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Eiskalter Atem (Alyxandra Harvey)
Geschrieben von Judith
Montag, der 21. September 2015

Papierverzierer (Dezember 2014)
Cover: Arndt Drechsler
Übersetzung: Ann-Kathrin Karschnick
Smartcover, 496 Seiten, 14,95 EUR
ISBN: 9783944544267

Genre: Dark Fantasy / Historik / Jugendbuch


Klappentext

Emma und ihre Cousinen Gretchen und Penelope fühlen sich in ihrer Welt, die aus Bällen, lästigen Knicksen und höflichen Konversationen besteht, nicht wohl. Im elitären London des beginnenden 19. Jahrhunderts sind Bibliotheken und Waldspaziergänge anscheinend die besten Alternativen, um den heiratswütigen Herren zu entkommen. Doch dann wird ein Mädchen unter mysteriösen Umständen ermordet und alle Hinweise deuten auf Emma hin.
Als sie versucht, der Sache selbst auf den Grund zu gehen, findet sie mehr über sich und die gefährliche Wahrheit ihres Familienvermächtnisses heraus, als ihr liebt ist. Zudem bietet der attraktive und geheimnisvolle Cormac Fairfax an, ihr bei den Ermittlungen zu helfen, doch sein Verhalten ist wenig vertrauenserweckend.


Rezension

Emma ist ebenso wie ihre beiden Cousinen Gretchen und Penelope eine Debütantin der Londoner Gesellschaft und muss ihre Abende auf pompösen Bällen verbringen, wo sie sich einen Ehemann aussuchen soll. Der einzige, an dem sie Gefallen gefunden hat, Cormac Fairfax, hat sich als arroganter Casanova entpuppt und so versucht Emma die Bälle möglichst unauffällig hinter sich bringen. Als sie sich heimlich davonstiehlt, macht sie eine grausige Entdeckung: Eine der jungen Debütantinnen wurde ermordet!  Wie von Geisterhand wird Emma durch einen seltsamen Wind zu der Leiche gezogen und dadurch verdächtigt. Zudem häufen sich eigenartige Phänomene und ausgerechnet Cormac behauptet, dass sie eine Hexe sei. Bald befindet sich Emma auf der Flucht vor einem geheimnisvollen Orden, der ihre Magie bannen und sie damit in den Wahnsinn stürzen will …

Die Handlung von „Eiskalter Atem“ siedelt sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an, als erstmals Gaslampen die nächtlichen Straßen Londons erhellten. Im Vordergrund steht dabei das Flair der damaligen Adelsgesellschaft, die ihre Töchter auf Bällen heiratswütigen Herren präsentierte. Die Geschichte spielt überwiegend in stattlichen Herren- und Stadthäusern und gepflegten Grünanlagen wie dem Hyde Park. Trotz ihrem Reichtum ist Emma einsam, da sich ihr Vater so gut wie gar nicht für sie interessiert. Immerhin sind ihr kaum finanzielle Schranken gesetzt, was sich bei ihrem Versuch, ihre Unschuld zu beweisen, als hilfreich darstellt. Ein Zauber ihrer Mutter hat bislang ihr Hexenerbe vor ihr und ihren Cousinen, die ebenfalls über magische Fähigkeiten verfügen, verborgen. Aus irgendeinem Grund wollte Emmas Mutter nicht, dass die Mädchen vom Orden rekrutiert werden.

Emma sieht sich anfangs selbst als graues Mauerblümchen, allerdings ist ihr das lieber, als höfliche Konversation mit potentiellen Ehemännern zu treiben. Mit der Zeit gewinnt Emma an Selbstbewusstsein und traut sich mehr und mehr einfach sie selbst zu sein – was unter anderem daran liegt, dass ihr Ruf ohnehin ruiniert erscheint. Auch ihre Cousinen passen nicht recht in die elitäre Gesellschaft der Lords und Ladies, wobei sich Penelope noch am besten einfügt. Im Gegensatz zu ihren Cousinen wünscht sie sich sehnlichst einen stattlichen Ehemann. Gretchen hingegen würde am liebsten als Soldat in den Krieg ziehen. Sie ist alles andere als damenhaft und fühlt sich als junge Frau diskriminiert. Sie kann sich ein Leben als brave Ehefrau, deren einzige Aufgabe die Repräsentation ihrer Familie ist, nicht vorstellen. Durch ihre unkonventionelle Art kommen die drei Mädchen mit den meisten Debütantinnen nicht gut zurecht, denn diese erscheinen ihnen zickig und hochnäsig.

Im Prolog lernt man mit Moira eine weitere junge Frau kennen, die sich allerdings ihrer Hexenmagie bewusst ist und sich stets vor dem Orden verbirgt. Moira schätzt ihre Freiheit, auch wenn diese bedeutet, dass sie sich stets vor den Anhängern des kontrollwütigen Ordens verstecken und auch einmal auf Dächern nächtigen muss. Moira ist ein wahnsinnig spannender Charakter, der allerdings nur eine Nebenrolle erfüllt. Sie gerät zwischenzeitlich fast in Vergessenheit und mischt erst beim großen Finale wieder mit. Schade, dass Alyxandra Harvey den Handlungsteil mit Moira und der magischen Parallelgesellschaft Londons nicht weiter ausgebaut hat. Die Geschichte konzentriert sich stark auf Emma, auch wenn die Autorin ab und an aus Sicht ihrer Cousinen oder auch aus der von Cormac schreibt. Manchmal wechselt sie dabei mitten in einem Kapitel die Perspektive, was sich verwirrend liest. Teilweise werden auch die Gedanken anderer Figuren eingestreut, obwohl man eigentlich gerade aus Emmas Sicht liest.

Nach einem unheimlich spannenden ersten Drittel, in dem Emma ihr Familienerbe entdeckt und unverschuldet unter Mordverdacht gerät, folgt ein recht schwacher Mittelteil, in dem die Handlung seicht dahinplätschert. Neue Nebencharaktere erscheinen auf den ersten Blick belanglos, auch wenn sie am Ende eine wichtige Rolle spielen. Zudem gestaltet sich Emmas Suche nach Antworten langwierig – umso mehr, da man als Leser schon vor Emma viele Zusammenhänge erkennt und richtig deutet. Zum Ende hin zieht das Erzähltempo wieder an und die losen Handlungsfäden werden zu einem stimmigen Gesamtbild verknüpft. Die Geschichte endet mit kleinen Überraschungen und hinterlässt einen durchaus positiven Eindruck, der vor allem auf der dichten und authentischen Atmosphäre basiert. Man hat durchweg das Gefühl, tatsächlich im frühen 19. Jahrhundert zu sein.  

Schön liest sich auch die hitzige Liebesgeschichte zwischen Emma und Cormac. Sie ziehen sich magisch an, obwohl sie anfangs auf verschiedenen Seiten stehen. Die vielen Geheimnisse um Emmas Familie führen zu zahlreichen Missverständnissen, zudem spielt Cormac gerne mit seinem Charme, was Emma gleichermaßen fasziniert wie rasend macht. Für ihre Annäherung lässt sich die Autorin Zeit und so fiebert man als Leser jeder Begegnung zwischen den beiden entgegen. Da sieht man dann auch über kleine Ungenauigkeiten im Schreibstil hinweg, denn vor allem in actionreichen Szenen fällt es mitunter schwer, den Überblick zu behalten. Manchmal muss man kurz zurückblättern, um zu verstehen, warum die Charaktere so reagieren – oder auch schlichtweg nachsehen, wo eine Person plötzlich herkommt.

Mit der Gestaltung des Buches hat der Papierverzierer Verlag seinem Namen alle Ehre gemacht: Das Smartcover, welches quasi ein dünnes Hardcover ist, sieht phantastisch aus und ist eine wahre Zierde für den Roman. Selbst die Bindung und das Lesebändchen wurden farblich passend gestaltet und ergänzen das frostige Cover perfekt. Die Übersetzung von Ann-Kathrin Karschnick ist insgesamt gut gelungen, allerdings hätte das Lektorat sorgfältiger sein dürfen.


Fazit

„Eiskalter Atem“ lebt vom Flair der hohen Londoner Gesellschaft im 19. Jahrhundert, das Alyxandra Harvey detailreich schildert. Emma und ihre Cousinen sind sehr sympathisch und so verzeiht man auch die ein oder andere Ungenauigkeit oder die langwierige Suche nach Antworten im Mittelteil. Insgesamt ein gelungener erster Band, der seine Leser mit viel Magie und einer hitzigen Lovestory begeistert.


Pro & Contra

+ Flair des früheren 19. Jahrhunderts
+ Emma und ihre Cousinen sind sehr sympathisch
+ Lovestory mit vielen Kabbeleien
+ Moira als gewiefte Straßenhexe
+ gelungene Darstellung der Magie
+ wunderschönes Cover / toller Gestaltung

- langwierige Suche nach Antworten
- Spannung bleibt im Mittelteil auf der Strecke
- der Handlungsteil mit Moira rückt leider in den Hintergrund

Wertung: sterne3.5

Handlung: 3/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 21. September 2015
 

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