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Distelmond (Annika Dick)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 15. Mai 2015

Arunya-Verlag (September 2014)
Cover- und Innengrafiken: Shikomo
Hardcover, 426 Seiten, 16,99 EUR
ISBN: 978-3-95810-001-5

Genre: historische Dark Fantasy / Romance


Klappentext

Das Massaker von Glencoe bescherte der Familie MacDonald traurige Berühmtheit. Das Überleben derjenigen, die den Soldaten entkamen gleicht einem Wunder. Oder einem Fluch. In den Männern der MacDonalds of Glencoe brach in der Zeit der Entbehrung etwas aus, dessen Geheimnis ihre Nachkommen auch Jahrhunderte später noch hüten: Sie verwandelten sich bei Vollmond in Wölfe.

1853 zieht die junge Deutsche Charlotte mit ihrer Mutter nach deren Wiederverheiratung nach Edinburgh. Dort verliebt sie sich in Andrew, den besten Freund ihres Stiefbruders, der ihre Gefühle auch erwidert. Doch seine Mutter ist der Ansicht, dass eine Außenstehende nie den Wolf in ihm akzeptieren wird. Andrew denkt anders darüber und ist davon überzeugt, dass Charlotte seine Besonderheit verstehen wird. Aber sein mordlustiger und rachsüchtiger Vetter sowie der feindselige Robert Campbell zeigen ihm deutlich, wie gefährlich das Leben für seine Familie und Freunde ist. Als er sich aber von Charlotte fern halten will, wird es für sie nur noch gefährlicher.


Rezension

Als die junge Charlotte von Deutschland nach Edingburgh zieht, beherrscht sie bereits die englische und schottische Sprache. Das Wiedersehen mit ihrem Stiefbruder, der sie als Kind böse geärgert hat, fällt sehr versöhnlich aus und in einer Nachbarin, Peggy, findet sie sofort eine gute Freundin. Im Stadthaus der Familie hat Charlotte Zugang zu einer atemberaubenden Bibliothek, in der sie gerne nach Schauerromanen stöbert – und in der sie zum ersten Mal dem besten Freund ihres Stiefbruders begegnet: Andrew Maclain. Der ruhige und gebildete Mann fasziniert Charlotte vom ersten Augenblick an und bald bemerkt sie, dass dieser bewusst ihre Nähe sucht. Die beiden verlieben sich. Doch Charlotte ahnt nicht, dass Andrew ein Geheimnis birgt: Er verwandelt sich in jeder Vollmondnacht in einen Wolf …

Wer düstere Werwolf-Fantasy mit knisternder Erotik erwartet, wird bei „Distelmond“ enttäuscht werden: Zwei Drittel des Romans lesen sich wie ein zahmes Historical, bei dem das Kennenlernen zwischen Charlotte und Andrew und die sich anbahnende Beziehung zwischen Charlottes Bruder und ihrer Freundin Peggy im Vordergrund stehen. Alle Beteiligten verhalten sich dabei äußerst schicklich. Die Dialoge sind dem historischen Setting im 19. Jahrhundert entsprechend ausufernd lang: Die Charaktere entstammen der wohlhabenden Bevölkerungsschicht und drücken sich entsprechend umständlich aus. Das passt zwar gut zum Setting, wirkt aber oftmals übertrieben, da in den Gesprächen vor lauter Höflichkeit der Inhalt auf der Strecke bleibt. Zwischenzeitlich quält man sich regelrecht durch die dialogreichen Szenen, vor allem wenn Charlottes Eltern  auftreten und ein riesiges Aufheben um einen Ausflug  in den Park gemacht wird.

Zwischen den Dialogen widmet sich Annika Dick ausführlich den aufflammenden Gefühlen ihrer Protagonisten, die in ihrer Unschuld beinahe befremdend wirken. Aber Charlotte ist nun einmal eine junge Dame von gehobenem Stand und selbst ein kleiner Kuss ist da schon erschreckend intim. Trotz ihrer vornehmen Zurückhaltung ist sie dem Leser auf Anhieb sympathisch. Charlotte ist eine besonnene Protagonistin, die das Herz am rechten Fleck trägt und auf ihr Herz hört. Ihre ersten Wochen in Schottland erlebt man dabei sehr intensiv. Sie entdeckt das Haus und die Umgebung und findet in Andrew einen Gesprächspartner, der ihr nicht nur Komplimente macht, sondern viel über Literatur weiß und ihr zudem die gälische Sprache beibringen will. In der zweiten Hälfte des Romans zeigt Charlotte eine ganz andere Seite von sich, die sie noch sympathischer macht.

Die Atmosphäre in der ersten Hälfte ist am ehesten als „Friede, Freue, Eierkuchen“ zu beschreiben, einzig Andrews Vetter Barclay, der in seiner Wolfsgestalt Rachegelüste auslebt, wirft einen dunklen Schatten auf die Handlung. Allerdings führt Annika Dick diesen Teil der Geschichte erst spät und unzureichend aus. Zu Beginn des Romans werden grob die tragischen Umstände umrissen, aus denen sich der Wolfs-Fluch der Familie MacDonald entwickelte. Einst wurde ein brutales Massaker an der Familie verübt, an dem die Familie Campbell beteiligt war. Nur wenige überlebten – und bald bemerkten die Männer, dass sie sich veränderten. In jeder Vollmondnacht verwandeln sie sich seitdem in Wölfe. Auch Andrew teilt dieses Schicksal. Leider bleibt im Roman wenig Zeit dafür, zu erläutern, was der „Fluch“ für Andrew bedeutet.

Annika Dick hat einen ganz eigenen Werwolfmythos erschaffen, der durchaus fasziniert. Allerdings erhält man lange Zeit viel zu wenige Informationen darüber. Und die kurzen Kapitel, in denen Barclay in seiner Wolfsgestalt Unheil anrichtet, wiederholen sich inhaltlich stark und ermüden den Leser irgendwann, weil lange Zeit nichts passiert. Selbst zum Ende hin nimmt sich die Autorin mehr Zeit für das Gefühlsleben ihrer Protagonisten als für die rasch voranschreitende Handlung. Es wird auf den letzten Seiten extrem spannend, doch das überstürzte Ende lässt den Leser unbefriedigt zurück. Die Prioritäten in „Distelmond“ liegen eindeutig auf den zwischenmenschlichen Beziehungen – actionreichere Szenen dienen lediglich als grober Rahmen und um ein bisschen Drama in die ansonsten sehr friedliche Geschichte zu bringen.
 
Das schön gestaltete Hardcover hat eine sehr kantige Form und lässt sich relativ schwer auseinanderbiegen beim Lesen. Die Schriftart hat keine Serifen, was am Anfang etwas irritiert, doch man gewöhnt sich recht schnell daran. Zwischen den großen Kapiteln finden sich schön gestaltete Farbseiten, zudem hat Annika Dick die Textabschnitte mit Daten versehen, sodass man die zeitliche Entwicklung der Geschichte gut nachvollziehen kann.  


Fazit

„Distelmond“ wartet mit einem ganz eigenen Werwolf-Mythos auf, der mit einer tragischen Familiengeschichte verzahnt ist. Die interessante Grundidee wird allerdings von der zarten Liebesgeschichte zwischen Charlotte und Andrew verdrängt. Beide Protagonisten schließt man schnell ins Herz – die Handlung selbst kann leider nicht überzeugen. Lange Zeit passiert zu wenig und die Dramen in der zweiten Hälfte des Romans erscheinen dem Leser künstlich herbeigeführt. Wer leise Liebesgeschichten in historischem Setting mit einem sanften Hauch Dunkelheit schätzt, sollte hier trotzdem einen Blick riskieren.  


Pro & Contra

+ Charlotte und Andrew überzeugen mit ihrer ruhigen und ehrlichen Art
+ interessante Verbindung von Familiengeschichte und Werwolf-Mythos
+ Fokus auf zwischenmenschlichen Beziehungen
+ das historische Setting wurde authentisch umgesetzt
+ insgesamt schöne Gestaltung des Hardcovers

- Rahmenhandlung nur grob skizziert
- zu viele Dialoge ufern stark aus
- künstliche Dramen in der zweiten Hälfte
- Handlung wirkt unfertig

Wertung: sterne3

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5


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Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 06. Oktober 2015
 

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