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Die Marseille-Connection (Massimo Carlotto)
Geschrieben von Almut
Donnerstag, der 03. Oktober 2013

carlotto-marseille

Tropen, 23.9.2013
Originaltitel: Respiro Corto (2012)
Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel
Gebunden, 240 Seiten
€ 18,95 [D] | € 19,50 [A] | CHF 28,90
ISBN: 978-3-608-50134-6

Genre: Krimi


Rezension

Sosim Katajew, ein Mitglied des FSB (Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation, in den 1990ern gegründet), arbeitet Undercover für einen Mafiaclan, ist Ziehkind eines Paten alter Schule, der ihn für die neue Zeit international geplanten Engagements ein Studium absolvieren ließ. Aber Sosim gibt sich nur loyal gegenüber seinem Paten und der Organisation. Mit seiner Hilfe gelingt es dem FSB, den Clan auszulöschen. FSB-Leutnant Ulita Winogradowa schickt ihn unter dem Decknamen Aleksandr Peskow nach Marseille, dem Einfallstor für lateinamerikanische Kartelle. In Marseille soll er ein Beziehungsnetz schaffen, in das Wirtschaft, Finanzwelt und Politik eingewirkt sind. Daraus soll sich eine finanzwirtschaftliche Basis ergeben, um die informelle Mittelbeschaffung der FSB, die geostrategische Ziele verfolgt, zu gewährleisten.

Sosim ist doppelt illoyal. Er benutzt auch den FSB nur. Er gehört zur Dromos-Gang, die unter Führung des Inders Sunil Banerjee eigene Ziele verfolgt. Die beiden anderen Mitglieder der Gang sind die Schweizerin Inez Theiler, zuständig für die Finanzen und heimliche Geliebte Sosims, sowie der Italiener Giuseppe Cruciani, Inhaber einer Klinik, die mit dem illegalen Organhandel ihr Geld macht. Die vier sind Freunde und kennen sich aus ihrer Studienzeit in Leeds. In Marseille treffen sie auf Gegner und Strukturen, von denen sie nichts geahnt haben. Es gibt dort eine illegitime Polizeibrigade Anti-Criminalité, die unterhalb des Radars öffentlicher Wahrnehmung gegen die organisierte Kriminalität arbeitet. Zu dieser Brigade gehören Kommissarin Bernadette Bourdet, genannt B.B., und ihre Assistenten Adrien Brainard, Gérard Delpech und Baptiste Tarpin. Bernadette Bourdet arbeitet eng zusammen mit Armand Grisoni, Pate der korsischen Mafia in Marseille, Schlüssel für das Eingangstor zur Stadt.

Behandelte Carlotto in Banditenliebe die EU-Osterweiterung in ihrem Nutzen für das organisierte Verbrechen in und um Norditalien, geht er in seinem neuen Roman, Die Marseille-Connection, den Weg konsequent weiter. Er verlässt Italien und wählt als Hauptschauplatz Marseille, ergänzt um einige Nebenorte (Somalia, Indien, Lateinamerika), deren Wege aber alle nach Marseille führen.

Das Personal im Roman ist durchgehend unsympathisch. Ob die Figuren für oder gegen das Gesetz arbeiten, sie sind brutal, rücksichtslos, sie definieren sich über eine Welt, die Macht und Reichtum für diejenigen bereithält, die sich nur ihren eigenen Interessen verpflichtet bedienen. Es gibt Gelegenheiten, die man nutzen kann oder nicht, Menschen die benutzen oder benutzt werden, oft genug beides. Die Figuren haben nur selten einen Hintergrund, was Lesern, die es gern haben, wenn ganze Lebensgeschichten eingearbeitet werden, enttäuschen könnte. Die Charaktere sind zum Teil nur im Anriss entwickelt.

Das organisierte Verbrechen begibt sich in das globalisierte Dorf, gekleidet in Maßanzüge, ausgestattet mit Studienabschlüssen an renommierten europäischen Universitäten, aktiv in der Bildung und Unterhaltung von Netzwerken mit legalen und illegalen Organisationen aus der ganzen Welt. Es ist eine Nutzen stiftende Kooperation, der sich Kriminelle und Polizisten, Vertreter aus Wirtschaft und Politik verschrieben haben. Die Wirtschaftsunternehmen weisen keine nachvollziehbare Trennlinie mehr auf zwischen legalen und illegalen Aktivitäten, die Herkunft von Finanzkapital ist uninteressant, weshalb gerne auch Transaktionen bar durchgeführt werden. Das reicht bis hin zu einer Innenausstatterin, die statt Rechnung und Überweisung einen dicken Briefumschlag annimmt. Die meisten Menschen sind in Carlottos Szenario nur Rohstoff für eine Maschine, die sich allein über Machtmissbrauch, Gewalt und Geld am Laufen hält.


Fazit

Massimo Carlotto erzählt in Die Marseille-Connection eine Geschichte aus der globalisierten Welt der organisierten Kriminalität, die viele überprüfbare Details verarbeitet. Die Dromos-Gang besteht aus vier jungen Gangstern, die intelligent sind, gut ausgebildet, und das Verbrechen für ein Spiel halten, in dem man nur die Regeln verstehen und besser sein muss als die Gegenspieler, um an sehr viel Geld zu kommen.


Pro und Contra

+ realistische Story, schnell und lakonisch erzählt
+ intelligente Verbindung der Haupthandlung mit Nebenhandlungen
+ trotz recht hoher Komplexität gut nachvollziehbar
+ entwickelt aus der Handlung heraus überprüfbare Fakten, statt sie der Erzählung überzustülpen

o manche Leser mögen eine sympathische oder weniger unsympathische Identifikationsfigur vermissen

- Nebenfiguren oft nur Karikaturen

Wertung: sterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


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Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 11. Oktober 2013
 

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