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T.S. Orgel (14.09.2016)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 14. September 2016

Interview mit Tom und Stephan Orgel

Portrait TS Orgel 03 10 2015Literatopia: Hallo, Tom, hallo, Stephan! Bald erscheint der zweite Band Eures Fantasy-Epos „Die Blausteinkriege“. Worauf können sich die Leser freuen?

Tom Orgel: Hallo auch, ihr. Das ist eigentlich eine ziemlich hinterhältige erste Frage. Zum einen dürfen wir ja nicht spoilern, und zum anderen … dürfen wir ja nicht spoilern.
Mit Sicherheit aber auf ein Wiedersehen mit all den liebgewonnenen Personen aus dem ersten Band (mit Ausnahme von Flüster, vermutlich). Wir folgen erneut Marten und Sara, Danil und Messer, dem Puppenspieler, Xari, den Schildbrechern und all den anderen. Es gibt noch mehr Verschwörungen, auf jeden Fall mehr Magie und mehr Blaustein, einen tieferen Einblick in die Geschichte der Welt, und ob alle der liebgewonnenen Figuren das Ende des Bandes sehen ... Sagen wir so: Müsste es diese englischen Warnhinweise auf Büchern geben, würde hier auf jeden Fall stehen: „Warning: strong language, nudity, intense violence, blood, sugar, sex, magic, use of drugs and alcohol, mature (and occasionally very poor) humor.“ Wir sind unserem Hang zur grimdark-Fantasy treu geblieben und ich denke, wir sind mit dem Fortschreiten der Krise noch ein klein wenig düsterer geworden. Die Reihe trägt nicht umsonst das Wort „Krieg“ im Titel. Aber vor allem, hoffen wir zumindest, erwartet die Leser einige Stunden guter Unterhaltung.

Stephan Orgel: Die weniger lieb gewonnenen Personen aus dem ersten Band wird man übrigens auch wiedertreffen. Vor allem die bösartigen und hinterhältigen …

Literatopia: Die Magie des Blausteins ist einerseits sehr mächtig, andererseits sehr limitiert darin, was sie bewirken kann – wie wirkt sich das auf das Erzählen aus? Waren Magiesysteme wie beispielsweise „Allomancy“ bei Brandon Sanderson ein Vorbild?

Tom Orgel: Nein, im Grunde hatten wir kein Vorbild unter den Magiesystemen anderer Autoren. Zumindest kein gezieltes, bewusstes. Inzwischen ist mir mal aufgefallen: Ich habe vor vielen Jahren die „Lanfeust ...“ bzw. „Troll von Troy“-Comics von Arleston und Mourier gern gelesen, in denen es ein ähnlich gestricktes System von magischen Talenten gibt. Das mag bei der ursprünglichen Entwicklung mit hinein gespielt haben.

Aber tatsächlich war eine der weit wichtigeren Inspirationen wohl eher „Breaking Bad“ und die Droge, um die sich dort alles dreht. Eine Droge, die dem Verwender für kurze Zeit schier übermenschliche Kräfte verleiht, ihn aber – quasi als Preis – zugrunde richtet.

Wir mögen es beide in Romanen wie in Rollenspielen nicht, wenn Magier quasi uneingeschränkte Macht besitzen, ohne dass sie das etwas kostet oder Grenzen gesetzt sind. Zu schnell wird Magie dann zum Allheilmittel und zur universellen Lösung für jedes Problem in der Geschichte. Mit den Limitierungen der Talente und der Droge haben wir dagegen die Möglichkeit, uns auf die Charaktere zu konzentrieren. Magie ist nur ein Werkzeug und vor allem von der Persönlichkeit des Anwenders abhängig. Dadurch wirft ihre Anwendung immer wieder ethische und moralische Fragen auf. Und die Komponente der Droge bietet neben den moralischen Aspekten natürlich auch noch den politischen und vor allem wirtschaftlichen Hintergrund. Die Blausteinkriege sind nicht in erster Linie ein Krieg um Magie, sondern um einen begehrten (und zum Teil illegalen) Rohstoff und damit um Geld und Macht.

Literatopia: Die Gesellschaftsstruktur und einige Institutionen in Berun (gerade der Orden vom Flammenden Schwert) erinnern an das späte europäische Mittelalter mit Kreuzritterorden und Inquisition. Gab es konkrete historische Vorbilder?

Stephan Orgel: Wie man recht schnell erkennt, hat der Flammenschwertorden tatsächlich eine Menge Ähnlichkeit mit der Inquisition. Inspiriert wurde ich vor allem durch die historische Gestalt des Bernard Gui, einem mittelalterlichen Inquisitor der das Handbuch der Inquisition geschrieben hatte (für Historien-Fans: Der Bösewicht in „Der Name der Rose“). Gui war meiner Meinung nach ein sehr pflichtbewusster und effizienter Beamter, der sicherlich felsenfest davon überzeugt war, auf der Seite der Guten zu stehen. Genauso wird auch der Flammenschwertorden von aufrechten Rittern geführt, die keinen Moment daran zweifeln, dass sie das Richtige in Diensten des Kaiserreichs tun. Während sie mit allen Mitteln den Aberglauben an Götter auszumerzen versuchen, bemerken sie allerdings nicht, dass sie damit nur die Geschichte wiederholt, und ihrerseits eine Art von Ersatzreligion geschaffen haben. Diese immergleichen Verhaltensweisen unter jeweils anderen Vorzeichen und aus anderen Blickwinkeln sind auch das, was uns beim Schreiben solcher Bücher besonders viel Spaß macht.

Literatopia: Berun wird von einigen moralisch eher ambivalenten Gestalten verteidigt – solche Figuren sind oft interessanter und haben größere Handlungsspielräume als „reine Helden“, aber gleichzeitig besteht immer das Risiko, sie zu unsympathisch zu machen. Wie habt Ihr diese Herausforderung gemeistert?

Tom Orgel: Ganz ehrlich? Wir haben nur wenig darüber nachgedacht. Bei einer oder zweien der Hauptfiguren ging es eher darum, ihnen für die charakterliche Entwicklung Luft nach oben zu lassen („Fallhöhe! Mehr Fallhöhe!“, wie unser Lektor das nannte). Sie wurden anfangs also eher unsympathischer gemacht, als sie im Erstentwurf waren. Der Rest ergab sich eher organisch. Wir haben auch eine Handvoll Figuren entworfen, mit denen wir uns vorstellen könnten, mal ein Bier zu trinken, aber in erster Linie ging es uns doch darum, Charaktere nachvollziehbar realistisch und in ihrer Entwicklung halbwegs konsequent zu gestalten. Und wie im echten Leben hat das in den extremen Lebensumständen der Figuren fast immer zur Folge, dass nahezu jede Person auch dunkle Seiten entwickelt, mit denen sie und ihre Umwelt leben müssen. Und zu dieser Umwelt gehört eben auch der Leser. Was uns allerdings dabei bisher gelungen ist: nicht eine einzelne Kernidentifikationsfigur zu schaffen, sondern ein Geflecht an Sympathien und Antipathien, die über die Leserschaft erstaunlich gleichmäßig verteilt sind. Es gibt Leser, die Sara lieben, Danil cool finden, Marten verabscheuen – und Leute, die alle drei völlig anders bewerten. Das ärgert uns nicht – im Gegenteil. Das war eines der wenigen Ziele. Erstaunlich ist eher, dass die großen Unsympathen wie Messer oder Ejin fast durchgängig gemocht werden. Andererseits aber verständlich – eigentlich sind es ja auch bei uns nur die strahlenden Helden, die wir wirklich so gar nicht mögen.

Literatopia: Welche anderen Reiche gibt es in Eurer Welt Tertys und wodurch zeichnen sie sich jeweils aus?

Stephan Orgel: Bislang sind auf Tertys neben dem Kaiserreich Berun drei größere Fraktionen bekannt. Zunächst einmal wäre da das mächtige Königreich Kolno dessen Bewohner man sich als eine Mischung aus Normannen und Goten vorstellen kann. Grobschlächtige, harte Frauen und Männer die es gewohnt sind, unter widrigsten klimatischen Bedingungen zu überleben und deren Leben von den Göttern und vom Krieg geprägt sind. Im Kolno ist Stärke die wichtigste Charaktereigenschaft die ein Held haben kann. Das sagt aus Sicht „zivilisierter“ Kulturen ja eigentlich schon fast alles über diese Menschen aus.

Eine weitere große Fraktion ist der Novenische Städtebund, der sich grob an historischen Handelsstädten wie Venedig oder Genua orientiert, die durch Seehandel und geschickte Diplomatie auf Tertys zunehmend an Einfluss gewinnen. Daran anschließend findet man weiter im Süden diverse ursprünglichere Stammeskulturen, wie z.B. auch im Macouban, wo Magie und Hexenglaube noch besonders viel Einfluss besitzen - der bis hin zum sagenumwobenen Peynamoun ganz im Süden immer stärker und unheimlicher wird.

Daneben gibt es auch noch etliche andere Regionen wie „Sawale“ im Westen oder das Große Waldland im Norden, das im zweiten Band eventuell eine etwas größere Rolle spielen wird. Für die Bewohner des Kaiserreichs haben diese Gegenden allerdings kaum eine Bedeutung, da sie viel zu weit von ihrem täglichen Leben entfernt sind.

Literatopia: Auftaktbände von Fantasyreihen müssen eine ganze Welt vorstellen und gleichzeitig eine spannende Handlung und interessante Figuren aufbauen. Was geht Ihr vor, um möglichst allem gerecht zu werden?

Tom Orgel: In erster Linie, indem wir nicht die ganze Welt vorstellen.
Wir haben eine Handvoll Figuren genommen und lassen den Leser die Welt durch ihre Augen sehen, während sie ihrer ganz individuellen Geschichte folgen. Von der großen Geschichte im Hintergrund erfährt der Leser nur durch ihre persönliche Sichtweise und was die Figur in der Welt als normal wahrnimmt, lernt der Leser als „normal“ kennen. Durch diesen limitierten Ausblick auf die Welt müssen wir im Grunde gar nicht so viel beschreiben (und vorfertigen): einige Sachen sind natürlich vorangelegt, aber so wie die Figur sie erst später kennenlernt, so hat auch der Leser viel Zeit, immer wieder mundgerechte Häppchen der ihm unbekannten Welt zu erlernen. Bei vielen Dingen reicht es aber auch, sie nur anzudeuten – ich muss kein komplettes Ökosystem erschaffen und vorstellen, um im Kopf des Lesers die Sumpfwälder des Macouban lebendig werden zu lassen. Ein, zwei Zeilen zu z.B. Licht, Geräuschen und Gerüchen genügen oft schon. Um ehrlich zu sein haben wir früher viel mehr world building betrieben als inzwischen.

Unsere Welt wächst mit dem Schreiben und vor allem dort, wo es die Geschichte braucht. Das spart Zeit und Platz im Kopf. Im Grunde schaffen wir uns einen Kernstamm aus Figuren, werfen sie in die Kerngeschichte und sehen ihnen dabei zu, wie sie versuchen, da wieder heil heraus zu kommen. Daraus ergeben sich automatisch weitere Facetten der Charaktere und wir ergänzen dann Weltdetails und Nebenfiguren dort, wo es sich als notwendig erweist. Oft sogar (wie z.B. im 1. Band im Fall von Flüster) spontan von einem Satz zum nächsten.

Literatopia: Was hat es mit den „Reisenden“ in den „Blausteinkriegen“ auf sich? Erfährt man im Verlauf der Reihe mehr über deren Mythologie?

Stephan Orgel: Bei den Reisenden handelt es sich um eine Gruppe legendärer Kämpfer, die vor Urzeiten auf Tertys gewandelt sind und der Legende nach die Götter getötet haben. Ihr Erbe wird vom Flammenschwertorden bewahrt, dessen heiligste Pflicht es ist, dafür zu sorgen, dass die Götter nie wieder zurückkehren. Was es mit dieser Legende und den Reisenden noch so auf sich hat, erfahren die Leser nach und nach im Lauf der Geschichte.

Tom Orgel: Vermutlich aber tatsächlich noch nicht alles. Die Geschichte der Reisenden ist um einige Jahre älter als unsere Schreibkarriere, und die Blausteinkriege sind nicht ihre Geschichte. ;)

Literatopia: Wie sieht Eure Zusammenarbeit konkret aus? Ist beispielsweise jeweils einer für bestimmte Charaktere zuständig oder wechselt Ihr Euch kapitelweise ab?

Tom Orgel: Über die Jahre hat es sich für uns als der beste Weg herausgestellt, die Figuren und Erzählperspektiven bzw. Erzählstränge unter uns aufzuteilen. Die Rahmenhandlung plotten wir natürlich zusammen, legen die wichtigen Eckpunkte für die Geschichte fest und entwerfen die Handlungsorte. Ab dann schreibt jeder seine Erzählstränge für sich (sehen wir von gelegentlichen Kreuzungspunkten ab). Währenddessen werfen wir uns Ideen und nützliche Häppchen zu. Dafür nutzen wir neben halbwegs regelmäßigen Telefonaten und gelegentlichen Treffen vor allem eine gemeinsame Cloud-Datenbank, die inzwischen auch wirklich notwendig ist. Ab und an werden kritische Stellen ausgiebiger diskutiert, besonders, wenn sie den Plotverlauf ändern könnten und wir tauschen bereits Geschriebenes aus, um uns gegenseitig testzulesen und stilistisch nicht auseinander zu driften. Letztendlich könnte man vermutlich jedes unserer Bücher in zwei Einzelbänden lesen. Aber das wäre dann ja nur der halbe Spaß.

TS Orgel Portrait Presse BuConLiteratopia: Welche Art von Charakteren mögt Ihr am liebsten? Und welche Figuren aus den „Blausteinkriegen“ haben es Euch persönlich besonders angetan?

Stephan Orgel: Wie Ihr vorhin ja schon so schön festgestellt habt, wird Berun von einigen moralisch eher ambivalenten Gestalten verteidigt. Und genau die sind es auch, die es mir schon immer besonders angetan haben. Einfach Charaktere die man weder als wirklich gut oder böse bezeichnen kann, und die gelegentlich auch schon mal an sich selbst verzweifeln oder denen das Schicksal so übel mitspielt, dass ihre sämtlichen Überzeugungen auf einen Schlag zunichte gemacht werden. Bei meiner eigenen Arbeit stelle immer wieder fest, dass sich meine Sympathien für diese Charaktere ändern, je nachdem an wem ich gerade schreibe und welche Sichtweise ich dabei einnehme. Es kann dann durchaus mal passieren, dass der klassische Bösewicht des einen Buchs im nächsten irgendwie zum Sympathieträger mutiert. Ganz einfach weil ich mir genauere Gedanken über seine Beweggründe mache und dabei feststelle, dass er überraschend gute Argumente für seine Handlungsweisen hat (was natürlich nicht heißen soll, dass ich mit so einem Menschen dann gern ein Bier trinken gehen würde. Aber zumindest würde ich mir mal anhören, was er so zu sagen hat).

Literatopia: Ihr habt sicherlich beide viele Ideen für Romane – wie entscheidet Ihr, welche Ihr umsetzt? Und liegt die Entscheidung manchmal auch schlicht beim Verlag, der einen bestimmten Stoff haben will?

Tom Orgel: Nein. Die Entscheidung liegt nicht beim Verlag (oder unserer Literaturagentur, die ja auch noch ein Wörtchen mitzureden hat). Aber wenn der Verlag einen bestimmten Stoff haben will, hören wir ziemlich genau zu. Denn Verlage wollen dann einen bestimmten Stoff, wenn sie glauben, dass dieser besonders viele Leser interessieren wird.

Und ja, wir haben viele Ideen, die wir gern ausprobieren würden. Mehr, als wir je umsetzen können. Wir versuchen also, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und uns aus diesem Pool für etwas zu entscheiden, was nicht nur uns Spaß macht, sondern möglichst vielen anderen. Und wenn es dann noch funktioniert, ein Thema darin zu verpacken, das uns am Herzen liegt (wie zum Beispiel die Rassismusthematik in „Orks vs. Zwerge“), dann ist das ideal. Wir sehen wenig Sinn darin, unbedingt etwas zu schreiben, was niemand lesen will.

Literatopia: Wie ist der Titel „Orks vs. Zwerge“ entstanden? War das Eure Idee oder gab es ursprünglich einen anderen Titel, der auf Verlagswunsch dann geändert wurde?

Stephan Orgel: Wir hatten damals eine Geschichte über Orks geschrieben, die gegen Zwerge in den Krieg gezogen sind. Da drängte sich ganz automatisch das Bild zwei Footballmannschaften auf, die in voller Montur krachend aufeinanderprallen - sozusagen der Super Bowl der Fantasywelt. Da wir uns zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken über den Titel des Romans gemacht hatten, nannten wir ihn der Einfachheit halber „Orks vs. Zwerge“. Ein klassischer Arbeitstitel eben. Dummerweise fand ihn Heyne richtig gut und ehe wir widersprechen konnten, war die Sache entschieden. Wir hätten sicherlich einen etwas … poetischeren Titel gewählt, aber die Verkaufszahlen geben den Vertriebsleuten recht. Und inzwischen finden wir ihn selbst richtig cool.

steamtownLiteratopia: Was gefällt Euch persönlich an Orks und Zwergen so gut, dass Ihr diese beiden Völker für Euren Debütroman ausgewählt habt?

Tom Orgel: Zum einen: Orks und Zwerge sind beides handfeste Völker, aufbrausend, feier- und rauffreudig, roh, direkt, unflätig. Das heißt, bei aller Rivalität sind sie einander näher, als viele andere Völker. Zum Beispiel als Zwerge und Elfen. Das macht ihren Konflikt so interessant: Sie sind, um bei Stephans Vergleich zu bleiben, ebenbürtige Mannschaften im selben Spiel, die sich unter anderen Umständen bestens vertragen müssten.

Und genau mit diesem Widerspruch, der weniger auf Verschiedenheit als auf kulturellen Missverständnissen beruht, wollten wir arbeiten. Deshalb zieht es sich auch durch die Trilogie, dass beide Seiten im Grunde ähnlich über eine Situation denken und sogar dieselben Sätze verwenden – und doch die jeweils anderen als böse betrachten. Daraus können eben Situationen entstehen, die an die „Grabenweihnacht“ während des ersten Weltkrieges erinnern: Weil die Männer und Frauen an vorderster Front im Grunde mehr miteinander gemein haben, als mit der Politik ihres jeweiligen Oberkommandos.

Zum anderen war es auch ein wenig eine Entscheidung der Faulheit. Stephan und ich haben beide früher im Onlinespiel UNItopia mitgearbeitet, wobei ich zu einer Gruppe von Spielern gehörte, die gegen die Unterdrückung der Orks kämpfte, während Stephan eine Gruppe von Spielern betreut hat, die sich selbst als Zwergengemeinschaft verstanden. Wir hatten also beide schon einen reichhaltigen Fundus an Erfahrungen mit diesen Völkern, aus dem wir jetzt schöpfen konnten.

Literatopia: Beim Papierverzierer-Verlag ist „Steamtown – Die Fabrik“ von Euch und Carsten Steenbergen erschienen. Wie war es, zu dritt an einem Buch zu schreiben? Und was erwartet die Leser in „Steamtown“?

Stephan Orgel: In "Steamtown" erwartet die Leser eine Menge Dampf, Plasma, viktorianisches Feeling, eine düster-schmutzige Großstadt und eine Handvoll grausamer Morde die von einer Gruppe hoffnungsloser Agenten aufgeklärt werden müssen (unter anderem ein versoffener Ex-Priester und seine Nichte, ein verzogener Wohlstandsjüngling, und ein Individuum namens Mister Ferret). Der Roman ist aus einer Online-Fortsetzungsgeschichte entstanden, die wir vor einiger Zeit zusammen mit unserem Autorenkollegen Carsten geschrieben hatten und die ein Riesenspaß für uns gewesen ist. Es war zwar verdammt anstrengend, dazu drei Mal die Woche etwas ins Netz zu stellen, aber dafür haben wir am Ende festgestellt, dass wir richtig gut zusammen schreiben können. Irgendwie kann man das schon als den Anfang unserer gemeinsamen Schreibarbeit bezeichnen (obwohl Tom und ich auch davor schon gelegentliche kleinere Sachen gemeinsam entworfen hatten).

Literatopia: Was fasziniert Euch persönlich an Steampunk?

Tom Orgel: Ich mag den Alternativweltansatz an sich, der im Gegensatz zur reinen Fantasy nahe genug an unserer eigenen Lebenserfahrung ist. Selbst wenn ich nicht im viktorianischen Zeitalter hätte leben wollen. Abgesehen davon, dass unsereins weit eher Fabrikarbeiter unter katastrophalen Arbeitsbedingungen gewesen wäre als vermögender Abenteurer – ich sage nur: Medizinische Versorgung.

Nichtsdestotrotz: Mich fasziniert die Sorgfalt und das Herzblut, das in all die von Hand gefertigten Gadgets – von Kleidungsstücken bis hin zu Maschinen – geflossen ist und immer noch fließt, wenn man sich die realen Kunstwerke aus der Maker-Gemeinschaft des Steampunk heute ansieht. Auf mich übt das gesamte Flair und die Detailverliebtheit der Steampunk-Handwerker einen weit größeren Reiz aus als z.B. die (ebenfalls tolle) Schnodderigkeit der Postapokalypse-Settings. Ganz davon abgesehen ,dass mich Jules Verne schon seit Kindertagen fasziniert hat und das steampunkigste aller Computer-Rollenspiele, der Ultima-Ableger ‚Martian Dreams’ zu meinen all time favourites gehört.

Stephan Orgel: Steampunkige Computer Case Mods sind teilweise genial – und allein das ist schon ein Grund, Steampunk zu mögen. Außerdem gehören die Filme „From Hell“ und „Vidocq“ zu meinen absoluten Favoriten. Gelten zwar beide nicht als ganz echter Steampunk, aber die düstere Stimmung ist grandios.

Literatopia: Wie seid Ihr beiden eigentlich zum Schreiben gekommen? Und habt Ihr von Anfang an zusammengearbeitet?

orks vs zwergeStephan Orgel: Wie gesagt kann man „Steamtown“ als den Anfang unserer gemeinsamen Schreibarbeit bezeichnen. Tom und ich hatten zwar davor auch schon in einem Online-Rollenspiel (damals war sowas noch komplett textbasiert) an der Vergrößerung der Welt mitgearbeitet, aber zumindest ich hatte mich davor noch nie so wirklich mit dem Schreiben beschäftigt. Eine Zeitlang hatte ich noch nicht mal mehr Fantasy gelesen, bis ich durch Richard Schwartz und vor allem den großartige Joe Abercrombie wieder auf den Geschmack gekommen bin.

Jedenfalls hatten wir nach „Steamtown“ erstmal noch an einem Schreibwettbewerb teilgenommen, bei dem wir noch nicht mal die Vorauswahl überstehen konnten, aber dann ging es relativ schnell. Durch Carsten kamen wir an unsere erste Agentur und die konnte Heyne für unser erstes Manuskript begeistern. Das wurde zwar am Ende gar nicht umgesetzt, aber es schien unseren Lektor trotzdem von unseren Schreibqualitäten überzeugt zu haben.

Und da gerade Völkerromane sehr beliebt waren, schrieben wir eben „Orks vs. Zwerge“. Irgendwie waren wir damit zur richtigen Zeit am richtigen Ort - eine Menge Glück gehört eben auch dazu.

Tom Orgel: Das stimmt übrigens nicht ganz: auch Stephan hat schon weit vor „Steamtown“ mehrere Kurzgeschichten geschrieben – und unsere erste gemeinsame Arbeit war ein Wettbewerbsbeitrag zu einer Ausschreibung der Hobbit-Presse Mitte der 90er, die uns eine Themaverfehlung mit einem Silmarillion entlohnten.

Zu dieser Zeit hatte ich schon eine grässliche Fan-Fiction zu „Raumpatrouille Orion“ und einen 800 Seiten starken, Mary-Sue-lastigen Fantasyroman geschrieben. Dann war allerdings auch bei mir bis gut 2002 Schreibpause, bevor ich wieder mit Kurzgeschichten angefangen habe. Wobei Schreibpause relativ ist, wenn man tief in ein rein textbasiertes Onlinespiel involviert ist. Wirklich nicht geschrieben habe ich also wohl nie.

Literatopia: Welche Genres tummeln sich in Euren Bücherregalen? Und habt Ihr einen ähnlichen Lesegeschmack?

Tom Orgel: Ich würde schon sagen, dass wir einen recht ähnlichen Geschmack haben. Meist tauschen wir auch den Lesestoff untereinander – abgesehen von der Fantasy normalerweise auch mit unseren Eltern. Da sind jede Menge Thriller, Krimis, Mystery-Thriller und Crime-Novels (von Preston/Child über Jussi Adler Olsen bis Michael Crichton und T.C. Boyle), Science Fiction, Historienromane (wir mögen beide Bernard Cornwell sehr), da sind Urban Fantasy-Autoren wie Neil Gaiman und Unmengen Funny Fantasy, von Terry Pratchett über Douglas Adams, A.L. Martinez, Christopher Moore bis Tom Holt oder A.R. Roberts, Gruselstoffe von Poe über Lovecraft bis King, alte Klassiker, neue Reiseführer, ein Haufen Material von Kollegen, Fachbücher zu den verschiedensten Themen (Ich lese gerade wieder Kollaps von Jareth Diamond) – ich glaube, es gibt wenig, was wir nicht lesen. Ich kann allenfalls deprimierenden Sachen wie Karen Slaughter oder auch Chick Lit für gewöhnlich nichts abgewinnen. Und ich lese inzwischen weniger Fantasy – zumindest, während wir selbst schreiben.

Stephan Orgel: Tom ist der Ältere von uns beiden, und als jüngerer Bruder trägt man ja traditionell die Sachen des älteren auf. Genauso habe ich es mit den Büchern gemacht. Ich habe einfach alles gelesen, was er mir gegeben hat, weshalb wir im Grunde jetzt auch den gleichen Geschmack haben. In letzter Zeit häufen sich bei mir die Krimis und Thriller (zur Zeit Jo Nesbo), was vor allem daran liegt, dass man die schnell man zwischendurch lesen kann, wenn die Zeit knapp ist – und knapp ist sie definitiv.

orks vs zwerge ahnenLiteratopia: Nutzt Ihr Social Media, um mit Euren Fans in Kontakt zu kommen? Und was schätzen diese besonders an Euren Romanen?

Stephan Orgel: Wir geben uns alle Mühe, über unsere Website, Twitter, Facebook & Co. mit unseren Lesern in Kontakt zu bleiben (auch wenn wir manchmal aus Zeitmangel etwas langsam reagieren – aber seid nachsichtig, wir gehören eben noch zur Generation C64). Ich finde es großartig, auf so direktem Weg Rückmeldungen unserer Fans zu bekommen, und ich gebe zu, dass ich im Internet gern auch nach unserem Pseudonym suche und mich jedes Mal tierisch freue, wenn ich auf einem Buchblog auf eine neue Rezension stoße. Jedenfalls kriegen wir auf diese Art recht schnell mit, was den Lesern an unseren Büchern gefällt oder wo sie etwas daran auszusetzen haben. Und wenn die Kritiken fundiert sind, nehmen wir sie uns durchaus zu Herzen. Die meisten positiven Rückmeldungen haben wir zu unserem Schreibstil bekommen (der offenbar recht gut ankommt), sowie zu unseren ambivalenten Charakteren die nicht so recht in das klassische Schema von Gut und Böse passen wollen. Das möchten wir natürlich auch beibehalten. Die Leser sollten sich also immer darauf einstellen, dass nichts so ist wie es scheint.

Literatopia: Könnt Ihr uns schon einen kleinen Ausblick darauf geben, wie es mit den „Blausteinkriegen“ weitergeht? Und spuken bereits neue Projekte in Euren Köpfen?

Tom Orgel: Natürlich. Jede Menge. Es gibt aber ein oder zwei konkrete, die uns vielleicht sogar erneut zurück in die Welt de Orks und Zwerge oder aber nach Tertys führen könnten. Kein vierter Band einer der beiden Trilogien. Das auf jeden Fall nicht. Aber wir haben noch ein paar Ideen, die in einer der beiden Welten sehr gut aufgehoben wären, und es gibt in den unseren Büchern Geschichten von bisherigen Nebencharakteren, die es wert wären, ausführlicher erzählt zu werden. Aber genaueres muss erst noch besprochen werden – und wir haben ja noch ein ganzes Jahr dafür, diese Pläne reifen zu lassen. Klingt ein wenig, als würde ich mich um eine konkrete Aussage drücken? Ja, tu ich. Im Moment ist es einfach noch zu früh dafür. Entschuldigung. Wir geben euch Bescheid. :)

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!

Tom und Stephan Orgel: Wir bedanken uns ebenfalls. Es war uns ein Vergnügen! ;)


Autorenfotos: Copyright by Birgit Mühleder

www.blausteinkriege.de

Rezension zu "Die Blausteinkriege - Das Erbe von Berun"


Dieses Interview wurde von Swantje Niemann und Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 14. September 2016
 

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