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Der große Schlaf (Raymond Chandler)
Geschrieben von Almut
Freitag, der 10. Juli 2015

chandler schlaf

Diogenes 2009
Originaltitel: The Big Sleep (1939)
Übersetzt von Gunar Ortlep
Taschenbuch, 208 Seiten
€ 9,90 [D] | € 10,20 [A] | CHF 14,90
ISBN: 978-3-257-20132-1

Genre: Krimi, Thriller


Inhalt

Der verwitwete General Sternwood ist mehrfacher Ölmillionär und lebt in einer prächtigen Villa in West Hollywood. Sternwood, alt, gelähmt und sterbenskrank, hat zwei junge Töchter, beide wild, schön und lasterhaft. Vivian, die ältere, war dreimal verheiratet, zuletzt mit dem vor einem Monat spurlos verschwundenen ehemaligen Alkoholschmuggler Rusty Regan. Sie ist intelligent, gerissen und spielt gerne Roulette. Die jüngere Carmen ist neurotisch-debil und Sternwoods Sorgenkind. Bereits vor einigen Monaten zahlte er an Joe Brody fünftausend Dollar, damit der sie in Ruhe ließ. Nun wird Sternwood wieder einmal erpresst. Arthur Gwynn Geiger hat ihm drei von Carmen unterzeichnete Schuldscheine zugeschickt. Diesmal will Sternwood nicht zahlen und engagiert den Privatdetektiv Philip Marlowe.

Marlowe entdeckt, dass Geiger eine Leihbibliothek verbotener pornographischer Bücher betreibt und mit einem Freund zusammenlebt, Carol Lundgren. Kurz darauf wird Geiger in seinem Haus erschossen. Marlowe, der sich vor dem Haus postiert hat, hört die Schüsse und zwei davonfahrende Wagen, findet die Leiche und daneben Carmen. Sie sitzt nackt und gedopt vor einer Kamera, deren Plattenkassette fehlt.


Rezension

Als Howard Hawks den Roman 1946 verfilmte, schickte er Raymond Chandler verzweifelt ein Telegramm. Sein Marlowe-Darsteller Humphrey Bogart und er waren sich nicht einig, ob einer der Charaktere (Taylor) durch Mord oder Selbstmord ums Leben kommt. Chandler schrieb, er wüsste es auch nicht. Ob ehrlich gemeint oder nicht, die Antwort brachte zum Ausdruck, dass die komplexe und komplizierte Geschichte nicht einfach zu erschließen war.

In Der große Schlaf gibt es nur wenige positive Figuren, den bereits zu Beginn toten Regan, die naive Mona Mars, General Sternwood und den abgebrühten Privatdetektiv, der in der Literatur häufig eine ritterliche Figur genannt wird, was wohl zurückzuführen ist auf eine Passage zu Beginn des Romans, in der er das Sternwoodsche Haus beschreibt, insbesondere ein Fenster über den Türflügeln, auf dem ein Ritter in dunklem Harnisch bei der Errettung einer Dame zu sehen ist.

Die umfangreiche Beschreibung drückt aber auch die nachgerade obszöne Lächerlichkeit des ganzen Sternwoodschen Reichtums aus, keinesfalls Bewunderung. Indirekt wird die Frage nach der Herkunft des Geldes gestellt und ein Zusammenhang zwischen Reichtum und Korruption hergeleitet. Die Sternwoods verdanken ihren Reichtum nicht von ungefähr dem dreckigen Öl. Geldquellen sind auch Erpressung, Pornographie und Falschspiel, Mord und andere Verbrechen.

Marlowe ist zwar ein guter Detektiv, doch weil er integer und ehrlich ist, besitzt er nicht viel mehr als einen Mantel, Hut und eine Pistole. Er lehnt Vivians Schweigegeld ab. Trotzdem und obwohl er den Fall löst, fühlt er sich am Ende nicht als Sieger, sondern aufgrund seines Paktes mit Vivian als Teil eines Ekels, als Teil der geldgierigen, korrupten, dreckigen Welt, deren Repräsentanten die Familie Sternwood und der Gangsterboss Eddie Mars sind.

Das Ende auf dem verrotteten Ölfeld wiederholt leicht verändert das Ereignis aus der Vorgeschichte, welches die Grundlage für die Handlung des Romans, die komplexe Erpressungsgeschichte, bildet. Durch diesen kreisförmigen Zusammenschluss erfährt die geschilderte Handlung eine logische Umklammerung. Diese Erzählstruktur impliziert, dass dem Leser sich die Zusammenhänge nur bruchstückhaft erschließen und er erst ganz zum Schluss den Hintergrund erfährt.


Fazit

Raymond Chandler erzählt in seinem mit Symbolen angereicherten Der große Schlaf in teils beunruhigenden Bildern von einer dunklen und korrupten Welt, die durch Gier und Ausbeutung bestimmt wird.


Pro und Kontra

+ einer der Klassiker der Kriminalliteratur
+ schnell erzählt und handlungsreich
+ ohne Leerlauf und Mehrwert zur Weiterbildung
+ aktuelle Themen

Wertungsterne5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Rezension zu Lebwohl, mein Liebling

Rezension zu Der lange Abschied

Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 10. Juli 2015
 

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