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Die dunkelbunten Farben des Steampunk (Hrsg. Grit Richter)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 17. April 2015

Art Skript Phantastik (März 2015)
Taschenbuch mit farbigen Texten
280 Seiten, 13,80 EUR
ISBN: 978-3945045022

Genre: Steampunk-/ Steamfantasy-Anthologie


Klappentext

Lassen Sie sich entführen zu den dunkelbunten Seiten der Steampunk-Welten! Zwischen Zeppelinen und Dampfmaschinen schlängeln sich mannigfaltig schattierte Farben durch die Geschichten und wispern den Zahnrädern Geheimnisse zu. Mal äußerst prägnant, mal zurückhaltend dezent erzählen sie von einer retro-futuristischen Welt, die es nie gab, von vergessenen Nuancierungen und verlorenen Träumen. Jede Geschichte erzählt von ihrer eigenen Farbe, die sich selbst in den Buchstaben widerspiegelt und gemeinsam ergeben sie eine Anthologie, die ihres Gleichen sucht.


Rezension

Mit „Die dunkelbunten Farben des Steampunk“ hat sich Herausgeberin Grit Richter einen persönlichen Traum erfüllt: Eine Anthologie mit bunten Texten, deren Farben sich in den Inhalten wiederspiegeln. 14 Autoren sind diesem Traum gefolgt und lassen den ansonsten kupfermetallischen Steampunk in verschiedensten Farbtönen erstrahlen. Vorweg sei gesagt, dass sich die farbigen Texte allesamt erstaunlich gut lesen lassen, selbst in rosarot, türkis oder orange. Ansonsten dominieren dunkle Farben, auf allzu helle wurde verzichtet, um die Augen zu schonen. Die Farben spiegeln sich zudem in den jeweiligen Titeln, weshalb sie in der Einzelkritik keiner weiteren Erwähnung bedürfen:

Den Anfang macht Detlef Klewer mit „Silberne Augengläser“, welche eine typische Ermittlergeschichte á la „Sherlock Holmes“ darstellt, allerdings mit einer toughen Dame als Heldin: Henriette Peabody. Auf der Suche nach einem Freund scheut sie weder vor missmutigen Polizisten noch vor weniger auskunftsfreudigeren Chinesen zurück. Selbst den Ungeheuerlichkeiten, die sie durch die silbernen Augengläser sieht, stellt sie sich mutig entgegen. Die Geschichte wirkt anfangs etwas langatmig, bietet zum Ende hin jedoch eine gelungene Überraschung und überzeugt letztlich mit Sprachgefühl und dem ungebrochenen Engagement von Miss Peabody.

Stefanie Bender widmet sich in „Rosaroter Dampf“ dem Traum von der Unsterblichkeit und Adam Opel, der Mitte des 19. Jahrhunderts Nähmaschinen herstellt. Doch das reicht dem jungen Mann nicht, er strebt nach Höherem und bedient sich der Hilfe einer magischen Dame, die sein Herz erobert hat. Die Geschichte wird aus Sicht eines Freundes von Adam erzählt, der unfreiwillig in dessen Wahnsinn verstrickt wird.  Die Verbindung von Magie und Technik ist hier äußerst interessant, das Ende hingegen war leider vorhersehbar und kommt zu abrupt.

Rot wie Teufelsatem“ setzt das Farbthema sehr intensiv um: Jonathan Archer hat Frau und Kind verloren und versucht nun, den Schmerz mit Hilfe einer Droge namens Teufelsatem in Emotionslosigkeit zu ersticken. Trotzdem ist er getrieben von dem Wunsch, endlich die Wahrheit über den Tod seiner Familie zu erfahren – und dafür einen Handel mit einem Dämon zu schließen. Corinna Schattauer gelingt es, eine dichte und surreale Atmosphäre zu schaffen, die Steampunkelemente und Dark Fantasy zu einer kreativen Geschichte über Verlust und Täuschung vereint. Ein dunkler Traum aus teuflischem Rot und eine der besten Beiträge dieser Anthologie.

Katharina Fiona Bode beschert uns mit „Erasmus Emmerich und der zinnoberrote Zinnsoldat“ ein Wiedersehen mit ihrem verrückten und etwas schusseligen Erfinder und seiner sympathischen Qualmfee Marie. Die beiden eilen einem befreundeten Künstler zu Hilfe, der aus Versehen einen Wutgeist erschaffen hat, der unter anderem einen Zinnsoldaten aus einem Buch vertreibt und ihn zinnoberrot färbt. Zudem erwachen allerhand Dinge zum Leben. Skurrile Handlung trifft auf unheimlich amüsante Dialoge, die die Leserschaft bestens unterhalten.

Der Titel der nächsten Geschichte zaubert unweigerlich ein Lächeln auf die Lippen der Leser: Markus Cremer serviert uns mit „Archibald Leach und das Grauen in Orange“ das zweite Wiedersehen dieser Anthologie: Sarah Goldberg kann es kaum glauben, als Archibald in ihre Wohnung stürmt und verkündet, dass sie sofort ins Schlafzimmer müssten. Wird er ihr endlich seine Gefühle zeigen? Sarahs Hoffnung wird von einem Blick aus dem Fenster zerstört: Eine riesige, glibberige, außerirdisch anmutende, orange Masse nagt am Tower von London und frisst Menschen. Wieder einmal müssen Archibald und Sarah die Welt retten …  Die Geschichten um Archibald Leach haben inzwischen Kultstatus erlangt und auch dieses Mal unterhält Markus Cremer mit viel Humor und einer herrlich bizarren  Story.

Auch die Protagonistin aus „Helena Roth und die grasgrüne Seide“ von Isabelle Wallat ist der Leserschaft bereits bekannt. Gemeinsam mit ihrem Bruder geht die toughe junge Dame dem Geheimnis einer grasgrünen Seide, die ihre Träger zu willenlosen Marionetten macht, nach. Die gute Grundidee braucht auch dieses Mal etwas zu lange, bis sie zündet, und nach den beiden sehr unterhaltsamen Beiträgen mit Erasmus Emmerich und Archibald Leach fällt Helena Roth im direkten Vergleich leider etwas ab. Vielleicht hätte man diese Geschichte besser weiter hinten in der Anthologie platziert.

Andrea Bienek liefert mit „Biggels Gespür für Moos“ eine der originellsten Geschichten dieser Anthologie ab, denn sie wird überwiegend aus Sicht des Hundes Biggel erzählt, der nach einem Unfall nur noch mit Hilfe einer aufwändigen Metallkonstruktion laufen kann. Sein Herrchen ist ein Polizeikommissar und sein Frauchen eine Dschinn. Gemeinsam mit Biggels herausragendem Spürsinn decken sie gemeinsam Mordfälle auf – und werden in eine scheußliche Intrige verstrickt. Eine tolle Story, die das Farbthema gut aufgreift, zum Ende hin überrascht, aber auch für Frust sorgt. Biggel als außergewöhnlicher, supersympathischer Hundeprotagonist ist eines der Highlights dieser Sammlung.  

In „Marinikum Amethysta“ von Denise Mildes hat die Entdeckung eines neuartigen Rohstoffs die Welt vollkommen verändert. Das violette Metall, das am Grund der Ostsee gefördert wird, bestimmt den Alltag der Bürger. Einzig Protagonist Karl-August betrachtet den Fortschritt kritisch, denn das Marinikum bewirkt, dass die Menschen immer gleichgültiger werden. Als er sich zur unterseeischen Miene begibt, um seinen Sohn zurückzuholen, stößt er auf unerwartetes Grauen … In dieser Kurzgeschichte spürt man zum einen deutliche Kritik an der Gesellschaft (die sich auf die Gegenwart übertragen lässt) und zum anderen das dunkle Grauen eines H.P. Lovecraft, der die Autorin offensichtlich inspiriert hat.  

Aconitum Napellus – Dunkelblaues Gift“ von Ashley Kalandur gehört zu den schwächeren Beiträgen dieser Anthologie. Protagonist Alexander wird von einer Bestie schwer verletzt und entdeckt kurz darauf, dass er von Werwölfen abstammt und sich allmählich selbst in einen verwandelt. Ein befreundeter Professor meint, ihn mit dem Gift einer Pflanze heilen zu können … Leider wirkt die Geschichte recht konstruiert und ein echtes Spannungsmoment fehlt. Viel mehr plätschert die Handlung vor sich hin, ehe sie zu einem übereilten Ende kommt.

Dennis Frey bezieht sich in „Ein Traum in Königsblau“ auf ein bekanntes Märchen und webt eine Steamfantasyversion daraus: Henri Dupois hat den färbenden Webstuhl erfunden und sonnt sich in seinem Erfolg, als ein Bote des Königs ihm eine besondere Bitte vorträgt: Henri soll einen Mantel anfertigen, gefärbt in einem völlig neuen Blau! Ein Versagen wäre ein nicht mehr gutzumachender Skandal. Also greift Henri zu okkulten Mitteln … Die Geschichte hebt sich thematisch schön vom Rest der Anthologie ab und bietet ein gelungenes, rundes Ende.  

Das Türkis des vergessenen Sommers“ von Sabrina Železný beschreibt ein Südamerika, in dem Farben zu etwas Wertvollem geworden sind. Während der Großteil von Buenos Aires in Schmutz, Gift und Grau ertrinkt, erscheint das Viertel der Reichen auf Hochglanz poliert. Die Fahrradkurierin Kayla transportiert eine verbotene Fracht in diese sauberen Viertel: Farben. Erdbeerrot, Smaragdgrün und das titelgebende Sommertürkis. Für einen einzigen Blick auf diese seltene Farbe muss sie teuer bezahlen … Die Geschichte beginnt relativ ruhig, dann bricht die Dramatik sowohl über Kayla als auch über den Leser herein. Ein kreativer Beitrag mit einem unerwartet schönen Ende.

Daniel Schlegel siedelt seine Geschichte „Hellbraun – Leben und Tod“ in der Wüste des Orients an. Protagonist Edgar hat ein Gespür für Wasser und fördert es aus dem scheinbar leblosen Wüstensand, um die Wolkenmaschine in Neu Konstantinopel anzutreiben. Die Konsequenzen, wie ausgetrocknete Oasen und verdurstende Wüstenbewohner, sind ihm gleichgültig – seine Bezahlung allerdings nicht. Die Warnungen seiner Arbeiter, dass der Rachegeist Nish’ur die Bohrungen stoppen wird, ignoriert er … Die Geschichte entpuppt sich als weniger phantastisch als sie zwischenzeitlich wirkt und die Kritik am Kapitalismus erscheint ein wenig zu dick aufgetragen. Die Atmosphäre zwischen Wüstenhitze und Industrialisierung ist jedoch äußerst reizvoll.

Eine sprichwörtlich zauberhafte Geschichte ist „Die bronzene Silbermünze“ von Daniel Huster. Protagonist Oskar verdingt sich als Straßenzauberer und lebt mit seinem Vater in einem alten Theater. Zufällig bestiehlt er dessen neuen Besitzer, da dieser Oskar vor seinem Publikum gedemütigt hat. Dabei ahnt der junge Mann noch nicht, welch düsteres Geheimnis die bronzefarben schimmernde Münze birgt … Die Illusionisten des späten 19. Jahrhunderts haben ihren speziellen Reiz, den der Autor hier gekonnt bedient. Man fühlt sich unweigerlich in ein altes Theater mit weinroten Sitzen versetzt und bewundert Tricks und wahre Magie.  

Fabian Dombrowski begibt sich in „Die graue Einöde des Vergessens“ in die sagenumwobene Welt der Götter. Charun und Mara erkunden eine alte Tempelanlage, in der sie das legendäre Schiff Argo vermuten. Was sie in der tiefen Dunkelheit zwischen makabren Fallen erwartet, ist allerdings ihre eigene Vergangenheit … Eine sehr schöne und spannende Idee, die sich in der Kürze jedoch nicht recht entfalten kann.  Auch bleibt das Grau der Geschichte auffallend blass. Der flüssige und leicht poetische Schreibstil machen die Geschichte dennoch zum Lesegenuss.   

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Die dunkelbunten Farben des Steampunk“ eine der abwechslungsreichsten Anthologien des Genres ist und gleichzeitig mit Qualität besticht. Die ein oder andere Geschichte wirkt im Anbetracht der Originalität vieler Erzählungen etwas schwach, doch selten gelingt es einer Kurzgeschichtensammlung durchweg so gelungene Texte zu präsentieren. Man spürt durchweg, wie viele Gedanken in den einzelnen Beiträgen stecken und dass die meisten Autoren sich im Genre heimisch fühlen. Das Farbthema wurde jeweils wunderbar aufgegriffen und Herausgeberin Grit Richter hat bewiesen, dass Steampunk nicht nur Kupfer- und Messingassoziationen wecken muss. Einsteiger bekommen hier das ganze Spektrum des Genres geboten, von klassischem Steampunk über humorvolle Geistergeschichten bis hin zu düsterer Steamfantasy ist alles dabei. Genreliebhaber können sich hingegen über die Vielfalt der Geschichten freuen, die nicht nur im viktorianischen England, sondern auch in Deutschland, dem Orient oder gar in Südamerika spielen.  

Wer „Steampunk Akte Deutschland“ gelesen hat, wird viele Autorennamen wiedererkennen. Die meisten von ihnen haben in „Die dunkelbunten Farben des Steampunk“ noch eine Schippe draufgelegt, während das Wiedersehen mit Figuren wie Erasmus Emmerich und Archibald Leach schon beim Anblick der Titel Lesefreude schürt. Bei der Gestaltung der Anthologie hat sich der Verlag selbst übertroffen: Trotz vieler Farben sieht das Cover schön nach Steampunk aus und die bunten Texte bescheren ein einzigartiges und überraschend angenehmes Leseerlebnis. Alles an diesem Buch wirkt liebevoll gestaltet. Einziges, kleines Manko: Bei den dunklen Farbtönen wirkt auf manchen Seiten der Text leicht unscharf, was den Lesefluss jedoch kaum trübt.


Fazit

„Die dunkelbunten Farben des Steampunk“ stellt mit ihren bunten Texten eine einzigartige Anthologie dar, die nicht einfach nur auffällt, sondern auch mit Vielfalt und Qualität überzeugt. Die einzelnen Geschichten bieten unglaublich viel Abwechslung und neben freudigen Wiedersehen bekommt man wahnsinnig originelle und atmosphärische Texte geboten. Da fällt der ein oder andere schwächere Beitrag, den es in jeder Anthologie gibt, kaum auf. Eine der besten Anthologien zum Thema.


Pro & Contra

+ wunderschöne, liebevolle Gestaltung
+ Wiedersehen mit Erasmus Emmerich und Archibald Leach
+ sehr viel Abwechslung innerhalb der Anthologie
+ viele originelle und atmosphärische Beiträge
+ Anspielungen auf historische Persönlichkeiten und Mythologie
+ oftmals gelungene Enden
+ Farbthema wurde meist sehr gut umgesetzt
+ unterschiedlichste Schauplätze
+ einstimmendes Vorwort und Autorenverzeichnis

o grenzwertig viele Beiträge

- wenige schwächelnde Beiträge

Wertung: sterne4.5

Texte: 4/5
Auswahl: 4/5
Gestaltung: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu "Steampunk Akte Deutschland"

Rezension zu "Steampunk 1851"

Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 17. April 2015
 

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