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Im Haus des Hüters. Jugendjahre (Ngũgĩ wa Thiong’o)
Geschrieben von Almut
Sonntag, der 09. Juni 2013

im haus des hueters

A1 Verlag GmbH, 1. Auflage März 2013
Originaltitel: In the House of the Interpreter (2012)
Übersetzt von Thomas Brückner
Gebunden, 256 Seiten
€ 19,90 [D] | € 20,50 [A] | CHF 28,50
ISBN: 978-3-940666-35-2

Genre: Sachbuch / Autobiographie


Rezension

Ngũgĩ wa Thiong’o legt mit „Im Haus des Hüters. Jugendjahre“ sein zweites autobiografisches Buch nach „Träume in Zeiten des Krieges. Eine Kindheit“ vor. Das Buch behandelt die Zeit von 1955-1959 im von den Briten besetzten Kenia. Es ist gegliedert in fünf Kapitel mit Jahresangabe und einer Überschrift, die immer beginnt mit „Eine Geschichte von...“. Als Ngũgĩ nach Monaten von der Alliance High School nach Hause kommt, findet er sein Dorf zerstört vor, seine Familie und die anderen Bewohner wurden evakuiert. Ngũgĩ schreibt über „Churchills Konservative, die in Kenia Hitlers Konzentrationslager kopierten“. Eine zweite Form von Lager sind die Konzentrationsdörfer. Ein Dorf wird dem Erdboden gleichgemacht, die Bewohner werden in eine umzäunte Einrichtung mit Wachtürmen gebracht, in der die Grenze zwischen Dorf und Gefängnis verwischt. Ngũgĩ setzt sich 1956 mit dem Christentum auseinander, wundert sich darüber, dass Christus einfaches, klares Englisch gesprochen haben soll. Sein älterer Bruder Good Wallace kämpft auf Seiten der Mau-Mau-Guerilla dafür, dass die Briten aus Kenia verschwinden, während Ngũgĩ auf dem Schulhof in der britischen Hymne die Herrschaft der Queen besingt - einer der vielen kleinen Widersprüche, die neben all den großen das Leben bestimmen. Viel Raum widmet Ngũgĩ seinem Schulleiter Edward Carey Francis, den er fürchtet und verehrt. In der Schule gefällt ihm die Bibliothek am meisten. Anfangs liest er unterschiedslos, was ihm in die Hände gerät, darunter Edgar Wallace und H. Rider Haggard. Er liebt Sherlock Holmes und Shakespeare. An einer Shakespeare-Aufführung (Heinrich IV., 1. Teil) in der Schule nimmt er teil und schreibt eine autobiografische Kurzgeschichte für die Schulzeitung.

Die Schule ist für ihn ein Refugium, bietet Schutz vor den kriegerischen Auseinandersetzungen und vor der Willkür der Briten. Zweimal erfährt Ngũgĩ, dass seine Schuluniform ihn nicht immer schützt. Beim ersten Mal lernt er seinen Direktor von einer ungewohnten Seite kennen, als dieser britische Soldaten, die die Schuluniform nicht respektieren, als Halunken bezeichnet. Beim zweiten Mal kommt er ins Gefängnis.

Ngũgĩ beteiligt sich an einem Debattierclub der Alliance High School und erzählt eine Geschichte: „Jemand kommt in dein Haus. Er nimmt dir dein Land. Im Austausch gibt er dir einen Bleistift. Ist das ein gerechter Tausch? Mir wäre lieber, er behielte seinen Bleistift und ich mein Land.“ (S.118) Ngũgĩ wird später Schriftsteller und wendet den Bleistift gegen die Herrschenden.

Die politische Metapher von den Bluthunden wird schon früh eingeführt, scheint immer wieder durch, und wird im letzten Kapitel zum Hauptthema. Ngũgĩ, mittlerweile frisch zugelassener Student am Makerere University College, wird 1959 in einem durch Hass und Neid bestimmten Akt von einem schwarzen Polizisten verhaftet, von einem weißen Vorgesetzten wieder entlassen, weil dieser ihn von einem Hockeyturnier gegen seine Schule kennt, im letzten Moment durch das Einschreiten dessen, der ihn anfangs festgenommen hatte, eingesperrt und vor Gericht gestellt. Sein Bruder besucht ihn im Gefängnis. Das Buch endet mit Ngũgĩs Zugfahrt nach Uganda, wo er sein Studium aufnehmen wird.

Beim Lesen ergibt sich oft der Eindruck, Ngũgĩ habe nicht seine Jugendjahre aus der interpretierenden Sicht und gefiltert durch den Informationsstand des Erwachsenen beschrieben. Vielmehr scheint er sich viele Gedanken darüber gemacht zu haben, inwieweit er damals bestimmte Wahrnehmungen haben konnte oder nicht und daraus bestimmte Einsichten herleiten konnte. 


Fazit

Der bemerkenswerte kenianische Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong’o erzählt völlig unprätentiös über die Jahre, in denen er zum politischen Erwachsenen wurde. Er zeichnet den brutalen Weg Kenias in die Unabhängigkeit nach. Es sind fünf Jahre der parallelen politischen und intellektuellen Transformation. Die Autobiografie, die 2012 zu den Finalisten für den „The National Book Critics Circle Award“ gehörte, liefert ein komprimiertes und dabei sehr differenziertes Zeitbild.


Pro & Contra

+ Nicht nur eine Autobiografie, auch ein Buch über große historische Konflikte, die Zeit des Kolonialismus, die Kräfte, die das Afrika der Gegenwart mitgeformt haben
+ Ngũgĩ stellt Querverbindungen zwischen Erlebnissen in seiner Jugend und deren Spiegelung in seinem späteren Werk her

Wertung:  

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Leseertrag: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

Rezension zu "Verbrannte Blüten"

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 09. Juni 2013
 

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