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Das schwere Los der Leichtigkeit: Vom Kampf mit dem eigenen Körper (Portia de Rossi)
Geschrieben von Nicole
Mittwoch, der 05. Februar 2014

de rossip-unbearable lightness

mvg Verlag, 1. Auflage, Oktober 2011
Gebundene Ausgabe, 350 Seiten,
OT: Unbearable Lightness
19,99 Euro [D]
ISBN-13: 978-3-868-82238-0
gelesen im amerikanischen Original

Genre: Sachbuch/Biographie


Klappentext

Portia de Rossi wog nur noch 38 Kilogramm, als sie am Set einer Hollywood-Produktion zusammenbrach. Nach außen hin war sie blond, schlank und schön, glamourös und erfolgreich. Doch innerlich war sie fast tot. Sie beschreibt unaufgeregt und eindringlich, wie der Druck Hollywoods, dünn zu sein, in Kombination mit ihrer geheim gehaltenen Homosexualität dazu führte, dass sie sich in ihrer Haut nie wohlfühlte und immer tiefer in die Magersucht hineinrutschte. Das Abnehmen wurde für sie zur einzigen Möglichkeit, Macht und Kontrolle über ihr Leben zu haben, bis es zu einer Krankheit wurde, die sie beinahe tötete und ihre Familie zerstörte. In ungewöhnlich offenen, mutigen Worten erzählt de Rossi mit erzählerischem Feingefühl ihre Geschichte und lässt uns tief in ihre Seele und ihr Leben als Hollywoodstar blicken. Sie lässt uns die verquere Logik ihres täglichen Strebens nach Perfektion verstehen und die Anstrengung wertschätzen, die sie zur Überwindung ihrer Probleme aufwenden musste. Eine erschreckende und zugleich hoffnungsvolle Geschichte für alle, die auf Kriegsfuß mit sich selbst oder ihrem Körper stehen.


Die Autorin

Portia de Rossi (bürgerlich Portia Lee James DeGeneres, * 31. Januar 1973 in Melbourne als Amanda Lee Rogers) ist eine australisch-US-amerikanische Schauspielerin.


Rezension

Heutzutage schreibt jeder (Möchtegern-)Star ein Buch, seien es Fußballspieler, Musiker oder, wie im Falle von Portia de Rossi Schauspieler. Möchte man meinen. Viel ist oftmals nicht dabei. Zum Glück ist dies hier anders! Einigen dürfte de Rossi aus Ally McBeal bekannt sein, andere kennen sie vielleicht als Ehefrau der amerikanischen TV-Moderatorin Ellen DeGeneres. Aber de Rossi stand nicht immer so offen und stolz zu ihrer sexuellen Orientierung. Die Angst vor Zurückweisung – erst von den Eltern und später von ihren potenziellen Arbeitgebern – hielt sie lange davon ab, sich zu „outen“. Ein Selbstbetrug, der sie fast zerstört hätte.

De Rossis Biographie beginnt mit dem Ende ihrer ersten Ehe 1998. Für drei Jahre war sie mit Mel Metcalfe verheiratet, den sie am Set ihres ersten amerikanischen Filmes kennenlernte. Drei Jahre lebt sie den Selbstbetrug, spielt die Ehefrau, benutzt ihren Mann als Schild, während sie halboffen die Künstlerin anhimmelt, die nebenan wohnt.

>> Seltsamerweise kam mir das alles überhaupt nicht komisch vor. Tatsächlich
hatte ich seit meiner Kindheit die Rolle der Heterosexuellen gespielt,
während ich mir in meiner Fantasie ein Leben als Homosexuelle ausmalte. <<

Als die Ehe schließlich scheitert, sieht sie ihre Chance endlich ehrlich zu leben. Abgesehen von ihrer Mutter hat sie sich noch niemandem mitgeteilt, aber diese rät ihr, weiter Stillschweigen zu bewahren. Hollywood und Homosexualität – das passt nicht zueinander. De Rossi ist das zuerst egal, dann erhält sie das Angebot in der erfolgreichen TV-Produktion Ally McBeal mitzuspielen. Plötzlich ist alles anders. Als Nelle Porter muss sie nicht nur kühl und abgeklärt agieren, sondern als neues Gesicht der Serie auch der Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen. Das Angebot ist Karrieresprung und persönliches Desaster zugleich. Während sie sich auf der einen Seite überfordert sieht und versucht, ihre Unsicherheit zu überspielen, entwickelt sie im Privaten eine panische Angst von Paparazzi als lesbisch offenbart zu werden.Aufgewühlt wendet sie sich dem einzigen zu, dass sie kontrollieren kann: ihrem Aussehen.Eine neue Garderobe muss her, Standardantworten auf Modefragen sowie ein neues Gewicht. Diäten sind de Rossi damals bereits ein Begriff, denn seit sie zwölf ist, arbeitete sie in Australien hin und wieder als Model. Nun jedoch gerät der Gewichtsverlust außer Kontrolle. Mit jeder Folge steigt ihr Popularitätswert, Zeitungen fragen an, Werbefirmen wollen sie für ihre Produkte. Aus der Diät und den geplanten 10 Pfund wird rasch eine ausgewachsene Magersucht, an deren Ende ein Zusammenbruch und die Gefahr des multiplen Organversagens steht. Ein Kampf ums Überleben beginnt. Ein Kampf, der mehr als alles andere im Kopf stattfindet, wo jedes Kilo kritisch beäugt wird und der Drang zum Perfektionismus im Hamsterrad läuft. Aber De Rossi muss nicht nur Idealgewicht finden, sondern auch ihr Ich, das im Schein Hollywoods nahezu ausgebrannt ist.

Selten ist wohl ein Star so ehrlich und abgeklärt mit sich ins Gericht gegangen, wie de Rossi in ihrem Buch. Jedes hässliche Detail ihrer Magersucht legt sie offen, beschreibt die tägliche Routine aus Hungerportionen, manischem Kalorienzählen und exzessivem Sport. De Rossi kennt keine Grenzen. Obwohl ihre Ernährungsberaterin ihr eine Diät zuteilt, halbiert sie schonungslos ihre Portionen - teilweise lebt sie über Wochen von nur 800 Kalorien pro Tag. Neben dieser Routine aus Sport am Morgen, Sport am Set und Sport am Abend, dazwischen kleinste Portionen Magerjoghurts, kämpft sie mit der Angst. Angst vor Pfunden, Angst auf Arbeit zu versagen, Angst entdeckt zu werden. Also treibt sie noch mehr Sport, isst noch weniger, arbeitet noch härter – schließlich haben die anderen Frauen der Serie alle bereits ein Filmangebot. Der Strudel ist beängstigend, und man fragt sich bestürzt, wie lange so ein Körper das mitmachen kann. Aber de Rossi geht noch weiter. Sie beschreibt nicht nur ihren Alltag, sondern legt ihre Seele offen. Geradezu verstörend beschreibt sie ihr Selbstbild, kritisiert krankhaft, wo es nichts zu kritisieren gibt, weil die Stimme in ihrem Kopf sie einfach nicht zur Ruhe kommen lässt.Während sie selbst es noch leugnet, wird ihrem Umfeld immer deutlicher, dass etwas nicht stimmt. Doch de Rossi – gefangen im Selbsthass – versteht die Kritik falsch, oftmals sogar als Witz. So muss es erst zum Schlimmsten kommen, bis sie begreift, was sie sich angetan hat.

Abgesehen vom Inhalt begeistert de Rossi aber auch stilistisch. Ihre ehrliche, lockere Art lässt einen trotz der Schwere des Inhalts durch das Buch fliegen. Zwischendrin blitzen mal etwas Humor, mal etwas Sarkasmus durch sowie eine sehr einfühlsame Sicht auf die Welt. Da wünscht man sich als Leser de Rossi würde öfter zur Feder greifen. Vielleicht eine Option fürs Alter?

Im Original sind der Geschichte auszugsweise Fotos beigefügt, auf denen man de Rossis Magersucht nachvollziehen kann. Da sie ein Star ist, kann man zudem im Internet die einzelnen Stationen ihrer Karriere von denen sie erzählt, rekapitulieren und ihr Selbstbild mit der Realität abgleichen.


Fazit

Portia de Rossis Buch Das schwere Los der Leichtigkeit ist intime Biographie und Drama zugleich. Es bietet einen tiefen Blick in die Psyche einer Homosexuellen, die im Kampf um ihre Sexualität und enormen Arbeitsdruck an Anorexie erkrankt. Aber es ist auch Roman, denn es zeigt auch einen Weg zum Glück, den de Rossi nicht nur beruflich, sondern auch privat mit ihrem Outing gefunden hat. Es ist ein Buch, dass erschüttert und aufwühlt, zugleich aber auch Mut macht.


Pro/Contra

+ verstörender Einblick in die Anorexie
+ ehrlich und offen
+ viele Details
+ Fotostrecke

Bewertung: sterne5

Charaktere: 5/5
Handlung: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 06. Februar 2014
 

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