Jessica Jones Megaband 1: Alias ( Brian M. Bendis, Michael Gaydos)

Verlag: Panini; (Juli 2016)
Softcover: 356 Seiten; 30 €
ISBN-13: 978-3957989550

Genre: Krimi/ Superhelden


Klappentext

Jessica Jones ermittelt

Einst war Jessica Jones eine Superheldin. Seit sie ihr Kostüm an den Nagel gehängt hat, ist sie als Privatdetektivin unterwegs, und ihre Fälle sind an Brisanz oft nicht zu überbieten. So soll Jessica etwa eine verschwundene junge Mutantin suchen und wird sogar in eine Verschwörung hineingezogen, die eine lebende Legende bedroht. Eine Mordanklage bringt sie derweil mit Matt Murdock zusammen. Außerdem stellt sie den Kontakt zu den Avengers wieder her und trifft auf Ant-Man Scott Lang. So viel Stress fordert jedoch seinen Tribut: Jessica raucht Kette, trinkt zu viel und landet eines verzweifelten Abends mit Luke Cage im Bett...

Der erste von zwei Sammelbänden mit der kompletten preisgekrönten Serie, die Jessica Jones im Marvel-Universum integrierte und als Vorlage des Netflix-Hits diente. Geschrieben von Bestseller-Autor Brian Michael Bendis (AVENGERS, DAREDEVIL), mit Artwork von Michael Gaydos (DAREDEVIL: DIE ABRECHNUNG)


Rezension

Jessica Jones hat das Superheldendasein ad acta gelegt und ist nun Privatdetektivin. Ihre Karriere als Superheldin unter dem Namen Jewel bzw. Knightress war nicht gerade erfolgreich und so hat sie diesen neuen Job ergriffen. Dabei gerät sie in ein Komplott gegen Captain America, muss Rick Jones wiederfinden und hat als einen weiteren großen Auftrag, die Aufgabe ein junges Mädchen zu suchen, das vermutlich sogar eine Mutantin ist. Aber es ist nicht immer alles so wie es scheint und hin und wieder taucht Jessica Jones bei ihren Ermittlungen in die Abgründe der menschlichen Seele.

Jessica Jones wurde von Brian Michael Bendis in das Marveluniversum eingeführt. Er erklärte damals nicht viel, sondern etablierte sie einfach als ehemalige Superheldin, die jetzt eine Detektivin ist. Seine Geschichten erzählen dabei von einer anderen Seite des Marveluniversums, in der es deutlich dunkler und rauer zu geht als gewohnt. Leider bleibt er meist eher an der Oberfläche seiner Charaktere mit Ausnahme von Jessica Jones, der er sich ausgiebig widmet. Sie erhält eine genauere Charakterisierung, während die meisten anderen Figuren etwas vernachlässigt werden. Die Geschichten an sich sind aber gut geschrieben, auch wenn die großen Überraschungen ausbleiben. In diesem Megaband bewegt sich Bendis mehr auf sicheren Pfaden, die er interessant und spannend gestaltet, wenn auch teils offensichtlich. So stechen nur zwei Geschichten wirklich heraus. Vor allem als Jessica Jones von J. Jonah Jameson darauf angesetzt wird, herauszufinden, wer Spider-Man ist, gelingt es Bendis eine clevere und humorvolle Geschichte zu schreiben. Das Einzige, was mit der Zeit etwas nervt, ist Bendis verwechseln von erwachsenerem Umgang mit einem Stoff mit dem ausgiebigen Gebrauch von Schimpfworten und zwanghaftem einbauen von Sex. Aber dies kann den positiven Eindruck nicht wirklich zerstören..
Wenn Brian Michael Bendis sich weniger darauf konzentriert hätte, Jessica Jones als kaputte, saufende und rauchende Detektivin darzustellen, die noch dazu allzu bereit ist, sich durch die Gegend zu vögeln, wie es in diesem Sammelband auch gesagt wird, dann hätte wirklich etwas ganz großes aus der Idee einer zurückgetretenen Superheldin werden können. Dafür hätte sich Bendis aber auch viel mehr mit den anderen Charakteren auseinandersetzen müssen und vor allem mit den Inhalten der einzelnen Fälle, die so viel Potential geboten hätten, tiefergehende Geschichten zu erzählen. Ein Beispiel, wie Jessica Jones sein Potential hätte entfalten können ist DCs Gotham Central, in dem Fälle und Charaktere gleichermaßen wichtig sind. Hier ist alles viel besser im Gleichgewicht gehalten und die Welt Gothams wird viel besser dargestellt. In Jessica Jones steht sie und nur sie im Zentrum alle anderen Figuren sind Stichwortgeber. Dies heißt jetzt nicht, dass Jessica Jones schlecht ist, es wäre halt nur viel mehr möglich gewesen. Erfrischend ist der etwas andere Blick auf die Superheldenwelt Marvels sicher und die Geschichten sind in ihren Grundzügen wirklich gut. Bezeichnenderweise ist die Geschichte, die alles einlöst, was an Handlung und Charaktere nötig ist, ausgerechnet diejenige, die eine Verabredung von Jessica Jones und Alan Scott thematisiert. Hier ist alles ausgewogen. Die Dialoge stimmen, die Charaktere kommen zur Geltung und die Rahmenhandlung stimmt ebenso. Wäre der Rest auch so ausgeglichen, wäre die Reihe über Jessica Jones nicht nur gut, sondern grandios.

Bei etwas anderem hat das ähnlich gelagerte Gotham Central ebenso die Nase vorn und zwar bei den Zeichnungen. Genau wie dort wird hier ebenso auf einen rauen, groben Stil gesetzt. Nur leider ist dies nicht so gelungen. Viel zu häufig sind die Figuren zu kantig und grob, teilweise hat es sich Michael Gaydos zu einfach gemacht und arbeitet nicht genau und präzise. Nicht immer hat er seine Figuren so im Griff, wie es wünschenswert wäre. Dafür gestaltet er die Seiten aber durchaus gut und zweckdienlich. David Macks Cover sind gewohnt außergewöhnlich, die er mit seinem Stil, den er bereits bei Kabuki pflegte, gestaltet.

Enthalten sind dann noch David Macks Cover, sowohl veröffentlichte als auch unveröffentlichte und Skizzen von Michael Gaydos, die besser aussehen als das Meiste, was in den Comics zu sehen ist.


Fazit

Jessica Jones ist ein guter Ansatz, um das Marveluniversum aus einem anderem Blickwinkel zu betrachten, leidet aber etwas an den Zeichnungen und der oberflächlichen Charakterisierung mancher Figuren.


Pro & Contra

+ neuer Blickwinkel
+ Jessica Jones ist interessant gestaltet

- leidet etwas unter den Zeichnungen
- gute Geschichten, aber im Vergleich schwache Charaktere

Bewertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 3,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


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