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Der Tanz der Möwe. Commissario Montalbano erblickt die Wahrheit am Horizont (Andrea Camilleri)
Geschrieben von Almut
Mittwoch, der 07. Mai 2014

camilleri-moewe

Lübbe 2014
Originaltitel: La danza del gabbiano (2009)
Übersetzt von Rita Seuß und Walter Kögler
Gebunden 268 S.
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 29,90
ISBN 987-3-7857-2499-6

Genre: Kriminalroman


Inhalt

Als Montalbano eines Novembermorgens auf seine Veranda tritt und aufs Meer hinausblickt, beobachtet er eine Möwe, die im Sturzflug auf den Strand hinuntergleitet. Was aussieht wie ein Tanz, ist ein Todeskampf. Auf der Questura in Vigàta erfährt Montalbano, dass sein Lieblingspolizist Fazio verschwunden ist. Das passt ihm gar nicht, denn eigentlich wollte er ein paar Tage mit seiner Verlobten Livia verreisen, die gerade aus Boccadasse eingeflogen ist. Angeblich wollte sich Fazio in der letzten Nacht mit ihm, Montalbano, im Hafen von Vigàta treffen, doch Montalbano weiß von nichts. Im Hafen stößt er auf Hinweise, dass Fazio in eine Schießerei geraten ist. Anscheinend hat Fazio auf eigene Faust Ermittlungen geführt und ist in einen Hinterhalt geraten.

Ein anonymer Tipp führt Montalbano ins abgelegene Ödland der Mafia, wo die Feuerwehr zwei namenlose Tote aus zwei ausgetrockneten Brunnen zieht. In der Nähe findet Montalbano den schwer verletzten Fazio, der einen Kopfschuss erlitten hat und sich vorerst nur erinnert, dass es um eine Schmuggelsache geht. Montalbano muss herausfinden, mit wem sich Fazio im Hafen treffen wollte. Und er muss sich beeilen, denn ein Killer mit einer Narbe im Gesicht hat es auf Fazio abgesehen. Da scheint die Begegnung mit der attraktiven Krankenschwester Angela, die Montalbano durch das labyrinthische Krankenhaus navigiert und sich mit ihm zum Essen verabredet, eine angenehme Abwechslung zu sein. Aber kann er ihr auch trauen? Es gibt einen weiteren Anschlagsversuch auf Fazio und einen weiteren Mord. 


Rezension

In seinem 15. Fall gerät Andrea Camilleris Held, Commissario Salvo Montalbano aus dem sizilianischen Vigàta, ins Visier des Sinagra-Clans, einer der zwei wichtigsten Mafiafamilien der Region. Am Ende sieht er sich mit drei Problemen konfrontiert. Er muss Fazio, Angela und sein eigenes Leben retten, die Killer und deren Auftraggeber zur Rechenschaft ziehen und eine Schmuggelsache regeln. Geht er den offiziellen Weg, versackt alles wegen der ineffizienten und korrupten Bürokratie, Geheimdienste und Politiker. Geht er den inoffiziellen Weg, setzt er seine Karriere aufs Spiel, aber zumindest besteht die gute Chance auf einen Teilerfolg.

Mindestens ebenso spannend wie der Fall, der von aktueller Brisanz ist, aber auf einer Nebenspur erzählt wird, ist die Hauptfigur Salvo Montalbano selbst, ein Mann Ende fünfzig, der alleine in einem Haus am Meer lebt, eine Verlobte weit weg in Boccadasse auf dem Festland hat und eine Haushälterin, die ihn bekocht. Denn gutes Essen und Trinken ist wichtig und tröstet über Phasen der Melancholie hinweg. Montalbano ist ein Mann der festen Gewohnheiten und hält auch in Krisen an seinen Freunden fest. Das zeigt sich einmal mehr, als Fazio verschwindet.

Die Wahrheit ist ein Luxus auf Sizilien, weiß auch Montalbano, und handhabt den Umgang damit flexibel, ignoriert Vorschriften und Gesetze. Das kann damit beginnen, dass er betrunken Auto fährt, und damit enden, dass er den Mord eines alten Mafioso verschleiert wie in Das Ritual der Rache. Camilleri stellt seinen Commissario gerne vor scheinbar unlösbare Probleme, um dessen Reaktion aufzuzeigen. Seine Hauptfiguren sind proaktiv, sie kreieren Situationen, indem sie Menschen manipulieren, um ans Ziel zu gelangen. Wichtige Voraussetzung dafür ist das Wissen um Zusammenhänge und Hintergründe, herrschende Machtstrukturen, Menschenkenntnis und die Schwächen des Feindes. Versteckte Hinweise und Signale müssen entdeckt und entschlüsselt, Verknüpfungen hergestellt, die richtigen Schlüsse gezogen, ein Schlachtplan entwickelt werden. Der Rest ist nur noch Vollzug.

Montalbano durchdenkt das Problem gerne in Diskussionen mit seinem Vicecommissario und Freund Mimì Augello oder in dessen Abwesenheit mit sich selbst, indem er seine Person kurzerhand aufspaltet in Montalbano eins und Montalbano zwei. Dieser Kunstgriff lässt den Leser unmittelbar an den Überlegungen Montalbanos teilhaben. Beim Lügen und Manipulieren folgt Montalbano dem Prinzip Justitias. Er diskriminiert nicht zwischen einem einfachen Mitarbeiter oder dem Polizeipräsidenten. Als er befürchtet, dass Fazio erschossen und ins Hafenbecken geworfen worden ist, will er Taucher anfordern lassen. Das kann nur der Polizeipräsident, was wiederum bedeutet, den offiziellen Weg zu gehen und Fazios Frau möglicherweise unnötig zu beunruhigen. Letzteres will er unbedingt vermeiden. Montalbano löst das Dilemma, indem er den Polizeipräsidenten belügt und behauptet, seine Pistole sei ihm ins Hafenbecken gefallen. Nach einer Diskussion und weiteren Spontanlügen siegt Montalbano und bekommt die Taucher. Seinem Ego schadet es nicht, dass der Polizeipräsident ihn für schusselig hält.

Camilleris Held sorgt mit seiner unorthodoxen Vorgehensweise immer wieder für Überraschungen. Wie er sich aus komplizierten Situationen herausmanövriert und die Wahrheit umschifft ist mal komisch, mal hochriskant, immer aber intelligent, nachvollziehbar und effektiv und macht einen großen Reiz des Lesens aus.


Fazit

Montalbano wird in Der Tanz der Möwe mit einem Fall konfrontiert, der ihn persönlich betrifft und ihn in das Milieu der Mafia führt. Wie immer großartig erzählt, inspirierend, spannend und realistisch, mit einem Protagonisten, der eine Balance zwischen Humor und Melancholie hält. Camilleri erspart dem Leser weder die Brutalität der Mafia noch die Korruptheit der Politiker.


Pro und Kontra

+ Salvo Montalbano: pragmatisch, menschlich, gerecht und am Ende dieses Romans ein wenig enttäuscht
+ eine großartig erzählte Geschichte, vertrackt und verästelt, in der das kleinste Detail eine große Rolle spielen kann
+ realistisches, aktuelles Bild der sizilianischen Lebenswelt mit einigen Details zur Mafia und deren neuestem Geschäftsmodell 
+ schön aufgemachtes Buch mit Lesefaden und Leineneinband

Wertung: sterne4.5
Handlung: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5 


Rezension zu „Ein Samstag unter Freunden“

Rezension zu „Das Ritual der Rache“

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 07. Mai 2014
 

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