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Lob der Stiefmutter (Mario Vargas Llosa)
Geschrieben von Almut
Freitag, der 25. September 2015

vargasllosa stiefmutter

Frankfurt am Main 2011, Suhrkamp
Originaltitel: Elogio de la madrastra (1988)
Übersetzt von Elke Wehr
Gebunden, 154 Seiten
€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,90
ISBN: 978-3-518-46329-1

Genre: Belletristik


Inhalt

Die geschiedene, schöne und sinnliche Doña Lukrezia ist seit vier Monaten mit dem erheblich älteren Don Rigoberto verheiratet, dem Geschäftsführer einer Versicherungsgesellschaft. Dessen liebster Zeitvertreib sind die erotische Kunst und die körperliche Reinigung – beides dient ihm als Anregung für die Liebe. Die körperliche Reinigung ist zudem befriedigender Kampf gegen den physischen Verfall. Dabei behandelt er jeden Körperteil mit gleicher Wichtigkeit. Er sieht den Körper als egalitäre Gesellschaft: an ihm verwirklicht er eine Utopie. Don Rigoberto ist Witwer und Vater des kleinen Fonchito. Als ihr das Kind liebevoll zum vierzigsten Geburtstag gratuliert, fühlt sich Lukrezia endlich akzeptiert und bedankt sich, wobei er sie umarmt und zärtlich küsst. Die Stimmung wird erotisch aufgeladen und die erregte Lukrezia fragt sich, ob Fonchito weiß, was er macht oder zu naiv ist. Ihr Mann, mit dem sie anschließend schläft, schöpft keinen Verdacht.

Seit dem Geburtstag verbindet Lukrezia eine besondere Beziehung zu Fonchito. Das Kind betet sie an, umarmt und küsst sie, schmiegt sich an sie. Lukrezia kann nicht immer verhindern, dass es sie erregt. Dann muss sie sich selbst zur Ordnung rufen. Aber Fonchitos Verhalten irritiert sie. Sie weiß nicht, ob er sich der Situation bewusst ist oder ob er dafür noch zu klein und unschuldig ist. Als Don Rigoberto für einige Tage verreist, ist sie allein mit Fonchito und der Haushälterin Justiniana.


Rezension

Schauplatz des Geschehens, das sich über einen Zeitraum von wenigen Tagen ereignet, ist das Haus des Ehepaares Don Rigoberto und Doña Lukrezia in Lima. Beteiligte sind neben dem Ehepaar der kleine Sohn Don Rigobertos, Fonchito, sowie die treue Haushälterin Justiniana. Der Roman besteht aus vierzehn Kapiteln, einem Zitat des peruanischen Dichters und Malers César Moro als Motto und einem Epilog. Die Darstellung des Geschehens erfolgt aus der Perspektive Doña Lukrezias und Don Rigobertos. Jeder von ihnen erzählt abwechselnd vier Kapitel. Den weiteren sechs Kapiteln ist jeweils ein erotisches Bild vorangestellt, darunter von Tizian, Francis Bacon und Fra Angelico, gefolgt von einem Monolog über das Bild, wobei eine der träumenden Hauptfiguren sich als eine der abgebildeten Figuren imaginiert.

Mit dem Erzählerwechsel beabsichtigt der Autor einen möglichst hohen Authentizitätsgrad zu erreichen, eine möglichst wahre Wiedergabe der als vielschichtig und komplex erfahrenen Wirklichkeit. Durch die zweifache Perspektive Don Rigobertos und Doña Lukrezias erreicht Vargas Llosa eine differenzierte Figurengestaltung und eine differenziertere Sicht auf das Geschehen, wirkt so einer Simplifizierung entgegen. Er zeigt, wie Zufälle, Phantasien, Sehnsüchte und Wünsche ein Ende herbeiführen, das sich niemand gewünscht hat. Die Bilder kommentieren und ergänzen die Handlung und den seelischen Zustand der Figuren, treiben sie aber auch voran. Zudem verweisen sie auf die Problematik der Trennung zwischen Phantasie und Wirklichkeit.

Am Ende ist das Geheimnis zwischen Doña Lukrezia und Fonchito zwar aufgedeckt, aber das Mysterium Fonchito bleibt ungelöst, womit auch sein Gefahrenpotential bestehen bleibt. Ist er ein unschuldiger kleiner Engel oder ist er Luzifer? Ebenso aber bleibt durch die Komplexität des Erzählten auch Raum für Veränderung und Entwicklung. So hat der Roman konsequenterweise eine Fortsetzung erfahren (Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto).


Fazit

Der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa hat mit Lob der Stiefmutter einen sinnlichen Roman geschrieben, einen in Momenten surrealen Text über die zunehmende Intensität der Beziehung eines Jungen zu seiner Stiefmutter, die in eine Dreiecksgeschichte mündet.


Pro und Kontra

+ interessanter Beitrag über Moral und Grenzüberschreitungen
+ das destruktive Moment des verführerischen Bösen

o weitab von der Tiefe seiner besten Bücher

Wertungsterne4

Inhalt: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


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Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 25. September 2015
 

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