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So kalt wie Eis, so klar wie Glas (Oliver Schlick)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 07. Oktober 2015

Ueberreuter (August 2015)
Hardcover mit Schutzumschlag
384 Seiten, 16,95 EUR
ISBN: 978-3-7641-7043-1

Genre: Phantastik / Jugendbuch


Klappentext

Lichtzeichen im Wald
Ein rätselhafter Fremder.
Eine unzerbrechliche Schneekugel.
Cora ist wild entschlossen, alldem auf den Grund zu gehen und das Geheimnis ihrer neuen Heimat zu lüften. Sie ahnt nicht, wie sehr sie schon in die Ereignisse verstrickt ist und in welcher Gefahr sie schwebt …


Rezension

Als Coras Mutter bei einem Unfall stirbt, hört ihre Welt schlagartig auf, sich zu drehen. Eine Nachbarin und gute Freundin kümmert sich um die Beerdigung, als plötzlich ein Mann im Rollstuhl in Begleitung einer seltsamen, ruppigen Frau auftaucht und behauptet, ihr Großvater zu sein. Er bietet ihr an, mit ihm nach Rockenfeld zu kommen, wo sie als externe Schülerin ein Internat besuchen kann. Da Cora außer ihm keine Familie mehr und zudem kaum Freunde hat, willigt sie ein und lebt fortan bei Elsa, der burschikosen älteren Dame, die sich als gute Freundin ihres Großvaters und als herzliches Trampeltier entpuppt. In Rockenfeld wird Cora mit dem ganz normalen Schulwahnsinn konfrontiert, inklusive aufdringlicher Vertrauenslehrer und Problemteenies. Das idyllische Dorf lässt Cora langsam zur Ruhe kommen, als mysteriöse blaue Lichter im Wald auftauchen. Ihr Großvater weiß etwas darüber, doch er bewahrt seine Geheimnisse. Also begibt sich Cora selbst auf Spurensuche …

Rockenfeld ist das fiktive Dorf der Schneekugelmacher und Coras Großvater soll der Beste von ihnen sein, schließlich ist er ein direkter Nachfahre von Leonard Dorneyser, der die Schneekugel erfunden haben soll. Es gibt sogar die Legende, dass er einst die erste Schneekugel vom Teufel persönlich bekommen hat und diese erste nicht zerbrechen kann. Die meisten halten diese Geschichte für Humbug und Coras Großvater streitet ebenfalls ab, dass es eine solche Kugel gibt. Allerdings hat der alte Mann Geheimnisse. Und er beherbergt einen mysteriösen jungen Mann, dessen Hände kalt wie Eis sind und in dessen Augen Cora blaue Flammen gesehen hat. Obwohl sie seine eiskalte Haut erschrecken sollte, ist sie fasziniert von Niklas, der ihr zunächst abweisend gegenüber steht. Doch er muss bald erkennen, dass er auf Coras Hilfe angewiesen ist, denn ihnen stehen dunkle Tage bevor.

Cora ist ein sehr ruhiges und verschlossenes Mädchen, dem man in den ersten Kapiteln die Trauer um ihre Mutter deutlich anmerkt. Doch mit der neuen Heimat treten neue Menschen in ihr Leben und lenken sie von ihrem Schmerz ab. Elsa steigert sich schnell in die Mutterrolle rein und kocht für Cora wie für eine ganze Kompanie. Die Frau bekommt alles kaputt, was aus Glas oder Porzellan ist, und unter ihrer harten Schale und der oftmals rüden Sprache steckt ein herzensguter Mensch. An der Schule freundet sich Cora zudem mit Moritz an, der gerne schwarz trägt, sich schminkt und sich sehnlichst einen Freund wünscht. Die beiden Außenseiter bilden ihre eigene kleine Clique, wobei Moritz‘ Sensationslust – er vermutet einen Skandal an der Schule – Cora aus ihrem Trübsal herauszieht. Allerdings gibt es auch Mitschüler, die von Anfang an mit ihr aneinandergeraten. Reiche, große Kinder, die keinen Respekt kennen.

Die Schneekugelmacher sind allesamt ein seltsames Volk: Während die eine superkitschige Märchen- und Adelskugeln fabriziert, fertigt die andere blutige und surreale Szenen unter Glas an. Jeder Kugelmacher hat seine Themen und einen speziellen Stil und unter der freundlichen Oberfläche herrschen Neid und Missgunst. Mancher hat sogar auf das Ableben von Coras Großvater spekuliert, um an das Erbe zu gelangen. Doch da mit Cora nun eine Erbin aufgetaucht ist, herrscht Unmut in Rockenfeld. Wie die meisten Nebencharaktere in diesem Buch sind die Kugelmacher stark überzeichnet, was sie allerdings auch sehr lebendig und auf eine verquere Art liebenswert macht. Da sieht man über das eine oder andere Klischee gerne hinweg.  Zudem unterhalten sie die Leser mit ihren zahlreichen Marotten bestens.

In der ersten Hälfte des Romans ist von der Phantastik noch wenig zu spüren. Es tauchen lediglich seltsame Lichter auf und man wundert sich über die eiskalte Haut von Niklas. Zudem wirkt der junge Mann, als komme er aus einer anderen Welt, was gar nicht mal so falsch ist. In der zweiten Hälfte wird Cora dann mit der phantastischen Wahrheit konfrontiert und erfährt, dass es die Wilde Jagd samt der Holle und dem Helljäger wirklich gibt und dass sie in den Rauhnächten, also in der Zeit um Weihnachten, zurückkehren soll. Zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden, doch es sei gesagt, dass an dem Mythos der unzerbrechlichen Schneekugel mehr dran ist, als Cora lieb ist. Am Ende kommt es zu einem nervenaufreibenden Kampf auf dem Eis und als Leser wird man nach der zuvor recht geradlinigen Handlung doch noch überrascht.

Mit seinem überwiegend winterlichen Setting samt Schneekugelhandwerk ist „So kalt wie Eis, so klar wie Glas“ der perfekte Roman für die Weihnachtszeit und man fragt sich, wieso er schon im Sommer erschienen ist. Das eingeschneite Rockenfeld mit seinem Schneekugelfest versetzt den Leser sofort in Winter- und Weihnachtsstimmung. Schnell hat man sich in dem kleinen Dorf eingelebt und kennt die kleinen Gassen auswendig. Oliver Schlick beschreibt alles sehr anschaulich und schafft eine dichte und eisige Atmosphäre, die vor allem in der zweiten Hälfte des Buches begeistert. Das wunderschöne Cover fängt den Charme der Geschichte perfekt ein und auch wenn es bei Ueberreuter etwas an phantastischen Jugendromanen mangelt, muss man dem Verlag zugestehen, dass er sich wirklich besondere Titel aussucht.


Fazit

„So kalt wie Eis, so klar wie Glas“ ist ein einfühlsamer und märchenhafter Jugendroman mit herbstlich-winterlichem Setting und einem verträumten Dorf voll düsterer Geheimnisse. Cora ist eine sympathische Protagonistin, die sich nicht alles gefallen lässt und dabei mit ihrer ruhigen Art überzeugt. Die Idee mit den Schneekugeln in Verbindung mit der Wilden Jagd ist herrlich frisch und kreativ – gerne würde man mehr solch eigensinnige Geschichten wie diese lesen, denn sie versprüht einen ganz besonderen Charme.


Pro & Contra

+ zauberhafte Schneekugeln
+ herbstlich-winterliche Atmosphäre
+ sehr sympathische Protagonistin
+ liebenswerte und skurrile Nebencharaktere
+ Elsa sorgt für viel Humor
+ die Wilde Jagd
+ der melancholische und mysteriöse Niklas
+ zarte Liebesgeschichte
+ einfühlsamer Schreibstil
+ wunderschönes Cover

o Nebencharaktere teils stark überzeichnet

- anfangs merkt man von der Phantastik zu wenig
- zu viel Trauer in Coras Leben

Wertung: sterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Interview mit Oliver Schlick (Oktober 2015)

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 20. Oktober 2015
 

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