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Das Handwerk des Teufels (Donald Ray Pollock)
Geschrieben von Almut
Samstag, der 26. Oktober 2013

pollock handwerk

Heyne Hardcore 2013
Originaltitel: The Devil All the Time (2011)
Übersetzt von Peter Torberg
Taschenbuch, 302 Seiten
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,90
ISBN 978-3-453-43692-3

Genre: Kriminalroman


Der Autor

Donald Ray Pollock, geboren 1954, wuchs im US-Bundesstaat Ohio auf. Mit siebzehn Jahren brach er die Highschool ab und jobbte in einer Fleischfabrik. Danach arbeitete er über dreißig Jahre in einer Papiermühle. Ende der achtziger Jahre holte er seinen Schulabschluss nach und studierte an der Ohio State University. 2008 gab er sein literarisches Debüt mit dem Erzählband Knockemstiff. Pollock lebt mit seiner Frau in Chillicothe, Ohio.


Inhalt

Arvin Eugene Russell wächst in den fünfziger Jahren im tiefen Hinterland von Ohio auf. In dem Kaff Knockemstiff ist jeder mit jedem verwandt, nur Arvin nicht, denn seine Eltern sind zugezogen. Sein Vater Willard kommt aus Coal Creek, West Virginia, seine Mutter Charlotte aus Meade, Ohio. Willard begegnete seiner späteren Frau in einem Diner, als er aus dem Krieg im Pazifik unterwegs nach Hause war. Für Willard war es Liebe auf den ersten Blick.

Als Arvin acht Jahre ist, stirbt seine Mutter an Krebs, sein Vater begeht Selbstmord. Arvin kommt zu seiner Großmutter Emma nach Coal Creek, die zusammen mit ihrem Bruder Earskell lebt und bereits ein anderes Kind aufzieht. Die kleine Lenora ist praktisch eine Waise. Ihre Mutter Helen wurde ermordet, ihr Vater, Laienprediger Roy Laferty, ist spurlos verschwunden. 
Arvin schließt die Highschool ab und nimmt einen Job bei einem Straßenbautrupp an. Als der alte Prediger erkrankt, kommt sein Neffe Preston Teargadin als Vertretung in den Ort. Preston liebt Frauen, vor allem wenn sie blutjung und unverdorben sind, wie die naive, gottesgläubige Lenora.  Als sie schwanger ist, lässt er sie fallen und Lenora erhängt sich. Die Polizei ist nicht weiter interessiert. Arvin nimmt die Sache in die eigene Hand. Sein Vater hat ihm eine Luger vererbt und ihm das Jagen beigebracht, sein Onkel hat ihn das Schießen gelehrt.

Zur gleichen Zeit sind Sandy und Carl Henderson auf der Rückreise von ihrer alljährlichen Reise. Die Serienkiller machen jeden Sommer Jagd auf Tramper. Diesmal kreuzen sich die Wege von Roy, Arvin, dem Killerpärchen und Sandys Bruder, dem korrupten Sheriff Lee Bodecker, der damals zu dem Leichnam von Arvins Vater gerufen wurde. 


Rezension

Pollocks düstere Romanwelt ist besiedelt von korrupten Sheriffs, psychotischen Serienmördern, religiösen Fanatikern und neurotischen Spinnern, lynchlüsternen Politikern, mordlüsternen Anwälten und ungläubigen Priestern. Es ist eine brutale und eine männliche Welt, bestimmt von Krieg, Jagd, Waffen, Töten und Getötet werden. In einer Grauzone, in der Zivilisation auf archaische Brutalität stößt, Gesetze keine Geltung haben, Religion in Aberglauben und Wahnsinn abdriftet, wo Missgunst, Angst, Niedertracht und Misstrauen herrschen und die einzigen Konstanten das Scheitern und die Hoffnungslosigkeit sind, gerinnt der amerikanische Traum zum Albtraum. Doch die Karnivoren lauern überall, wie Sandy und Carl feststellen, die es vor ihrer Karriere als Serienkiller in Los Angeles beim Film versuchten. Nicht dass ein Gutmensch auf die Idee käme, Armut und Ignoranz seien Schuld an der Misere. Das Böse ist dem Menschen immanent, der Teufel ist allgegenwärtig.

Der Protagonist Arvin ist eine von wenigen nicht finsteren Gestalten. Der Roman beginnt 1957 mit seiner Kindheit und endet rund zehn Jahre später mit seinem Erwachsenwerden. Er ist ein stiller Einzelgänger, ebenso wie sein Vater, von dem er als kleiner Junge eine wichtige Lektion fürs Lebens lernt. Willard hält nichts von Prügeleien „nur zum Spaß“, doch wenn man angegriffen wird, muss man sich wehren, auch wenn man der Schwächere ist oder in der Unterzahl. Kurz darauf liefert Willard eine praktische Demonstration seiner Theorie an einem Typen, der seine Frau Charlotte beleidigt hat. Fortan verteidigt Arvin sich und die Wehrlosen, seine Schwester beispielsweise, die von drei Typen beleidigt und vom Priester missbraucht wird. Arvins Reise durch das Hinterland beschreibt auch einen Weg zum Erwachsenwerden, auf dem ihm der Glaube an das Gute im Mitmenschen abhanden kommt.

Man fühlt sich bei Arvin unweigerlich an Chandlers ritterlichen Privatdetektiv Philip Marlowe erinnert oder an Hammetts namenlosen Detektiv aus Bluternte. Auch sie leben in einer desolaten Welt, nur findet Hammetts Detektiv nach einer Anpassungszeit Spaß am Töten.


Fazit

Verstörende und mitreißende Kriminalgeschichte vor dem Hintergrund einer epischen Auseinandersetzung über den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, Rache und Gerechtigkeit, Erlösung und Verdammnis.


Pro und Contra

+ nach klassischem Muster erzählter Kriminalroman
+ Hardcore-Realismus mit expliziten Grausamkeiten, zynisch, rücksichtslos, böse
+ Figuren, Dialoge, Schauplätze: alles wirkt nah und lebendig
+ effizient und stringent geschrieben, knapp gehaltene Beschreibungen der Außen- und Innenwelt der Figuren
+ die durchdachte Spiralkonstruktion wirkt auf den Inhalt
+ harter, spröder Erzählstil
+ Inhalt, Form und Sprache sind perfekt aufeinander abgestimmt

o nichts für sensible Nerven

Wertung:sterne5

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 26. Oktober 2013
 

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