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Das zufällige Leben der Azalea Lewis (J.W. Ironmonger)
Geschrieben von Judith
Samstag, der 05. März 2016

Script 5 (Juli 2015)
Originaltitel: The Coincidence Authority
Aus dem Englischen übersetzt von Franca Fritz und Heinrich Koop
Hardcover mit Schutzumschlag
432 Seiten, 18,95 EUR
ISBN 978-3-7855-8332-6

Genre: Belletristik / Schicksal / Philosophie


Klappentext

Geschieht alles aus einem bestimmten Grund? Diese Frage quält Azalea Lewis, deren Leben von unfassbar vielen Zufällen bestimmt scheint. Da sie befürchtet, dass ihr Lebensweg vorgegeben ist und sie ihr Schicksal nicht ändern kann, vertraut sie sich einem Experten für Zufälle an: Dr. Thomas Post. Als dieser beginnt, die Rätsel ihrer Vergangenheit zu entwirren, werden seine Überzeugungen von der Liebe, dem Leben und seine Statistiken völlig auf den Kopf gestellt.


Rezension

Azaleas Leben ist eine Verkettung unglücklicher Zufälle, die der jungen Frau scheinbar sagen wollen, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht, selbst, wenn es sich um einen schlechten Grund handelt. Dr. Thomas Post, quasi ein Experte für Zufälle, ist hingegen stets bemüht, das Schicksal zu entzaubern. Denn nahezu alle angeblichen Zufälle haben sich letztlich mit einer relativ großen Wahrscheinlichkeit ereignet. Doch dann lernt Thomas Azalea und ihre Zufälle kennen und beginnt, an seinem rationalen Weltbild zu zweifeln. Denn im Leben der jungen Frau ereignen sich Dinge, die extrem unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich sind …

“Das zufällige Leben der Azalea Lewis“ ist ein bemerkenswerter Roman über die Kraft des Zufalls und die Bedeutung, die wir zufälligen Ereignissen zuschreiben – vor allem aber ist das Buch, im Vergleich zu anderen Büchern des Verlages, keine leichte Kost und sehr literarisch. J. W. Ironmonger erzählt Azaleas Lebensgeschichte in einer verschachtelten und zuweilen unübersichtlichen Weise, mit der man sich zuerst anfreunden muss. Bereits zu Beginn wechselt der Autor zwischen verschiedenen Zeitebenen, greift Ereignisse vorweg und schweift dann seitenlang ab. Hinzu kommen Aneinanderreihungen von Informationen, die nicht alle relevant für die Geschichte sind, zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, an dem Ironmonger sie anführt.

Trotz des schwierigen Aufbaus ist Azaleas Geschichte lesenswert und nach circa einhundert Seiten hat man sich an das Hin- und Herspringen gewöhnt und die Personen soweit zugeordnet, dass plötzlich Orts- und Zeitwechsel nicht mehr stören. Zudem erkennt man, dass der verschachtelte Aufbau bei dieser Geschichte durchaus Sinn macht, da sich so die Merkwürdigkeit von Azaleas Zufällen besser begreifen lässt – und die Spannung ist deutlich höher, als wenn der Autor die Ereignisse einfach nur chronologisch abgearbeitet hätte. Hat man den holprigen Anfang überwunden, wird man das Buch kaum noch aus der Hand legen können.

Wie es der Zufall so will, begegnen sich auch Azalea und Thomas mehr oder weniger zufällig. Während sich Thomas wundert, warum sie sich nicht schon früher begegnet sind, schließlich arbeiten sie an der gleichen Uni, hält Azalea es für Schicksal, dass sie auf diese Weise zusammengetroffen sind. Die Zufälle in ihrem Leben machen Azalea zu schaffen und sie erhofft sich von Thomas eine Erklärung für all die mysteriösen Begebenheiten. Beispielsweise hat sie bereits zwei Männer getroffen, die behaupteten, ihr Vater zu sein und beide blind waren. Ihre Mutter starb an einem Mittsommertag – und ihre Adoptivmutter genau zehn Jahre später, am Mittsommertag.

Der Roman erzählt Azaleas Lebensgeschichte von ihrer Geburt bis zu ihrem vorhergesagten Sterbedatum und zeigt dabei die wirklich seltsame Verkettung verschiedener Lebenswege. Die Schicksale der Charaktere scheinen miteinander verflochten zu sein und oftmals kann man nur von Glück sprechen – viel öfter aber von Pech. Denn Azaleas Leben ist eine tragische Geschichte, insbesondere was ihre Jugend in Uganda betrifft. Einem Land, in dem zu dieser Zeit ein blutiger Bürgerkrieg tobt, der auch die Mission ihrer Adoptiveltern nicht verschont. Was Azalea hier erlebt, ist anderen Kindern tatsächlich so widerfahren, und als Leser schluckt man kräftig und fragt sich unweigerlich, was auf dieser Welt alles geschieht, während man mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa liegt.

Auch in der Erzählweise hebt sich „Das zufällige Leben der Azalea Lewis“ von Young Adult-Geschichten ab: Wir haben hier einen allwissenden Erzähler, der Informationen genau dann einstreut, wenn er sie für wichtig hält, und der auf besondere Umstände gezielt hinweist. Zudem ist seine Ausdrucksweise oftmals wertend, was den Roman etwas politisch und gesellschaftskritisch macht. Zusätzlich kommen schwer verdauliche Themen wie Determinismus, die Frage nach Gott und dem freien Willen auf, welche Ironmonger durchaus gut in seiner Geschichte aufarbeitet. Als Leser muss man die Bereitschaft zum Nachdenken mitbringen – und damit leben, dass die philosophische Thematik für diese Art Roman ein wenig zu komplex ist. Dafür bekommt man jedoch sehr interessante Einblicke in die afrikanische Lebensrealität geboten sowie eine gewisse Lebensweisheit, die man sich zu Herzen nehmen sollte.

“All das geschah, während der Westen seinen Geschäften nachging, während wir unsere Welt eifrig mit Satelliten umgaben, den Planeten mit Straßennetzen überzogen, unsere Fernsehsendungen schauten und fremde Länder mit unserer Musik beschallten … während wir in London um eine tote Prinzessin weinten, während wir im Irak Waffen suchten, während wir für unsere Smartphones Schlange standen, wurden entführte Kinder in einer Reihe aufgestellt, um sich die Hand abhacken zu lassen. Wir sind sehr gut darin, hässliche Vorkommnisse zu übertünchen …“ (Seiten 177 und 178)


Fazit

“Das zufällige Leben der Azalea Lewis“ ist ein wunderbarer, wenn auch etwas schwieriger Roman. Themen wie Determinismus und der freie Wille sind nicht leicht zu verarbeiten, hinzukommt die grausame Lebensrealität im vom Bürgerkrieg gebeutelten Uganda, die den westlichen Leser nachdenklich und traurig stimmt. Trotzdem gibt es auch Hoffnung und Liebe in diesem Buch, in dem viele kleine Botschaften versteckt sind und das uns zeigt, dass die Welt mehr ist, als wir sehen.


Pro und Contra

+ die mysteriösen Zufälle in Azaleas Leben
+ Thomas als sympathischer und manchmal etwas unbeholfener Wissenschaftler
+ wagt sich an komplexe Themen heran
+ realistische Darstellung Ugandas im Bürgerkrieg
+ geschickte Erzählweise
+ politische und gesellschaftskritische Töne

o keine leichte Kost

- am Anfang zu verschachtelt
- Handlung wird der Komplexität des Inhalts nicht ganz gerecht

Wertung: sterne4

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 05. März 2016
 

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