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Vor dem Fall (Francis Knight)
Geschrieben von Judith
Donnerstag, der 21. Januar 2016

vor dem fall

Papierverzierer (2015)
Rojan Dizon Band 2
Cover: Tony Andreas Rudolph
Übersetzerin: Melanie Vogltanz
Klappenbroschur
420 Seiten, 14,95 EUR
ISBN: 9783944544229

Genre: Dystopie / Fantasy / Cyberpunk


Klappentext

Nach der Zerstörung des Energieversorgungssystems von Mahala kämpft die Stadt mit einer Krise. Aufstände entflammen, Magier werden ermordet und die Stadt spaltet sich in zwei verfeindete Lager. Gleichzeitig wächst die Bedrohung von außen stetig. Rojan bleibt keine andere Wahl, als sich erneut in die Geschicke der Mächtigen einzumischen, denn als Schmerzmagier und Bruder des neuen Erzdiakons kann nur er die Stadt vor der endgültigen Zerstörung bewahren. In einem Wettlauf gegen die Zeit begibt er sich auf die Spur des Mörders und muss sich erneut seiner schlimmsten Angst stellen: für das Schicksal anderer verantwortlich zu sein.


Rezension

Einst war Mahala ein blühendes Handelszentrum, dessen Reichtum auf Ausbeutung und Folter basierte. Die Regierung setzte Magier ein, die Erwachsene und Kinder quälten, um Energie aus deren Schmerz zu gewinnen. Rojan Dizon hat diesem Treiben ein jähes Ende bereitet und damit einerseits die Unterstädter befreit, aber gleichzeitig auch die Energieversorgung der Stadt gekappt und Mahala ins Chaos gestürzt. Nun sind die Menschen aus der ehemaligen Unterstadt sowie die armen Leute noch beschissener dran: Es gibt nichts zu essen, kein Licht, keine Wärme. Der Handel ist tot. Feinde aus der Außenwelt wittern ihre Chance, über das angeschlagene Mahala herzufallen. Und dann startet auch noch jemand einen Rachefeldzug gegen Schmerzmagier …

„Vor dem Fall“ baut auf den Ereignissen aus „Weg ins Nichts“ auf und stellt Rojan vor schier unüberwindbare Aufgaben. Eigentlich ist er ein egoistischer Drecksack, doch nun, nachdem er einmal im Leben das Richtige getan und für die Schwachen gekämpft hat, ist die Kacke richtig am Dampfen. Um das angerichtete Chaos etwas abzumildern, setzen Rojan und Pasha ihre Schmerzmagie ein, um wenigstens ein bisschen Energie zu erzeugen. Dabei beuten sich selbst körperlich und seelisch aus – ohne, dass die Bevölkerung etwas davon weiß. Denn die meisten hassen Schmerzmagier: In der Oberstadt waren sie schon lange als unheilig verpönt und für die Unterstädter sind sie der Inbegriff von Unterdrückung und Gewalt.

Während sich Rojan im ersten Band aktiv auf die Suche nach seiner verschwundenen Nichte gemacht und eigenmächtig ein verachtenswertes System vernichtet hat, erscheint er in „Vor dem Fall“ wie ein Getriebener. Die Konsequenzen seiner Tat überrollen ihn regelrecht, noch dazu schliddert er mitten in ein Intrigenspiel unter den Herrschenden der Stadt. Denn sein Bruder ist der neue Erzdiakon und will im Geheimen eine neue Energiequelle für Mahala entwickeln. Seine Kardinäle versuchen währenddessen, ihren eigenen Vorteil aus der chaotischen Situation zu schlagen. Mancher schreckt nicht einmal vor Mordanschlägen zurück und so gerät auch Rojan ins Fadenkreuz derer, die Mahala brennen sehen wollen.

Der Storyaufbau des zweiten Bandes leidet unter der unübersichtlichen Lage in Mahala: Rojan kommt mit seinen Ermittlungen kaum voran, da immer wieder neue Hiobsbotschaften eintreffen und er obendrein selbst zum Gejagten wird. Irgendjemand will ihn tot sehen und seine Leidenschaft für Frauen wird ihm zum Verhängnis. In der zweiten Hälfte des Romans wirkt es schließlich, als hätte Rojan kaum noch Einfluss auf die Geschehnisse. Kaum gelingt ihm ein Schritt nach vorne, fällt er wieder zwei zurück. Das ist auf Dauer deprimierend für den Leser, der Rojan und seinen Freunden ein kleines bisschen mehr Glück wünscht. Zudem liest es sich etwas seltsam, wenn der Protagonist nahezu keinen Einfluss auf das Finale hat.

Die Freundschaft zwischen Rojan und Pasha wird dagegen sehr gut ausgearbeitet. Die beiden sind wie Feuer und Wasser und es kracht regelmäßig zwischen ihnen, weil ihre Weltanschauungen komplett verschiedenen sind. Zudem steht Rojan auf Pashas große Liebe Jake. Und genau hier zeigt sich Rojans Veränderung am deutlichsten, denn er versucht nicht, Jake für sich zu gewinnen. Stattdessen erträgt er seinen Liebeskummer und hält sich zurück, um Pasha und Jake ihr leise aufkeimendes Glück nicht zu zerstören. Da ist der egozentrische Schwerenöter doch glatt erwachsen geworden. Nach außen hin tut Rojan zwar weiterhin so, als sei er ein Schwein, aber letzten Endes hat er doch das Herz am rechten Fleck.

Was „Vor dem Fall“ auszeichnet, ist wieder einmal die herrlich derbe Sprache mit ihren knackigen Dialogen. Die Geschichte wird aus Rojans Sicht erzählt, wodurch der Leser in den Genuss diverser Schimpfwörter und erschreckend bildhafter Vergleiche kommt. Rojan ist auch verbal ein Trampeltier und wo ihn sein großes Maul oftmals in die Scheiße reitet, freut sich der Leser über den hohen  Unterhaltungswert. Der Mix aus Cyberpunk und Fantasy funktioniert dazu ungemein gut. Mahala ist ein kleines, dreckiges Universum, dessen Schicksal sich im dritten Band entscheiden wird.


Fazit

„Vor dem Fall“ ist ein ziemlich unübersichtlicher und düsterer zweiter Band, der Rojan erbarmungslos mit den Konsequenzen seines Heldentums konfrontiert. Mahala steht kurz vor dem Kollaps und in seinem Bemühen, die Stadt irgendwie zu retten, wird Rojan zum Getriebenen und Spielball für jene, die ihren Vorteil aus dem Chaos schlagen wollen. Das trübt den Lesespaß etwas, doch das dystopische Fantasysetting und die derbe Sprache begeistern auch dieses Mal.


Pro & Contra

+ Konsequenzen aus Rojans Heldentum
+ Rojan ist spürbar gereift und bleibt sich dennoch treu
+ Freundschaft zwischen Rojan und Pasha
+ düstere, unheilvolle Atmosphäre
+ Cyberpunkelemente
+ derber, knackiger Schreibstil

- in der zweiten Hälfte zu unübersichtlich
- Rojan wird zum Getriebenen

Wertung: sterne3.5

Handlung: 3/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5


Rezension zu "Weg ins Nichts" (Rojan Dizon, Band 1)

Interview mit Francis Knight im PHANTAST #14 "Cyberpunk"

Interview mit Francis Knight (english)

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 21. Januar 2016
 

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