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Das Ritual der Rache. Commissario Montalbano vermisst einen guten Freund (Andrea Camilleri)
Geschrieben von Almut
Montag, der 14. April 2014

camilleri-ritual

Lübbe, 2012 (Gebunden), 2014 (Taschenbuch)
Originaltitel: Il Campo del Vasaio
Übersetzt von Moshe Kahn
Gebunden 282 S.
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 29,90
ISBN 987-3-7857-2431-6
Kartoniert, 288 S.
€ 8,99 [D] | € 8,99 [A] | CHF 14,90
ISBN 987-3-4041-6910-8

Genre: Kriminalroman


Inhalt

Im Umfeld von Vigàta spült ein schwerer Regen einen Plastiksack mit der Leiche eines Unbekannten frei. Der Mann wurde schon vor mindestens zwei Monaten nach Mafiamanier mit einem Genickschuss getötet, anschließend in dreißig Teile zerstückelt und am Critaru, einem Tonhang, verscharrt. Commissario Salvo Montalbano fühlt sich an Judas aus dem Matthäus-Evangelium erinnert, der sich nach dem Verrat an Jesus auf dem Töpferacker erhängte. Er vermutet dem Ritual der Mafia gemäß, dass der Mann ein Verräter war. Da die Fingerkuppen verbrannt und das Gesicht eingeschlagen wurden und niemand mit der Beschreibung als vermisst gemeldet ist, bleibt die Identität des Toten unklar. Eine in Südamerika hergestellte Zahnbrücke, die der Mann bei seiner Ermordung verschluckte, ist der einzige Hinweis.

Kurz nach dem Leichenfund erscheint auf der Questura eine Frau von atemberaubender Schönheit. Dolores Alfano aus Vigàta macht sich Sorgen um ihren Ehemann Giovanni, der als Zweiter Offizier vor ein paar Monaten auf dem Containerschiff Ruy Barbosa angeheuert hat.  Zuletzt habe sie ihn am Tag seiner Abreise in der Hafenstadt Gioia Tauro bei der Verabschiedung gesehen. Er verhält sich jedoch so seltsam, schreibt und telefoniert kaum, dass ihr Zweifel kommen, ob er an Bord gegangen ist. Als Montalbano erfährt, dass Alfano aus der sizilianischen Mafiafamilie der Sinagras stammt und vor ungefähr zwei Monaten bei der Antimafia-Behörde in Montelusa ein anonymer Brief einging, in dem der alte Mafioso Balduccio Sinagra des Mordes an einem Kurier beschuldigt wird, scheint die Lösung auf dem Präsentierteller zu liegen.


Rezension

In seinem 13. Roman um Commissario Salvo Montalbano aus dem sizilianischen Vigàta konfrontiert Andrea Camilleri seinen Helden mit einem Fall, der verwickelter ist, als es den Anschein hat. Montalbano hat es mit einem perfiden Komplott zu tun und einem gefährlichen wie intelligenten Mörder, der die Polizei gezielt manipuliert und in die Irre führt. Ein Rätsel gibt ihm auch das seltsame Verhalten seines Freundes auf. Vicecommissario Domenico „Mimì“ Augello ist nervlich mitgenommen und will den Fall unbedingt an sich reißen. Montalbano befürchtet, dass sein Vicecommissario in die Sache verwickelt sein könnte. Fragen kann er ihn nicht, also muss er selbst herausfinden, was sich hinter Mimìs Verhalten verbirgt. Auch von offizieller Seite der Antimafia-Behörde in Montelusa wird gemauert.

Ein erfahrener und einfallsreicher Mann wie Montalbano weiß sich zu helfen. Er spannt seine beste Freundin ein und beschafft sich Informationen auf informellem Weg, lässt sich von einer Fernsehsendung inspirieren und von einem Buch, Andrea Camilleris Der zweite Kuss des Judas, der, wie Montalbano weiß, an einer Stelle wiederum von Leonarda Sciascia inspiriert wurde.

Bei seinen Nachforschungen begegnet Montalbano einigen skurrilen Zeugen, darunter einer eingefleischten Monarchistin mit Ballonfigur, einem Bankfilialleiter mit Bedenken, und einem Mafiaboss der alten Schule, der sich zu Montalbanos kurzzeitiger Verwirrung zum Gegner der Todesstrafe erklärt. Das Gespräch mit Don Balduccio Sinagra ist ein anschauliches Beispiel Camilleris, dass das Schweigen der Mafiosi beredter sein kann als jedes Wort. Mit Balduccios Erscheinen fühlt sich Montalbano an einen früheren Alptraum erinnert, in dem Mafiaboss Riina Ministerpräsident werden soll und ihm, Montalbano, den Posten des Innenministers anbietet. Nun fürchtet er, nicht nur einen guten Freund zu verlieren, sondern auch mit einem schlimmen Feind fraternisieren zu müssen. Mit dem Traum, in dem die Regierung die Mafia und die Mafia die Regierung ist, verweist der Autor elegant auf die realen Zustände in seinem Land.

Das Auffinden einer verstümmelten Leiche, das Verschwinden eines Offiziers der Handelsmarine, das seltsame Verhalten eines Vicecommissario, eine bildschöne Frau, die alle Männer in der Questura einschließlich Montalbano ins Schwitzen bringt, und das Matthäus-Evangelium –  all das hängt auf rätselhafte Weise zusammen. Montalbano muss nicht nur einen Mordfall klären und Beweise gegen den Täter finden, er muss auch einen Freund retten, und das alles ohne selbst dabei in Erscheinung zu treten. Wie ein Puppenspieler muss er im Hintergrund bleiben und die Fäden ziehen. Dabei gerät er immer wieder in moralische Nöte und unangenehme Situationen.

Neben dem Commissario treten die üblichen Nebenfiguren aus dem Mikrokosmos der Montalbano-Romane auf: die Polizisten Mimì Augello, Fazio und Catarella, der sich keinen Namen richtig merken kann, der Pathologe Dottor Pasquano, die Verlobte Livia aus Boccadasse, die einen Sensor für Montalbanos Lügen hat und ausgerechnet ihn an Mimìs merkwürdigem Verhalten die Schuld gibt, seine reizende Freundin Ingrid aus Montelusa und die Haushälterin und Köchin Adelina, eine wichtige Frau im Leben des Feinschmeckers.


Fazit

Camilleri erzählt in Das Ritual der Rache eine raffinierte Kriminalgeschichte, reflektiert menschliches Verhalten mit dem Blick des Humanisten, des Satirikers und Realisten und liefert Einblicke in das Lebensgefühl, die Lebenswirklichkeit, die Marotten der Menschen und in die Küche Siziliens. 


Pro und Kontra

+ ein Protagonist mit Eigenschaften
+ ein mörderisches Verwirrspiel mit tiefgründigen bis komischen Dialogen 
+ Überlegungen zur Antithetik von alter und neuer Mafia und zur aktuellen Politik der Mafia
+ schön aufgemachtes Buch mit Lesefaden und Leineneinband

Wertung:sterne4.5
Handlung: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu „Ein Samstag unter Freunden“

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 14. April 2014
 

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