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Läufers Fall (Lothar Koopmann)
Geschrieben von Nicole
Sonntag, der 27. Dezember 2015

Koopmann L-Laeufers Fall

Sportwelt Verlag, 1. Auflage, 2013
Taschenbuch, 250 Seiten,
9,95 Euro [D]
ISBN-13: 978-3-941-29727-2

Genre: Krimi


Klappentext

Mitten im Wald findet ein Duisburger Lauftreff seinen ermordeten Trainer, einige Meter weiter liegt die Leiche einer Walkerin – beide von Pfeilen durchbohrt. Die Freunde Kai-Uwe Gaukel, begeisterter TV-Krimi-Fan, und Ambrosius Läufer, ein Detektiv aus der City, wollen den Mörder finden.

Kurz danach wird Ambrosius‘ Chef angeschossen und schwer verletzt. Seine Frau Heidelinde war die beste Freundin der Walkerin. Hängen die beiden Verbrechen zusammen?

Die Recherchen gestalten sich schwierig, da es keine Zeugen gibt und nur der Ehemann der Toten sich verdächtig macht.

Aber es gibt Hilfe von außen: Auch der Autor hat bei den Ermittlungen ein Wörtchen mitzureden.


Der Autor

Lothar Koopmann ist Jahrgang 1952, lebt in Duisburg und ist Vorsitzender der Kleinkunstbühne Meiderich. Er lief bislang zehn Marathons, und in seinen beiden Büchern spiegeln sich nicht nur seine Erfahrungen als Läufer, sondern auch langjährigen Kenntnisse im Umgang mit der deutschen Sprache. In einzelnen Kapiteln verleiht rheinländischer Dialekt dem Werk gewissen Lokalkolorit.


Rezension

Der Privatdetektiv Ambrosius Läufer ist frustriert. Er hat keinen Fall und beim Warten auf Kundschaft nicht einmal Gesellschaft. Denn sein Chef und einziger Kollege, Achim Alter, ist mit seiner Ehefrau im Jahresurlaub. Er ist gerade dabei seine Papiere auf seinem Schreibtisch neu zu sortieren, als das Telefon klingelt. Gleich zwei Anrufer melden sich bei ihm. Der eine sucht nach Ambrosius‘ Chef. Der andere vermisst die Ehefrau. Ambrosius Läufer gibt dem ersten Anrufer die Handynummer seines Chefs. Den Fall des zweiten Anrufers übernimmt er. Am Anfang glaubt er noch an eine harmlose Erklärung, dann findet der Duisburger Lauftreff zwei Leichen im Wald. Die Identität der Leichen ist rasch geklärt. Täter und Umstände der Morde liegen hingegen im Dunkeln, denn die Toten kannten sich nicht und wurden zudem mit Pfeil und Bogen ermordet. Mit Hilfe des Lauftreffs macht sich Ambrosius an die Aufklärung des Falles. Zeitgleich bekommt Achim Alter im Urlaub einen ominösen Anruf. Ohne eine Erklärung bricht er den Urlaub ab. Doch er kommt nie zu Hause an. Der Fall wird immer mysteriöser. Zum Glück greift der Autor regelmäßig in die Handlung ein, um seine Figuren zur Lösung zu führen und die verschiedenen Handlungsstränge zu einem Abschluss zu bringen.

Läufers Fall ist Lothar Koopmanns zweites Buch. Passend zum Sportwelt Verlag sind die meisten der Akteure Jogger, aber auch Nordic Walker und Bogenschützen finden Erwähnung. Letztendlich spielt der Sport hier aber nur eine nebengeordnete Rolle, denn ebenso könnten die Charaktere Musiker oder Bänker sein, die auf dem Nachhauseweg über eine Leiche stolpern. Im Vordergrund der Geschichte steht daher eindeutig der Krimianteil. In der Tat verspricht der Klappentext einen interessanten Fall – nicht nur, weil ein Bogen als Tatwaffe originell ist, sondern auch weil die Idee eines Autors, der sich in seine Geschichte einschaltet, äußerst ungewöhnlich ist. Kurios gestaltet sich auch der Einstieg in die Geschichte. Nicht einen oder zwei, sondern gleich drei Prologe gönnt Koopmann der Geschichte. In einem davon treffen wir Kai-Uwe Gaukel, der den Autor bittet, doch über seinen Lauftreff zu schreiben. Gaukel wird im Laufe des Buches eine feste Größe. Der TV-Krimi-Fan bringt sich immer wieder ein und gibt dem Autor Tipps zur Handlung. Zudem unterstützt er den Privatdetektiv Ambrosius Läufer bei der Aufklärung des Falles. Hauptfigur ist aber der Detektiv, im Buch meist Ambi genannt. Am Anfang gelangweilt stürzt er sich rasch mit vollem Eifer in die Geschichte, um den Mörder zu finden. Um der Figur Tiefe zu verleihen, gibt Koopmann dem Detektiv eine tragische Vergangenheit. Ambrosius‘ Frau starb bei einem tragischen Autounfall. Der Verursacher des Unfalls, ein LKW-Fahrer, wurde nie gefasst. Der Detektiv fand daher nie einen Abschluss. Jedes Mal, wenn jemand den Namen seiner Frau erwähnt, kriegt er eine Panikattacke. Passenderweise heißt eines der Mordopfer wie ebendiese, und so wird die Aufklärung des Falles zugleich zur Trauerbewältigung.

Derartige inszeniert Zufälle und unglaubwürdig übertriebene Charakterzüge ziehen sich durch den gesamten Krimi. So ist es zum Beispiel ausgerechnet Ambrosius‘ Lauftreff, der die Toten findet oder die Ehefrau von Ambrosius‘ Chef, die die weibliche Tote kennt und identifiziert. Alles scheint miteinander bekannt und verknüpft. Daher überrascht die Auflösung am Ende nicht wirklich, wenn sie auch arg konstruiert wirkt.

Die Charaktere wirken zumeist flach und unnatürlich. Ambrosius hat seine übertriebene Reaktion auf den Namen Eva. Ansonsten bleibt er sehr blass. Andere Figuren bekommen Eigenarten verpasst, die sie wohl aus der Masse abheben sollen, aber nur lächerlich wirken. So redet einer der Kollegen aus Ambrosius‘ Lauftreff permanent in Reimen – selbst im Angesicht einer Leiche. Ein anderer versucht sich an Italienisch – nicht indem er es lernt, sondern einfach indem er an jedes Wort ein „o“ oder „i“ anhängt. Treffen sich diese Figuren entstehen meist abstruse Dialoge, die vielleicht witzig angedacht waren, aber in der Masse nur strapazieren.

Auch der Autor kommt nicht wirklich gut weg. Zumeist erscheint er von den Figuren leicht genervt und gereizt. Zudem nutzt er die Treffen mit dem Treff meist zur Rechtfertigung für bestimmte Szenen und Abläufe und zur Selbstdarstellung, anstatt wichtigen Input zur Handlung zu geben. Ein „Running Gag“ ist eine gewisse Sexszene, die Kai-Uwe Gaukel für den Autor schreibt, um die Buchverkäufe anzukurbeln. Dies lehnt der Autor natürlich aus moralischen Gründen ab, findet aber eine andere Anwendung dafür. Koopmann nutzt seine Auftritte in dem Buch auch direkt aus, um auf sein früheres Werk aufmerksam zu machen. Dabei wird der Buchtitel nicht nur erwähnt, sondern die Charaktere von Läufers Fall dürfen auch sagen, was ihnen an dem Debutroman so gut gefallen hat. Passend findet sich dann am Ende auch eine Leseprobe, damit man sich von der Qualität der Geschichte überzeugen kann.

Nach 250 Seiten folgt dann nach einem abrupten Ende in der Mitte des Buches eine Auflösung, die wirklich alle Fäden der Geschichte zu einem Knoten verbindet. Ambrosius bekommt Gelegenheit, sein Trauma zu verarbeiten, sein Chef kann mit einer alten Geschichte abschließen und am Rande erhalten auch die beiden Todesfälle eine Auflösung, die gezwungen wirkt. Trotz eines an sich recht flüssigen und angenehmen Schreibstils schießt sich Läufers Fall so selbst ins Aus.


Fazit

In Läufers Fall bekommt es der Detektiv Ambrosius Läufer gleich mit zwei Todesfällen zu tun. Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich schwierig, denn die Toten kannten sich nicht. Zum Glück erhält Ambrosius kräftige Unterstützung, sowohl sein Lauftreff wie auch der Autor selbst helfen mit. Die interessante Idee scheitert an flachen, inflationären Wortspielereien, unglaubwürdigen Charakteren und einer Handlung, der bestenfalls als konstruiert zu bezeichnen ist. Die Szenen mit dem interagierenden Autor sind bestenfalls irritierend. In der Masse der Kriminalromane kann Lothar Koopmann mit diesem Krimi daher nicht überzeugen.


Pro/Contra

+ Idee

- eindimensionale, austauschbare Charaktere mit nervigen Macken
- Darstellung von Ambrosius Trauer/ Trauma
- angestrengt wirkende Wortspiele
- Abschluss der Handlung
- wiederholte Eigenwerbung

Bewertung: stern1

Charaktere: 1/5
Handlung: 1/5
Lesespaß: 1/5
Preis/Leistung: 1/5

 

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 27. Dezember 2015
 

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