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Joyland (Stephen King)
Geschrieben von Almut
Samstag, der 17. August 2013

king joyland

Wilhelm Heyne Verlag, 17.6.2013
Originaltitel: Joyland (2013)
Übersetzt von Hannes Riffel
Gebunden, 352 Seiten
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50
ISBN: 978-3-453-26872-2

Genre: Belletristik


Inhalt

Der 21-jährige Devin Jones hat gerade sein zweites Jahr an der University of New Hampshire abgeschlossen und arbeitet im Sommer 1973 für vorerst drei Monate im Vergnügungspark Joyland in Heaven’s Bay/North Carolina. Devins Mutter starb vor vier Jahren, das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist liebevoll. Devin realisiert nicht, dass der Umzug seiner großen Liebe Wendy Keegan nach Boston das Ende ihrer Beziehung einläutet. Wendy trennt sich bald auf verlogene Weise von Devin, der darunter sehr leidet, schlecht schläft und zur Ablenkung hart arbeitet, überwiegend als Howie the Happy Hound, Liebling der Kinder. Er freundet sich mit Tom Kennedy und Erin Cook an, ebenfalls Studenten, die bei seiner Vermieterin Mrs. Shoplaw wohnen und einen Ferienjob in Joyland haben. Die Wahrsagerin Rozzie Gold erzählt Devin, er werde in diesem Sommer zwei Kinder kennenlernen, ein Mädchen mit einer roten Kopfbedeckung und einen Jungen mit einem Hund. Bald rettet Devin dem angekündigten Mädchen – Hallie Stansfield - das Leben und bringt Joyland dadurch mediale Aufmerksamkeit. Das zweite Kind ist der todkranke Mike Ross, der mit seiner Mutter Annie und Hund Milo in einem Haus lebt, an dem Devin auf dem Weg zur Arbeit vorbeikommt.

Devin erfährt, dass in Joyland vor Jahren Teenager Linda Gray von ihrem Freund in der Geisterbahn ermordet wurde. Der Täter entkam, man weiß über ihn nur, dass er eine Vogeltätowierung auf einer Hand hat. Der Geist des Opfers soll in der Geisterbahn spuken. Erin findet heraus, dass die Tat Ähnlichkeiten mit anderen Morden aufweist. Devin weiß nicht, dass der Mörder in Joyland arbeitet.


Rezension

Stephen King ist bekannt als ein Genreautor, vor allem von Horrorgeschichten, weshalb der Reflex nahe liegt, jedes seiner Bücher einem phantastischen Genre zuzuordnen. Joyland wird dadurch schnell wahrgenommen als Horrorroman, Geistergeschichte, Serienkillerbuch, oder als Genremix. Aber Joyland ist zuerst ein Buch über einen jungen Menschen am Scheideweg. Die Hauptfigur erlebt die erste Liebe, den Schmerz der Trennung, schließlich eine kurze Beziehung und den ersten Sex mit einer zehn Jahre älteren, attraktiven und vom Leben beschädigten Frau.

King lotet in Devins Entwicklungsgeschichte mehrere Dreierbeziehungen aus. Eine ist die zwischen Devin, Wendy und deren neuem Freund, den Wendy Devin als jemanden beschreibt, den er mögen würde. Eine andere ist die zwischen den drei Joylandmitarbeitern Devin, Erin und Tom. Erin ist eine intelligente junge Frau, mit der Devin nicht nur eine Freundschaft verbindet: zwischen beiden entsteht eine sehr feine Anziehungslinie. Aber schließlich werden Tom und Erin ein Paar. Tom ist Schwiegermamas Liebling, der allerdings ein verstörendes Erlebnis in Joyland hat. Annie Ross hat ihr Leben vollständig ausgerichtet auf ihren zehnjährigen Sohn Mike, der das zweite Gesicht hat. Annie hat sich mit ihrem Vater überworfen, einem erfolgreichen Fernsehprediger und Religionsunternehmer, der Mikes tödliche Krankheit als Strafe Gottes sieht. Nach anfänglicher Ablehnung begreift Annie Devin nicht mehr als Eindringling in ihr und Mikes Leben. Eine Dreierbeziehung am Rande konstituiert die Scrabblerunde Devins mit seiner mutterähnlichen Vermieterin Mrs. Shoplaw und ihrer Freundin Tina Ackerley. Die Beziehungen haben jeweils den Charakter eines Paares, dem sich Devin zeitweilig hinzugesellt.

Joyland ist eine Geschichte über das Ende der Jugend, über die Zeit, in der diese Jugend gelebt wurde, erzählt vom Ich-Erzähler, vierzig Jahre später, der seine Erinnerungen gelegentlich reflektiert, kommentiert, oder einfach nur indirekt in Frage stellt. Eine zentrale Erfahrung ist die des Verlusts geliebter Menschen, sei es durch Wegzug und Versanden des Kontaktes, durch Betrug und Demütigung, durch Tod. Nicht eine Mordgeschichte, die kaum eine Rolle spielt, auch keine anderen spektakulären Geschehnisse machen Joyland aus, sondern die kleinen Dinge des Alltags. Dazu gehört auch der in diesen Kleinigkeiten aufscheinende positiv dargestellte Devin, den der Erzähler erinnert, wie Menschen sich nun einmal an ihre Kindheit und Jugend, nicht ohne ein gewisses Maß an Verklärung und Nachbesserung, erinnern. King reflektiert dieses Vorgehen an wenigen Stellen eher beiläufig und ohne es in Metatext zu transformieren.

Der Roman ist in den USA in der Reihe „Hard Case Crime“ erschienen. Und in der Tat ist er kein Werk der Phantastik, der Geist und das zweite Gesicht sind nur Randphänomene, dienen allenfalls der höchst irdischen Vorbereitung eines Aspektes im Finale. Aber im letzten Drittel des Romans erzählt King einen Krimi, in dem Erin minutiös ihre Ermittlungsergebnisse Devin darlegt und der Fall seiner Aufklärung zugeführt wird.

In Sujet und Stimmung ähnelt Joyland Håkan Nessers Kim Novak badete nie im See von Genezareth. Beides sind Coming-of-Age-Geschichten, die die Protagonisten von der Stadt in den ländlichen Raum führen und eine Kriminalgeschichte im Unterholz bereithalten. In beiden Romanen verliebt sich die Hauptfigur in eine rund zehn Jahre ältere Frau. Gleichwohl gibt es wesentliche Unterschiede.


Fazit

Stephen Kings Joyland erzählt nostalgisch vom Ende einer Jugend und ist in seinen interessanteren Momenten eine Reflektion darüber, dass wir alle zu Geschichtenerzählern werden, wenn es um unsere Vergangenheit geht.


Pro und Contra

+ nette Codierung der Hauptfigur durch Merkmale der frühen siebziger Jahre

+ überwiegend gut entwickelte und sympathische Charaktere

+ interessanter Jargon, extra für den Vergnügungspark ausgedacht, teils unverändert in die deutsche Fassung hinübergerettet

- in Momenten pathetisch und klischiert 

Wertung:sterne4

Handlung: 4/5

Charaktere: 4/5

Lesespaß: 4/5

Preis/Leistung: 4/5


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Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 29. November 2017
 

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