dem Geschriebenen steht, dass die Autorin eine enorme Willensstärke und ein großes Durchhaltevermögen besitzt, aber auch in der Lage ist, in schwachen Momenten einfach schwach zu sein und anschließend wieder aufzustehen. Brianna Karp zeigt dem Leser, dass Obdachlosigkeit viele Gesichter haben kann und viele Stimmen hat, dass man nur mal hinhören und hinschauen muss, um die wirkliche Not der Menschen zu sehen. Tatsächlich geht man nach der Lektüre dieses biografischen Berichtes anders auf die Straße und tritt Menschen, die einen nach Geld fragen, anders gegenüber. Nicht allen, aber man lernt, Unterschiede zu erkennen und anhand dieser auch anders zu agieren. Es ist kein Buch, das zu einem besseren und aufgeschlosseneren Umgang miteinander aufruft, sondern erzählt einfach die Geschichte einer Frau, die fällt und fällt und fällt und trotzdem die schönen Seiten im Leben kennen lernt.

Denn Homeless – Mein Weg zurück ins Leben zielt nicht darauf ab, die Obdachlosen in eine Schublade zu stecken, sondern bringt den Leser vielmehr dazu, ebendieses Schubladendenken abzulegen und hinter die vermeintliche Verwahrlosung zu schauen. Die Autorin, die selbst unterschiedliche Erfahrungen gesammelt hat, macht deutlich, dass obdachlos nicht gleich verwahrlost und alkoholabhängig bedeutet und dass ein Obdachloser nicht auch Besitztümer haben kann. Kein Mensch wird als Obdachloser geboren und das Bild, das die Gesellschaft von dieser Gruppierung zeichnet, wird hier sehr stark kritisiert, aber auch korrigiert. Natürlich gilt auch hier kein allgemeiner Stempel, denn wie in allen Kreisen gibt es auch unter den Obdachlosen solche und solche. Brianna Karp bringt hier ein ernstes Thema auf den Tisch und zwingt den Leser, sich mit diesem auf vielschichtige Weise auseinander zu setzen. Es ist ein überaus lesenswerter Bericht, der erschreckt, aber auch Mut macht und beweist, dass es immer einen nächsten Tag gibt, der die Chance verdient, besser als der vergangene zu werden.


Fazit:

Homeless – Mein Weg zurück ins Leben erzählt die wahre Geschichte von Brianna Karp. Eindrucksvoll, aber ohne auf die Tränendrüse zu drücken berichtet die Autorin von ihrem Weg in die Obdachlosigkeit und wieder heraus – mit allen Hürden, Vorurteilen und schönen Momenten. Das lesenswerte Zeugnis einer jungen Frau, die es nie wirklich leicht hatte, und möglicherweise auch ein Buch, das es sich im Unterricht zu besprechen lohnt.


Wertung:
Von einer klassischen Bewertung wird an dieser Stelle abgesehen.

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 19. Mai 2013
 

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