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Narrenspiel (Franziska Steinhauer)
Geschrieben von Patricia
Sonntag, der 14. Juli 2013

narrenspiel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag Gmeiner, Februar 2007
3. Fall mit Peter Nachtigall
TB, 370 Seiten, € 9,90
ISBN 978-3899777178

Genre: Regionalkrimi


Klappentext

Nach dem Abpfiff eines Fußballspiels des heimischen FC Energie Cottbus bleibt ein Toter im Stadion zurück. Hans-Jürgen Mehring, Inhaber einer kleinen Spedition, wurde durch einen noch in der Wunde steckenden Vorbohrer tödlich verletzt. Bei der Obduktion wird zusätzlich eine Vergiftung festgestellt. Der Tod Mehrings wäre also nur eine Frage der Zeit gewesen. War der Mörder unter Zeitdruck geraten? Oder hatten es verschiedene Täter auf Mehring abgesehen? Und welche Rolle spielt die neuen Sekte »Mind Watchers«, die zum Zeitpunkt des Mordes vor dem Stadion gegen das Spiel demonstrierte? Fragen über Fragen und ein verzwickter Fall für Hauptkommissar Peter Nachtigall und sein Team.


Die Autorin

Franziska Steinhauer wurde 1962 in Freiburg geboren und lebt seit 1993 in Cottbus. Nach dem Abitur studierte sie Pädagogik mit den Schwerpunkten Psychologie und Philosophie. Vierzehn Jahre lang war sie an verschiedenen Schulen sowie in der Erwachsenenbildung tätig. Seit 2004 arbeitet sie als freie Autorin. Seit ihrem Studium beschäftigt sie sich mit frühkindlichen psychischen Traumata und psychopathologischen Entwicklungen. Ihre psychologisch fundierten und ausgefeilten Kriminalromane ermöglichen dem Leser tiefe Einblicke in pathologisches Denken und Agieren. Mit besonderem Geschick verknüpft sie dabei mörderisches Handeln, Lokalkolorit und Kritik an aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Franziska Steinhauer ist Mitglied der "Mörderischen Schwestern" sowie im "Syndikat", der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen und -autoren.


Rezension

Jürgen Mehring wird beim Fußballspiel erstochen, unbemerkt im Torjubel und von der Menge. Bei der Suche nach einem Motiv für den Täter blickt Peter Nachtigall in die Abgründe menschlichen Verhaltens, Motive finden sich zuhauf, man mag gar meinen, Jürgen Mehring ist der meist ungeliebteste Mensch überhaupt. In einem sind sich alle klar, die ihn kannten - er war ein Schwein. Aber durch akribische Ermittlungen schafft es das Team, die Täter einzugrenzen, bis es bei einem Konzert von Rosenstolz zu einem atemberaubenden Showdown kommt.

Sadismus, Psychoterror, Homosexualität - nur ein paar der Dinge, die Franziska Steinhauer in dem Buch unterbringt. Dazu noch die komische Sekte der Mind Watchers, die auf den Verzicht aller neuartigen Technologien pochen und von den Eltern fordern, sich wieder mehr mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen. Aber mal ganz ehrlich - will der Nachwuchs das überhaupt? Und wird er nicht eher zum Außenseiter, wenn er noch nicht mal ein Handy haben darf, von Gameboy und Spielekonsolen mal ganz abgesehen? Vorstöße dieser Art wird es wohl immer geben - aber zum Glück bleibt es doch immer noch in der Hand der Eltern, wieviel sie wirklich erlauben, Übertreibungen in dieser Hinsicht wird es auch immer geben. Genau wie das Gegenteil, komischerweise strebt selten jemand nach dem gesunden Mittelmass. Davon abgesehen ist Jürgen Mehring aber höchst unsympathisch, seine Familie verhält sich nicht gerade sehr kooperativ und macht sich höchst verdächtig. Zusätzlich ist sein Körper auch noch voll mit Rattengift, lange gelebt hätte er eh nicht mehr. Bei Rattengift denkt natürlich jeder sofort an die Ehefrau - die traditionelle Mordmethode. Aber ist das wirklich so einfach und offensichtlich?

Zudem geht es auch noch im Privatleben von Peter Nachtigall weiter, seine Exfrau steht auf einmal auf der Matte und benimmt sich ziemlich unverschämt, wobei seine derzeitige Freundin sehr abweisend reagiert. Diese Probleme überschatten auch noch den Fall, man merkt, dass Ermittler auch nur Menschen sind, deren Privatleben sich durchaus auf den Beruf auswirken kann. Die Lösung der Probleme wirkt dann doch etwas zu glatt und einfach.

Das Ende war gelungen und verständlich, allerdings hinterlässt es auch Zweifel an der Entscheidung Nachtigalls. Aber das muss jeder für sich selber entscheiden, ob er auch so gehandelt hätte. Die menschlichen Verstrickungen in dem Fall lassen keine einfache Lösung zu, trotzdem sollte das Gesetz gewahrt werden. Die Autorin hinterlässt nachhaltige Gedanken in den Köpfen der Leser, nicht immer ist alles schwarz oder weiß.


Fazit


Ein phantastisches Setting und die Leidensfähigkeit der menschlichen Psyche gibt Franziska Steinhauer in Narrenspiel die Möglichkeit, sich auf einer Spielwiese auszutoben, zu der man ihr gerne folgt. Das atemraubende Setting beim Showdown ist etwas ganz Besonderes in diesem dritten Fall um den Ermittler Peter Nachtigall.


Pro und Contra

+ atemberaubendes Setting
+ vielschichtige Charaktere
+ stimmige Atmosphäre
+ ausgewogene Mischung von Privatem und Beruflichem
+ die Mind Watchers regen zum Nachdenken an

- kleine Längen
- manchmal etwas wirr

Wertung sterne3

Handlung: 3/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 15. Juli 2013
 

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