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Horror-Legionen (Hrsg. Dr. Nachtstrom)
Geschrieben von Nicole
Mittwoch, der 25. Dezember 2013

horrorlegionen

Amrûn Verlag, 2. Auflage, Juli 2013
Taschenbuch, 450 Seiten,
12,95 Euro / 4,99 Euro eBook [D] 
ISBN-13:978-3-944729-04-6

Genre: Horror


Klappentext

25 deutschsprachige Autoren schreiben Horror. Unzensiert, ohne Vorgabe.
Kein Buch für Kinder und Jugendliche!


Die Autoren

Arthur Gordon Wolf, Melchior v. Wahnstein, Carmen Weinand, Constantin Dupien, Daniela Herbst, Des Romero, Guido Ahner, John Aysa, Karin Reddemann, Kristina Lohfeldt, Marc Gore, Meryjaine Webster, Michael Sonntag, Moe Teratos, Rona Walter, Sean Beckz, Sönke Hansen, Stefanie Maucher, Thomas Backus, Tim Svart, Tony Lucifer, Torsten Scheib, Vincent Voss, Werner Skibar, Xander Morus


 Rezension

Horror-Legionen. Der Name ist Programm – in 27 Geschichten führen deutsche Autoren ihre Leser in dunkle Welten. Zombies, Dämonen, menschliche Abgründe und mehr. Ein Werwolf zieht mit seiner Freundin durch die Lande und hinterlässt eine Spur von Leichenteilen, ein Mann verdrängt die Folgen eines Atomkriegs, Zombies fallen an Bord eines stillgelegten Stückes über Schatzräuber her und Psychopathen leben ihre unterschiedlichen Phantasien aus.

Die Geschichten in dieser Anthologie sind zwar abwechslungsreich, aber immer düster und gehen oftmals bis an die Grenzen des Ekels und darüber hinaus. Stilistische Meisterleistungen findet man dabei selten, obwohl nahezu alle Autoren auf gutem Niveau arbeiten. Die Geschichten sind zumeist schlicht und einfach gehalten, manchmal auch recht einfallslos, was schade ist. Blutige Darstellungen und übertriebene perverse Quälereien trüben das Lesevergnügen und führen dazu, dass man sich vor dem eigenen Kopfkino abwenden möchte.  Wer subtilen Horror sucht, sucht fast vergeblich. So überrascht es auch nicht, dass die Figuren Genre-typisch meist sehr eindimensional gestaltend sind. Am Ende finden sich weniger als eine Handvoll Geschichten - die Perlen - die nicht für wahre Fans des Splatter-Horrors geeignet ist. Hier wäre weniger Blut und Ekel nur um des Effektes Willen wünschenswert gewesen.

Hervorzuheben sind aber die Vorstellungen der Autoren von Carmen Weinand, die jeder Geschichte vorangestellt sind. Diese Phantasie, die sich auch in ihrer Kurzgeschichte „Rage“ wiederfindet, hätte man sich in der Anthologie gewünscht. Sowohl die Vorstellungen als auch ihre Geschichte zeugen von Witz und Ideenreichtum. Ebenso spannend wie unterhaltsam sind sind die Geschichten "Illusionen" und einige mehr, die nahezu ohne plakative Gewalt auskommen und durch Atmosphäre und Kreativität überzeugen. Hier ein grober Überblick über die inhaltliche Vielfalt:

Arthur Gordon Wolf: Das Engels-Fresko
Ein ominöser Agent bietet vier Models einen lukrativen Wochenendjob. Der Modeschöpfer entpuppt sich als begeisterter Engel-Fetischist. Zusammen mit den Models möchte er ein Kunstwerk kreieren, das seinem Leben die Krone aufsetzt.

Melchior von Wahnstein: Illumination
In dieser Geschichte erlebt der Leser den inneren Monolog eines Mannes, der den Posten eines Großmeisters in seinem magischen Zirkel anstrebt. Allein in einer dunklen Kammer beschreitet er das Initiationsritual - sein einziger Gefährte dabei ist ein Totenschädel.

Carmen Weinand: Rage
In Rage begleiten wir eine müde Protagonistin, die von einer ominösen Präsenz zum Ausrasten gebracht wird. Eine alte Geschichte in interessantem Gewand mit tollem Twist.

Constantin Dupien: Meteoritenfeuer
Recht lieblos folgen wir in dieser Geschichte einem unsympathischen General, der sich plötzlich einem Alien-Angriff gegenübersieht.

Daniela Herbst: Letzter Gedanke München
Eine recht Klischee-lastige Geschichte über eine Zombie-Invasion in München. Einzig originell und beklemmend sind die Gedanken des Protagonisten, die in einem überraschenden Ende gipfeln.

Des Romero: Katharsis
Recht flach folgen wir hier einem Vater, der seine Tochter mit zur Arbeit nehmen will, sich aber doch scheut, da er eben Gerichtsmediziner ist. Als er sich dann durchringt, erlebt der Leser eine obskure Wende.

Werner Skibar (Charly Blood): Bittere Früchte
Der Österreicher liefert eine interessante Geschichte über einen Obdachlosen, der auf dem Naschmarkt Wiens die falschen Früchte zu sich nimmt.

Guido Ahner: Nyxie Zombie
Zombie durch Medikamente? Diesen Gedanken setzt Guido Ahner in dieser leicht überladenen Geschichte um.

John Aysa (Alexander Ater): Das Haus der untergehenden Sonne
Wohl eine der blutigsten und obszönsten Geschichten der Anthologie. 6 junge Leute in einem abgelegenen Haus, eine oskure Hintergrundgeschichte mit Dämonen - Zutaten für ein blutiges Geschnetzel ohne wirklichen Inhalt.

Karin Reddemann: Die Schwarzen hinter dem Vorhang
Eine bizarre Geschichte, die viel Raum für Interpretationen lässt. Ein paar Menschen am Lagerfeuer, die sich über ihr Schicksal und die Schwarzen austauschen. Alles bleibt wage. Interessant und ein guter Ruhepool nach dem Vorgänger.

Kristina Lohfeldt: Der letzte Märchenprinz
Rapunzel neu interpretiert.

Marc Gore: The Chick and the Wolfman
Stilistisch simpel und wohl eine der schwächsten Geschichten. Ein Paar überfällt in Bonnie und Clyde-Manier eine Bank. Auf der Flucht wird die Frau innerhalb weniger Stunden mehrere Male sexuelle belästigt und vergewaltigt, stört sich aber wenig daran, da ihr Werwolf-Freund die Täter niedermetzelt.

Marc Hartkamp: Blacklight
Ein Parapsychologe entwickelt eine neue Lichtquelle, um Geister zu sehen. Sein Versuch nimmt eine unvorhergesehenes Ende. Recht kurz, aber kurzweilig.

Michael Sonntag: Die Rotkäppchenfalle und Stadt ohne Sheriff
Zwei kurze solide Geschichte, die zwar unterhalten, aber nicht haften bleiben. 

Moe Teratos: Die Rache
Ein Vergewaltigungsopfer nimmt Rache an ihren Peinigern. Das wenig originelle Setting soll durch einen Twist am Ende aufgewertet werden. Dieser ist aber recht früh absehbar und macht die Geschichte nicht besser. 

Rona Walter: Error
Noch eine Folter-Geschichte. Dieses Mal ist der Chef das Opfer und der Peiniger rechtfertigt sich recht schwach und übertrieben durch seinen Hass auf die Welt und den Unsinn des Kapitalismus. 

Sean Beckz: Der Tätowierer
Ein weiterer Psychopath/Folterer. Dieses Mal möchte der Protagonist seine Kunst auf die Haut seines unfreiwilligen Opfers bringen. Nur hat er vorher noch nie geübt.

Sönke Hansen: House of the Rising Sun
Diese Geschichte ist zwar blutig, aber sehr schnelllebig und actionreich. Das Kopfkino überzeugt. Vier Männer wollen ein Einkaufszentrum überfallen, stellen dann aber fest, dass die Betreiber alles andere als von dieser Welt sind.

Stefanie Maucher: Haut
Noch einmal Folter - dieses Mal aus der Geschichte des Gefolterten. Interessante Beschreibungen der Sinnlichkeit unseres größten Organs.

Thomas Backus: Frischfleisch
Ein Knast, ein Jüngling, lüsterne Knastis. Jeder weiß, was nun kommt - aber nicht hier. Denn Thomas Backus wendet das Blatt. Allerdings wäre auch hier weniger Obszönität mehr gewesen.

Tim Svart: Musik der Finsternis
Eine mystische Geschichte über das Geigenspiel einer Nachbarin und die Gründe dahinter.

Tony Lucifer (Doc Nachtstrom): Ave Anus
Was ihn wohl geritten hat? Ein Junge wird in einer Kirche über eine Zeremonie, in der besagter Titel vorkommt, in ein neues Leben eingeführt.

Torsten Scheib: Illusionen
Ein Atomkrieg zerstört die Menschheit. Das hält den Protagnisten aber nicht davon ab, seiner Arbeit nachzugehen oder für seine Familie zu kochen. Überzeugend erzählt, insbesondere mit den eingetreuten Details, die nach und nach das Bild des Unglücks offenbaren, ein Highlight der Anthologie.

Vincent Voss: Folge der Stimme aus dem Anus Praeter
Ein sprechender künstlicher Darmausgang - interessante Idee, aber schwach umgesetzt, da am Ende ohne Ideen.

Xander Morus: Das Wrack der Zombies
Vier Freunde wollen einen Schatz aus einem alten Schiffswrack bergen. Am Ende müssen sie sich mit Zombies und kriminellen Schleppern auseinandersetzen. Solide.

Meryjaine Webster: Der Selbstversuch
Die abschließende Geschichte war in dem Rezensionsexemplar nicht enthalten.


Fazit

Mit Horror-Legionen liefert der Amrûn -Verlag eine solide Sammlung düsterer Horrorgeschichten, die im Großteil leider Originalität und Atmosphäre missen lassen. Die wenigen Glanzstücke bewahren das Buch vor dem Stempel des eintönigen Horros.


Pro/Contra

+ Vielzahl der Geschichten („Rage“ & „Illusionen“)
+ Überblick über das literarische Horrorgeschehen in Deutschland

o Splatter und blutige Details

- bisweilen ideenlos

Bewertung: sterne3

Charaktere: 2/5
Handlung: 3/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 28. Dezember 2013
 

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