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Am Abgrund aller Dinge (Gianrico Carofiglio)
Geschrieben von Dennis
Mittwoch, der 29. Juli 2015

Goldmann Verlag (April 2015)
gebunden mit Schutzumschlag
288 Seiten, EUR 19,99
ISBN: 978-3-442-31227-6

Genre: Belletristik


Inhalt

Im Zentrum von Bari wird ein Mann namens Salvatore bei einem Überfall erschossen. Als Enrico Vallesi davon in der Zeitung liest, kommen lange verdrängte Erinnerungen an seine Kindheit hoch. Er war ein verschlossener Jugendlicher, der mit sechzehn Jahren beschloss, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren. Salvatore, ein älterer Mitschüler, bot ihm damals an, mit ihm zu trainieren. In einer Wohnung fand die geheime Ausbildung zum Schläger statt, die äußerst brutal verlief. Enrico führte eine Art Doppelleben: zu Hause der angepasste Schüler, bei Salvatore der hartgesottene Kämpfer. Während seiner Spurensuche in der Vergangenheit merkt Enrico, dass die Stunde der Wahrheit gekommen ist und er endlich Frieden finden muss.


Rezension

Als Philosoph des Alltäglichen gelingt es Carofiglio stets, den Zugang zu seinen Geschichten und auch den Themen, denen er sich widmet, wunderbar einfach und mühelos zu ermöglichen. Diese Themen sind dabei so universell, dass sie jeden ansprechen können – dank seines zugleich eingängigen wie eleganten Schreibstils ist es nicht schwer, sogleich in die Geschichte einzutauchen.
Diese funktioniert wie gewohnt auf mehreren Ebenen: Als Enrico Vallesi von der Ermordung eines seiner ehemaligen Mitschüler erfährt, beschließt er, in seine Heimatstadt Bari zu reisen; eine Reise, die ihn gleichzeitig in seine Schulzeit zurück führt. Aus zwei Erzählperspektiven nähert sich Carofiglio im Verlauf des Romans der Figur Vallesi: Die Gegenwart präsentiert sich dem Leser in der "Du-Form" und wechselt kapitelweise mit besagten Erinnerungen aus der Schulzeit, die aus der Ich-Perspektive erzählt werden. Dieses Mittel zur Unterscheidung der verschiedenen Zeitebenen scheint zwar auf den ersten Blick etwas exzentrisch, funktioniert aber erstaunlich gut – ob Carofilgio hiermit darüber hinaus etwas ausdrücken möchte, bleibt Interpretationssache des Lesers.

Carofiglio ist kein Autor, der mit einer abgedrehten Handlung oder spektakulären Plot-Twists arbeitet – dennoch sind seine ruhig erzählten Geschichten ansprechend, und so bietet sich dem Leser auch in diesem Fall dank eines soliden Spannungsbogens jede Menge Lesevergnügen. Vallesis Vergangenheit, über die man im Laufe der Handlung immer mehr erfährt, ist tatsächlich recht spannend und wartet mit einigen unerwarteten Abschnitten auf, die immer wieder ein neues Licht auf diesen Charakter werfen. Vom anderen "Ende" aus betrachtet – aus der Gegenwart des Charakters – wird dieses Bild vervollkommnet durch dessen Streifzüge durch Bari, die von vielen schön geschilderten Begegnungen und Gedanken leben. Und auch, wenn die Handlung zugunsten des Charakters etwas in den Hintergrund tritt, so ist sie niemals zweitrangig, sondern präsentiert sich als ausgewogene Balance zwischen zwei Seiten desselben Charakters.

Wie stets lotet Carofiglio auch dieses Mal sämtliche Facetten seines Protagonisten sorgfältig aus; in dessen alltäglichen Begegnungen, Gesprächen, Gedanken und Taten gibt es jede Menge schön geschilderter Momente, die den Leser kurz innehalten lassen, die nachdenklich machen, vergnüglich sind oder auf pointierte Weise das alltägliche Gefühlsspektrum jedes einzelnen beleuchten.
Auf beiden Zeitebenen wird eine unterhaltsame Handlung geboten; Vallesi schwelgt an den Orten seiner Jugend in Erinnerungen – gekonnt zeigt Carofiglio auf, wie die Vergangenheit auch die Gegenwart bestimmen kann, ob bewusst oder unbewusst. Als Aufhänger hierfür dient natürlich sein Parade -Setting Bari: ;ein anderer Autor schafft diese einzigartige Mischung aus Melancholie und mediterranem Flair. Die süditalienische Stadt erweist sich somit einmal mehr als wunderbar passender Schauplatz für seine Geschichte: Einer Geschichte über das Aufwachsen, die Identitätsfindung (nicht nur in der Jugend), über Begegnungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Kurz: Über die Dinge, die einen Menschen im Verlaufe dessen Lebens prägen.


Fazit

Mit "Am Abgrund aller Dinge" liefert der sympathische italienische Autor Gianrico Carofiglio einen wunderbar stimmungsvollen und nachdenklichen Roman, der Dank seiner Themenbandbreite jeden Leser ansprechen kann.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Rezension zu "Die Vergangenheit ist ein gefährliches Land"

Rezension zu "In ihrer dunkelsten Stunde"

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 29. Juli 2015
 

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