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In der Zwischenzeit ist der 3te Band "Hammerhead" rausgekommen und siehe da, bessere Zeichnungen ...

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Finderlohn (Stephen King)
Geschrieben von Almut
Donnerstag, der 17. September 2015

finderlohn

Heyne 2015
Originaltitel: Finders Keepers (2015)
Übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
Gebunden, 542 Seiten
€ 22,99 [D] | € 23,70 [A] | CHF 33,90
ISBN: 978-3-453-27009-1

Genre: Krimi, Thriller


Inhalt

Im Jahr 1978 lebt der Schriftsteller John Rothstein, der mit drei Romanen über das Leben der fiktionalen Figur Jimmy Gold berühmt wurde, zurückgezogen in New Hampshire. Rothstein hat nach seiner Trilogie nichts mehr veröffentlicht. Der junge Morris Bellamy identifiziert sich auf krankhafte Weise mit Jimmy, der für ihn einer der großartigsten Charaktere in der US-Literatur ist. Morris hält das dritte Buch für Verrat an der Figur. Er erschießt Rothstein und stiehlt dessen Notizbücher, weil er wissen will, wie Rothstein Jimmy weiterentwickelt hat. Seine beiden Kumpane nehmen die rund 22.000 Dollar aus dem Safe an sich. Der vorbestrafte Morris beseitigt die Mittäter und versteckt die Beute im seinem Elternhaus nahe gelegenen Wald. Später wird er wegen eines anderen brutalen Verbrechens zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt.

Im Jahr 2009 lebt der 13-jährige Pete Saunders mit seinen Eltern und der jüngeren Schwester Tina im Morris-Haus. Petes Vater Tom ist Opfer des Attentats geworden, mit dem Mr. Mercedes beginnt. Er ist noch immer arbeitslos, seine Frau hat eine schlechter bezahlte Stelle als früher. Pete findet Morris’ Beute und unterstützt seine Familie mit dem Geld, wobei er sich als anonymer Spender monatlicher 500-Dollar-Briefe gibt. Er liest die Notizbücher und wird ein Liebhaber des Rothsteinschen Oeuvres. Als er kein Geld mehr hat, versucht er einen Teil der Notizbücher einem dubiosen Antiquar zu verkaufen. Zu dieser Zeit wird der Endfünfziger Morris auf Bewährung entlassen. Die Suche nach seiner Beute führt ihn auf Petes Spur.


Rezension

In Mr. Mercedes führt Stephen King ein Ermittlertrio ein, das aus dem pensionierten Polizisten William „Kermit“ Hodges, Holly Gibney, die an einer Persönlichkeitsstörung leidet und Psychopharmaka nimmt, sowie dem Teenager und Computerexperten Jerome Robinson besteht. Kurz bevor in Finderlohn, dem zweiten Band der Hodges-Trilogie, Gut und Böse in einem, einmal mehr, Wettlauf gegen die Zeit aufeinandertreffen, betreten die drei Charaktere aus Mr. Mercedes die Bühne. Sie werden, nun folgt kein Spoiler, sondern ein Hinweis auf für King typisches Vorgehen, die Familie Saubers retten. Am Ende bekommt die vierte Hauptfigur aus Mr. Mercedes einen Auftritt, der in das Terrain des Übernatürlichen führt.

Eins der Themen des Romans ist die Beziehung zwischen Schriftsteller und Fan, bis hin zu prekären Ausmaßen. Heutige Leser unterscheiden sich von früheren insbesondere darin, dass sie eine persönliche Bindung zu Autoren haben wollen oder müssen. Stephen King hat sich mit diesem Thema bereits in Sie (Misery, 1987) auseinandergesetzt, als es sich als Massenphänomen erst andeutete. Morris ist der Meinung, ein Autor habe eine Bringschuld gegenüber seinen Lesern. Er geht gar soweit zu fordern, der Autor müsse eine Serienfigur den Leservorstellungen gemäß entwickeln, wobei diese Leservorstellungen allein durch ihn bestimmt werden.

Offensichtlich ist ein solcher Grenzfall problematisch, während es in der Mehrzahl dieser Beziehungen nur um eine Form von Vergemeinschaftung geht. Interessante Fragen sind dabei: Schuldet der Autor seinen Lesern etwas? Wer bestimmt, was geschrieben wird, der Autor, die Leser? Morris Bellamy beschreibt das Verhältnis zu seinem Idol wie eine klassische Liebesbeziehung. Nur deshalb kann er, der dem Autor Verrat an der Hauptfigur seiner Trilogie vorwirft, sich auch persönlich hintergangen fühlen.

Rothstein erinnert an Jerome D. Salinger: er lebt zurückgezogen in New Hampshire, seine Hauptfigur Jimmy Gold ist in den beiden ersten Romanen ein junger Rebell, Rothstein hört Ende der 1960er einfach auf zu veröffentlichen, schreibt jedoch privat in Notizbüchern weiter. King bezeichnet die Hauptfigur Jimmy im Original als "The Runner" und verweist damit auf John Updikes Romanfigur Rabbit. Philip Roth wird mehrfach erwähnt und verbirgt sich voll ausgeleuchtet im Namen des fiktionalen Autors Rothstein. Weitere Schriftsteller, die in Finderlohn genannt werden, sind T.S. Eliot, Kurt Vonnegut, D.H. Lawrence, Émile Zola. King referenziert natürlich auch Kings Werk (besonders sei Shawshank Redemption genannt).

In Mr. Mercedes setzt King seinen Prolog zeitlich gegen Ende der großen Rezession 2009 und erwähnt diese in der Folge nur noch in Momenten. In Finderlohn bestimmt der sozialökonomische Ort der Erzählung den gesamten Handlungsstrang mit Pete; dieser beginnt 2009 und reicht in eine Zeit, in der nach kurzer Erholung der Aufschwung im Mittleren Westen im Mai 2012 wieder abflachte. King präsentiert eine düstere Vorstellung von der US-Gesellschaft, die gefüllt ist mit verlogenen, gemeinen und schwachen Erwachsenenfiguren. Einer der schlimmsten Erwachsenen ist der Antiquar, der Pete in die Enge treibt und hereinzulegen und zu erpressen versucht.

Finderlohn erzählt die Entwicklungsgeschichte eines jungen Menschen, der in Situationen, mit denen er überfordert ist, vor existenziellen Entscheidungen steht. Sein Elternhaus erweist sich dabei als wenig hilfreich. Pete erhält von seinen Eltern keine emotionale oder moralische Unterstützung, in wichtigen Fragen werden er und seine Schwester belogen. Er erlebt sein Elternhaus zeitweilig nicht einmal als einen Hort der Zuneigung und Fürsorge. Deshalb erwartet er in seiner Not gar nicht erst elterliche Unterstützung. Er versucht, sein Problem, das sich aus einer Fehlentscheidung ergibt, anfangs alleine zu lösen, was misslingt. Nach einer kurzen Zeit des Überlegens lässt er sich eher widerwillig auf ein von außen kommendes Hilfsangebot ein.


Fazit

Finderlohn ist ein Thriller, in dem es um das Beziehungsdreieck zwischen Leser, Autor und Literatur geht, um das Erwachsenwerden unter Gefechtsbedingungen und um die Familie, nicht um den Standardtopos des Horrors der Familie, sondern des Horrors der Ökonomie und eine Familie, deren Leben darin zum Alptraum wird.


Pro und Kontra

+ Literaturkritik als gewalttätige Handlung
+ Sozialkritik als Bestandteil des erzählerischen Kerns
+ exquisite Charakterbeschreibungen
+ ohne die Weitschweifigkeit des ersten Bandes der Trilogie

o zumindest für diesen Band unsinniger Kürzestausflug in die Welt des Übernatürlichen

Wertung:sterne4.5

Inhalt: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


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Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 29. November 2016
 

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