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Der Zusammenhang. Ein sizilianischer Kriminalroman (Leonardo Sciascia)
Geschrieben von Almut
Donnerstag, der 02. Juli 2015

sciascia zusammenhang

Berlin 2010, Wagenbach
Originaltitel: Il contesto. Una parodia (1971)
Übersetzt von Helene Moser
Taschenbuch, 125 Seiten
€ 9,90 [D] | € 10,20 [A] | CHF 14,90
ISBN 978-3-8031-2644-4

Genre: Kriminalroman


Inhalt

Staatsanwalt Vargas wird nach einem Besuch bei Freunden auf dem Heimweg ermordet. Daraufhin wird der Prozess gegen Reis, mit dem er gerade befasst war, eingestellt. Als die Polizei keinen Verdächtigen unter Reis’ Freunden und Feinden findet, beschließt der Polizeiminister, Polizeiinspektor Rogas einzusetzen, den fähigsten Ermittlungsbeamten. Kurz darauf werden in zwei anderen Orten die Richter Sanza und Azar ermordet. Polizeiminister und Polizeichef glauben an einen wahnsinnigen Täter.

Rogas findet eine Verbindung zwischen Vargas und Azar. Beide hatten zwei Jahre dem gleichen Strafgericht in Algo angehört. Kurz nach Rogas’ Ankunft in Algo wird der dortige Richter Rasto ermordet. Rogas fühlt sich in seinem Verdacht, dass sich ein ABC-Mörder wegen eines Fehlurteils rächen will, bestätigt. Während die Mordserie an den Juristen in Sizilien nicht abreißt, untersucht Rogas die gemeinsam bearbeiteten Fälle von Vargas und Azar.

Drei Fälle kristallisieren sich heraus. Alle drei Angeklagten sind wieder auf freiem Fuß und leben in der Nähe von Algo. Der erste ist ein Müßiggänger, der in einem neuen Prozess freigesprochen wurde, jedoch nicht nachtragend erscheint. Der zweite, ein Automechaniker, hat den Glauben an die Gerechtigkeit verloren, führt aber ein geregeltes Leben und hat für die Tatzeiten ein Alibi. Der dritte, der ehemalige Apotheker Cres, ist verschwunden. Er hat wegen versuchten Mordes an seiner Frau fünf Jahre im Gefängnis gesessen, unschuldig, wie Rogas aufgrund seiner Recherchen stark vermutet.

Als in Palermo der Staatsanwalt Perro ermordet wird, gibt es drei Zeugen. Sie haben zwei Männer fliehen gesehen, dem Aussehen nach offenbar Mitglieder einer linksradikalen Gruppe. Rogas wird vom Polizeichef in die politische Abteilung versetzt, glaubt aber weiterhin, dass Cres der Täter ist und nun unter falscher Identität in Ruhe weitermorden wird.
Seine Hartnäckigkeit bringt ihn in eine lebensgefährliche Lage, als er einem haarsträubenden politischen Komplott auf die Spur kommt, in den mächtige Leute aus Politik, Militär und Justiz verwickelt sind.


Rezension

Das Ende lässt den Leser einigermaßen verwirrt zurück mit der Frage, was wirklich geschehen ist. Was ist Wahrheit, was Lüge? Das ist schwer zu beantworten, denn die Geschichte erhält durch das Netz von Lügen, Intrigen, falschen Fährten und Ablenkungsmanövern der Mächtigen einen hohen Komplexitätsgrad. Die Antwort auf diese Fragen werden nicht serviert, man muss sie sich aus dem Text erschließen, aus den harten Fakten, nicht den in trübe Gewässer führenden Dialogen. Jemand hat einmal gesagt, Schriftsteller lügen, um die Wahrheit zu sagen, und Politiker sagen die Wahrheit, um zu lügen.

Der Hauptteil der Geschichte wird erzählt aus der Perspektive der Hauptfigur Rogas, gegen Ende meldet sich ein allwissender Erzähler kurz zu Wort, im Schlusskapitel wechselt die Perspektive auf Rogas’ Freund und Vertrauten, den Schriftsteller Cusan. Die Geschehnisse am Ende existieren in drei Versionen, einer offiziellen, von den Medien kolportierten, einer inoffiziellen der Polizei und Politiker, sowie der privaten Einschätzung Cusans. Letztere ist die Wahrheit, bleibt aber am Grunde eines sehr tiefen Brunnens liegen, in den niemand hineinschauen kann.

Cusan ist sich der Wahrheit sicher, bis er sich gegen seinen Willen von einem Vizesekretär überzeugen lässt, dass er einem Irrtum aufsitzt. Der Vizesekretär wiederum kennt die Untersuchungsergebnisse und die Aussage des Agenten und glaubt vielleicht selbst an deren Wahrheitsgehalt. Die Abweichung zwischen dieser inoffiziellen Version von der offiziellen Version wurde ihm erklärt, so wie man alles erklären kann. Dem Schriftsteller erscheint die neue Version glaubwürdig und überzeugend, und er kann dem nichts entgegensetzen - außer ein „unfassbar“ und „zum Verrücktwerden“.

Sciascia erzählt eine spannende Kriminalgeschichte auf knappen 118 Seiten über einen Serienmörder und die Machenschaften der Mächtigen, die die Juristenmorde für ihre Zwecke instrumentalisieren, um sich politisch einen Vorteil zu verschaffen. Dabei geht es um die Diskreditierung bestimmter Gruppen und das Durchsetzen härterer Gesetze, die die Demokratie und den Rechtsstaat beschädigen. Sciascia zeigt Rogas nicht nur als einen fähigen Ermittler, sondern auch als Intellektuellen, der über das „Leben als Gefängnis“ nachdenkt oder Gespräche führt mit dem sophistischen Gerichtspräsidenten, der das Voltairesche Traktat über die Gerechtigkeit widerlegt zu haben meint, ebenso wie Russell und Sartre.


Fazit

Leonardo Sciascias Der Zusammenhang ist ein spannender und tiefgründiger Kriminalroman über eine Gruppe von Mächtigen in Sizilien, die sich in eine Mordserie einklinken. Der Originaltitel, Il contesto. Una parodia, mutet weniger absurd an, wenn man ihn darauf bezieht, dass hier tatsächlich zwei Parteien, die Mächtigen und der Serienmörder oder der Ermittlungsbeamte und die Kriminellen, in einer Art groteskem Wettkampf stehen.


Pro und Kontra

+ meisterhaftes Bild über die Mechanismen der Macht, sachliche und strukturierte Analyse der Ziele und Taktiken der Mächtigen, zeitlos und universell.
+ spannend und tiefgründig
+ komplexe Sprache, komplexe Ideen
+ interessante philosophische Exkurse

Wertung:sterne5

Handlung 5/5
Charaktere 5/5
Lesespaß 5/5
Preis/Leistung 5/5


Rezension zu Der Tag der Eule

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 02. Juli 2015
 

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