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Des Schrecklichen Anfang (Christian Damerow)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 03. September 2014

AAVAA (Juli 2014)
Klappbroschur, 327 Seiten, 11,95 EUR
ISBN: 978-3845911755

Genre: Phantastik / Philosophie / Religion


Klappentext

Gibt es ein Leben nach Gott? Für viele längst beantwortet, stellt sich die Frage den Engeln zum ersten Mal, als Gott tödlich erkrankt. Wie soll es ohne Schöpfer weitergehen? Während ein verhängnisvoller Kampf um den Thron entbrennt, nutzt ein unbekannter Feind den Augenblick der Schwäche und rüstet zum Angriff. Ein Feind, der um das größte Geheimnis Gottes weiß. Ein Geheimnis, welches den Status Quo des Himmels in Frage stellt.


Rezension

Gott stirbt. Aus diesem simplen Satz heraus entfaltet sich das bedeutungsschwere Drama um eine Apokalypse, in der vieles falsch läuft. Gleichzeitig ist „Des Schrecklichen Anfang“ eine Familiengeschichte, denn die Söhne Gottes müssen mit diesem unvorstellbaren Szenario fertig werden. Ihr allmächtiger Vater, der Schöpfer, ist sterbenskrank und während er dahinsiecht, bricht das Chaos im Himmel wie auch auf Erden aus.

Ein verheerender Krieg tobt im Nahen Osten und droht, die Welt in den Abgrund zu stürzen. Währenddessen erhält der jüngste Gottessohn, Ara, den Auftrag seinen verstoßenen Bruder Abba zurück zu holen. Abba lebt in der ägyptischen Wüste auf einer spartanischen Farm und dort beginnt eine Reise, deren Ausgang sicher erscheint und die dennoch voller Überraschungen steckt. Im Gegensatz zu Ara, der im Angesicht seines totkranken Vaters und der nahenden Apokalypse überfordert ist, scheint Abba einen Plan zu haben. Er begibt sich auf die Suche nach Lilith, die einst ebenfalls von Gott verstoßen wurde und dabei gefallen ist. Und er will sich mit Luzifer verbünden, denn dieser hat ebenso wie Ara und Abba großes Interesse daran, die Schöpfung zu bewahren. Ara erhält zudem Unterstützung von der geheimnisvollen jungen Frau Zoe, die plötzlich im Himmel aufgetaucht und die nach ihrer Mutter sucht.

Während Ara und Abba versuchen, das Schlimmste zu verhindern, nimmt die Apokalypse ihren Lauf. Die Toten erstehen auf und marschieren gen Jerusalem, wo sich die Engel Gottes und die Heerscharen Luzifers bald bekriegen. Die Menschen können nur fassungslos zusehen, wie das Ende der Welt anbricht. Erklärungen bieten nur die Religionen an, während Politik und Wissenschaft versagen.  Christian Damerow geht auf die Menschen allerdings eher zweitranging ein. Er umreißt kurz die Reaktionen auf das himmlische Spektakel, beschreibt, wie Menschen auseinander getrieben werden und zusammenrücken. Wie sie dem Ende ihrer Welt zusehen und in den Kampf zwischen dem Himmel und einer fremden Macht von außen hineingezogen werden. Doch all das erscheint nebensächlich im Angesicht der persönlichen Schicksale der Gottessöhne und ihrer Verbündeten (wozu auch ein Menschenjunge gehört).

Die Protagonisten sind allesamt sehr unterschiedliche Charaktere und wie das in großen Familien nun einmal ist, kann man sich bei manchen kaum vorstellen, dass sie tatsächlich verwandt sind. Ara ist in seiner Jugend (sofern man bei einem Engel davon sprechen kann) unsicher und ist die meiste Zeit ein Mitläufer, doch er ist auch der einzige der himmlischen Söhne, der Abbas Sehnsucht nach Freiheit verstehen kann. Seine anderen Brüder sind stark in den Vorstellungen ihres Vaters verhaftet, begegnen der Krankheit Gottes allerdings auf völlig unterschiedliche Weise. Als Charaktere sind sie glaubhaft und teilweise vergisst man, dass es sich um Engel handelt, vor allem bei Ara und Abba. Bei manchen erkennt man auch Ähnlichkeiten zu Christian Damerows früherem Werk „All eye cats“, beispielsweise erinnert Lilith ein wenig an Sibylle.

Ähnlich wie bei „All eye cats“ besteht „Des Schrecklichen Anfang“ zunächst aus scheinbar zusammenhanglosen Kapiteln, wobei dieses Mal schneller ein roter Faden zu erkennen ist. Christian Damerow tritt als auktorialer Erzähler auf, der abwechselnd in die Perspektiven der Protagonisten eintaucht und die Situation von außen beleuchtet. Wo in der gegenwärtigen Unterhaltungsliteratur großen Wert auf das „show“ gelegt wird, stützt sich „Des Schrecklichen Anfang“ mehr auf das „tell“ – wobei viele Szenen auch sehr detailliert gezeigt werden. Dazwischen finden sich große Erzählblöcke, wo die Ereignisse parallel umrissen und mitunter kommentiert werden. Das liest sich für den Durchschnittsleser ungewöhnlich, vielleicht auch schwierig, aber Christian Damerow kann so gut mit der deutschen Sprache umgehen, dass viele Sätze wie Öl runtergehen.  

Dennoch muss man „Des Schrecklichen Anfang“ ab und an aus der Hand legen, weil der Roman schlichtweg so dicht geschrieben ist, dass man Verdauungsphasen braucht. Denn was Christian Damerow hier schreibt, muss man sich erst einmal trauen. Religion ist ein höchst sensibles Thema und über den Sterbeprozess Gottes zu schreiben, ist mutig. Das Ganze dann auch noch in einen phantastischen Kampf um die Schöpfung zu packen, in dem realistische, Fantasy- und Science Fiction-Elemente bunt gemischt werden, ist noch mutiger. Insbesondere wenn sich die Geschichte von der Erde entfernt und Ereignisse im All beschrieben werden, dürfte mancher Naturwissenschaftler mit dem Kopf schütteln, während sich der Geisteswissenschaftler fragt, ob das hier gezeichnete Gottes- und Himmelsbild überhaupt mit einem Universum mit Sonnensystemen, Sternennebeln und schwarzen Löchern vereinbar ist.   

Für „Des Schrecklichen Anfang“ muss man einerseits Freude am Querdenken und Vernetzen mitbringen, andererseits darf man sich nicht über alles einen Kopf machen. Vieles muss man einfach hinnehmen und geschehen lassen, da viele Szenen eher metaphorisch gesehen werden sollten. Das Buch liest sich dabei ein bisschen wie ein Traum, in dem die Bilder zunächst chaotisch erscheinen. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich ein tieferer Sinn, für jeden wohl einen anderen. Ebenso wohnt den Bildern in „Des Schrecklichen Anfang“ ein philosophischer und psychologischer Bezug zum Leser inne. Man kann den Roman als Frage nach Gott, der Religion und dem Leben interpretieren, man kann ihn aber auch als persönliches Drama um den Tod eines geliebten Menschen sehen, welcher das Ende der Welt bedeuten kann.

Das Paperback ist recht stabil und überlebt auch längere Reisen in der Tasche unbeschadet. Allerdings ist die Bindung etwas fest, sodass man auf den ersten und letzten Seiten das Buch stark verbiegen muss, um alles lesen zu können – da fürchtet der sorgsame Leser gleich um hässliche Knicke im Buchrücken. Diese Angst ist allerdings unbegründet. Preislich kann man auch nicht viel meckern und so sollte jeder, der gern abseits der Masse oder auch gegen den Strom schwimmt, diesem Buch eine Chance geben.


Fazit

„Des Schrecklichen Anfang“ ist ein phantastisches Werk über den Sterbeprozess Gottes, ein Drama für die Welt und eine persönliche Katastrophe für die Engel. Der ungewöhnliche Erzählstil und die Komplexität des Romans erfordern konzentriertes und interessiertes Lesen, das über den reinen Text hinausgeht. Zu diesem Buch kann und muss man sich Gedanken machen.  Wer dazu bereit ist, kann sich auf ein besonderes Leseerlebnis freuen, inklusive Fassungslosigkeit und Aha-Erlebnis.  


Pro & Contra

+ komplex, vernetzt und vielschichtig
+ guter, ungewöhnlicher Schreibstil
+ persönliches Drama der Engel
+ interessante, facettenreiche Charaktere
+ philosophische Elemente

o extrem heikle Thematik
o absolut nicht massentauglich

- zum Ende hin zu abgedreht

Wertung: sterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Interview mit Christian Damerow (2014)

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Rezension zu "All eye cats"

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 03. September 2014
 

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