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Weg ins Nichts (Francis Knight)
Geschrieben von Judith
Montag, der 17. August 2015

Papierverzierer (Dezember 2014 )
Cover: Tony Andreas Rudolph
Übersetzerin: Melanie Vogltanz
Klappenbroschur
416 Seiten, 14,95 EUR
ISBN: 9783944544205

Genre: Dystopie / Fantasy / Cyberpunk


Klappentext

Mahala ist eine Stadt, die sich sehr viel mehr in die Höhe als in die Weite ausgedehnt hat. Straßen verlaufen über Straßen, Häuser werden auf Häusern gebaut. Gleichzeitig lassen sich nirgendwo sonst Gesellschaftsschichten deutlicher voneinander trennen.

Rojan Dizon kümmert sich nicht um das, was mit der Stadt geschieht, und lebt sein Leben in den unbedeutenden Schatten und Winkeln von Mahala. Eine Hilfe ist ihm dabei jedoch eine Fähigkeit, die bereits Jahre zuvor verboten worden war. Er ist Schmerzmagier - seine größte Kraftquelle, um Magie zu wirken, ist der Schmerz selbst. Als Rojan schließlich einigen Geheimnissen auf die Spur kommt, muss er seine Fähigkeiten gezielt einsetzen. Von ihm hängt wohlmöglich das Schicksal der gesamten vertikalen Stadt ab.

Das könnte wehtun …


Rezension

Als Kopfgeldjäger fängt Rojan Dizon hauptsächlich Ausreißer und Kleinkriminelle ein und versucht, sich aus großem Ärger herauszuhalten. Er lebt in den tieferen Ebenen der Stadt, um nicht als Schmerzmagier erkannt zu werden, da seine Magie offiziell verboten ist. Wirklich unglücklich ist er damit nicht, er nutzt seine Kräfte ohnehin nur für simple Tricks und will seine Grenzen nicht ausloten – viel lieber betrinkt er sich und geht mit mehreren Mädchen gleichzeitig aus. Als jedoch sein Bruder angeschossen und dessen Tochter entführt wird, ist Rojan gezwungen, sein bequemes, egozentrisches Leben aufzugeben und seine Nichte in der düsteren Unterstadt zu suchen …

„Weg ins Nichts“ spielt in der fiktiven Stadt Mahala, die eingekesselt zwischen hohen Bergen ein Handelszentrum bildet und statt in die Breite in die Höhe gewachsen ist. Häuser wurden auf Häuser gebaut und die Reichen leben in Höhen, die wie Inseln über der Stadt hängen, verbunden durch schwingende Straßen. Mahala ist ein riesiges, architektonisches Durcheinander, doch die Gesellschaftsschichten sind klar abgegrenzt. Unten leben die Verlierer des Systems, in der Mitte die Händler und Arbeiter und oben, wie zu erwarten, die Reichen und  Führer des Ministeriums, das einer Kirche gleicht und im Namen der Göttin hart durchgreift. Früher lieferte die Schmerzmagie die Energie für Maschinen, Fahrzeuge, Beleuchtung etc., danach war es das Synth, welches sich als hochgiftig herausstellte und durch einen Stoff namens Glimm ersetzt wurde.

Rojans Mutter ist an einer Synthvergiftung langsam und qualvoll gestorben, während sich sein Vater verpisst hat. Geprägt von dieser unglücklichen Kindheit ist Rojan ein zynischer Egoist geworden, der seine wahre Natur vor dem Ministerium verbirgt und durch die Abgründe der Stadt schleicht, um sich mit Alkohol und Frauen abzulenken. Der Roman ist aus seiner Sicht in Ich-Perspektive geschrieben, wodurch man in den Genuss einer herrlich derben Sprache kommt, die perfekt zu Rojan als selbstsüchtigen Anti-Helden mit einem kleinen Funken Anstand passt. Als seine Nichte, von der er bisher nichts ahnte, entführt wird, beginnt Rojan sich zu verändern, schließlich tut er zum ersten Mal etwas Uneigennütziges. Zudem taucht er in die dunkelsten Geheimnisse Mahalas ein und entdeckt, dass in der Höhle unter der Stadt, dem früheren Mahala, immer noch Menschen leben – und ihr Leben erscheint ihm trotz der katastrophalen Zustände lebenswerter als das der abgerichteten Bevölkerung der Oberstadt.

In der Unterstadt wird Rojan relaiv schnell vom Ministerium verfolgt, doch er erhält Hilfe von zwei Bewohnern der finsteren Höhle: Jake und Pasha, die ihren Einfluss nutzen, um entführte Kinder zu befreien. Denn in der Höhle verschwinden ständig Mädchen und Jungen und werden von Schmerzmagiern gequält. Um ihre Rettungsmissionen zu finanzieren, kämpft die taffe Jake in einer Arena zur Belustigung der Bevölkerung. Man merkt früh, dass sie eine hochemotionale Frau mit Geheimnissen ist, doch diese versteckt sie unter einer kühlen und steinharten Fassade. Pasha wird dagegen von Rojan als „Äffchen“ beschrieben, er ist freundlich und zurückhaltend. Doch Pasha hat noch eine andere Seite und kann von einer Sekunde auf die andere jemandem den Lauf einer Waffe ins Gesicht halten und eiskalt drohen.

Zwischen Rojan, Pasha und Jake entwickelt sich langsam ein freundschaftliches Verhältnis, doch in diesem Dreiergespann gibt es bald diverse Konflikte, die neben der dramatischen Entführungsgeschichte zusätzliche Spannung in die Handlung bringen. In den letzten Kapiteln verliert sich die Autorin allerdings etwas im Gefühlschaos, das im harten Thrillerplot deplatziert wirkt. Auch scheint es Francis Knight schwer zu fallen, Szenen mit vielen Charakteren zu schreiben, denn sobald mehr als drei handlungstragende Personen anwesend sind, gehen die restlichen unter und man wundert sich, wenn diese plötzlich etwas sagen. Das betrifft sogar den großen Antagonisten am Ende, der beinahe in Vergessenheit gerät und nur durch eingestreute gehässige Kommentare auffällt.

Die ersten Kapitel von „Weg ins Nichts“ lesen sich wie schmutziger Cyberpunk, wobei sich nach und nach Fantasyelemente in die dystopische Geschichte mischen. Schmerzmagie scheint die einzige Form von Magie zu sein, allerdings kann jeder seinen oder auch den Schmerz von anderen für verschiedene Begabungen nutzen. Rojan kann beispielsweise Menschen ausfindig machen und er kann sein Gesicht verändern, Fähigkeiten, die sich für das Gelingen seiner Mission als essentiell erweisen. Auf Basis dieser Magie hat Francis Knight einen sehr eigenwilligen, dreckigen Roman verfasst, dessen zentrales Thema die Wandlung des Protagonisten Rojan ist. Gleichzeitig ist sein Weg eng mit dem Schicksal Mahalas, wo technische Entwicklung zu schnell zu weit getrieben wurde, verwoben.

Die Geschichte lässt sich als Einzelroman lesen, endet aber offen und schafft damit Raum für die kommenden Bände. Der Papierverzierer-Verlag hat „Weg ins Nichts“ als „besondere“ Klappenbroschur veröffentlicht, womit die erweitere Rückseite des Buches gemeint ist. Diese lässt sich nämlich um das Buch herumklappen, sodass es von allen Seiten geschlossen ist, und als Lesezeichen nutzen (wobei das auf den letzten Seiten schwierig wird, zumindest, wenn man den Umschlag nicht zerknittern will). Leider stört diese erweitere Klappe beim Lesen.


Fazit

„Weg ins Nichts“ ist eine dreckige Fantasy-Dystopie mit Cyberpunkelementen, die die Leserschaft mit einer knackig-derben Sprache und einem  egozentrischen Anti-Helden mit gutem Kern überzeugt. Rojan muss sein mieses, aber bequemes Leben verlassen und sich seiner größten Angst stellen: Seiner Magie. Seine Entscheidungen beeinflussen das Schicksal einer Stadt, die ihren Zenit überschritten hat und aufs Chaos zusteuert – Hochspannung für weitere Bände garantiert!


Pro & Contra

+ Rojan als Charakterschwein mit Herz
+ Pasha und Jake als facettenreiche Nebencharaktere
+ düstere, dreckige Cyberpunkatmosphäre
+ lockerer Schreibstil mit derber Sprache
+ Überraschungen in der zweiten Hälfte

- der Showdown verläuft zu chaotisch
- Szenen mit vielen Charakteren sind zu unübersichtlich

Wertung: sterne4

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 3/5


Rezension zu "Vor dem Fall" (Rojan Dizon, Band 2)

Interview mit Francis Knight im PHANTAST #14 "Cyberpunk"

Interview mit Francis Knight (english)

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 21. Januar 2016
 

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