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Phantast 18

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Half Bad - Das Dunkle in mir (Sally Green)
Geschrieben von Shtrojera
Montag, der 07. April 2014

Verlag: cbj (März 2014)
Gebundene Ausgabe, 17,99 €, 432 Seiten
ISBN: 978-3570158425

Genre: Dark Fantasy/Jugendbuch


Klappentext

Nathan wird gejagt. Seit seiner frühesten Kindheit wird er von der Regierung beobachtet, verfolgt, eingesperrt. Denn Nathan lebt in einer Welt, in der - mitten im modernen Alltagsleben - Hexen existieren. Weiße Hexen, die sich selbst für gut halten und die Regierungsmacht bilden. Schwarze Hexen, die gefährlich und skrupellos sind und im Untergrund arbeiten. Und Nathan, der beides ist - denn seine Mutter war eine Weiße und sein Vater Marcus ist der gefürchtetste Schwarze Hexer aller Zeiten. Nathan ist ihm nie begegnet, aber von so jemandem kann er nur Dunkles und Böses geerbt haben, oder? Um an Marcus heranzukommen, stellt der Rat der Weißen Hexen eine tödliche Falle - mit Nathan als Köder. Im verzweifelten Versuch, sich zu befreien, bricht er aus, doch schon bald wird er von beiden Seiten gejagt. Nathan muss sich entscheiden, wofür es sich zu kämpfen lohnt: für die gute Seite in ihm - oder für die böse ...


Rezension

Nathan ist eingesperrt. Schon sein Leben lang beobachtet die Regierung - bestehend aus Weißen Hexen - ihn, denn er ist das einzige Mischlingskind zwischen Weißen und Schwarzen Hexen. Mit ihm als Köder will die Regierung Nathan's Vater, Marcus, eine Falle stellen. Doch sie rechnen nicht damit, dass Nathan Fluchtversuche wagen würde - und eines Tages tatsächlich der täglichen Tortur, Schikane und Folter entkommt. Doch bald schon muss Nathan feststellen, dass er auf Hilfe angewiesen ist - und das sowohl Weiß als auch Schwarz  ihre Grauschattierungen haben...

Mit Das dunkle in mir erzählt Autorin Sally Green die beeindruckende Geschichte eines Jungen, welcher sein Leben lang Leid erdulden, mit Schikanen umgehen und Folter ertragen muss - und dennoch die Hoffnung niemals aufgibt. Als Protagonist der Story sticht Nathan als außergewöhnlicher Junge hervor, dessen Kindheit und Lebensgeschichte nüchtern erschreckend dargestellt wird und bei dessen Flucht und Erfahrungen der Leser ihn begleiten darf. Und dabei steckt in dieser Erzählung so viel Kritik, so viel Erwähnenswertes, das der Leser provozierend nah zum moralischen Denken angeregt wird - nicht nur durch verwirrende Perspektivwechsel, sondern auch durch hervorgebrachte Missstände, welche nicht als solche gekennzeichnet werden und durch ein machtkonzentriertes System, dessen Fehler selbst schon ihn ihrer Systematik stecken.

Während man dem Lebensweg Nathan's folgt, kann man als Leser gar nicht anders, als sich zu einhundert Prozent auf die Figur einzulassen, zu erleben, was sie erlebt, zu fühlen, was sie fühlt, zu weinen, um seine Kindheit zu trauern und der Frage nachzuhängen, wie sich alles so entwickeln konnte, wie es nun mal geschieht. Denn Nathan wächst als klassischer Außenseiter auf, welcher - ohne jemals jemandem etwas getan zu haben - sofort aus dem System und der Gesellschaft aussortiert und wie ein Aussätziger behandelt wird. Erschreckend realistisch zeichnen sich seine Charaktereigenschaften auf, welche sich in seinen Handlungen, Überlegungen und Emotionen deutlich widerspiegeln - denn Nathan ist eine unglaublich komplexe, individuelle und ambivalente Figur, welche jedoch einem schlichten Ziel und Wunsch folgt: Endlich seinen Vater kennen zu lernen und zu erfahren, weshalb dieser nicht bei ihm ist, ihn nicht zu sich geholt hat, ihn der Folter der Weißen Hexen und der Demütigung der Gesellschaft überlassen hat. Trotz diesem einen, klaren Ziel jedoch ist Nathan auch eine Figur, welche sich eigene Meinungen  bildet, sich nicht manipulieren lässt, die mit Intelligenz aufwarten und einen zu Überraschen vermag, was ihn für  den Leser unglaublich einnimmt. Seine geistige und körperliche Entwicklung, welcher man sehr intensiv  beiwohnt, wirkt authentisch, nah und herzzerreißend. Und auch stark - denn um das auszustehen, was Nathan jahrelang ausstehen muss, dafür muss man einen starken Willen haben und Durchhaltevermögen besitzen. Beides sind Eigenschaften, die ihn auszeichnen und über seine gesamte Entwicklung hin begleiten - quasi der Anker seines Selbst.
Obgleich die Handlung aus Nathans' Perspektive erzählt wird, betreten desweiteren einige komische und interessante Nebenfiguren das Spielfeld, welche jedoch nur umrissen werden und in geheimnisvolle Aura verpackt werden. Es ist wie ein Spiel, dem der Leser beiwohnt - Sie tauchen auf wie Schatten, verschwinden genauso schnell wieder und hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Und dies ist auch absolut richtig so, da der gesamte Fokus der Storyline auf der Erzählung von Nathans' Geschichte gerichtet ist und Nebenfiguren eben nur das sind - Schatten in dem Leben eines anderen.

Neben den Charakteren kann vor allem die Handlung durch extreme Ambivalenz, einen sehr originellen Sprachstil, den Bruch des klassischen "Gut und Böse" und nackter, unschöner Wahrheit überzeugen. Es gibt kein Weiß und kein Schwarz sondern viele Graustufen. Nicht alles was glitzert ist Gold - und nicht alles, was Weiß ist, ist gut. Diese Geschichte vermittelt eine Botschaft, die klarer nicht sein könnte und welche den Leser mehr als einmal wachrüttelt. Wie Missstände hingenommen werden, klar gesehen werden - und so getan wird, als ob sie nicht existieren. Wie Menschen ausgegrenzt werden aufgrund von Merkmalen, für die sie nichts können. Wie skrupellos ein Regime die Rechte eines einzelnen Individuums verletzt - und sich damit auch noch im Recht sieht. Diese Dinge klingen so verkehrt und so falsch, dass man kaum glauben mag, dass dies tatsächlich geschieht. Doch die Wahrheit ist: Die Thematik des Romans spiegelt genau die wichtigen, gesellschaftlichen Probleme des Alltagslebens auf brutale und schonungslose Art so offen wieder, dass man vor Entrüstung und Mitleid gar nicht mehr weiß, wohin mit einem Selbst.
Genau diese Gedanken sind es, welche sich in dem Regime der Weißen Hexen gegenüber den Schwarzen widerspiegelt und die Realität so gekonnt in einer Fantasywelt wiederspiegelt, dass man ob der Genialität des Aufbaus der Storyline nur staunen kann.

Neben diesem großen Aspekt sticht die Story weiterhin durch spannende Dialoge, rasante Handlungsstränge und authentischer Grundstory hervor und lässt den Leser tief in Nathans' Welt eintauchen. Nie weiß man, was passiert - in jedem Kapitel warten neue faszinierende Wendungen auf den Leser und lassen viele Richtungen offen, welche den Verlauf des Roman wieder und wieder neu bestimmen. Vor allem im letzten Drittel steigt nochmals die Spannung und lässt einen actionreichen und raschen Höhepunkt zu, welcher die bisherigen Ereignisse um einhundert achtzig Grad zu drehen weiß. Die Autorin zeigt - auch ohne Cliffhanger - was in der Story steckt und das Ende des ersten Bandes dieser Serie lässt hohe Erwartungen an eine Fortsetzung zu, welche hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.


Fazit

Das Dunkle in mir von Sally Green ist ein atemberaubender, aufrüttelnder und ansteckender Roman, welcher gesellschaftliche Probleme der Realität in eine Fantasywelt projiziert und so erschreckend wie nüchtern von Nathans' Geschichte erzählt. Der Geschichte eines Jungen voller Hoffnung, dessen Leben bislang jedoch das genaue Gegenteil verhieß und der sich aller Hindernisse zum Trotz durchkämpft um das seine Ziel zu erreichen. Authentisch, nah und unglaublich erschütternd. Ein phänomenales Debüt, welches man sich definitiv nicht entgehen lassen darf!


Pro & Contra

+ Aufrüttelnd & erschreckend nah
+ Außergewöhnlicher Schreibstil (passend zur Message)
+ Authentisch in allen Grundlagen
+ Bruch des klassischen "Gut und Böse"
+ Gesellschaftskritik
+ Opferrollen
+ Überraschende Wendungen
+ Protagonist im Vordergrund der Storyline
+ Backflashs

Bewertung: 

Handlung: 5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 07. April 2014
 

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