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Wédōra – Staub und Blut (Markus Heitz)
Geschrieben von Swantje
Donnerstag, der 01. September 2016

Droemer Knaur (August 2016)
Klappenbroschur
608 Seiten, 16,99 EUR
ISBN: 978-3-426-65403-3

Genre: Fantasy


Klappentext

Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der fünfzehn Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier. Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. Hierhin verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija. Die beiden kommen zum ungünstigsten Zeitpunkt in die Stadt, steht Wédōra doch kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die geheimnisvollen Stämme der Wüste rufen zum Sturm auf die mächtige Stadt. Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für alle Seiten kriegsentscheidend sein können.


Rezension

Obwohl sie gemeinsam aufgewachsen sind, haben Liothan und Tomeija, beide Einwohner des waldreichen Herzogtums Walfor, sehr verscheidene Wege eingeschlagen: Tomeija ist eine Gesetzeshüterin und leidet schwer unter einem Fluch, der sie in manchen Situationen zur tödlichen Gefahr für sich und andere macht. Liothan hingegen ist ein geschickter Räuber und Dieb geworden, auch wenn sein Ehrgefühl von ihm verlangt, nur von denjenigen zu stehlen, die sich ihres Besitzes als unwürdig erwiesen haben, und einen Teil seiner Beute an die Bedürftigen weiterzugeben. Deswegen und wegen ihrer einstigen Freundschaft hat Tomeija seine Umtriebe bisher ignoriert. Aber als er in das Haus des Händlers Dûrus einsteigt, geht er einen Schritt zu weit. Tomeija will ihn stellen, aber da kommt alles anders als erwartet.

Dûrus erweist sich als ein Magier, der über beängstigende Kräfte gebietet. Doch er begeht einen Fehler. Statt die Eindringlinge zu töten, teleportiert sein Zauber sie nach Wédōra. Plötzlich müssen Liothan und Tomeija sich in einer völlig neuen Welt zurechtfinden: Am Himmel stehen drei Monde, Zauberer praktizieren eine ganz neue Art von Magie, die Stadt folgt ebenso fremden wie strengen Gesetzen und wird von einem mysteriösen Fürsten beherrscht, dessen Gesicht noch niemand gesehen hat. Erbaut über deren heiligen Grotten und Quellen wird sie immer wieder von Wüstenstämmen angegriffen. Und auch in ihrem Inneren brodelt die Unruhe: Einzelne Viertel werden von Menschen regiert, die ihre Macht missbrauchen, die Unzufriedenheit mit dem Herrscher wächst und eine neue Droge sorgt für Aufruhr und Tote auf den Straßen. Unterdessen versucht Dûrus, in Walfor seinen Einfluss auszubauen. Doch er trifft auf Widerstand.

Liothan und Tomeija steht in Wédōra zunächst eine Reihe von Begegnungen bevor: Einige sind hilfreich, andere verwirrend, viele gefährlich und nahezu alle führen sie in der einen oder anderen Weise zu Kämpfen. Erst allmählich durchschauen die beiden, was in der Stadt vor sich geht und sind gezwungen, eine Seite zu wählen. Allerdings nimmt das Intrigenspiel vergleichsweise wenig Raum ein und ist recht einfach gestrickt. Im Mittelpunkt der Handlung steht vielmehr, wie sich Liothan und Tomeija mal zusammen, mal getrennt einer Herausforderung nach der anderen stellen und Verblüffendes über die Stadt und sich selbst lernen.

Mit Wédōra hat Markus Heitz seinem Buch einen faszinierenden Schauplatz gegeben. Wédōras Organisation und Herrschaftsform, seine Geschichte und die vielgestaltigen Viertel sind detailliert geschildert, ohne dass dadurch der Erzählfluss unterbrochen würde. Bewohnt werden die Stadt und die Umgebung von so ungewöhnlichen Gestalten wie riesigen Echsen, die als Reittiere dienen, oder Wüstenkriegern, deren Organismus Sand statt Wasser benötigt. Einige Geheimnisse werden nicht gelüftet, aber das ist eher ein Pluspunkt, weil es noch mehr zur Atmosphäre der Stadt beiträgt.

Die Geschichte selbst ist nicht allzu kompliziert gestrickt und hat mit Liothan und Tomeija zwei schlagkräftige, eigentlich recht sympathische Protagonisten, die erst in Wédōra das volle Ausmaß ihrer Fähigkeiten kennenlernen. Sie hätten allerdings interessanter und vielschichtiger geraten können. Auch Markus Heitz‘ Sprache ist eher effektiv als schön: Sie lässt farbenprächtige Bilder entstehen und vermittelt ein präzises Bild des Geschehens, doch viele Formulierungen hätte man verbessern können. Trotzdem liest „Wédōra“ sich schnell und mühelos, ist spannend und actionreich.


Fazit

Der mit Abstand faszinierendste Charakter in „Wédōra“ ist die Wüstenmetropole selbst: Sie besticht mit ihrer Atmosphäre, der detailreich geschilderten Vielfalt ihrer Viertel und Bewohner und ihren unzähligen Geheimnissen. Sprache und Charakterzeichnung hätten gelungener sein können, aber es macht trotzdem Spaß, Markus Heitz‘ Roman zu lesen.


Pro und Contra

+ Wédōra als faszinierender, atmosphärischer Schauplatz
+ Originalität von Geschöpfen und Magiesystem
+ Spannung und Action

- gelegentlich holpriger Stil

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5


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Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 01. Juni 2017
 

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