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Dunkle Stunden (Hrsg. Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser)
Geschrieben von Judith
Donnerstag, der 15. Januar 2015

dunkle stunden

Torsten Low (Oktober 2014)
Taschenbuch, 426 Seiten, 14,90 EUR
ISBN: 978-3-940036-26-1

Genre: Düstere Phantastik / Horror / Anthologie


Klappentext

Dunkelheit. Ratten, die diese bevölkern. Dazwischen ein einzelner Mensch, dem nichts anderes geblieben ist als zu hoffen …
Ein finsteres Verlies. Etwas ist darin eingesperrt und wartet auf seine Abholung. Doch seine Wärter trauen sich nicht hinab, sie verhandeln miteinander, vielleicht losen sie. Der mit dem kürzesten Strohhalm muss hinuntersteigen …
Ein Professor für Quantenphysik, der sich mit seinen Experimenten weit hineingewagt hat in eine Welt jenseits aller Vorstellungskraft – und zu nahe an etwas, das er einmal für Gott hielt …

Diese und weitere packende Visionen aus Düsternis, Grauen und Verzweiflung versammeln sich in der Dunkelheit zwischen den Buchdeckeln und warten darauf, im Licht der Leselampe enthüllt zu werden. Doch auch Nachdenkliches, Verspieltes und selbst eine Prise Humorvolles schlummert verborgen zwischen den Seiten. 25 Geschichten, die Atmosphäre atmen und an die man sich erinnert – mit einem Lächeln auf den Lippen oder mit einem angenehmen Schauer im Nacken.


Rezension

Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser kennen Fans phantastischer Kurzgeschichten bereits aus diversen Anthologien – „Dunkle  Stunden“ ist jedoch die erste, die sie selbst herausgeben. Den Leser erwarten 25 düstere Geschichten, teilweise von namhaften Autoren wie Oliver Plaschka, Thilo Corzilius und Markus K. Korb, die sich allesamt den wahrhaft dunklen Seiten des Lebens und grausamen Alpträumen widmen. Ob Ungeziefer und Ratten, enge, dunkle Räume oder der drohende Tod – hier wird nahezu keine Angst ausgelassen und die Protagonisten der Geschichten blicken in die Abgründe der Welt und die ihrer eigenen Seelen:

Kaiser und Lohwasser liefern mit „Der letzte Gast“ selbst eine der atmosphärischsten und spannendsten Geschichten dieser Anthologie. Auf einer Berghütte sitzen der Protagonist, der Wirt, ein Pfarrer sowie zwei Männer einen Sturm aus, als es plötzlich an der Tür klopft. Der Wirt will sein Prinzip, niemals die Tür nach Einbruch der Nacht zu öffnen, treu bleiben, und es entbrennt eine hitzige Diskussion, ob man die arme Seele nun hereinlassen soll oder nicht. Das Ende überrascht und lässt einen den Hut ziehen, denn eine so gut und vor allem klug erzählte Kurgeschichte bekommt man selten geboten.

Bei „Nur Scheiße“ von Jan-Christoph Prüfer ist nicht nur der Titel ungewöhnlich und hart. Die Geschichte um einen Kanalarbeiter, der sprichwörtlich den beschissensten Job der Welt hat, punktet mit ihrer bizarren Atmosphäre und der Dunkelheit im Herzen des Protagonisten. Dieser muss sich mit Ängsten und Trauer auseinandersetzen und obwohl eigentlich nicht viel passiert, zieht dieser Beitrag die Leserschaft in seinen Bann.

Christian Damerow beweist mit „Nicht vom Land, nicht von der See“ wieder einmal, wie gut er eine scheinbar realistische Handlung ins Phantastische gleiten lassen und dabei auch noch eine berührende Geschichte erzählen kann. Ein Vater begleitet seinen Sohn zurück zu dessen Studienort, wo alles anders ist, als es sein sollte. Schließlich muss der Vater sich mit einer bitteren Wahrheit auseinandersetzen. Einer der ruhigeren Beiträge dieser Anthologie, der mit seiner melancholisch-entrückten Atmosphäre besticht.

Markus K. Korb schafft in „Träume vom Abgrund“ eine dunkle, surreale Atmosphäre, während der Protagonist von alptraumhaften Visionen geplagt wird – von einer wunderschöne Frau, die im Spiegel nur noch einen augenlosen Schädel sieht, einem Onkel, der sich an einem Kind vergeht … Hervorzuheben ist die Sprache dieser Geschichte, welche der düsteren Poesie eines H.P. Lovecraft ähnelt und den Inhalt zwischen dunklem Traum und Wirklichkeit verschwimmen lässt.

Frau Legnowski und die Qualen der Hölle“ von Matthias Töpfer erzählt die Geschichte einer älteren Dame, die in einer Reinigung unter der Aufsicht eines widerlichen Chefs die Hände wund arbeitet, um ihrem Enkel ein angenehmes Leben zu bieten. Eines Tages erscheint ein finsterer Mann und überreicht ihr einen Mantel, den Frau Legnowski trotz ihrer Angst vor dem Fremden annimmt und säubert. Die Bezahlung übertrifft dabei ihre kühnsten Träume … Die Geschichte ist zwar in groben Zügen vorhersehbar, besitzt jedoch einen enormen Unterhaltungswert und bleibt einem auch auf der letzten Seite dieser Anthologie im Gedächtnis.

Neben einigen herausragenden Geschichten und einigen sehr stimmungsvollen gibt es auch diverse belanglose Texte, die zwar handwerklich gut umgesetzt wurden, aber weder inhaltlich, noch atmosphärisch überzeugen. Kurze Szenen, in denen die Protagonisten Schlimmes durchleben, allerdings ohne Rahmenhandlung und somit mehr Ausschnitte aus Alpträumen denn überzeugende Geschichten. Man vermisst etwas Finesse, eine gelungene Auflösung oder schlichtweg das gewisse Etwas, das eine kurze Szene eindrucksvoll und erschütternd macht.  Manch längerer Beitrag verliert sich hingegen in längst ausgereizten Bildern und entlockt dem Leser nur ein Schulterzucken, bevor er den Inhalt viel zu schnell wieder vergisst.

Da zeigt sich wieder einmal, wie schwer es ist, eine gelungene Kurzgeschichte zu schreiben, die weder unnötig ausufert noch zu wenige Informationen bietet. Bei 25 Beiträgen hat man letztlich den Eindruck, dass auch hier weniger mehr gewesen wäre: Weniger Beiträge, dafür etwas mehr Raum für die Schätze dieser Anthologie, die nicht zwingend ihre vierhundert Seiten braucht. Nichtsdestotrotz überzeugt die Mehrheit der Beiträge in „Dunkle Stunden“. Die Anthologie besticht zudem mit ihrer Vielfalt: Kaum eine Geschichte gleicht der anderen, alle sind sie düster, aber dabei ganz unterschiedlichen, phantastischen Genres zuzuordnen. Auch die Gestaltung des Taschenbuches überzeugt: Die Titelseiten jedes Beitrags wurden mit passenden Grafiken aufgewertet und die Autoreninformationen finden sich jeweils zu Beginn der Geschichten, wo sie mehr Beachtung bekommen als im Anhang.


Fazit

„Dunkle Stunden“ bietet nahezu für jeden Fan düsterer Phantastik stimmungsvolle Geschichten, die überraschen, nachdenklich stimmen oder einfach nur gruselig sind. Die Autoren spielen mit Ängsten und Schreckensszenarien und auch wenn mancher Text beim Leser durchfällt, staunt man doch über die enorme Vielfalt, die einem hier geboten wird.


Pro & Contra

+ vielfältige Textauswahl
+ einige echte Juwelen
+ einige handwerklich gute Texte
+ Spiel mit Ängsten und Schreckensszenarien
+ verschiedene, phantastische Genres
+ schöne Aufmachung der Anthologie
+ Autoreninfos direkt bei den Geschichten

- insgesamt zu viele Texte …
- … von denen ein paar nicht überzeugen

Wertung: sterne4

Texte: 3,5/5
Vielfalt: 4,5/5
Gestaltung: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5


Interview mit Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser (2015)

Rezension zu "Geschichten unterm Weltenbaum"

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 20. Januar 2015
 

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