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Daisy aus Fukushima (Reiko Momochi)
Geschrieben von Katja
Sonntag, der 21. August 2016

Egmont Manga (März 2016)
ca. 340 Seiten, 13,99 EUR
ISBN: 978-3-7704-9162-9
 
Genre: Drama, Romantik


Klappentext

Anderthalb Monate nach dem verheerenden Erdbeben vom 11. März 2011 kehrt Fumi an ihre Schule in Fukushima zurück. Es war eine unfreiwillige Schulpause, in der sich so vieles verändert hat … Die Strahlung und die damit verbundene Unsicherheit ist allgegenwärtig: Fumis kleiner Bruder darf nicht mehr draußen spielen und ein kleiner Regenschauer genügt, um die Schüler panikartig unter das Schuldach flüchten zu lassen. Fumi und ihre Freundinnen wollen sich davon aber nicht ihre Jugend kaputtmachen lassen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die Auswirkungen der Katastrophe ziehen immer weitere Kreise …
 
Eine gefühlvolle Geschichte, die die Sorgen der Menschen in Fukushima greifbar macht.


Rezension
 
Am 11. März 2011 wurde Japan von einem schweren Erdbeben erschüttert, doch noch schlimmer ist die Strahlung – eine Gefahr, die keiner sieht und keiner wirklich einschätzen kann. Diese Katastrophe ist nun anderthalb Monate her und es ist der erste Tag an dem sich Fumi wieder in die Schule traut. Dieser Tag hat alles verändert. Sie packt sich ein, schützt sich mit einem Hut und trägt einen Mundschutz. Auf ihrem Weg sieht sie panische Eltern, die ihren Kindern verbieten draußen zu spielen. Genauso wie ihr kleiner Bruder, auch dem ist das verboten.
 
Als ein Regenschauer beginnt, bricht Panik aus, auch bei Fumi. Fluchtartig strömen die Schüler ins Gebäude. Doch dort wartet endlich wieder etwas Normalität auf Fumi. Denn ihre Freundinnen haben sie schon sehnsüchtig erwartet. Zu Fumis Überraschung schlägt Moe vor, dass sie die Schulband wieder aufleben lassen. Ursprünglich hatten sie diese Band aufgelöst weil sie wegen dem Lernen keine Zeit mehr hatten. Doch gerade jetzt brauchen sie das, also starten sie wieder mit ihrer Band „Daisy“, ein Name, der Fumi sehr wichtig ist, denn er bedeutet Gänseblümchen, in der Blumensprache „ich fühle genau wie du“. Es scheint fast so, als könnte die Normalität wieder zurückkommen …
 
Doch dann müssen die Freundinnen erfahren, dass Moe Fukushima verlassen hat. Ohne ein Wort ist sie nach Tokyo gezogen. Ausgerechnet sie, wo sie doch die Idee hatte, die Band wieder aufleben zu lassen! In ihrer Verzweiflung gehen die Freundinnen sogar aufeinander los. Es wird deutlich wie nah an der Oberfläche all die Panik brodelt. Sollte man auch weggehen? Wäre das sicherer? Und doch will eigentlich keiner seine Heimat verlassen …
Aber überraschend kommt Moe wieder zurück. Erst freuen sie sich sehr darüber, aber was steckt dahinter? Sie erzählt was sie erlebt hat, letztendlich nur wegen der Radioaktivität der sie ausgesetzt war. Wie man deshalb auf sie reagiert hat. Und obwohl Moe ihren Freundinnen versichert, dass es ihr gut ginge, können sie es nur schwer glauben. Und sie müssen feststellen, dass sie damit Recht hatten …
 
„Daisy aus Fukushima“ zeigt mit den vier Hauptcharakteren eindrucksvoll wie schwer das Leben nach einer Katastrophe wie die vom 11. März 2011 ist. Es ist gar nicht nur das Überleben der Katastrophe selbst, danach kommen erst recht schwere Zeiten auf die Überlebenden zu. Der Manga vermittelt schonungslos wie viele Menschen noch nach dem Unglück gestorben sind, obwohl sie doch hätten weiterleben können. Menschen, die so sehr unter den Folgen leiden, dass sie das Leben nicht mehr ertragen. Weil sie aus ihrer Heimat flüchten mussten und wissen, dass sie nie mehr zurückkommen können, oder weil sie die, die ihnen wichtig waren, verloren haben. Oder einfach nur, weil  alle Menschen der Radioaktivität mit Angst und Unwissen begegnen und somit auch Menschen, die diesem ausgesetzt waren, von sich stoßen.
 
Der Manga ist eine gut gelungene Mischung aus ernsten, schweren Themen und der Fröhlichkeit, die sich die Menschen versuchen zu bewahren, egal wie schwer es wird. Es zeigt die Panik der Kinder, die nicht wissen wie sie ihre Zukunft planen sollen nach dem was passiert ist, aber auch die der Eltern, die nur das Beste für ihre Kinder wollen, ohne zu wissen was das ist. So gibt es das Mädchen, das immer fort aus Fukushima wollte, um in Tokyo mit Mode zu arbeiten. Doch nun beschließt sie genauso wie ihr Vater Reisbauer in Fukushima zu werden. Gerade jetzt da diesen Reis fast niemand mehr kaufen möchte. Oder das Mädchen, das in Fukushima Lehrerin werde möchte, um den Kindern, die unter dieser Katastrophe zu leiden haben, etwas zurück zu geben. Doch ihre Eltern suchen die Sicherheit und verlassen daher Fukushima.
 
Bis heute ist es so, dass keiner sicher sagen kann wie es den Menschen nach dieser Katastrophe gehen wird. Keiner weiß, was das richtige Verhalten wäre. Und niemand kann ungeschehen machen, was an diesem Tag und auch an allen danach geschehen ist. Der Manga zeigt auch, dass sich die Opfer von der Regierung allein gelassen fühlen. Man wurde viel zu spät über den Ausmaß der Katastrophe informiert und immer wieder hört man, es wäre alles unter Kontrolle, dabei bleibt weiterhin ungewiss wie es weitergehen soll und immer noch gibt es so viele Flüchtlinge, die nicht mehr in ihr Zuhause zurück können.
 
Bei diesem Werk bezieht sich Reiko Momochi auf den Roman „Pierrot“ von Teruhiro Kobayashi, Darai Kusanagi und Tomoji Nobita. Doch sie hat auch selbst mit Leuten aus Fukushima gesprochen. Sätze und Situationen aus diesem Manga sind wahr. Dies wird in dem Nachwort auch nochmals deutlich. Die Charaktere wurden sehr gut ausgebaut und übermitteln die Botschaft sehr glaubhaft. Entscheidungen sind nachvollziehbar auch wenn man selbst sie nicht immer so getroffen hätte. Die Charaktere bleiben sich aber trotzdem immer treu.
 
Nicht nur die ergreifende Story, auch die Zeichnungen sind sehr gut. Die Charaktere haben unterschiedliche Designs erhalten und haben einen guten Wiedererkennungswert. Sie wirken sehr lebendig und bringen perfekt die Zerrissenheit zwischen Verzweiflung und Lebensfreude rüber. Teilweise sind die Emotionen übertrieben, was bei dieser Erzählung aber absolut passend ist. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Charakteren und ihren Gesprächen untereinander. Dadurch wurden Hintergründe nur sparsam eingesetzt. Ab und zu sieht man Bilder vom Wiederaufbau von Fukushima, es wird darauf verzichtet trostlose Zerstörung zu zeigen. Denn es geht ganz klar um die Menschen und ihre Gefühle.
 
Wer sich den Manga kauft, hilft sogar damit! Denn für jeden verkauften Manga geht 1€ an Kinder in Fukushima. Von diesem Geld können Kinder verreisen, um ein paar Tage den Sorgen zu entkommen und wieder draußen spielen zu können. Am Ende des Mangas sieht man sogar einige Berichte darüber mit Bildern und einem Dankesbrief eines der Kinder das auf einer solchen Reise war.


Fazit
 
„Daisy aus Fukushima“ erzählt packend von den Gefühlen der Menschen, die die Reaktor-Katastrophe überlebt haben. Es wird ein eindrucksvolles Bild gezeichnet, das zeigt, was es bedeutet, eine solche Katastrophe mitzuerleben.


Pro & Contra
 
+ beeindruckend
+ packend
+ gut umgesetzte Story
+ glaubhafte Charaktere
+ schockierende Wahrheiten
+ schöne Zeichnungen
 
Bewertung
 
Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4,5/5

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 21. August 2016
 

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