Sonntag, 17. Dezember 2017

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Uschi Zietsch - Literarisches Feuerwerk
Geschrieben von Alisha
Dienstag, der 15. November 2016

1 Foto 1 UZ

„Alishas Lit-Talk“

USCHI ZIETSCH

Literarisches Feuerwerk

Diesen Beitrag von »Alishas Lit-Talk« möchte ich einer Autorin und Verlegerin widmen, die dieses Jahr doppelten Grund zum Feiern hat. Zum einen ist sie seit dreißig Jahren »im Geschäft«, zum anderen seit zwanzig Jahren hauptberufliche Autorin.
Wenn das kein Anlass ist, einmal einen genaueren Blick auf das Phänomen Uschi Zietsch zu werfen.

Nichts liegt näher, als meine kleine literarische Rundreise mit dem ersten Werk von Uschi Zietsch zu beginnen.

1 Sternwolke Eiszauber altSternwolke und Eiszauber erschien 1986 im Heyne-Verlag. Der Roman legte den Grundstein der folgenden Fantasywerke der Autorin, von denen ich einige vorstellen möchte. Allen voran ihr episches Meisterwerk, das im »Träumenden Universum« handelt und wozu auch »Sternwolke und Eiszauber« gehört.

Doch Sie werden sich nun fragen:
Was ist das »Träumende Universum«?
Vor allem wer ist sein Schöpfer?
Ishtru!
Er ist der Schläfer, der Träumer, der Schöpfer des Universums, mit dem alles begann. Solange er träumt, wird das Universum bestehen. Erwacht er, ist alles zu Ende, und es ist, als wäre der Traum nie gewesen.
Möge er demnach ewig träumen.

Das »Träumende Universum« ist groß und voll der Wunder. Auf ewiger Reise durch das All ziehen bizarre Geschöpfe, fragil und durchsichtig wie Quallen, feurig wie Kometenrösser, pulsierend wie Polypen, leuchtend wie Tiefseefische, gigantisch wie Wale, engelsgleich wie Rochen, lauernd wie Spinnen, jagend wie Wölfe.
Somit ein Universum, in dem sich jeder Leser gut aufgehoben fühlen kann.

Wer nun neugierig geworden ist und daher mehr über das »Träumende Universum« erfahren möchte, kann das hier: http://www.traeumendes-universum.de

Doch auch ich möchte einige Worte zu den Romanen verlieren, denn sie sind in der Tat etwas Besonderes in der Fantasyliteraturwelt.


1 DER STERN DER GOTTERDER STERN DER GÖTTER
Fabylon
Taschenbuch - 230 Seiten - 12.50 EUR
ISBN: 978-392707104-9

Die Geschichte eines faszinierenden, geheimnisumwitterten Mannes, der sich aus tiefstem Elend und bitterster Armut zum größten Kriegsherrn emporhebt und fanatisch den Kampf gegen den Beherrscher der Insel, einem mächtigen Druiden und echten Zauberer, aufnimmt. Er wird dabei von tapferen Männern und Frauen begleitet, die selbst dann noch an ihn glauben, als er nach seinem blutigen Sieg von Shyll, dem schrecklichen Widdergott, verflucht und in ein Seelengefängnis aus Grauen und Schmerzen gesperrt wird – denn für sie ist er der Befreier und neue Gott des Lichts. Nach einem langen, qualvollen Weg kann er sich schließlich aus seinem Seelengefängnis befreien und das letzte Rätsel seiner Herkunft und Bestimmung lösen; und es kommt zur Begegnung und letzten Auseinandersetzung mit dem grausamen Gott – es ist der Kampf um den »Stern der Götter«, einem Zaubermittel, das nahezu unbegrenzte Macht verleiht ...

Ein großes Epos, in dem Begriffe wie Ehre und Rittertum nicht nur leere, abgegriffene Worte sind, voller Legenden um Magie, Drachen und Geheimnisse, in die selbst Götter verstrickt sind.

Im »Träumenden Universum« handelt auch die Trilogie »Die Chroniken von Waldsee«, deren Einzelband erstmals bei Bastei Lübbe erschien, die aber mittlerweile in einem erlesenen Gesamtband im Fabylon-Verlag publiziert wurde.


1 DamonenblutDÄMONENBLUT
Die Chroniken von Waldsee Teil 1
Im großen Land Valia gelten Dämonen als Anhänger der Finsternis. Zumeist stimmt das auch. Doch hin und wieder wechseln auch Dämonen die Seiten ...
Rowarn ist kein gewöhnlicher junger Mann. Seit jeher neigt er zu Gewaltausbrüchen. Eines Morgens erwacht er im Wald, neben sich die Leiche einer furchtbar zugerichteten Frau. Schon bald bezichtigen die Dorfbewohner ihn des Mordes und fordern Vergeltung. Rowarn kann sich nicht erinnern, die Tat begangen zu haben.
Was er nicht weiß: Er hat eine finstere Vergangenheit, in der uralte Dämonen schlummern.

LESEPROBE

Grafik © Andrä Martyna

Mittags erreichten sie nach einem ruhigen Marsch das »Titanenfeld«, wie Olrig es bezeichnet hatte. Tatsächlich lag eine seltsame Stimmung über dieser steppenartigen Senke, die sich deutlich von dem grünen und blühenden Überfluss ringsum abhob. Hier gab es nur Dornkraut, raues Steppengras, und trockenen, sandigen Boden. Selbst Tiere mieden das Gebiet, nur selten flog ein Vogel darüber, und sogar Insekten waren kaum zu finden. Nur ein paar Käfer und gelegentliche Mückenschwärme, aber das war auch schon alles. Die Pferde gingen gleich beschwingter, weil es hier keine Versuchung gab, den Kopf zu senken, durch die Gräser zu streifen und die süßesten Stängel zu zupfen.
Rowarn keuchte plötzlich auf und griff sich an die Kehle.
»Was hast du?«, fragte Lohir Sommersprosse, der neben ihm ging, und bohrte selbstvergessen in der Nase.
»Dieser ... Ort ...«, stieß Rowarn hervor. Er krümmte sich zusammen, sein Gesicht lag fast auf der Mähne. Windstürmer wieherte leise, sein Schritt wurde vorsichtig, als ob er über rohe Eierschalen ginge. »Es greift nach mir ... viele eiskalte Finger ... und ich sehe ...«
Er sah unbeschreibliche Dinge, vor langer Zeit geschehen. Er sah einen Tag in der Dämmerung einer lange vergangenen Zeit, als Valia noch jung gewesen war. Nichts erinnerte an das Land, wie es jetzt aussah, alles wirkte viel größer und weiter.
Riesen wandelten über eine von Dunkelheit übergossene Ebene, wateten durch knöcheltiefen Blutschlamm. Unbeschreibliche Wesen hieben mit furchtbaren Waffen aufeinander ein – mit Morgensternen, größer als Pferdeschädel, mit Vielklingenschwertern, Wurfscheiben, stachelbewehrten Keulen, mit durch Ketten verbundenen Stöcken, die spitze Enden und Stachelringe besaßen. Sie warfen lange Speere mit einer geraden und einer gekrümmten Spitze, hieben und stachen mit den Doppelspeeren aufeinander ein. Andere schwangen zweischneidige Äxte, so groß und schwer wie ein Amboss. Die Erde bebte, wo die gepanzerten Titanen zusammentrafen und mit grausamer Wucht aufeinander einschlugen. Dröhnend landeten die Morgensterne in der aufgerissenen Erde und schlugen neue Wunden. Berge von Leichen türmten sich auf, verstümmelte Riesen vergossen Ströme von Blut, während sie fielen. Der Himmel war aschgrau, schwarze Wolken zogen rasch dahin und verdeckten die fahlbleiche, kaum Licht und keine Wärme spendende Sonne. Blitze zuckten am Firmament entlang und schlugen donnernd auf dem Erdboden oder in uralten Bäumen ein, wobei sie tiefe Löcher brannten und flammende Vernichtung auslösten. Wenn die Auren der Mächtigen aufeinanderprallten, stank die Luft nach Schwefel und Magie. Zauberer schleuderten Kugelblitze aufeinander, versuchten, sich mit Strahlen zu erschießen, erschufen Irrlichter, die den Wahnsinn mit sich brachten, oder errichteten Bannwälle, die von Gegenzaubern eingerissen wurden. Götter kämpften in der Luft mit fliegenden Heerscharen, und Drachen und Dämonen jagten und zerrissen Fliehende in rasender Blutgier.
»Ich ... ertrage es nicht ...«, wimmerte Rowarn und stürzte von seinem Pferd. Sofort war Morwen bei ihm, und Olrig ließ den Zug anhalten und galoppierte eilig zurück.
»Was hat er?«, fragte er besorgt, während Morwen und Lohir den jungen Nauraka festhielten, der sich mit verdrehten Augen und Schaum vor dem Mund auf dem Boden wälzte.
Lohir war so blass, dass man seine Sommersprossen kaum mehr sehen konnte. »Er hat irgendetwas von diesem Ort gemurmelt«, berichtete er verstört. »Und dass er unvorstellbar grausame Dinge sieht ...«
»Das ist die gefangene, überlieferte Magie dieses Ortes«, brummte der Zwergenkönig. »Bisher war sie uns von Nutzen, die Soldaten schnell und gut auszubilden, aber sie ist offensichtlich nicht für alle gleichermaßen verträglich.« Er kramte in seinen Westentaschen, dann zog er einen kleinen Beutel heraus und streute kleingeschnittene, getrocknete Kräuter auf seine Hand. »Helft mir, ihn aufzusetzen«, sagte er zu Morwen und Lohir. »Morwen, halt seinen Kopf fest, damit ich die Kräuter in seinen Mund bekomme.«
Mit vereinten Kräften schafften sie es. Inzwischen war auch der Fürst eingetroffen und sah mit besorgter Miene von seinem Hengst aus zu.
Kurz darauf wurde Rowarn ruhiger und kam schließlich zu sich. Verstört blickte er Olrig an. »Ich habe es gesehen ...«, flüsterte er. »Die Titanen ... und die Götter ... eine entsetzliche Schlacht ...« »Das wird nicht noch mal passieren, dafür sorge ich«, versprach Olrig erleichtert. »Du bist bei den Velerii aufgewachsen, so war immer Magie um dich, wahrscheinlich auch in deinem Essen. Das hat dich für derlei Dinge empfänglich gemacht. Wir hätten es uns denken können. Ich werde dir jeden Tag, solange wir hier sind, von den Kräutern geben, dann spürst du es nicht mehr.«
»Macht es meine Sinne stumpf?«
»Nein, dein Verstand bleibt klar und scharf, und der Rest deines Körpers wird auch funktionieren. Geht’s wieder?«
Rowarn nickte und stand auf. Verlegen blickte er in die Runde. Doch niemand machte ein vorwurfsvolles Gesicht. Eher betrachteten sie ihn mit einer gewissen respektvollen Neugier. »Ich habe euch aufgehalten. Aber jetzt ist alles in Ordnung.« Noch ein wenig wacklig auf den Beinen kletterte er auf Windstürmer.
»Gut«, sagte der Fürst. »Dann kann es ja weitergehen.« Er wendete den Kupferfuchs und setzte sich wieder an die Spitze.
Morwen blieb mit ihrem Pferd eine Weile neben Rowarn, und ihre Nähe tat ihm gut, auch ihr Schweigen. Es missfiel ihm, dass er stets auf irgendeine Weise auffallen musste, doch er konnte nichts dagegen machen. Noch jetzt spürte er die Magie, die mit kalten Fingern über ihn kroch, aber sie hatte keinen Einfluss mehr auf ihn. Das ist mit Abstand der scheußlichste Ort, an den wir geführt werden können, dachte er voller Ekel. Orte wie dieser sollten für immer vergessen werden.
Bald darauf hatten sie das Hauptlager erreicht. Die Neuankömmlinge blickten auf ein Heer von Zelten, umzäunte Gatter für Pferde und Vieh, eine Schmiede, Feuerplätze und viele Kampfareale, in denen eifrig geübt wurde. Größtenteils Männer, aber auch einige Frauen. Rowarn schätzte die Anzahl der Kämpfer auf über tausend, aber vermutlich waren es eher doppelt so viele, denn es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Hinzu kamen noch über hundert Bedienstete, die Waffen und Rüstungen instand hielten, Essen zubereiteten und ausgaben, Verletzungen versorgten, sich um Pferde und Vieh kümmerten und vieles mehr. Hier überwog der Frauenanteil, und Rowarn beobachtete durchaus angetan ihre rosigen Wangen und die üppigen, in Mieder und Leinen gepressten Formen, ihre fröhlichen Gesichter. Wann immer sie an einem Übungsplatz vorbeikamen, warfen die Frauen den Rekruten schelmische Blicke zu und wiegten die Hüften, ungeachtet der Last schwankender Wasserkrüge oder überladener Körbe.
Fürst Noïrun wurde umgehend umringt und begeistert begrüßt, von den Offizieren des ersten bis sechsten Ranges, die hier als Ausbilder tätig waren und gleichzeitig ihre künftigen Einheiten zusammenstellten. Bald löste sich die Schar einschließlich Olrig von den Rekruten, und es gab allgemeine Umarmungen, Schulterklopfen und Gelächter.
Die neu angekommenen Rekruten verharrten ein wenig verloren auf dem großen Platz, wenngleich wohlgeordnet, und warteten auf Befehle. Rowarn und Rayem standen mit ihren Pferden ganz vorne. Auf dem benachbarten Areal hörten die Kämpfe plötzlich auf, als »die Neuen« bemerkt und in Augenschein genommen wurden. Schließlich lösten sich fünf junge Männer aus ihrer Einheit und traten mit ihren Schwertern vor die Ankömmlinge aus Inniu. Einer war der geborene Unruhestifter; ein großer, grobschlächtiger junger Mann Anfang zwanzig, mit starken Muskeln, die er wohl gern zeigte, da er nur spärliche Kleidung trug. »Sieh da, sieh da«, fing er mit höhnischem Grinsen an. »Nun sind sie ja endlich eingetroffen, die Frischlinge! Und wie nett sie sich herausgeputzt haben, wie sie dastehen in ihrer verlorenen Würde, kaum dass sie aus dem Erdboden hervorgekrochen sind und über die Grassoden schauen können!«
»König Barfuß und Prinzessin Blaugesicht aus dem stolzen Tal Inniu, das so mächtig ist, dass man es auf keiner Landkarte findet«, spottete der junge Mann neben ihm, offenbar die Nummer zwei der Riege. Er deutete nacheinander auf Lohir und Ravia, dem geschlagenen Mädchen, dessen Gesicht allerdings schon fast verheilt war. Als nächster war Kalem an der Reihe: »Der beste Freund der Barbiere, Herr der schwarzen Zähne!« Dann wies er auf Rayem. »Und der oberste aller Ritter, auf dem treuesten aller fetten Ackergäule!«
»Und der«, fuhr der Rädelsführer fort und wandte sich Rowarn zu, »ist der Meister über alle, ein Edelmann der Schweinekoben, Gebieter über Speck und Ringelschwänze! Zweifelsohne sind sein Zaumzeug und der Sattel das Kostbarste, was er besitzt, denn er hat sie unsichtbar gezaubert!«
Daraufhin setzte erwartungsvolle Stille ein. Rowarn war sich bewusst, dass ihn nicht nur seine vier verspotteten Freunde anstarrten, sondern nahezu jeder, der in der Nähe dieses Platzes war. Er sah auch Noïrun, der Morwen am Arm festhielt, als sie mit verbissenem Gesicht vorstürmen wollte, und er sah Olrig sich einen guten Platz suchen und seelenruhig seine Pfeife entzünden. Und er betrachtete all die anderen Rekruten, Soldaten und Befehlshaber, die Marketenderinnen, Schmiede und wer sie alle waren, die sich neugierig zusammendrängten.
Er seufzte. »Also gut.« Rowarn schwang das rechte Bein über Windstürmers Hals und rutschte an der linken Seite herunter. Rayem beeilte sich, von seinem Wallach zu kommen. Rowarn wandte sich an die Rekruten, die hinter ihm und den vier anderen in Reih und Glied standen. »Stillgestanden«, sagte er, was umgehend höhnisches Gelächter und Pfiffe der fünf auslöste. »Und Befehlshaber ist er auch schon!«
Rowarn fixierte die Rekruten der ersten Reihe und nahm ihnen das stumme Versprechen ab, Haltung zu bewahren und sich nicht zu rühren, bis es ihnen befohlen wurde. Sie nickten unmerklich. Natürlich wollten sie sich keine Blöße geben und als halbwilde Tölpel verachtet werden; sie hatten Stolz entwickelt. Rayem und die anderen hielten ihre Stöcke bereit. Er stellte sich vor sie und wandte sich dem Großmaul zu.
»Was hast du da gesagt?«, fragte er.
Der Rädelsführer öffnete den Mund, guckte dann aber verdutzt und wusste zunächst keine Antwort. Aber er hatte ja seinen Freund. »Das hast du schon verstanden«, schnappte der. »Oder müssen wir es wie für eine taube Nuss noch einmal wiederholen?«
»Ich wollte nur sichergehen«, versetzte Rowarn lächelnd. Er gab seinen Freunden ein Zeichen, näherzurücken.
Das Großmaul prustete los. »Mit den albernen Stöcken wollt ihr Soldaten sein? Wo sind eure Schwerter?«
Rowarn winkte ab. »Warum sollten wir die unnötig abnutzen? Die Stäbe sind gut genug in den richtigen Händen.«
Rayem und Kalem nahmen rechts, Lohir und Ravia links von ihm Aufstellung. Ihre Augen funkelten erwartungsvoll, während sie sich bereitmachten. Wie ein Pfeil an der gespannten Bogensehne warteten sie nur auf den Befehl loszuschnellen.
Der Rädelsführer zeigte auf seine leere Hand. »Und wo ist dein Stock?«
»Ich brauch keinen«, antwortete Rowarn fast heiter. Er spürte die Anspannung um sich herum immer stärker werden. Alles konzentrierte sich nur noch auf ihn.
Sollten sie. Er würde allen zeigen, dass die Leute aus Inniu nicht geringer waren als andere, geschweige denn dümmer, langsamer oder ungebildeter.
Am Rand sah er Jelim stehen und zwinkerte ihr zu. Sie machte halbe Verrenkungen, um ihm zu zeigen, wie er vorgehen sollte, aber das wusste er bereits. Sie brauchte sich keine Sorgen zu machen. Er hatte das Großmaul lange genug beobachtet und wusste genau, wo seine Schwachstellen lagen – überall. Dieser Rekrut war ein brutaler und plumper Schläger, der lediglich Kraft und Masse einsetzte, um mit einem Schlag zu töten, und auf nichts anderes mehr achtete.
»Los«, sagte Rowarn unvermutet.
Die Freunde hatten nur darauf gewartet und reagierten augenblicklich. Bevor die vier Gegner recht begriffen, wie ihnen geschah, wurden sie mit wirbelnden Stöcken zurückgetrieben. Als sie versuchten, die Schwerter einzusetzen, parierten die Stockträger geschickt, wandelten den Angriff um und entwaffneten sie schließlich nahezu gleichzeitig. Sie setzten die Stabspitze jeweils an die Kehle des Unterlegenen.
Der Rädelsführer hatte kaum folgen können, so schnell war es gegangen, doch dann kochte seine Wut hoch. »Du!«, schrie er und ging mit erhobenem Schwert auf Rowarn los. Im nächsten Moment lag er im Staub, in den er rücklings und mit Wucht geprallt war. Rowarn stand über ihm, einen Stiefel quer an die Kehle gesetzt, während er das Schwert lässig in der Linken hielt. »Upps«, sagte er grinsend. »Scheint, als wärst du gestolpert.« Er trat zurück, wechselte das Schwert in die rechte Hand und ließ es kurz kreisen, prüfte es in zwei, drei Schwüngen, und warf es schließlich neben dem Großmaul auf die Erde. »Nicht gut im Gleichgewicht«, fügte er hinzu. »Genau wie du. Kaum gut genug für mich.«
Damit ging er zu seinen Freunden, die in fröhliches Gelächter ausbrachen, und als er den Blick auf einen bestimmten Mann ganz hinten in der Menge richtete, sah er sehr wohl den Stolz in den Augen des Fürsten.
Auch der Rest der Hundertfünfzig jubelte jetzt. Während das Großmaul und seine Kumpane von ihrem Ausbilder eine Rüge wegen unerlaubten Entfernens erhielten, winkte Morwen dem Trupp, ihr zu folgen.
Damit hatte die Truppe aus dem fernen Inniu ihren Platz in den Scharen von Ardig Hall gut verteidigt und wurde im Land Valia willkommen geheißen.

*

1 LP Damonenblut 2324c7b88a9a2800In der Nacht wachte Rowarn auf, starrte eine Weile in die Dunkelheit und konnte schließlich nicht mehr einschlafen. Er zog sich an und ging nach draußen. Ein abgemagerter Mond stand tief im Osten, und Ishtrus Träne hatte die Vorherrschaft am Himmel. Dünne Schleierwolken wanden sich wie ein wogendes Band um den Mond und ließen ihn fülliger wirken. Die Luft war frisch, denn am Abend hatte es einen kurzen, kräftigen Schauer gegeben, doch der Boden war bereits wieder staubtrocken. Hier hielt sich keine Feuchtigkeit, die Neues zum Wachsen ermunterte, nur das uralte, trockene Gras, die verdorrten Büsche, einige wenige knorrige Bäume. Alles war wie erstarrt, auf ein Bild gebannt, als Mahnung.
Geräuschlos bewegte Rowarn sich durch das stille Lager. Die Feuer waren heruntergebrannt, alle hatten sich zurückgezogen. Schon zur Morgendämmerung stand der Aufbruch an. Die Schar und einige wenige auserwählte Rekruten, die nunmehr als Soldaten erachtet wurden, sowie eine Versorgungskolonne würden Fürst Noïrun nach Ennishgar begleiten und von dort aus weiter nach Ardig Hall. Die anderen Einheiten würden ebenfalls dorthin marschieren, aber auf getrennten Wegen. Femris sollte das Eintreffen der Verstärkung nicht vorzeitig bekannt werden, und erst recht nicht die Stärke der Truppen. Jelim und Rayem mussten sich trennen, denn er war Fabor zugeteilt worden, nachdem Moneg eine Weile ausfallen würde und Gaddo zum letzten Rang degradiert worden war und nur noch ganz hinten in der Nachhut gehen durfte. Rowarn war erstaunt, dass die Beziehung der beiden, die so gar nicht zusammenzupassen schienen, immer noch hielt. Es sah ganz danach aus, als wären sie einander tatsächlich von Herzen zugetan. Fürst Noïrun hatte das Verhältnis der beiden bisher zwar stillschweigend geduldet (was Rowarn ihm hoch anrechnete), da sie äußerst vorsichtig waren und außerhalb des Freundeskreises bisher niemand etwas bemerkt hatte. Aber vielleicht war die Liebelei trotzdem ein Grund für die Trennung der beiden.
Rowarn wanderte an den heruntergebrannten Feuerstellen vorbei und überschritt schließlich den letzten Fackelkreis, hinaus in die fremdartige Nacht. Erst, als die Fackeln nur noch winzige Lichtpunkte in der Dunkelheit waren, blieb er stehen und sah sich um. In seiner Vision der Titanenschlacht war der Tag kaum heller gewesen, und er glaubte wieder das Stampfen und Dröhnen zu hören, das Klirren und Schreien, und die Konturen riesiger Geschöpfe schoben sich an ihm vorbei. Es war kaum zu glauben, dass die Erinnerung nach so langer Zeit hier immer noch festgebannt war wie ein böser Fluch. Und nichts anderes war es ja im Grunde: ein ewiges Mahnmal des Schreckens, dass dergleichen nie mehr geschehen durfte. Götter und Dämonen, Unsterbliche, Drachen und die Alten Völker ... Rowarn schüttelte es. Kein Wunder, dass Olrig die Erinnerung daran lieber verbannen wollte, denn sein Volk war damals schon dabei gewesen. Er hatte den Zwerg gefragt, wann die Menschen gekommen wären. »Viel später«, hatte Olrig geantwortet. »Die Menschen Waldsees gehören jedoch zur Ersten Menschheit, sie wurden nicht erschaffen wie die späteren Menschen, sondern begründet, von den großen Helden Eldaron und Eldamar. Die Erste Menschheit gibt es nur hier und auf einer weiteren, etwas jüngeren Welt.« Und Rowarn hatte gemeint: »Dann waren sie tatsächlich einmal nicht beteiligt ...« – »Nein«, hatte Olrig erwidert. »Beim schlimmsten aller Massaker waren sie nicht mit dabei.« Wie lange war dann diese Schlacht her? Eldaron und Eldamar waren schon vor vielen Jahrtausenden dahingegangen. Und die Erinnerung an die Geschehnisse an diesem Ort war immer noch so wach ...
Rowarn zuckte zusammen, als er ein Geräusch hörte, wie einen schweren, rasselnden Atem, ein Schnüffeln und Schnauben. Etwas bewegte sich über das Feld, scharrend und schwerfällig. Er hielt ganz still und schaute.
Und dann sah er sie. Eine Frau, mindestens einen Kopf größer als er. Ihre Haut war bleich und fast durchsichtig, kaum bedeckt von dünnen Fetzen eines dunklen Gewandes. Sie war barfuß und erschreckend mager, überall standen die Knochen vor. Ihr langes schwarzes Haar hing wirr und in Strähnen an ihr herab, kaum zu unterscheiden von den Kleidungsfetzen. Mit großen, dunklen Augen, in denen kein Weiß mehr zu sehen war, suchte sie den Boden ab. Sie bewegte sich auf eigentümliche Weise über den brachen Grund, wie über ein frisches Schlachtfeld, wich Hindernissen aus, stieg über Tote, und suchte, suchte ... Dabei keuchte sie bei jedem Schritt, ging gekrümmt und schief in der Hüfte. Sie musste uralt sein.
Ein heißer Wind wehte plötzlich von dem Feld herüber, hüllte Rowarn ein und legte sich schwer über seine Brust. Gleichzeitig spürte er, wie die eiskalten Finger der Magie an ihm hochkrochen, und er fühlte die Toten um sich. Zusehends glaubte er sich versetzt, war nicht mehr in der Welt, die er kannte, sondern irgendwo dazwischen, nicht ganz in der Vergangenheit, aber auch nicht mehr im Heute.
Je länger er die Frau beobachtete, desto besser konnte er ihre bizarren Bewegungen nachvollziehen, und er erkannte immer mehr, was in ihrer Vorstellung um sie herum war. Sie durchwühlte hier die Taschen eines Gefallenen, hob dort an den Haaren ein Gesicht zu sich auf, um es zu mustern, öffnete das Visier eines Helmes, in dem ein abgeschlagener Kopf steckte, hob Arme und Beine, schüttelte sie. Dabei schnüffelte und röchelte sie, ließ immer wieder die Blicke über das Feld schweifen, wechselte die Richtung und suchte, suchte.
Und dann verharrte sie, schaute aus blicklosen Augen genau zu Rowarn herüber, und er griff sich an die Brust, als er einen stechenden, eisigen Schmerz in seinem Herzen fühlte. Sie hatte ihn gesehen. Kam langsam auf ihn zu.
Rowarn wollte sich umdrehen und weglaufen, zurück zum Lager, aber sie bannte ihn mit ihrem Blick aus den grausamen leeren Augen, während sie näherhinkte und dabei stets auf Hindernisse achtete, die in Wirklichkeit nicht mehr da waren. Was will sie von mir?, dachte Rowarn panisch. Er sah, wie ihre schwarzen Lippen sich plötzlich in die Breite zogen, zu einem zahnlosen, tödlichen Grinsen der Gewissheit, ihn bald gefangen zu haben. Und es schien, als wolle sie zu ihm sprechen ...
Doch bevor es so weit kam, war plötzlich jemand bei ihm, warf ihm einen Umhang um die Schultern und schlug ihm die Kapuze über den Kopf. Olrig. »Ganz still, Junge«, wisperte er in ungewohnter Hektik und Furcht. »Reg dich nicht, halte um Himmels willen den Atem an ... versuche wegzuschauen, konzentrier dich auf mich ...«
Rowarn gehorchte. Unter Aufbietung sämtlicher Kräfte gelang es ihm, den Kopf zur Seite zu drehen und die Augen auf den Zwerg zu richten. Seine Knie schlotterten plötzlich, und ihm klapperten die Zähne, als ihm bewusst wurde, wie knapp er dem Tode entronnen war, und dass es immer noch nicht vorbei war. »Wer ist das?«, wisperte er fast unhörbar.
»Die Eliaha«, antwortete der Kriegskönig leise. »Seit der Schlacht damals geht sie hier um. Es gibt eine Menge Vermutungen darüber, was sie sucht. Die einen halten sie für eine Leichenfledderin, andere meinen, sie wäre eben deswegen verflucht, weil sie den Toten das Kostbarste raubte und es nicht mehr zurückgeben kann, um erlöst zu werden. Romantischere Seelen behaupten, sie sei auf der Suche nach ihrem Liebsten, weil sie nie voneinander Abschied genommen haben. All so Zeugs eben. Die Wahrheit werden wir nie erfahren, außer vielleicht, wenn wir uns von ihr in ihr schauriges Zwischendasein ziehen lassen. Denn es heißt auch, sie fängt, quält und frisst Seelen. Schon so mancher ist hier für immer spurlos verschwunden ...« Die Eliaha verharrte. Suchend ließ sie die Augen schweifen und zog scharf die Luft durch die Nase.
Olrig fuhr fort: »Sie ist ein Totengeist, wie so viele, die man auf den Feldern der Gefallenen findet. Ich weiß nicht, wie du sie auf dich aufmerksam gemacht hast, aber du solltest von vornherein nachts deinen Mantel nicht vergessen. Die Lande hier sind gefährlich, so leer und einsam sie auch aussehen.«
»Ich werde es mir merken«, brummte Rowarn. Er rieb sich die Schläfen, heftige Kopfschmerzen überfielen ihn plötzlich.
Die Eliaha entfernte sich von ihnen und setzte ihre schaurige Suche an anderer Stelle fort. Olrig stieß Rowarn leicht an. »Komm, gehen wir ein Stück zurück, weg aus ihrem Machtbereich.« Rowarn hatte nichts dagegen; die Kopfschmerzen wurden unerträglich. Kurz vor der Fackelgrenze blieben sie stehen, und hier war es viel besser. Die Luft roch frisch und rein, die Schleierwolken gaben die Mondsichel frei, und Ishtrus Träne blinkte. »Jetzt habt Ihr mich schon wieder gerettet«, sagte er verlegen.
Olrig lächelte, seine Zähne blitzten durch den wuchernden Bart. »Mich treibt es auch immer wieder hierher«, sagte er. »Die Erinnerungen der Zwerge, du verstehst? Die Menschen können nur die Energien spüren, die es hier gibt, und Kraft daraus schöpfen. Die Eliaha ist für sie unsichtbar. Sie waren nicht dabei.«
»Ich auch nicht«, entgegnete Rowarn erstaunt.
»Vielleicht solltest du darüber nachdenken. Warum hat die Eliaha dich gesehen? So oft ich auch hier war, sie hat mich nie bemerkt.«
»Warum muss das von Bedeutung für mich sein?«, entfuhr es Rowarn heftiger, als er beabsichtigt hatte.
»Schon gut«, beschwichtigte Olrig. »Ich wollte nicht in deine Seele greifen. Es ist deine Sache, was du mit deiner Herkunft anfangen willst.«
Rowarn seufzte. »Ihr habt eine ziemlich unverblümte Art, ehrenwerter Kriegskönig.«
Olrig lachte. »Dies ist die Art der Zwerge, mein junger Freund. Und da wir gerade so offen miteinander sind, möchte ich dich bitten, nicht mehr so förmlich zu sein, das ist bei uns Zwergen nicht üblich. Wir pflegen einen unkomplizierten Umgang miteinander. Du bist jetzt Soldat, und wir sind schon eine Weile zusammen unterwegs. Einverstanden?« Er hielt Rowarn die Hand hin. Der konnte es zunächst gar nicht fassen, dass er mit dem Kriegskönig plötzlich wie mit einem Gleichgestellten reden durfte.
»So weit kommt’s noch«, brummte Olrig und grinste, als Rowarn ihn entgeistert anstarrte. »Deine Gedanken liegen offen auf deinem Gesicht, Baumäffchen, dazu brauche ich keine Magie. Nein. Wir reden als Freunde miteinander, und als Kampfgefährten, die wir nun sind.«
Rowarn ergriff seine Hand, glühend vor Stolz und Freude, und verkniff sich ein jämmerliches Winseln, als Olrigs Pranke ihn fast zerquetschte. »Es ist mir eine Ehre, Freund Olrig«, sagte er strahlend, wenn auch leicht verzerrt.
»Und jetzt sollten wir schleunigst zurückgehen und wenigstens noch zwei oder drei Stunden schlafen, bevor das große Chaos ausbricht. Was denkst du?«
»Ich glaube, das lässt sich jetzt einrichten. Ich danke ... dir ... für alles, Olrig.«
Doch so einfach war es nicht, sich abzuwenden. Von diesem Moment an verfolgten ihn im Traum manchmal die Schlachtszenen der Titanen; nahezu jede Nacht aber die grauenvollen Augen der Eliaha, die nie aufhörte, nach ihm zu suchen.


1 nachtfeuerNACHTFEUER
Die Chroniken von Waldsee Teil 2
Die Schlacht gegen die Finsternis ist noch nicht vorbei.
Der junge Ritter Rowarn zieht mit seinen Gefährten in das sagenhafte Reich der Heilerin Arlyn. Bald treffen von überall Verbündeten von Ardig Hall ein, und man schmiedet Pläne, die Lichtlose Burg des Feindes Femris anzugreifen und ihm die drei geraubten Splitter eines magischen Artefakts zu entreißen. Doch da kreuzt der junge Ritter Rowarn unerwartet den Weg des gefürchteten Dämons Nachtfeuer ...

LESEPROBE

Grafik © Andrä Martyna

Sie verließen den Wald, und vor ihnen lag totes Land. Eine Steinwüste, durch die ein einsamer Wind pfiff. Selbst die Flüsse schienen einen Bogen um Farinvin zu machen, denn Rowarn konnte nicht einmal ein ausgetrocknetes Bachbett entdecken. Als wäre alles, was hier jemals gegrünt und geblüht hatte, herausgestanzt worden, und zurück blieb nur der nackte Stein. Kein Geröll, keine Kiesel, sondern durchgehend glatter, fester Fels, wie unter gewaltiger Hitze zusammengebacken. Es gab nicht eine einzige Lücke oder Spalte, in der sich irgendeine Art von Leben festhalten konnte.
Gleichzeitig schien die Luft sehr viel schwerer zu sein, und die Sicht verschwamm, verschob sich auf eigenartige Weise. Der Himmel war düster, obwohl sogar die Wolken diesem Land auswichen und keinen Schatten über dieses Land werfen wollten. Sie zerteilten sich und fanden erst weit in der Ferne wieder zusammen.
»Grauenvoll«, stellte Rowarn erschüttert fest. »So etwas Lebloses habe ich noch nie gesehen. Als ob ein Fluch darüber läge ...«
»So ähnlich ist es auch«, bestätigte der Visionenritter. »Die Magie ist hier völlig außer Kontrolle geraten, hat alles zerstört, und strahlt noch immer aus. Es sind Fetzen von Energiefäden, die hier umherirren, Bruchstücke, die nicht mehr zusammenfinden. Man sagt, dass Teile aus der Weltenmelodie gerissen wurden, deren Klang zerbrach und hier immer noch nachhallt, verzerrt und all ihrer Harmonie beraubt. Das hat das Land, das vorher geblüht hat, vernichtet, möglicherweise für immer.«
»War das vor oder nach der Titanenschlacht?«
»Vorher. Aber niemand zog eine Lehre daraus, weil es nur ein sehr kleines Gebiet betraf, obwohl sich überall auf Waldsee solche verseuchte Landstriche finden lassen.«
»Falls das Land besiedelt war ... hat es also nicht mal die Götter gekümmert, was aus diesen Wesen wurde!?«
»Nein.«
»Das ist ... einfach nur entsetzlich.«
»Es herrschte Krieg, junger Ritter. Auch Götter sind der Zerstörung anheimgefallen.«
Rowarn starrte geradeaus. »Deshalb also wollen alle das Tabernakel«, flüsterte er. »Weil sie hoffen, dass es die Wunden der Vergangenheit heilen wird.«
»Das Tabernakel kann viel bewirken. In die eine oder andere Richtung«, bestätigte Angmor. »Die Aufgabe meines Ordens ist es, dafür zu sorgen, dass es seiner Bestimmung zugeführt wird.«
»Aber wie ...«
»... wollen wir wissen, wann es soweit ist? Das werden wir. So ist es wiederum uns bestimmt.« Nach diesen Worten hüllte der Visionenritter sich wieder in sein gewohntes Schweigen.
Rowarn war es nicht bange. Was konnte hier schon passieren, solange er auf dem Weg blieb? Niemand konnte sich ungesehen nähern, ein Hinterhalt war unmöglich. Magie einzusetzen war sicher keine gute Idee. Und Rowarn konnte den Waldrand, auf den die Straße zuführte, bereits erkennen. In weiter Ferne erblickte er weitere Straßen aus verschiedenen Richtungen, auf denen sich Reisende in den Wald hinein bewegten. Von der nördlichen Seite aus wurde Farinvin wohl, wenn überhaupt, nur kurz gestreift. Vermutlich war der bestmögliche Kompromiss, wenn das verfluchte Land schon nicht ganz gemieden werden konnte, es nur am Rande zu betreten. Rowarn schätzte, dass sie trotz der Last von Tamrons Bahre den Wald um die zweite Mittagsstunde wieder erreichen würden. Dann wollte er den Pferden eine Rast gönnen.
Windstürmer war nervös und schwitzte, seine kleinen Ohren waren in ständiger Bewegung, und er schnaubte und prustete misstrauisch. Seine feine Nase konnte die entfesselte Magie vermutlich in der Luft riechen; auch Rowarn hatte einen unangenehm metallischen Geschmack auf der Zunge. Es war dunstig, die Sonne halb verhüllt. Sie schien zu kraftlos, scharfe Schatten auf den Boden zu zeichnen. Rowarn sah nur matte, verwischte Konturen unter ihnen dahinirren. »Selbst Schatten meiden dieses Land!«, versuchte er einen Scherz zu machen, auch um wieder einen Laut in dieser geisterhaften Stille zu hören. Angmor saß schon seit einiger Zeit steif und reglos im Sattel, während Aschteufel gleichmäßig einen Huf vor den anderen setzte. »Es ist trotzdem seltsam unheimlich hier«, fügte er leise hinzu, als er keine Antwort erhielt. So zuversichtlich wie zuvor war er nicht mehr. Aber was konnte schon passieren? Der Weg war frei, nur Steinland ringsum, kein Leben weit und breit, abgesehen von den Reisenden am Horizont. Warum nur war Windstürmer so nervös und schweißnass?
In diesem Augenblick scheute das brave Lastpferd, fing an zu tänzeln und am Strick zu reißen. Der Falbe ließ sich sofort davon anstecken, wieherte und wollte sich drehen.
»Halt!«, rief Rowarn und versuchte den Wallach zu bändigen, sonst hätten sie sich heillos verheddert. »Windstürmer, ruhig!« Er musste mit seinem Pferd kämpfen, was noch nie der Fall gewesen war, und verlor zusehends die Kontrolle darüber. Unmöglich, dachte er, das kann nicht sein.
»Bring die Pferde zur Ruhe!«, mahnte Angmor, der Aschteufel angehalten hatte, und drehte sich leicht im Sattel. »Ich kann dir nicht dabei helfen, Junge, also mach schnell!«
»Ich versuche es ja!«, gab Rowarn verzweifelt zurück. Windstürmer war nicht mehr zu halten, er drehte sich, halb steigend, auf der Hinterhand. Auch das Lastpferd wieherte und riss immer heftiger am Seil. Rowarn zückte das Messer, als er sah, wie der Strick sich um Windstürmers Vorderbein schlang, um das am Sattel verschnürte Packpferd loszuschneiden. »Ich weiß nicht, was mit ihnen los ist!«, keuchte er, während der Falbe zu buckeln anfing und ihn daran hinderte, das Seil zu erreichen.
»Es müssen die Toten sein«, antwortete der Visionenritter und bewegte den Kopf von einer Seite zur anderen. » Sie greifen uns an! Wir müssen so schnell wie möglich weiter.«
»Aber warum greifen sie ...«
»Ich hätte es wissen müssen. Es ist Tamron!«
Windstürmer stieß ein grelles Wiehern aus, als er merkte, dass sein Huf sich im Seil verfangen hatte, und stürmte blindlings los. Das sich heftig wehrende Packpferd wurde mitgezerrt, und Rowarn schoss an Aschteufel vorbei. Er griff in die Zügel, unternahm alles, sein Pferd zur Ruhe zu bringen, doch es war völlig panisch. So hatte Rowarn Windstürmer noch nie erlebt.
Temperamentvoll, ja. Aber ängstlich? Niemals!
Mit einem scharfen Knall riss der Strick, das Lastpferd holte auf, und Kopf an Kopf rasten die beiden Pferde die Straße entlang. Rowarn sah, wie Tamrons Bahre ins Schlingern geriet und dann gefährlich hin- und hergeschwungen wurde. Er fluchte, schimpfte, riss an den Zügeln, doch Windstürmer rollte einfach den Kopf nach unten ein und galoppierte weiter.
Da riss die Befestigung von Tamrons Bahre, und er wurde seitlich davongeschleudert. »Tamron!«, schrie Rowarn, und ohne weiter nachzudenken, ließ er sich aus dem Sattel fallen. Das hatte er schon als Kind gelernt, ohne sich den Hals oder sämtliche Knochen zu brechen – eine der ersten Lektionen seiner Muhmen: Bevor du reiten lernst, lern fallen.
Es trieb ihm die Luft aus den Lungen, als er auf dem unnachgiebigen Stein aufprallte, obwohl er sich sofort abrollte und versuchte, mit dem Schwung hochzukommen. Hilflos rollte er über die Straße, bis seine Hände sich abstützen konnten. Hastig, ohne die Schmerzen zu beachten, rappelte Rowarn sich auf. Aschteufel donnerte auf schweren Hufen heran, und Tamrons Bahre lag ein paar Schritte weiter am Rand der Straßenmarkierung, wie durch ein Wunder unversehrt, der bewusstlose Unsterbliche lag mit dem Gesicht nach oben.
»Ich hole die Bahre!«, rief Rowarn und rannte auf die Trage zu. »Fangt Ihr die Pferde ein, Herr!« »Rowarn, nicht!«, schrie der Visionenritter, der fast heran war; er neigte sich im Sattel, als wolle er nach Rowarn greifen, aber in diesem Moment war der junge Mann schon über die Markierungslinie getreten.

1 LP Nachtfeuer 6074c7bd879d1addRowarn hatte Angmors Mahnung durchaus noch in Erinnerung, gerade deswegen hatte er Tamron ja so schnell wie möglich zurückholen wollen. Er hatte geplant, so schnell zu sein, dass niemand – Geist, Toter oder was auch immer – es mitbekommen würde. Er durfte keine Zeit verlieren. Schließlich konnte der immer noch blinde, geschwächte Visionenritter hierbei nicht helfen, sonst geriet er womöglich selbst in Gefahr. Rowarn hatte keine anderen Wahl. Doch dann verstand er, warum man den Weg nicht verlassen sollte.
Was er nun sah, war nicht mehr das tote Felsland, durch das sie seit über einer Stunde gezogen waren. Die Luft flirrte und waberte vor Hitze, die Sicht war noch verzerrter als vorher, und Rowarn sah ... Wesen. Kreaturen, ob lebend oder tot wusste er nicht zu sagen, die dieses Reich bevölkerten, und es gab auch eine Landschaft voll bizarrer, eckiger Bäume, nicht minder merkwürdiger Sträucher, gezackter Grasbüschel. Die Wesen ähnelten nichts, was Rowarn je gesehen hatte, sie schienen willkürlich aus vielen Teilen, die nicht zueinander gehörten, zusammengesetzt. Manche waren so riesenhaft, dass ihre Beine die Bäume überragten.
Einige Geflügelte hatten eine Spannweite von mehr als zwei Speerwürfen. Dann gab es Monstrositäten, die mit mächtigen Kieferwerkzeugen und Hauern tiefe Löcher in den Boden schlugen.
Rowarn schluckte. War dies Scíanshàn oder gar das zwergische Hráldfhárr, wo verfluchte und verlorene Seelen gefangengehalten wurden? Er sah Schemen zwischen den körperlosen und trotzdem so wirklich scheinenden Kreaturen umherwandern, und er hörte Klagen und Jammern über das infernalische Kreischen und Dröhnen hinweg. Und Rowarn spürte die Magie körperlich, wie glutflüssige Lava zog sie feurige Bahnen durch seinen Körper, rüttelte und zerrte an ihm.
Doch davon durfte er sich nicht beeindrucken lassen, er hatte eine Aufgabe zu bewältigen.
Erschrocken sah Rowarn, dass sich die Aufmerksamkeit bereits auf den bewusstlosen Unsterblichen richtete, dass Geschöpfe von menschenähnlicher Form sich um ihn ringten, lange, dünne Greifklauen nach ihm ausstreckten und mit weit geblähten Nüstern witterten. Diese Wesen waren bleich, die Knochen zeichneten sich durch die dünne Haut ab; einige besaßen keine Augen, andere keinen Mund.
»Weg von ihm!«, schrie Rowarn und rannte auf Tamrons Bahre zu. Doch bevor er sie erreichte, sprang ihm ein hundeartiges Geschöpf mit überlangen Hinterbeinen in den Weg und öffnete drohend einen zähnestarrenden Rachen. Derweil packten drei der Geisterwesen die Bahre und schleppten sie mit sich fort.
Rowarn zog das Schwert und starrte das Hundewesen, das etwa so groß wie Aschteufel war, drohend an; sein Gebaren war mutiger, als er sich fühlte. Doch er konnte nicht mehr zurück. »Aus dem Weg«, knurrte er die Kreatur an. »Oder du wirst es bereuen.«
Das Geistertier zeigte sich unbeeindruckt. Als Rowarn einfach weitergehen wollte, griff es ihn an. Der junge Ritter schlug sofort zu, doch sein Schwert traf nur Luft. Die Kreatur hingegen erwischte ihn voll mit der Pranke, und Rowarn wurde durch die Luft geschleudert und landete ächzend auf dem Rücken. Bevor er sich herumrollen konnte, war das Biest über ihm, presste die Schemenpfote auf seine Brust und drückte ihn schwer nieder. Rowarn schlug mit dem Schwert um sich, doch es traf auf keinen Widerstand. Am Rande bekam er mit, wie die anderen Wesen Tamrons Bahre immer tiefer in das verfluchte Land schleppten. Bald würde er sie nicht mehr finden können, bei all den wabernden Trugbildern rings um ihn würde er schnell die Orientierung verlieren.
Obwohl der Kiefer der Bestie nicht fassbar war, troff Speichel von ihm herab, als sie den Kopf auf Rowarn herabsenkte, um zuzubeißen.
Da griff Rowarn zu einer letzten verzweifelten List, wie ein Käfer, den ein neugieriges Kind auf den Rücken gedreht hatte – er stellte sich tot. Es gab eine Übung der Tiefen Ruhe, in der man den Herzschlag verlangsamen und den Atem für einige Zeit anhalten konnte. Rowarn hatte diese Übung schon mehrmals bei Streichen eingesetzt, wenn er Gefahr lief, entdeckt zu werden. Nicht zuletzt hatte er wegen der Waldtiere, etwa einer Rotte Riesenschweine, gelernt, diesen Zustand innerhalb kürzester Zeit zu erreichen.
Augenblicklich erschlaffte Rowarn, zog sich in sich selbst zurück, verlangsamte den Herzschlag und hielt den Atem an. Lange konnte er das nicht durchhalten, weil es enorm an den Kräften zehrte, aber er wusste nicht, was er sonst tun konnte.
Doch es klappte. Die Kreatur biss nicht zu, sondern verharrte unruhig, schnüffelte an Rowarn herum, stieß ihn leicht an. Dann verlor sie das Interesse und trollte sich.
Rowarn kehrte augenblicklich ins Leben zurück, vor seinen Augen tanzten Sterne, als er aufsprang und die Diebe mit Tamrons Bahre verfolgte, die schon fast außer Sicht waren. »Anhalten!«, schrie er. »Dazu habt ihr kein Recht!« Er hörte, wie die gefoppte Bestie wütend aufheulte und ihm nachjagte. Doch die Sorge beflügelte seine Schritte, er rannte so schnell er konnte.
Die Diebe hielten tatsächlich inne und wandten sich dem jungen Ritter zu. Die Bestie hinter ihm kam auf ein Zeichen hin zum Stillstand und wartete auf weitere Befehle.
»Wass will ess?«, zischte eines der Geisterwesen.
»Was den Weg verlässt, gehört uns«, fügte ein anderes heiser hinzu.
»Das ist mein Freund«, erklärte Rowarn keuchend. Er steckte das ohnehin nutzlose Schwert ein. »Er braucht meine Hilfe, ich muss für ihn sorgen.«
»Err isst unssterrblich«, zischte das Erste. »Viel Lebenskrraft für unss, sspendet Sstofflichkeit. Ssiehsst du?« Es hielt seine lange, dürre Klaue an Tamrons Wange, und tatsächlich, von den Fingerspitzen her sah Rowarn, wie sich die geisterhafte Hülle verfestigte, undurchsichtig und stofflich wurde, fast wie warmes Fleisch.
Nun verstand er, was Angmor vorhin gemeint hatte. Wäre Tamron bei Bewusstsein gewesen, hätte er sich gewiss beim Durchqueren des Landes schützen können, aber bewusstlos war er den Geistkreaturen hilflos ausgeliefert. Sie hatten seine unsterbliche Lebenskraft gewittert und ihren Willen zusammengeballt, um ihn zu bekommen. Ihr Angriff hatte bis in die »normale Welt« des Weges Wellen geschlagen. Deswegen waren die Pferde, deren Sinne außerordentlich feinfühlig waren, durchgegangen.
»Er hat eine Aufgabe in der Welt der Lebenden zu erfüllen«, erwiderte Rowarn. »Ihr könnt ihn nicht behalten. Ich nehme ihn mit mir zurück.«
Das dritte Geisterwesen lachte hohl. »Wie willst du das tun? Wir werden auch von deinem freiwilligen Opfer zehren, nur Geduld.«
Rowarn hatte keine Ahnung, was er tun sollte. Aber das durfte er sich nicht anmerken lassen. In drohender Haltung ging er auf die diffus hin und her wallenden Schemen zu. »Ihr habt keine Ahnung, mit wem ihr euch anlegt«, sagte er scharf. »Ihr fühlt euch sicher, weil ihr nicht stofflich seid, aber ich kann mich euch anpassen. Ich brauche nur bis zur Dämmerung zu warten, und dann tauche ich ins Zwielicht ein. Dann bekommt ihr mich nicht mehr zu fassen, aber ich sehr wohl euch!«
»Dann zehren wir eben zuerst von dir, jetzt gleich, jetzt gleich«, kicherte die kleinere Geistkreatur, und sie wandten sich alle drei Rowarn zu.
Er versuchte, zurückzuweichen, aber es gelang ihm nicht mehr. Augenblicklich fingen sie an, seine Lebenskraft abzusaugen. Er spürte, wie die naurakische Hälfte in ihm sofort schwächer wurde, wohingegen die dämonische in Aufruhr geriet. In Wellen trat die dämonische Kraft aus ihm heraus, schlug den Kreaturen entgegen und bildete eine schimmernde Aura um Rowarn. Daraufhin hielten sie inne, und er merkte, wie der Sog nachließ. »Dämonenblut«, fauchte das zweite Geisterwesen und spie einen sich windenden Wurm aus. »Unappetitlich.«
»Unverdaulich«, stimmte die dritte Kreatur zu.
»Aberr nurr die Hälfte«, wandte die erste Kreatur ein.
Mutig setzte Rowarn Fuß vor Fuß, während die Drei sich uneins waren, bis er Tamrons Bahre erreichte, und stellte sich vor sie.
Noch immer zögerten die Geisterwesen und schwankten unruhig hin und her. Rowarn merkte, wie ihn immer mehr die Kräfte verließen. Dieses Reich war wie Gift, er hatte hier nichts verloren. Er packte mit beiden Händen zu und zerrte Tamrons Bahre mit sich, oder versuchte es vielmehr. Sie war viel zu schwer, mehr als einen halben Schritt konnte er sie nicht bewegen, dann musste er Pause machen.
Die Geisterwesen beobachteten ihn lauernd und mit wachsendem Interesse. Wie eine Katze die ahnungslose Maus, um das Vergnügen hinauszuzögern.
Da hörte Rowarn eine ferne Stimme, die nach ihm rief. Er kannte diese Stimme, sie hatte ihn schon einmal vom Pfad des Todes zurückgeholt, und er war unendlich erleichtert, sie zu hören. Wer die Donnervögel befehligte, den konnte auch ein Todesreich wie Farinvin nicht aufhalten. »Ich bin hier!«, schrie er. »Ich habe Tamron!«
Da flog etwas durch die Luft heran, an dem ein Seil hing. Ein Speer. Angmor musste ihn mit aller Kraft, aufs Geratewohl gezielt, geworfen haben, nachdem er Rowarns Stimme hörte. Dicht neben Rowarns Füßen bohrte der Speer sich zitternd in den Boden, und der junge Mann band in fliegender Hast das Seil los und befestigte es an Tamrons Bahre. Dann stellte er sich neben die Bahre, hielt sich daran fest und rief: »Los!«
Er glaubte, ein fernes Wiehern zu hören, und dann ging ein scharfer Ruck durch die Bahre und hätte Rowarn beinahe umgerissen. Er musste die Beine in die Hand nehmen, um mithalten zu können, als der Unsterbliche davongezogen wurde. Die Geisterwesen heulten vor Wut, doch Rowarn konnte plötzlich spüren, wie sich eine fremde Aura um ihn und Tamron legte, die sie beide schützte. Sie war vertraut, ganz ähnlich wie die Halrid Falkons. Vielleicht nicht ganz so mächtig, aber sie reichte aus, um die Toten von Farinvin aufzuhalten.
Keuchend, nach Luft ringend, stolperte Rowarn kurz darauf zurück in die vertraute Welt und landete unsanft auf dem Hintern, als der Zug plötzlich weg war und alles zum Stillstand kam. Einige Momente lang konnte er nur dasitzen und laut keuchen, während der Visionenritter die Bahre an dem Packpferd befestigte, den Strick des Pferdes wiederum an Windstürmer, und sich dann Rowarn zuwandte. Nicht weit entfernt saß Graum mit gesträubtem Fell und starrte über das Land.
Rowarn machte sich auf wütende Vorwürfe gefasst, und er würde alles schweigend hinnehmen. Er war viel zu erschöpft, und ihm tat alles viel zu sehr weh, um noch die Kraft zur Rechtfertigung aufzubringen. Und letztendlich war es ja noch gut ausgegangen.
Erschrocken fuhr er zusammen, als Angmor, anstatt zu reden, die Hände nach ihm ausstreckte. Bevor der junge Mann ausweichen konnte, hatte der Visionenritter ihn gepackt, mühelos hochgehoben und wortlos auf Windstürmer gesetzt. Dann tastete Angmor sich zu Aschteufel, der ganz ruhig dastand, und stieg auf. Mit Windstürmers Zügeln in der Hand, ließ er den schwarzgrauen Hengst vorangehen.
Rowarn hörte, wie Tamrons Bahre mitgeschleift wurde, an der Seite ging Graum. Immer noch wagte er nicht, etwas zu sagen, doch dann sprach der Visionenritter.
»Es wird Zeit, dass wir Farnheim erreichen«, sagte Angmor. Rowarn atmete auf.


perlmondPERLMOND
Die Chroniken von Waldsee Teil 3
Das Schicksal der Welt Waldsee, zu einer Bastion der Finsternis gewandelt zu werden, scheint besiegelt. Hoffnung gibt es nur noch, wenn es dem Jungen Rowarn rechtzeitig gelingt, die verloren gegangenen Splitter eines magischen Artefakts dem finsteren Femris zu entreißen. Der junge Ritter muss dazu Wege beschreiten, die normalen Sterblichen verschlossen sind ... und die ihn bis ins Dämonenreich führen.

LESEPROBE

Grafik © Andrä Martyna

Ein Knecht kam ihnen entgegen, als sie auf den Stall neben dem Gasthof zuritten. Die Menschen wichen ihnen aus und betrachteten die große gefleckte Katze misstrauisch, äußerten sich aber nicht dazu. Olrig stieg ab und reichte dem Stallknecht die Zügel seines Schimmels. »Volle Versorgung für die Pferde für eine Nacht«, trug er auf und gab ihm zwei Münzen.
Graum blieb dicht an Rowarns Seite, als sie das Haus betraten. Der Schankraum war düster, die Luft stickig, obwohl nur wenige Gäste anwesend waren. Der Wirt, erkennbar an seiner großen grünen Schürze, die sich über einen voluminösen Bauch spannte, kam ihnen eilig entgegen und stutzte, als er den Schattenluchs sah.
Olrig nahm den Helm ab und grüßte den Mann. »Wir benötigen ein Zimmer für eine Nacht.«
»Tiere sind hier nicht erlaubt«, brummte der Wirt und deutete auf Graum. »Und der sieht mir kaum gezähmt aus.«
»Er gehört zu mir wie ein Bruder«, sagte Rowarn ruhig. »Wollt Ihr einem Ritter von Ardig Hall, der für die Freiheit Eures Landes kämpft, Kost und Logis verweigern? Und ebenso einem Verbündeten vom Zwergenvolk?«
Der Mann wurde ein wenig blass und verneigte sich mehrmals. »Bitte um Entschuldigung, aber in diesen Zeiten ... Ihr versteht ... ich habe noch ein Zimmer, aber ich bitte Euch freundlichst um Zurückhaltung. Mein Gasthof ist ein neutraler Ort.«
Olrig wandte sich an Rowarn. »Das bedeutet, er muss Schutzgeld an Dubhani-Räuber zahlen.« Der Wirt hob erschrocken die Hände, sein Blick flog ängstlich durch den Raum. »Ich bitte Euch ... wenn ich Euch doch überreden könnte, weiterzureiten ...«
»Kommt nicht in Frage«, sagte Rowarn streng. »Ich will wissen, was die Leute reden und mit eigenen Augen sehen, was vor sich geht. Zudem wird es bald dunkel, und ich denke nicht daran, wegen der Ängstlichkeit eines Gastwirtes unter dem nackten Sternenhimmel zu frieren. Habt Ihr nun Zimmer für Reisende oder nur für besonders ausgewählte Gäste?«
Olrig warf ihm einen erstaunten Blick zu und grinste dann vergnügt in seine dunklen Bartzöpfe. Der Schattenluchs schnüffelte am Bein des Wirtes, seine langen Schnurrhaare zuckten.
»B-bitte«, flüsterte der Mann, dem jetzt deutlich sichtbar der Schweiß auf der Stirn stand. »Es sind nur wenige Stunden bis zur nächsten Stadt, in nördlicher oder in südlicher Richtung. Wir haben hier keine Stadtwache zum Schutz ...«
Olrig winkte ungeduldig ab und zog Umhang und Handschuhe aus, die er auf den Tresen legte. »Lasst unser Gepäck auf das Zimmer bringen, und dann serviert uns zwei ordentliche Schalen von Eurem Eintopf, außerdem Brot und Winterbier, und dem Luchs gebt einen Rindsknochen mit Fleisch dran, dann werdet Ihr keinen Ärger bekommen.«
Als der Wirt weiterhin reglos verharrte, zogen sich die buschigen Augenbrauen des Zwerges zusammen. Er zog einen Silberdrachen hervor und warf ihn auf den Tresen. »Hiermit ist das Morgenmahl großzügig mitbezahlt. Und haltet auch warmes Wasser bereit!« Ohne weiteren Widerspruch abzuwarten, ging er in die Gaststube. Rowarn legte ebenfalls Umhang, Helm und Handschuhe ab, dazu den Rückenköcher mit der Fahne, und folgte ihm.
Die übrigen Gäste taten, als bemerkten sie die Neuankömmlinge nicht, und unterhielten sich weiterhin angeregt. Die drei Gefährten ließen sich in einer Ecke am Fenster nieder, und kurz darauf wurde das Gewünschte serviert. Die Schankmaid vermied es allerdings, sie anzusehen, und verweilte gerade lange genug, um alles abzustellen.
»Wir werden früh schlafen gehen und morgen bei Tagesanbruch aufbrechen«, sagte Olrig. »Die Leute hier sind wie gelähmt vor Angst. Das wird vermutlich immer schlimmer werden, je weiter wir in den Einflussbereich Dubhans geraten.«
Rowarn nickte. Natürlich erregten sie mit Graum Aufsehen, doch die Leute hatten nicht nur vor dem gefährlich aussehenden Raubtier Angst. Die Stimmung war gedrückt, die Unterhaltungen wurden gedämpft geführt. Das änderte sich erst, als einige Händler eintrafen, die auf der Durchreise waren. Händler waren immer begierig darauf, Neuigkeiten auszutauschen und sich selbst genug in Szene zu setzen, um vielleicht noch ein zusätzliches Geschäft zu machen oder neue Handelskontakte zu knüpfen. So wurde wurde es schnell lauter, als sie anfingen, sich gegenseitig auszuhorchen. Rowarn und Olrig hörten ihnen aufmerksam zu. Im Wesentlichen gab es nichts Neues, der eine oder andere wollte jemanden kennen, der den Fürsten gesehen habe, und auch von dem Erben von Ardig Hall war die Rede.
»Aber was reden wir da!«, rief schließlich einer und deutete unverhohlen auf die Freunde. »Wir spekulieren über Gerüchte, dabei haben wir hier zwei leibhaftige Kämpfer von Ardig Hall, ist es nicht so?«
Rowarn hatte sein Wappenhemd nicht abgelegt. Er rührte sich nicht, als der Mann mit seinem Bierkrug an ihren Tisch trat.
»Nun, gibt es Neuigkeiten von der Seite des Regenbogens? Ich gebe Euch gern ein Winterbier aus, um ein paar Informationen zu erhalten, die ich weitertragen kann.«
»Was wollt Ihr hören?«, versetzte Rowarn. »Wir haben die Schlacht verloren, das ist eine Tatsache. Tatsache ist aber auch, dass wir den Krieg noch nicht verloren haben. Wir sammeln uns in Eisenwacht, um im Frühjahr gegen Dubhan zu marschieren.«
Daraufhin herrschte für einen Augenblick tiefes Schweigen im Raum. Dann sagte einer: »Ihr werdet uns alle ins Unglück stürzen.«
»Sollen wir einfach aufgeben?«, gab Olrig zurück. »Wir geben unser Blut für euch Bürger, und wir werden Dubhan besiegen, damit ihr wieder ohne Angst euer Bier genießen könnt. So zumindest halten es wir Zwerge.«
Rowarn sah, wie Graums Ohrpinsel heftig zuckten, doch der Dämon beherrschte sich.
Wie aufs Stichwort flog in diesem Moment die Tür auf. Eine fünfköpfige Truppe Warinen in voller Rüstung stampfte wuchtig herein und brachte eisige Kälte mit sich. Sofort wandten sich alle Gäste ab, auch der Händler setzte sich eilig, und eine angespannte Stimmung breitete sich aus. Rowarn konnte die säuerliche Angst der Leute riechen. Selbst das Feuer im offenen Kamin schien sich hinter dem Holz zu verkriechen. Der Wirt wieselte um die Dubhani herum, wies ihnen den besten Platz an, winkte nach Schankmaiden und Knechten und schwitzte deutlich sichtbar Blut und Wasser. Die Warinen musterten Olrig und Rowarn ein paar Lidschläge lang, dann setzten sie sich schweigend, ohne sie weiter zu beachten. Mit der Zeit setzten die murmelnden Unterhaltungen wieder ein, doch Rowarn sah, dass die Menschen immer wieder ängstlich zur inzwischen geschlossenen Tür schielten. Niemand wagte es, aufzustehen und den Raum zu verlassen, obwohl vermutlich jeder am liebsten ganz woanders wäre.
Olrig stopfte in aller Ruhe seine Pfeife und winkte der Schankmaid, noch zwei Winterbier zu bringen. Rowarn beobachtete unauffällig die Warinen, die schweigend ihre Mahlzeit verzehrten. Draußen war es inzwischen dunkel, und Eisblumen wuchsen am Fenster.
Graum blickte kurz auf, als durch die geschlossene Tür ein kurzes Poltern drang, das jeder andere im Raum geflissentlich überhörte. Der Wirt war schon eine ganze Weile draußen.
»Ich muss mal kurz raus«, sagte Rowarn daraufhin zu Olrig. »Warte mit Graum hier, ich bin gleich zurück. Du könntest derweil heißen Punsch und kandierte Früchte bestellen.«
Der Schattenluchs blinzelte zu ihm hoch und miaute leise.
»Ein paar Augenblicke kann ich wohl allein sein, oder?«, brummte Rowarn. »Was sollte mir da schon passieren.«
Der Zwerg sagte nichts, sondern beschäftigte sich mit seiner Pfeife.
1 LP Perlmond 774c7be23d3d1bdOhne die Warinen eines Blickes zu würdigen, ging Rowarn an ihnen vorbei nach draußen und schloss die Tür hinter sich. Im Vorraum war niemand, auch auf der Treppe nicht. Rowarn lauschte und glaubte dann, im hinteren Bereich, durch eine halb offenstehende Tür, ein Geräusch zu hören. Es klang wie ein schmerzliches Wimmern. Langsam schlich er sich näher heran. Weitere Laute, ein unterdrücktes Knurren. Dann konnte Rowarn die zitternde Stimme des Wirtes erkennen.
»W-wenn ich euch doch sage … Ich kann nicht mehr zahlen ... Kaum jemand macht hier mehr Rast, und wer hier lebt, hat kein Geld mehr, um in meine Schenke zu gehen ...«
»Weleb, Weleb, das stimmt mich traurig.« Eine krächzende, eiskalte Stimme. »Was tun wir nicht alles für dich. Wir beschützen dich vor marodierenden Banden, sorgen dafür, dass du nicht ausgeraubt wirst, dass dieser armselige Flecken, auf den du so stolz bist, nicht in Flammen aufgeht, und so dankst du es mir?«
»Aber ...«
Ein klatschendes Geräusch, gefolgt von schmerzlichem Wimmern.
Rowarn stieß die Tür auf. »Heda, Wirt, seid Ihr hier irgendwo? Ich suche nach ... oh, komme ich ungelegen?«
Mit einem raschen Blick erfasste er die Lage. Zwei Männer, die den Gastwirt in der Zange hatten. Keine Warinen, sondern Menschen. Söldner, Habenichtse in Friedenszeiten, die sich auf diese Weise zu bereichern trachteten. Die gab es auf beiden Seiten, doch Rowarn war froh, dass sie das Wappenhemd des zerbrochenen Tabernakels trugen.
Welebs Gesicht war blutüberströmt, ein Auge zugeschwollen, die Nase ein blutiger Klumpen. Sie hatten den armen Mann übel zugerichtet. Auf dem rissigen Holzfußboden unter seinen Füßen breitete sich ein feuchter Fleck aus und Rowarn stieg der beißende Geruch von Urin in die Nase. Die beiden Söldner ließen ihr Opfer los und wandten sich Rowarn zu; sie mussten schon lange unterwegs sein, ohne festes Lager, denn sie wirkten heruntergekommen, die Bärte wucherten wild, die Haare waren lang und ungepflegt. Ihre Augen waren kalt und leblos, und ihr Gebiss zeigte Lücken und braune Stumpen, als sie Rowarn angrinsten. Auch ihre Rüstungen waren ungepflegt, die Wappenhemden fleckig und löchrig.
»Wem hast du denn das Wappenhemd geklaut, Kleiner?«, sagte der Mann mit der krächzenden Stimme, und der andere lachte hohl.
»Ein größenwahnsinniges Bürschlein, das sich für einen Helden hält.«
Langsam gingen sie auf Rowarn zu.
»Bei den Göttern, junger Herr, es ist alles in Ordnung, geht wieder zurück in die Stube, ich komme gleich und bringe Euch alles, was Ihr wünscht!«, rief der Wirt verzweifelt.
»Das übernehmen wir schon, Weleb«, sagte der zweite Mann. »Den edlen Recken Ardig Halls sind wir doch immer gern behilflich.«
»Bitte, bitte, nicht hier drin ...«, flehte der Wirt. »Es ist alles, was ich habe ...«
»Ihr habt euren Gastgeber gehört«, sagte Rowarn. »Gehen wir raus, dann höre ich mir gern an, wobei ihr mir behilflich sein wollt.« Hier drin auf engem Raum war sein Schwert ohnehin nutzlos.
»Mir gefällt deine Rüstung«, sagte der Krächzende.
»Und mir deine Stiefel«, setzte der andere nach.
Rowarn wich langsam durch den Gang zurück, und die beiden folgten ihm. Er tastete nach dem Türgriff, die Kälte traf ihn wie ein Schlag in den Rücken, als er die Tür öffnete. Ihn schauderte es, und beinahe hätte er dem Impuls nachgegeben; es war Dummheit, so ungeschützt in die Kälte hinauszugehen. Andererseits wäre der dicke Winterumhang im Kampf hinderlich gewesen. Er musste es einfach schnell hinter sich bringen, dann konnte er wieder zurück ins Warme.
Er hatte kaum einen Schritt nach draußen gesetzt, als er sein Schwert zog, ebenso wie die beiden Söldner, die sich sofort zu beiden Seiten verteilten. Sie waren mindestens zehn Jahre älter als er und bedeutend kräftiger gebaut. Aber keine Ritter. Sie verstanden sich nur auf schnelles Vorstürmen und kraftvolles Zuschlagen und hatten keine Ahnung von der wahren Kunst des Schwertkampfes.
Und Zeit wollten sie obendrein keine verlieren. Ohne die Lage wirklich abzuschätzen, griffen sie ihn gleichzeitig von zwei Seiten an. Rowarn zog seinen Dolch mit der linken Hand und parierte die beiden Schläge.
Sie waren gut eingespielt, das musste er ihnen zugestehen, und sie kannten eine Menge speziell einstudierter Finten, die sie mit kurzen Gesten und Blickkontakten absprachen. Für einige Zeit kam Rowarn aus der Deckung nicht heraus und wurde immer weiter zurückgetrieben. Die beiden fielen mit großem Geschrei über ihn her, lachten und verhöhnten ihn, während sie auf ihn eindroschen. Dieser Lärm sollte Zuschauer anlocken, die sich bald einfanden, auch aus dem Gasthaus kamen Leute, allen voran der Wirt, der rief: »Bitte, ihr Herren, wir können uns doch sicher einigen«, aber niemand hörte auf ihn.
Rowarn sah Olrig und Graum, den Händler von vorhin und zuletzt die fünf Warinen, von denen zwei an Keulen nagten, die sie vom Tisch mitgebracht hatten, ein anderer trank aus seinem Humpen.
»Passt gut auf!«, schrie der Krächzende in die Runde. »Da seht ihr, was wir mit den Anhängern von Ardig Hall machen! Lasst es euch eine Lehre sein!« Damit griff er erneut an.
Rowarn hatte die ganze Zeit keinen Laut von sich gegeben, sich von ihnen treiben lassen und die Vorgehensweise der beiden studiert. Wenn sie nicht solche Angeber gewesen wären, hätte er in großen Schwierigkeiten gesteckt. Er war froh, ihnen nicht auf dem Schlachtfeld begegnet zu sein. Dort waren sie bestimmt nicht so vorlaut; mit diesem Auftritt wollten sie auch die Bewohner des Goldgrunds einschüchtern. Auf dem Schlachtfeld hätten sie sich nur aufs Töten konzentriert. Daher hatte Rowarn es leichter, weil sie zu sehr abgelenkt waren; trotzdem durfte er nicht den Fehler begehen, sie zu unterschätzen.
Der zweite Mann war der Gefährlichere der beiden, da er sich mehr zurückhielt und einen günstigen Moment abwartete, um Rowarn in den Rücken zu fallen. An ihn kam Rowarn vorerst nicht heran, daher musste er erst dessen Kumpan ausschalten. Er sah, wie der Krächzende zu einem Ausfall nach links und einer Finte ansetzte, und stürmte plötzlich vor, stieß sich ab und flog über den verdutzten Angreifer hinweg, der unter ihm ins Leere lief; auch der Gefährte war so überrascht, dass er keine Gelegenheit bekam, das Schwert nach oben zu reißen. Für so etwas waren die beiden zu schwer, ihre starken Muskeln schränkten auch ihre Beweglichkeit ein. Rowarn aber war biegsam und leichtfüßig, er schlug einen Salto, landete im Rücken des Mannes und hieb ihm mit rückwärtigem Schwung das Schwert mit der scharfen Schneide in die Seite, woraufhin der Gegner brüllend einknickte. Das gab Rowarn Zeit, sich zu drehen, er umfasste dabei das Heft mit beiden Händen und setzte zum tödlichen Streich gegen den Hals an. Mit einem kraftvollen Hieb beendete er den Kampf. Der Schrei des Mannes riss abrupt ab, er taumelte, das erhobene Schwert fiel ihm aus der Hand, dann landete der kopflose Körper mit einem dumpfen Laut im Schnee.
Sein Gefährte hielt für einen Moment inne, völlig überrascht von der unerwarteten Wendung und kurzzeitig verunsichert. Er wandte sich an die Warinen. »Was steht ihr da herum? Greift ein!« »Brauchst du Unterstützung, Memme?«, knurrte Rowarn und ging langsam auf den Gegner zu, das blutige Schwert halb erhoben. Seine Augen flammten wie Eisfeuer, sein Schatten kroch über den Schnee, schien zu wachsen, und der eine oder andere Zuschauer schwor später, der Schatten sei gehörnt gewesen wie ein Dämon. »Allein bist du wohl nur halb so viel wert. Dabei habe ich mich noch nicht einmal der Raserei ergeben.«
Der vorderste Warine, der nach wie vor an seiner Keule kaute, sagte ruhig: »Das erledigst du gewiss selbst, Ködegg, das Bürschlein ist nur eine halbe Portion im Vergleich zu dir.« »Er hat euren Hauptmann getötet!«
»Und jetzt töte ich dich.« Nun ging Rowarn zum Angriff über, mit Dolch und Schwert. Es bedurfte nur dreier Schläge, dann war es vorbei. Doch Rowarn hielt sich nicht damit auf, seinen Sieg auszukosten; noch bevor der Leib des Mannes gefallen war, ging er mit vorgestrecktem Schwert direkt auf den nächststehenden Warinen zu, und sein Schatten schien hinter ihm weiter in die Höhe zu wachsen.
»Wir werden das jetzt beenden«, zischte er. »Entweder wird weiteres Blut fließen, oder ihr verlasst diesen Ort und werdet künftig einen großen Bogen um ihn machen. Eure Anführer sind tot, doch die Frage ist, ob ihr das Erbe übernehmen werdet? Ich kenne euch Warinen, ihr seid keine Räuber, sondern Krieger von Ehre. Ist das eure Art, Krieg zu führen? Wenn ja, kämpfen wir. Wenn nein, lasse ich euch ziehen und nehme euch den Schwur ab, dass ihr diesen Ort in Ruhe lasst. Und ich werde euch glauben.«
Die Warinen zögerten. Olrig legte die Hand an den Griff der Axt in seinem Gürtel. Graum schlug einen Bogen um die Warinen und stellte sich frontal vor ihnen auf. Er zeigte das gesträubte Rückenfell und die langen Reißzähne; Schwanz und Ohren waren steil aufgestellt. Seine Augen leuchteten wie Feuerbälle.
Ein Warine trat schließlich nach vorne, doch der Vorderste hielt ihn am Arm fest. Er zeigte mit der abgenagten Keule auf Rowarn. »Ich kenne diesen da«, erklärte er mit grollender Stimme. »Er war in der Splitterkrone.«
»Wie kommt er dann hierher?«, knurrte ein anderer.
»Er ist entkommen«, antwortete der Warine grinsend und zeigte spitz zugefeilte Zähne. Da wichen die übrigen Warinen einen Schritt zurück.
Die Menschen ringsum starrten ihn mit aufgerissenen Augen an. Der Händler flüsterte: »Er ist es«, und ein anderer: »Der Erbe von Ardig Hall ...«
»Ja, der bin ich«, sagte Rowarn, und in diesem Moment konnte niemand mehr daran zweifeln, denn seine Gestalt leuchtete silbrig in der Dunkelheit, und der gehörnte Schatten überragte ihn. »Ich weiß, wer ihr seid, Warinen, und ich weiß, wie ihr kämpft. Ich kann eure Dämonenessenz riechen! Also, geht nach Dubhan und bewacht euren Herrn, denn ich werde bald kommen und Femris den Todesstoß versetzen.« Mit diesen Worten hob er den gestreckten Arm auf Augenhöhe des vordersten Warinen, sodass die blitzende Schwertspitze genau auf seine Stirn zeigte.
Darauf folgte Schweigen, und Kälte kroch langsam in die erstarrten Glieder. Die Menschen wagten sich nicht mehr zu rühren, auch Olrig und Graum verharrten reglos, behielten aber die Dubhani fest im Blick. Der Schnee zu Rowarns Füßen war rot vom Blut der Gefallenen.
Dann warf der vorderste Warine die Keule beiseite und hob die Hand. »Wir ziehen ab.« Während die vier anderen sich widerspruchslos umdrehten, die Sachen holten und sich auf den Weg zu den abseits angebundenen Pferden machten, wandte der Sprecher sich noch einmal Rowarn zu. »An einem anderen Tag«, sagte er gelassen.
Rowarn nickte. »Er wird bald kommen.«
Die fünf Warinen saßen auf und trabten in die Nacht hinaus.
Die Menschen standen immer noch wie erstarrt, auch als der Hall der Hufe schon vom Schnee erstickt war. Rowarn wischte die Klinge im Schnee ab und steckte sie ein, mit dem Dolch verfuhr er ebenso. »Überlegt Euch, ob Ihr weiterhin ein neutrales Haus führen wollt, Herr Wirt«, sagte er zu Weleb und ging zurück zum Gasthaus.


1 chroniken von waldsee gesamtausgabeWie ich eben schon angesprochen habe, gibt es für bibliophilen Leser eine Gesamtausgabe dieser Trilogie.

DIE CHRONIKEN VON WALDSEE 1-3: Die komplette Trilogie
Hardcover - Fadenheftung - Lesebändchen,
12 Farbillustrationen - 1296 Seiten, limitiert - 45,00 EUR
Fabylon
ISBN: 978-3-927071-88-9

Dabei handlt es sich um eine erweiterte, einmalige limitierte Luxusausgabe mit 12 farbigen Illustrationen, Glossar und vielen Anhängen. Der Buchdeckel ist mit Umschlagaufdruck und Prägung und einem hochwertigen Schutzumschlag.
Auf Wunsch ist das Gesamtwerk mit Signatur und persönlicher Widmung erhältlich. Ebenso als eBook und in zwei Hörbuch-Varianten.

»Ein großartiges Fantasy-Abenteuer, dem man sich bereits nach den ersten Seiten nicht mehr entziehen kann.« Lies-und-lausch.de

»Mehr Legenden, Heldenmut und Epos wird man selten finden.« Mediamania.de

Bisher erreichte die Trilogie über 80.000 Gesamtauflage Print/eBook/Hörbuch seit Erstveröffentlichung!

Vor langer Zeit wurde ein magisches Artefakt gefunden, das ungeheure Kräfte birgt. Nur der Zwiegespaltene, so heißt es, kann es aktivieren – doch niemand weiß, was dann geschieht. Trotzdem wollen verschiedene Seiten und Völker das Artefakt für sich beanspruchen, und der jahrtausendelange Kampf darum entbrennt. In einer zerstörerischen Schlacht zerbricht das Artefakt in sieben Teile. Sechs Teile werden durch einen Sturm davongewirbelt und finden Hüter. Der siebte Splitter geht verloren. Doch das beendet den Kampf keineswegs, und auch die Suche nach dem Zwiegespaltenen wird fortgesetzt. Wer mag es sein? Wird er die Kräfte zum Guten oder zum Schlechten verwenden?
Der zwanzigjährige Rowarn ist im abgeschiedenen Tal Inniu bei Zieheltern, den zentaurenartigen Velerii aufgewachsen. Die Ereignisse überschlagen sich, als Rowarns beschauliche Welt durch grausige Morde an jungen Mädchen erschüttert wird – und zudem aus einem Land jenseits des Gebirges eine Schar Ritter auftaucht, die Rekruten für den Kampf um das Artefakt anwerben will.
Rowarns erste Prüfung liegt in der Aufklärung der Mädchenmorde, denn so wie es aussieht, ist er aufgrund seiner Vergangenheit daran beteiligt. Und damit treibt er sich selbst in die Geschichte. Aus Rachedurst wird er schließlich den Rittern folgen, denn er erfährt, wer seine Mutter ist, dass er bald zu ihr reisen sollte – aber dass sie von einem Dämon ermordet wurde. Doch nach und nach muss Rowarn erkennen, dass sein Anteil am Kampf um das Artefakt weitaus bedeutender ist, und Rache nur zweitrangig.
1 Waldsee Ebook 41 287x460Rowarn betritt Freie Häuser, in denen die Türen nicht immer zu denselben Orten führen, durchquert wandernde Wälder und taucht in verzauberte Quellen.
Er begegnet auf seiner langen Reise vielen Wesen: Dem Fürsten Ohneland, der Lady Morgenlied, dem Kriegskönig und Poeten der Zwerge, dem Roten Dämon, dem Einäugigen, dem Schattenluchs, Zwielichtgängern und Mondwandlern – und dem Visionenritter, einer Legende aus alter Zeit, den man auch den Waldlöwen nennt, der Letzte seines Ordens. Und dann sind da noch Nachtfeuer … und irgendwo der Zwiegespaltene.

Diese Gesamtausgabe ist ebenfalls als eBook erhältlich.

Die Chroniken von Waldsee 1-3: Die komplette Trilogie / eBook
Das ultimativ preisgünstige fabEbook – reiner Lesespaß! (Ohne Illustrationen und Anhänge sowie Glossar) Dateiformat: epub.
ISBN: 978-3-943570-05-2
5,49 EUR


Angegliedert an die Trilogie sind weitere Romane:

1 NaurakaDie Chroniken von Waldsee 4
NAURAKA – VOLK DER TIEFE
Fester Einband - 504 Seiten - 22.50 EUR
ISBN: 978-3-927071-63
Fabylon - Februar 2015
Farbig illustriert, Schutzumschlag,

Tausend Jahre nach dem Krieg um das Tabernakel erinnert sich kaum jemand mehr an das uralte magische Volk der Nauraka, das nur noch in geringer Zahl verborgen in der Tiefe des Meeres lebt. Seit die Königssippe das Meer verlassen hat, herrscht ein Hochfürst über die weit verstreut lebenden Sippen, die nur selten Kontakt zueinander haben.
Prinz Erenwin und seine Schwester Lurdèa entstammen dieser fürstlichen Sippe und wachsen unter strengen Regeln und Traditionen auf. Vor allem Erenwin leidet darunter, ist er doch der ungeliebte zweite Sohn und wird nie eine offizielle Funktion einnehmen. Er träumt davon, eines Tages an Land zu gehen – und ahnt nicht, dass sein Wunsch für ihn und seine Schwester auf tragische Weise wahr werden wird …
Bei einem Jagdunfall gerät Erenwin in die verbotene Tiefe und sinkt bis zum Meeresgrund hinab. Dort findet er eine große schwarze Perle, in deren Bann er umgehend gerät. Er nimmt sie mit und verbirgt sie. Langsam fängt er an, sich zu verändern.
Ohne es zu ahnen, erregt der Prinz, der mehr und mehr zu einem Ungeheuer mutiert, dadurch die Aufmerksamkeit des “Alten Feindes”, der danach trachtet, das Volk der Nauraka ein für alle Mal auszulöschen. Schon einmal ist es ihm beinahe gelungen, und nun will er sein Vorhaben vollenden.
Intrigen, Verrat, Gewalt und Gefangenschaft sind die Folge. Auf ihrer Flucht werden die Geschwister in einem magischen Sturm voneinander getrennt und müssen von nun an jeder seinem schicksalhaften Leidensweg an Land folgen.

Die letzte Auseinandersetzung findet jedoch im Meer statt, und ein Mythos aus alter Zeit erwacht – der Seedrache … und er will die schwarze Perle zurück …

“Die Beschreibung der Unterwasserwelt der Nauraka ist so anschaulich und ausdrucksvoll gelungen, dass man glaubt, vor Ort zu sein. Diesen farbenfrohen und vielfältigen Kosmos vor Augen, taucht man im wahrsten Sinne des Wortes ab in die Geschichte um Eri und Luri, zwei Königskinder, die schwere Aufgaben zu bestehen haben, sich aus den Augen verlieren und doch durch ein unsichtbares Band für immer miteinander verbunden sind.

Gekonnt lässt die Autorin ihre Leser in die Seele ihre Protagonisten blicken, sodass man ihnen sofort nah ist und bis zum Ende des Buches mit ihnen mitfiebern kann.” (Lies-und-lausch.de)

“Alles in allem ist “Nauraka – Volk der Tiefe” vollblütige Fantasy, die nicht nur eine spannende Handlung, sondern auch lebendige, facettenreiche Figuren und eine wirkliche überzeugend geschilderte exotische Kultur bietet.” (fantasyguide.de)

Dieses Werk, das den Leser in eine wundervolle Unterwasserwelt entführt, gibt es im Fabylon-Verlag neben den Hardcover- und eBook-Veröffentlichungen auch als Hörbuch.


1 fyrgarDIE CHRONIKEN VON WALDSEE 5
FYRGAR – VOLK DES FEUERS
Fabylon - Fester Einband - 464 Seiten
ISBN: 978-3-927071-64
Februar 2015 - 22.50 EUR
Farbig illustriert, Schutzumschlag, Lesebändchen

“So gehe denn durch das Feuer.
Möge es dich ewig begleiten, dich leiten und schützen, und dir Heilung spenden. Mögest du Teil werden der Urkraft und ihr Hüter. Gib das Feuer weiter in Dankbarkeit und Demut, um zu leiten, zu wärmen und zu dienen. Bewahre, was dir gegeben wurde, und halte es in Ehren. Missbrauche niemals seine Macht und nimm sein Urteil an, sobald es gefällt ist.
Das Feuer ist dein Baiku, und dein Baiku ist das Feuer.
Und dies bist du: Fyrgar.”
Die Fyrgar sind Unsterbliche, die abgeschieden hoch in den Bergen leben. Sie bewahren das Wissen der Welt Waldsee und werden als große Weise verehrt. Man nennt sie das “Volk des Feuers”, weil sie dieses Element auf einzigartige Weise beherrschen. Nicht nur, dass sie aus eigener Kraft Feuer entzünden können, sie können auch “durch das Feuer gehen”, um eine Wandlung und Weiterentwicklung zu erfahren.
Sie glauben, alles zu wissen. Doch dann scheitern sie an dem Rätsel der Schattenweber, die das Reich mit Tod und Schrecken überziehen und unter den Menschen “die graue Seuche”
verbreiten. Um dieses Rätsel zu ergründen, will der geachtete Lehrmeister Aldavinur die hohen Gefilde verlassen. Dafür zahlt er einen hohen Preis: Er wird zum Menschen. Und damit sterblich …

“FYRGAR bietet phantasievolle Charaktere, emotionale Entwicklungen, bildgewaltige Schauplätze, dramatische Spannung und actionreiche Kämpfe im tiefgründigen Erzählstil. In vollendeter Magie nimmt die Geschichte um Liebe und Leid, Vertrauen und Verrat, sowie Imperfektion und Vollkommenheit den Leser für sich ein.” LITERRA.info

“Komponiert aus Abwechslung, Erzählung, Spannung und einem echten Grad an “High” weiß Uschi Zietsch deshalb vor allem eines: farbenprächtig zu unterhalten auf erzählendem, dennoch hohem Niveau.” Literatopia.de

“Uschi Zietsch schreibt klar, eindeutig, schnörkellos, mit schönen, wohlgewählten Worten, die aber nicht gedrechselt sind, mit klaren, einfachen und schwer eindrucksvollen Bildern, mit einem Tempo, das immer der Handlung angemessen ist, sie findet genau die Worte, die ich brauche, um mir Figuren, Szenerien, Handlungen, Ereignisse, um mir alles vorstellen zu können, als wäre ich mitten drin.” MAGIRA

“Uschi Zietsch erzählt uns hier eine facettenreiche Geschichte voller Magie und Ideenreichtum, was ihre Welt Waldsee betrifft. Sie geht tief auf die unterschiedlichen Wesen und Charaktere ein, bietet aber gleichwohl rasante Momente.” Lady’s Lit


1 Der wahre SchatzLeser, die gerne in die Welt von Waldsee hineinschnuppern wollen, können das dank dieses „Goodies“:

DER WAHRE SCHATZ
Fabylon - eBook - 0.99 EUR
Covergrafik: Crossvalley Smith
Oktober 2012

Eine Geschichte aus der Welt Waldsee.

An einem sehr stürmischen Tag betritt ein ungewöhnlicher Reisender das Freie Haus an der Kreuzung der Vier Straßen. Er stellt sich als der letzte Drachenjäger vor und eröffnet, dass der Sturm einen ganz bestimmten Grund hat:

Der Große Drache liegt im Sterben ...


Nach den Werken aus dem »Träumenden Universum« möchte ich natürlich auch auf andere Werke der Autorin zu sprechen kommen.
Und mit einem beginnen, das mir persönlich sehr am Herzen liegt:

1 drakhim coverDRAKHIM - DIE DRACHENKRIEGER
Fabylon
Covergrafik: Crossvalley Smith
eBook - Oktober 2013 - 4.99 EUR

Blaeja, das Reich zwischen den Schleiern, ist eine kleine Welt, von undurchdringlichem Dunst umgeben, den zu erforschen niemand je in der Lage war. Als eines Tages die »Klirrenden« hinter den Schleiern hervorbrechen, Blaeja überfallen und die Götter stürzen, schließen alle Völker den »Bund«, um gemeinsam gegen die Fremden vorzugehen. Doch nur dem größten Magier jener Zeit gelingt es zusammen mit dem mächtigsten aller Drachen, den unbekannten Feind mit einem Fesselbann zu belegen.

Aus dem Blutsbund zwischen Drache und Magier entsteht im Verlauf der Jahrhunderte das stolze, einzigartige Volk der Drakhim ... die Drachenkrieger.
Ihre jahrhundertealte Festung Drakenhort liegt einsam gelegen in der Steppe, sie birgt viele Geheimnisse und Artefakte.

Als eines Tages ein Kind mit zwei Seelen geboren wird, ist ersichtlich, dass der Bann über die »Klirrenden« zu versiegen droht. Die wahre Gefahr aber erwächst aus den Völkern Blaejas selbst, allen voran den Drakhim …

Die Trilogie als Komplettausgabe in einem Band.

LESEPROBE

Grafik © Crossvalley Smith

Prolog

Der Fluch

1 Drakhim Leseprobe 2452987362bedee KopieSilbernes Mondlicht floss schweigend über die ausgedörrte Steppe. Was sich in den Schatten verborgen hatte, zog sich noch tiefer zurück aus Furcht vor den Jägern der Dunkelheit. Die Hitze des Tages war der feuchten Kühle der Nacht gewichen, und eine aufkommende Nordbrise erzählte von den nahenden Tagen der goldenen Dämmerung, wenn die Schatten länger wurden und sich die Blätter bunt verfärbten und schließlich raschelnd zu Boden fielen.
Derata zog fröstelnd den Umhang über der Brust zusammen. Viel zu schnell waren die hellen Tage vergangen, sie konnten den Mechanischen Winter nicht aufhalten. In der Ferne hörte sie wie zur Antwort auf ihren Gedanken einen klagenden Schrei, der bald darauf von vielfach schaurigem Heulen beantwortet wurde. Ein weiteres Vorzeichen des heranrückenden Herbstes: Die Wölfe kamen von den Bergen herab. Und diejenigen, die sie begleiteten …
»Lykaner«, flüsterte Derata, die das Antwortheulen erkannt hatte, das wolfsähnlich war, aber nicht von diesen Tieren hervorgestoßen. Mitleid erfasste sie mit all jenen Geschöpfen, die schutzlos dort draußen unterwegs waren. Hatten die Grauen Jäger erst einmal vom Wind getragenen Angstschweiß gewittert, waren sie in ihrer Gier kaum mehr zu halten. Mit feinen Nasen nahmen sie die Spur auf, hefteten sich an die Fersen der Beute, sei es Tier, Mensch, Elf oder Zwerg, kreisten sie ein und stellten sie zuletzt. Wer nicht im Umgang mit der Waffe ausgebildet war, konnte nicht entkommen. Wer eine Waffe besaß, hatte zwar genauso wenig eine Chance, aber er nahm wenigstens noch einen oder zwei Lykaner mit in den Tod.
»Viel zu früh«, erklang eine tiefe Stimme hinter Derata, und sie zuckte zusammen. Sie hatte den leisen Schritt ihres Vaters nicht gehört, obwohl sie seine beste Schülerin gewesen war und das oberste Gebot der Wachsamkeit nie missachtete. Nach wie vor konnte sie von ihm lernen, wie sie beeindruckt für sich feststellte.
»Der Herbst hat noch nicht Einzug gehalten, und trotzdem suchen sie bereits unsere Lande heim«, fuhr Darmos Eisenhand, Herr der Festung, fort. »Es scheint, als treibe sie der Hunger aus den Bergen herab … oder etwas anderes.«
»Die Gefesselten regen sich«, murmelte Derata. »Die Seherin hat es geweissagt. Die Ketten verrotten …«
»Was besorgt dich das?«, fragte ihr Vater. Er war ein stattlicher Mann in den besten Jahren und gefürchteter Schwertkämpfer. Er stellte sich an Deratas Seite und wies um sich. »Drakenhort ist unangreifbar, die Steilwände des Berges können nicht bezwungen werden. Zu uns kann nur gelangen, wer Eintritt durch das große Tor erhält. Unsere Zinnen sind viele Klafter hoch, der Blick reicht an klaren Tagen bis zu den Grenzen der Westlande. Die Drakhim sind die besten Krieger der Welt, jeder fürchtet uns. Wir neigen unser Haupt vor niemandem. Und wir ergeben uns keinem Fluch.«
Derata schwieg. Diese Rede hatte sie oft genug als Kind gehört. Es stimmte, ihre Sippe war stolz und gefürchtet, und ihre Dienste wurden gern angenommen. Doch darüber hinaus wollte niemand etwas mit ihnen zu tun haben, denn es hieß, die Drakhim wären vor langer Zeit einen Bund mit den Drachen eingegangen und wären so erst zu den heute unüberwindlichen Kämpfern geworden. Sie hätten dadurch einen Teil ihrer Menschlichkeit verloren und sich zudem Schwarzer Magie hingegeben, munkelte man. Besonders einer von ihnen …
Drakenhort war ihre Heimat, vor Jahrhunderten in mühevoller Arbeit in einen einsamen, steilen Berg gehauen, eine gewaltige Festung mit mächtigen Mauerwehren und hohen Zinnen. Wer jemals durch die Weite Steppe wanderte, konnte Drakenhort nicht verfehlen, der Berg mit der Festung war die einzige große Erhebung in diesem Gebiet.
Viele Geschichten gab es über Drakenhort und die Menschen, die dort lebten, der Ort galt als sagenumwoben und verflucht zugleich. Händlerkarawanen ließen sich nicht davon abhalten, hierherzumarschieren, denn die Drakhim waren reich und zahlten gut. Das Gold sollte aus einem Drachenschatz stammen … aber wer wusste das schon, es war ein weiteres, beliebtes Gerücht über das kleine Volk.
Normale Reisende verirrten sich selten hierher; die Festung lag auf keiner bedeutenden Route zwischen den Landen. Nur ab und zu kamen Arbeitssuchende oder junge Talente, die sich im Kampf bewähren wollten.
»Warum bist du hier, Tochter, und nicht in der Halle, um unserem Gast aufzuwarten?«, erklang Darmos Eisenhands Stimme erneut in Deratas Gedanken.
»Ruorim ist kein Gast, Vater«, antwortete sie und konnte den Klang von Schärfe in ihrer Stimme nicht verhindern. »Er ist ein Drakhim, genau wie du und ich, und er macht uns seine offizielle Aufwartung, weil du mich mit ihm verheiraten willst.«
»Er ist die beste Wahl, Derata«, sagte ihr Vater ruhig. »Im nächsten Sommer wirst du zwanzig. Es wird Zeit, deine Wahl zu treffen. Und ich hoffe doch, dass du deinen alten Vater glücklich machen wirst, wie es sich für eine gute Tochter gehört.«
Derata konnte nur mit Mühe den Zorn unterdrücken, der sich wie ein wildes Tier in ihr aufbäumte. Sie wollte ihm entgegenschleudern, dass sie sich nicht wie ein edles Ross an den Meistbietenden verschachern lassen wolle. Doch sie sagte stattdessen: »Ich habe noch Zeit, Vater. Und andere Ziele.« Sie deutete auf den fernen Horizont, über dem die riesige Scheibe des Mondes wie ein kaltes, blindes Auge hing. Darunter breitete sich das mattsilbern schimmernde ruhende Land aus. Das vielstimmige Geheul war immer noch nicht verklungen, wenn auch sehr viel leiser geworden. »Der Bund ist dabei zu zerfallen, seit vielen Jahren herrscht immer wieder Krieg. Er ernährt unsere Sippe, gewiss. Aber sag mir, Vater, was wird übrig sein, wenn er eines Tages beendet ist?«
Darmos hatte schweigend zugehört. Der Unwillen in seiner Stimme war nicht zu überhören, als er entgegnete: »Darüber solltest du nicht nachdenken. Wichtig ist die Zukunft unserer Sippe.« »Eben darum geht es. Ich bin nicht so gierig nach Blut und Macht wie Ruorim da unten in der Halle. Er ist ein Kriegsherr, der sich rücksichtslos nimmt, was er will.« Sie sah ihrem Vater in die Augen. »Hast du gesehen, wie er mich betrachtet hat? Wie ein Stück Ware oder Vieh. Er will nicht den Bund mit mir eingehen, er will mich besitzen. Und das werde ich niemals zulassen.« Darmos legte seine Eisenhand behutsam auf Deratas Schulter. Als junger Mann hatte er die linke Hand in einem Kampf verloren, doch die magischen Künste eines Schmieds und das Erbe des Drachenbluts in ihm halfen ihm, Ersatz zu schaffen, der beweglich war. Nicht so gut wie eine richtige Hand, aber ausreichend für einen kurzen Kampf mit der Axt und das Halten eines Bechers Schwarzbier. »Ich glaube, du täuschst dich, Derata. Gewiss, Ruorim ist über zehn Jahre älter als du, aber dafür kann er dir auch mehr bieten als ein junger Herumtreiber. Er ist ein großer Mann, und nicht von der hässlichen Sorte, soweit ich das beurteilen kann. Ich glaube wirklich, dass er die beste Wahl ist. Durch diesen Bund können wir vielleicht sogar den Krieg beenden. Unsere Sippe wird dadurch wieder geeint und gewinnt mehr Einfluss.«
»Lass mich darüber nachdenken, Vater«, bat Derata leise.
»Gut, ich lasse dich allein. Aber ich erwarte deine Entscheidung morgen früh.« Darmos beendete das Gespräch streng und bestimmt, denn er nahm keinen Widerspruch hin, auch nicht von seiner Tochter. Und sein Tonfall machte deutlich, welche Entscheidung er erwartete.

*

Derata atmete tief durch, als sie endlich wieder allein war. Der Mond war inzwischen den Horizont hinaufgeklettert, die Schatten wurden kürzer, aber auch dunkler. Die Luft war frisch und klar, die sanfte Brise brachte den Duft nach wilden Kräutern, rauem Steppengras und Honigorchideen mit sich. Ringsum war alles still, und die junge Frau beneidete jeden friedlichen Schläfer um seinen sorglosen Traum.
Wie sollte sie ihrem Vater klarmachen, dass sie überhaupt keinen ehelichen Bund wünschte? Derata wollte als Drachenkriegerin ihre Dienste anbieten, denn die Lande waren unruhig, das hatte sie vorhin nicht einfach so dahingesagt. Fürsten und Könige bekriegten sich untereinander, und auch zwischen den Völkern schwelten etliche Konflikte, die sich zusehends hochschaukelten. Es sah so aus, als würde der Bund, der einst alle Kontrahenten an einen Tisch gebracht hatte, zerbrechen. Der Urvater der Drakhim hatte diesen Bund bewirkt, als er wiederum einen unauflöslichen Bund mit dem Drachen eingegangen war – daher stammte die Bezeichnung des Friedensvertrags –, um die Klirrenden zu überwältigen. Ganz Blaeja, wie die Gesamtheit der Länder zwischen den Schleiern genannt wurde, war damals in Gefahr gewesen.
Die Klirrenden waren einst hinter den Schleiern hervorgekommen, ein halbes Dutzend nur, doch sie verfügten über entsetzliche Kräfte. Sie stürzten die Götter und verbannten sie hinter die Schleier, und sie brachten die Dunkelheit über alle Reiche und überzogen sie mit Krieg. Nichts schien ihnen gewachsen zu sein, kein Magier, kein Alchemist vermochte sich ihnen in den Weg zu stellen. Auch die Bündelung aller Kräfte half nichts – wie denn auch, wenn nicht einmal Götter den Untergang verhindern konnten?
Bis es dem Urvater der Drakhim, Blutfinder, gelungen war, den Bund mit dem mächtigsten aller Drachen einzugehen. Gemeinsam schafften sie es, die Klirrenden niederzuringen, zu binden und in Ketten zu legen, an einem weit entfernten Ort. Es war die einzige Weise, sie zu überwinden, denn sie konnten nicht vernichtet und auch nicht in die Nebel verbannt werden. So wandelten sich die schauerlichen, unbekannten Feinde hinter den Nebeln zu den Gefesselten. Die Völker der Schleierwelt konnten aufatmen, und sie gingen daran, gemeinsam das blutende und von allen Göttern verlassene Land wieder aufzubauen. Sie alle hatten schreckliche Verluste erlitten und mussten neu beginnen, und jeder benötigte dazu die Hilfe des Anderen. Die Hoffnung, die daraus erwuchs, war groß.
Doch nichts währt ewig, weder der Frieden noch magische Ketten.

*

Die Schatten waren kürzer geworden, aber umso dunkler. Der Mond stand direkt über Derata und zeichnete schmeichelnd ihre hohe, schlanke Gestalt mit Silberfingern nach. Der Wind spielte mit ihren offenen, langen Haaren, doch sie bemerkte es kaum.
Seit Stunden verharrte sie reglos wie eine Statue. Das war sie gewohnt, denn oft genug hatte sie oben auf den Wachzinnen ihren Dienst verrichtet. Drakenhort war niemals unbewacht, und jeder kam an die Reihe, den ehrenvollen Dienst zu verrichten, auch die Tochter des Fürsten.
Derata wollte den richtigen Moment abwarten, bevor sie wieder ins Innere der Burg zurückkehrte. Ihr Vater erwartete ihre »Entscheidung«, wie er es nannte, erst am Morgen, also sollte er sie auch nicht früher erhalten. Derata wollte warten, bis Darmos schlief, und dann zu Ruorim gehen. Es war nicht ihre Art, unangenehme Dinge lange vor sich herzuschieben. Und sie hoffte, dass sich Ruorim bis zum Morgen wieder beruhigt hatte, über das, was sie ihm eröffnen würde.
Sie hatte zufällig miterlebt, wie schnell er in Zorn geriet, als er eine Magd schnell und heftig ins Gesicht schlug, nur weil sie einige Tropfen Wein verschüttet hatte. Leider hatte Deratas Vater es nicht mitbekommen. Aber sie konnte sich ausmalen, wie der Drakhim erst reagieren würde, wenn sie ihm eine Abfuhr erteilte. Sie wollte ihrem Vater diesen möglicherweise gewalttätigen Streit ersparen, er brauchte nur das Ergebnis zu erfahren. Vor Ruorim selbst hatte sie keine Furcht; sie durfte sich schließlich im Gegensatz zu der Magd zur Wehr setzen und war auch sehr gut dazu in der Lage. Das würde sie schnell deutlich machen, und Ruorim würde es sich zweimal überlegen, als Hausgast gegen die Tochter des Herrschers von Drakenhort vorzugehen.
Es war kein gutes Zeichen, dass er jetzt hier war. Derata dachte an eine Vorhersehung von Marela der Sanften. Erst vor wenigen Tagen hatte sie Derata beiseitegenommen und geflüstert: »Achte auf alle Zeichen, mein Kind. Du wirst bald eine schwere Entscheidung treffen müssen.
Jemand wird kommen, der dein ganzes Leben verändern wird. Und möglicherweise sogar das Leben unseres Volkes, das kann ich noch nicht genau erkennen. Aber ich sehe einen großen dunklen Schatten über uns fallen, und du ... es war eigenartig, du warst Licht und Dunkelheit zugleich, und ich sah eine Seele leuchten, die nicht die deine war, sondern sehr, sehr alt ...«
Derata hatte darauf gedrängt, mehr zu erfahren, aber Marela hatte sich nicht deutlicher ausdrücken können, weil die Wege der Zukunft stets nebelverhangen, schemenhaft und sehr vage waren. Bereits kleine Zwischenfälle konnten auf einen anderen Pfad führen.
Die Vermutung lag nahe, dass Ruorim derjenige war, von dem Marela gesprochen hatte, denn sein Eintreffen konnte kein Zufall sein. Derata hatte eine Beklemmung verspürt, denn dieser Mann umgab sich mit schönem Schein, doch in den Tiefen seiner wolfsgelben Augen lauerte ein Tier.

*

Nachdem der Mond bereits hinter ihren Rücken gewandert war, kam wieder Bewegung in die junge Frau. Zu dieser Zeit lag die gesamte Festung in tiefem Schlummer, mit Ausnahme der Wachen oben auf den schmalen Türmen. Diese hatten streng darauf zu achten, auch nicht für einen Augenblick einzunicken, denn auf Unachtsamkeit stand die Todesstrafe.
Ich muss es hinter mich bringen, dachte Derata unzufrieden. Warum nur hatte ihr Vater sie in diese Lage gebracht? Weshalb hatte er nicht vorher mit ihr darüber gesprochen? Oder war ihm die Idee erst gekommen, nachdem Ruorim sie an ihn herangetragen hatte? Sie konnte es einfach nicht glauben, dass er sich so verhielt, als wäre sie eine der Prinzessinnen des Südens, bei denen die Frauen nicht allzu viel zu sagen hatten. Erwartete er ernsthaft, sie würde sich einfach fügen? Oder hegte auch er Befürchtungen, dass der Bund endgültig zerfiel und wollte das Volk der Drakhim stärken, indem er die Sippen auf diese Weise wieder zusammenführte?
Gleichwie – er hätte mit ihr reden müssen. Das konnte sie ihm nicht so leicht verzeihen.
Zehn Schlachten mit der Waffe wären mir lieber als diese eine mit dem Wort, gestand sie sich ein. Sie war nicht sehr geschickt im Umgang mit Worten und mit »sittsamem« Verhalten. Deswegen dachte sie sich nichts dabei, einen Mann, der bei ihrem Vater um ihre Hand angehalten hatte, allein und unangemeldet mitten in der Nacht in seiner Kammer aufzusuchen – um ihm eine Abfuhr zu erteilen.
Nun gut, dorthin zu gehen, das war leicht. Aber was folgte dann? Wie sollte sie zum Ausdruck bringen, was ihr Ziel war, ohne Ruorim zu einem Feind ihres Vaters zu machen? Ruorim war in den Nordbergen geboren und aufgewachsen, Angehöriger einer mächtigen Drakhim-Sippe, die sich vor langer Zeit von Drakenhort abgespaltet hatte und inzwischen viele begabte Magier hervorbrachte.
Nicht denken, handeln, dein Entschluss steht schließlich fest. Sie fasste sich ein Herz und verließ die Mauerzinne, stieg die enge Treppe hinab, die sich wie ein Schneckenhaus in schwindelnden Wendeln in die Burg hinunter wand. Einhundertsechzig Stufen bis zur ersten Abzweigung, und dann noch einmal fünfzig bis zur Flüstergalerie, wo die jeweils über Drakenhort herrschende Sippe, derzeit die Familie von Darmos Eisenhand, wohnte. Derata öffnete die Tür und betrat den Hauptgang, der vom Schein zahlreicher Fackeln hell erleuchtet war. Geradeaus ging es zur Thronhalle, links und rechts führten Seitengänge zu den Zimmern der Familie und Gastkammern. Die Außenwand hatte mehrere Ausbuchtungen, wo kleine Fenster in die Mauer gehauen waren, und zwei schmale Türen führten zu einem großen Balkon. Eine enge Mechanische Wendeltreppe führte auf die Galerie einer Zwischenetage, wo sich die Bibliothek befand.
Die Flüstergalerie war einer der ersten fertiggestellten Bereiche gewesen, als Drakenhort vor über vierhundert Jahren erbaut worden war, und Derata, die sich als kleines Mädchen oft dort oben aufgehalten hatte, glaubte damals das Flüstern der Ahnen in den hohen Mauern, Winkeln und Ecken hören zu können. Es hieß auch, dass man, wenn man genau hinhörte, das Flüstern des Drachen vernehmen konnte ...

*

Derata verharrte vor Ruorims Gastkammer, sah sich nervös um, aber es war nach wie vor alles still und verlassen. Marela, hoffentlich war deine Erziehung etwas wert, und ich wähle kluge Worte.
Entschlossen pochte Derata an die hölzerne Tür.
Nach einigen schnellen Herzschlägen erklang eine gedämpfte Stimme: »Wer ist da?« »Ich bin es, Derata!«, sagte sie gerade so laut, dass es nicht über den Gang schallte, aber im Inneren der Kammer verständlich war.
Rasche Schritte, dann öffnete sich die Tür. Ruorims Miene wechselte von Verwunderung zu erwartungsvoller Freude, was Derata wohl bemerkte und nicht gerade mit Zuversicht erfüllte. Aber sie musste jetzt zu Ende bringen, was sie begonnen hatte. »Verzeiht die Störung zu so später Stunde, aber ich muss Euch dringend sprechen.« Sie betonte das letzte Wort ausdrücklich, um deutlich zu machen, dass es hier nicht um ein heimliches voreheliches Stelldichein ging. Er hob eine schwarze Braue. »Bitte, kommt herein.« Er gab den Weg frei und wies einladend nach innen.
Derata schlüpfte hastig in die Kammer, das Herz pochte ihr bis zum Hals. »Ich kann Euch nicht heiraten«, platzte sie heraus, kaum dass Ruorim die Tür geschlossen hatte. Sehr klug gewählt, in der Tat, dachte sie, über sich selbst wütend. Geradeheraus und unverblümt wie immer, damit man gleich weiß, woran man bei dir ist.
»Das kommt allerdings ein wenig plötzlich«, meinte Ruorim nach einem kurzen überraschten Innehalten. »Und zu so später Stunde erscheint es mir nicht unbedingt wohlüberlegt ...« Um den peinlichen Moment zu überbrücken, bot er ihr einen Stuhl an. »Wollt Ihr Euch nicht setzen, Derata?«
Wie in jeder Gastkammer bestand die Einrichtung aus einem Tisch, zwei Stühlen und einer schmalen, mit Fellen ausgelegten Bettstatt. Auf einem Brett unter dem kleinen Fenster standen eine Waschschüssel und ein Krug voll Wasser. Über eine Kleidertruhe waren achtlos Ruorims Gewänder geworfen; er trug Nachtkleidung: ein dünnes, langes Hemd und einen geschlossenen Übermantel. Dazu hatte er sich in seine Stiefel gezwängt.
Das Bett sah zerwühlt aus, also hatte er wohl geschlafen. Aber Ruorims wolfsgelbe Augen funkelten hellwach, seine langen schwarzen Haare waren ordentlich, und sein Gesicht zeigte einen angespannten, neugierigen, zugleich leicht amüsierten Ausdruck.
Genau das Gegenteil von dem, was sie erwartet hatte. Sollte sie sich doch in diesem Mann täuschen, war er nicht nur oberflächlich und brutal? Besaß er tatsächlich so etwas wie Anstand und Feinfühligkeit?
»Danke, es ist besser, wenn ich im Stehen vorbringe, was ich zu sagen habe, und dann gleich wieder gehe«, lehnte Derata ein wenig verlegen ab. »Wenn mein Vater wüsste, dass ich hier bin –«
»Diese Art Unterhaltung hätte auch sicherlich Zeit bis morgen früh gehabt«, meinte Ruorim mit freundlicher Stimme, aber sein Blick blieb dabei kalt. Das konnte sie ihm allerdings nicht verdenken. »Gestattet, dass ich mich trotzdem setze, so lässt sich Eure Abfuhr besser verkraften.« Er ging zu dem zweiten Stuhl, setzte sich, lehnte sich zurück und zwirbelte abwartend seinen langen schmalen, glänzenden Schnurrbart.
»Diese Angelegenheit ist zu wichtig, sie raubt mir den Schlaf«, erklärte Derata.
»Und deshalb wollt Ihr mir auch meinen rauben«, versetzte Ruorim. Anzüglich grinsend setzte er hinzu: »Dies hätte ich mir nicht zu träumen gewagt, und wenn doch, dann unter anderen Umständen.«
Derata spürte wie sie errötete; sie fühlte sich auf einmal sehr töricht. »Ich bin Kriegerin, keine Strategin«, sagte sie entschuldigend. »Verzeiht meine unverblümte Direktheit. Aber ich bin während des ganzen Abends nicht zum Reden gekommen, und ich möchte Euch nicht in falschen Hoffnungen wiegen. Zwischen meinem Vater und Euch schien alles bereits besiegelt, doch wurde dabei vergessen, dass auch ich ein Anrecht auf Entscheidung habe.«
»Liegt es an mir?«, fragte Ruorim.
Ja!, schrie eine Stimme in Derata, aber diesmal hatte sie sich in der Gewalt. »Selbstverständlich nicht«, antwortete sie höflich. »Dazu kenne ich Euch zu wenig, um das beurteilen zu können. Es liegt an mir. Ich fühle mich noch zu jung, um mich schon zu binden, und ich habe eigene Pläne. Ihr müsst verstehen, ich habe mir nach einer langen und harten Ausbildung seit meiner frühen Kindheit einen achtenswerten Rang verdient. Ich bin eine Drachenkriegerin, und als solche will ich jetzt handeln.«
»Verstehe.« Ruorim wies erneut auf den leeren Stuhl, nun mit deutlicher Geste.
Derata setzte sich, sie wollte nicht gänzlich abweisend sein. Sie entspannte sich etwas. Ruorim zeigte sich bis jetzt sehr gefasst. Hier, außerhalb der Thronhalle und vieler lauschender Ohren, gab er sich als ganz anderer Mann, ohne Großmäuligkeit und Überheblichkeit. Er bewies weiterhin Manieren und nahm Deratas Ablehnung mit Anstand hin.
Er musterte sie durchdringend. »Derata, ich habe nicht vor, Euch einzusperren. Habt Ihr das etwa angenommen? Die Ehe sollte ein Quell der Freude sein, kein Joch. Als Drakhim sind wir Auserwählte, wir erheben uns weit über die anderen Menschen, und wir haben keine Veranlassung, deren Sitten und Gebräuche zu teilen. Selbstverständlich wärt Ihr immer noch eine Drachenkriegerin und müsstet nicht der Schlachten entsagen, nach denen Ihr Euch offenbar sehnt.«
Schöne Worte, aber konnte sie sie glauben? »Dennoch wäre ich nicht mehr frei in meiner Entscheidung, mein Herr. Ich fühle mich einfach noch zu jung für so eine Verantwortung. Durch unsere Bindung entsteht ein Führungsanspruch über beide Sippen, dem wir gerecht werden müssen. Aber zu herrschen liegt ganz und gar nicht in mir.« Sie dachte kurz nach, dann fügte sie hinzu: »In Euch muss dereinst etwas Ähnliches vorgegangen sein, da Ihr in meinem Alter keine Vermählung eingegangen seid, sondern bis heute gewartet habt, nachdem Ihr die Dreißig bereits überschritten habt.«
Ruorim stutzte. Dann lachte er. »Wohl gesprochen! Ihr habt recht, Derata, mein Vorgehen und das Eures Vaters war übereilt. Selbstverständlich habt Ihr ein Anrecht auf Bedenkzeit, und wir sollten in der Tat nichts überstürzen. Aber gestattet mir, dass ich meine Werbung aufrecht erhalte, denn nach diesem Gespräch weiß ich umso mehr, dass Ihr die einzig wahre und richtige Frau für mich seid, und dass die Drakhim durch Euch zu neuer Blüte gelangen.« Er beugte sich vor. »Ich mache Euch einen Vorschlag. Ich muss leider morgen bereits wieder zu den Nordbergen abreisen. Ein … Zwist erfordert meine Anwesenheit als Sippenoberhaupt.«
Ach, deshalb hatte ihr Vater es so eilig mit der Entscheidung gehabt. Vor Ruorims Abreise sollte alles beschlossene Sache sein. Ohne Werbung, ohne Bedenkzeit ... in Derata flackerte wieder ein Funke der Empörung auf. Was ging nur in Darmos vor? Sie kannte ihn nicht wieder. »Natürlich«, sagte sie förmlich. »Ihr müsst Euren Verpflichtungen nachkommen.«
Die Nordberge teilten sich gleichberechtigt unter Menschen und Zwergen auf. Bisher jedenfalls. Es war ein raues und hartes Leben, und möglicherweise handelte es sich bei dem »Zwist« um ein neu entdecktes Erzvorkommen, das Mensch und Zwerg gleichermaßen für sich beanspruchten. Sie war erleichtert, dass er so schnell wieder abreiste. Sie fühlte sich in Ruorims Nähe nach wie vor nicht wohl, und ihr gefühlsmäßiges Misstrauen war trotz seines zuvorkommenden Verhaltens und seiner guten Manieren keineswegs gemildert. Zweifelsohne sah der Drakhim gut aus, mit seinen markanten, vielleicht ein wenig zu hart geschnittenen Gesichtszügen – die allerdings durch das Grübchen im Kinn etwas gemildert wurden –, der geraden Nase, den vollen Lippen und den großen, unter schwarzen Brauen hervorfunkelnden Augen. Ruorim war großgewachsen und muskulös, aber nicht zu schwer, er bewegte sich geschmeidig wie eine Katze, und seine wohlklingende Stimme konnte genauso schnurrend klingen.
»Sprecht weiter«, bat sie.
»Ich werde mindestens zwei Mondläufe abwesend sein«, fuhr er daraufhin fort. »In dieser Zeit bitte ich Euch, mein Angebot zu überdenken. Ich werde Euch Nachricht schicken, so oft ich kann, und von mir erzählen, damit Ihr mich besser kennenlernt. Sobald ich zurück bin, werden wir noch einmal über alles sprechen, vor allem über Eure Bedingungen. Ich bin sicher, dass wir uns einig werden, und dass Ihr erkennt, welchen Vorteil unsere Verbindung unserem kleinen Volk bringt. Wäre das überlegenswert?«
Derata nickte ohne zu zögern. Sie wollte Ruorim nicht gänzlich verärgern, auch wenn sie sicher war, dass sich ihre Meinung nicht ändern würde. Aber immerhin hatte sie sich Zeit verschafft, und wer wusste schon, wie es in zwei Mondläufen aussah. Bis dahin konnte sich viel verändern. »Das ist ein sehr gerechter Vorschlag, edler Herr. Ich danke Euch dafür.«
»Nicht doch, meine Teure, das gehört alles zu meinen Verführungskünsten«, versetzte er lächelnd. »Ich will schließlich Euer Herz erobern.«
Ja, wie eine Burg, dachte sie abweisend. Um deine Eitelkeit zu befriedigen. Sie lächelte zuckersüß zurück.
Für eine kurze Zeit herrschte Schweigen, Ruorim wirkte nachdenklich. Dann schien er eine Eingebung zu haben. »Diese Vereinbarung sollten wir besiegeln«, schlug er vor. »Mit einem Becher Wein – ich bitte Euch, das dürft Ihr nicht ablehnen! Vorher lasse ich Euch nicht gehen, meine Dame.«
Derata gab nach. »Na schön, aber nur einen Schluck, dann muss ich wirklich gehen.«
Ruorim griff nach seinem Reisebeutel und zog eine kleine, angestaubte Flasche daraus hervor. »Diesen kostbaren Tropfen wollte ich eigentlich für die Verlobung aufsparen, aber ich denke, diese Gelegenheit ist genau richtig dafür. Ein Süßwein, wie ihn nur die Meister des Südens keltern können, selten und daher nur in kleinen Mengen zu genießen. Goldtraube nennt man ihn, und Ihr werdet gleich sehen, warum.«
Derata beobachtete ihn aufmerksam, während er ein wenig goldschimmernde Flüssigkeit in zwei kleine Gläser goss.
»Und fühlt Ihr Euch jetzt erleichtert?«, fragte Ruorim unterdessen.
»Ja«, gab sie aufrichtig zu. »Ich hätte nicht erwartet, dass Ihr es so gelassen hinnehmt.«
»Oh, ich nehme es keineswegs gelassen hin«, erwiderte Ruorim, und ein kaltes Licht brannte auf einmal in seinen Augen, was ganz und gar nicht zu seinem zuvorkommenden Lächeln passte.
»Ihr könnt versichert sein, dass ein Sturm in mir tobt, denn je länger ich mit Euch zusammen bin, je besser ich Euch kennenlerne, desto mehr verlangt es mich nach Euch. Aber ich weiß, dass sich ein guter Jäger in Geduld üben muss, und so werde auch ich mich fügen und meinen Schmerz über das Herzleid auf dem Schlachtfeld austoben.«
Schmeichelnde Worte, doch mit tödlichem Ernst ausgesprochen. Nichts passte bei diesem Mann zusammen, und einmal mehr fühlte Derata einen Schauer den Rücken hinabrieseln.
Sie wollte es schnell hinter sich bringen und dann zu Bett gehen; sie hatte schließlich in wenigen Stunden eine schwierige Auseinandersetzung mit ihrem Vater vor sich. Sie hob das Glas und stieß mit Ruorim an; wartete dabei, bis sich seine Kehle schluckend bewegte, dann nippte auch sie vorsichtig an dem Getränk. Allerdings war es ein vorzüglicher Wein, etwas Besseres hatte sie noch nie getrunken. Wärmend, kraftvoll, belebend, zugleich beruhigend. Sie trank das Glas leer und musste zugeben, dass sie sich umgehend sehr viel besser fühlte. Sie spürte Ruorims lauernden Blick auf sich ruhen; vielleicht erhoffte er sich Deratas gemilderte Stimmung nach dem Genuss des Weines. Doch darin würde sie ihn enttäuschen. Sie fühlte sich tatsächlich ein wenig berauscht, aber immer noch geistesklar. Sie lächelte Ruorim kurz an, bevor sie aufstand, sich höflich verabschiedete und dann zu ihrem Gemach eilte. Die erste Hürde war genommen.

*

Der Wein half ihr rasch in den Schlummer. Derata schlief schon fast, kaum dass ihr Kopf ins Kissen sank. Sie seufzte und streckte sich, ihre Zunge leckte die letzten Tropfen von den Lippen, und sie glitt langsam hinüber ins Reich der Träume, wo alle Wünsche wahr wurden, doch niemals festgehalten werden konnten, weil die Traumwelt und die wirkliche Welt unvereinbar waren, obwohl die Grenze nur sehr dünn war und manchmal fast verwischte. Der Gott der Träume war dahin, doch sein Geschenk war den Menschen und vielleicht auch anderen Völkern geblieben.
Derata versank in einem tiefen Traum, der so nah an der Grenze war, dass sie einerseits wusste zu träumen, andererseits alles als wirklich empfand.
Sie wanderte durch ein tiefes Tal, durch das weißer Nebel waberte, doch es war nicht kalt. Derata fühlte sich wohl, der Weg war ihr auf seltsame Weise vertraut, und der Nebel bewegte sich mit ihr. Nicht der dichte, undurchdringliche Schleier, der Blaeja umgab und von den Meisten gefürchtet wurde, sondern ein weicher, warmer Nebel. Er schützte sie, sie empfand Geborgenheit und Frieden, während sie dahinwanderte. Wohin der Weg führte, war nicht wichtig, nur dass sie unterwegs war, genau dort, genau in diesem Moment. Es ist ein wahrer Traum, dachte Derata im Schlaf.
Dann träume gut, wisperte etwas in ihr. Lass dich treiben ...
Es war ein weiter Weg, das Tal schien kein Ende zu nehmen. Derata merkte, dass sie barfuß war. Das Gras unter ihren nackten Füßen fühlte sich kühl, feucht und weich an.
Der Nebel schloss sich enger um sie, sickerte unter ihre Kleidung, strich kühlend über ihre vom langen Marsch erhitzte Haut. Wie schön du bist, flüsterte der glitzernde Hauch. Sie spürte, wie er über ihre Brüste glitt, um ihre Schenkel, sie umschmeichelte wie ein hauchdünnes Seidengewand im Wind. Ich möchte dich immer spüren, so wie jetzt. Dir so nahe sein. Kannst du mich fühlen? Ja, antwortete Derata. Sie murmelte im Schlaf und drehte sich um. Sie wusste, dass sie das tat, während sie gleichzeitig durch das Tal weiterging, wobei sie das Gefühl des Schwebens hatte, als ob ihre Füße den Boden kaum mehr berührten. Der Nebel schien sie zu tragen, mit sich zu nehmen. Sie spürte nun überall sein Streicheln und Kosen, empfand dabei neue, nie zuvor entdeckte Gefühle, die sie reizten, die sie gierig nach mehr machten. Ihr wurde zugleich heiß und kalt, Schauer rollten in Wellen über ihre Haut, ließen sie erbeben. Ihre Brust hob und senkte sich in heftigen Atemzügen, und sie verspürte ein Kitzeln auf ihren aufgerichteten Brustknospen, die unter der Berührung zu erblühen schienen. Gleichzeitig fühlte sie ein Tasten zwischen ihren Schenkeln, und ein Schauer rieselte dort über ihre seidenweiche Haut.
Ich will mehr, flüsterte der Nebel. Ein Teil von dir werden, in dir sein, wie Blut durch deine Adern fließen, damit ich alles von dir haben kann. Willst du mich?
Ich will dich, antwortete Derata. Sie stöhnte im Schlaf, aber sie wachte nicht auf. Sie versank tiefer in den Armen des Traumes, wollte ihn nicht mehr loslassen, immer nur weiterschweben, und sie breitete die Arme aus, ließ sich hineinsinken ...
Der Nebel trug sie und gleichzeitig sie ihn, sie spürte, wie er in ihre Haut einsickerte, Kälte und Hitze mit sich führend, wie er ihr Blut zum Rauschen brachte, seine heißkalte Bahn durch ihren Körper zog, bis ...
... ein grelles Licht den Traum zerbersten ließ, wie die Feuerkugel eines Wurfgeschosses, das in eine Wehrmauer einschlug. Es war fast wie ein Schmerz, zugleich aber auch höchste Wonne, und Derata hörte sich selbst, wie sie einen kurzen Schrei ausstieß.
Dann wusste sie nichts mehr.


1 UZ 1 2016 PortraitNatürlich ist es unmöglich über eine derart verdiente und vielseitige Autorin wie Uschi Zietsch, alles zu erwähnen, was sie in ihrem bisherigen Schaffen vorzuweisen hat, somit muss ich mich auf spezielle Werke fokussieren, möchte aber das ein oder andere dennoch natürlich nicht unerwähnt lassen.
So hat die Autorin unter ihrem Pseudonym SUSAN SCHWARTZ weit mehr als 70 Heftromane zur SF-Serie „Perry Rhodan“ beigesteuert, sowie Beiträge zur Schwesterserie „Atlan“, bei der sie für einen Zyklus auch die Redaktion der Leserkontaktseite übernahm. Ferner schrieb sie für die SF-Serie „Bad Earth“ und verfasste Heftromane und Hardcover zum SF-Fantasy-Endzeit-Mix „Maddrax“ und für die Romanreihe zum Computerspiel „SpellForce“.

Im Oktober 2008 begann die 20-teilige monatliche Fantasy-Serie „Elfenzeit“ im Bertelsmann Buchclub, für die sie das Konzept erstellte, die Exposés schrieb und mit Co-Autoren die Romane verfasste. Elfenzeit ist eine moderne Urban-Fantasy-Serie, die globale Mythen und Realität miteinander verflicht, an vielen Orten der Welt.

1 UZErnstIm Januar 2012 startete in Folge die 15-teilige Fantasy-Serie „Schattenlord“ im Bertelsmann Buchclub (BS-Editionen), ein Spin-Off der Serie »Elfenzeit«.
Ebenfalls 2012 erschien unter dem Künstlernamen Prisca Burrows bei Bastei-Lübbe „Der Fluch der Halblinge“, der 2014 seine Fortsetzung mit „Das Opfer der Bogins“ fand.

Im Frühjahr 2007 wurde bei Fabylon die Science-Fantasy-Serie „SunQuest“ mit Uschi Zietsch als Co-Autorin und Redakteurin begonnen und im August 2010 abgeschlossen. Insgesamt kamen 12 Taschenbücher heraus, die von je zwei Autoren geschrieben wurden. Neben zahlreichen Erstveröffentlichungen durch Jungautoren (z. B. Dennis Mathiak, Laura Flöter, Alexander Nofftz) konnten erfahrene Autoren wie Ernst Vlcek, Uwe Anton oder Hubert Haensel für eine Mitarbeit gewonnen werden.

1 uschi touch 2015Außerdem schrieb Uschi Zietsch für „Das Schwarze Auge“, in der Serie „Coco Zamis“ mit, verfasste TV Romane z.B. zu „Hinter Gittern“, „GZSZ“, „Verbotene Liebe“, Stoffentwicklung fürs Fernsehen, zahlreiche Kurzgeschichten in verschiedenen Genres, gab Anthologien heraus, bestreitet redaktionelle Arbeiten, Lektorat und übernahm die Leitung etlicher Schreibseminare in Süddeutschland und Österreich.

Ausgezeichnet wurde sie mit folgenden Literaturpreisen:
2008 - Armin T. Wegner Literaturpreis Menschenrechte (Amnesty International) für die Kurzgeschichte „Aische“.
2005 - Preis des Filmmuseums Berlin für den Kurzkrimi „Der künftige Mord“.
1989 - Kurd-Lasswitz-Preis für »Der Traum der Wintersonne«.

1 UschiTrikeNun werden Sie sich schon lange fragen: Ja wer ist denn USCHI ZIETSCH eigentlich? Was für ein Mensch steckt hinter all dem?
Das ist schwer mit wenigen Worten zu beantworten, denn auch als Mensch ist Uschi Zietsch ein wahrer Tausendsassa. Ein Energiebündel und eine Powerfrau. Manchmal befällt mich die Frage, ob der Begriff „Powerfrau“ eigens für sie geschaffen wurde.
Doch allem voran hat Uschi Zietsch ein großes Herz, ein heiteres Wesen und zeichnet sich durch ihre Hilfsbereitschaft aus.
Dies ohne alles abzunicken, was andere sagen, denn sie weiß genau, was sie will. Und das ist gut so. Da, wo sie etwas zu sagen hat, erhebt sie gerne ihre Stimme (und ihren Zeigefinger, der ein sichtbares Zeichen – in der Luft herumfuhrwerkend – für ihr Temperament ist) und weiß sich sehr wohl Gehör zu verschaffen.
Für Dinge und Menschen, die ihr wichtig sind, kämpft sie wie eine Löwin. Kollegialität ist für sie ebenso keine leere Worthülse, wie das Wort »Freundschaft«, die sie sorgsam pflegt.

Das zeichnet sie ebenso aus, wie ihr Füllhorn an Ideen und guter Laune, die sie ebenso verbreitet, wie ihre literarischen Spuren, die sie längst hinterlassen hat und sicher weiterhin wird.

Neben der Herzenswärme für die Menschen, mit denen sie zu tun hat und besonders für ihre Freunde, schlägt ihr Herz für Tiere. Was man sofort bemerkt, wenn man das Haus von ihr und ihrem Mann betritt. Dort wuseln Katzen und Hunde herum, züngelt eine Schlange im Terrarium, wiehern Pferde im angrenzenden Stall – und geht man erst in den Keller des Hauses hat man die Gelegenheit in die faszinierende Welt der Terraristik einzutauchen
Von Jerry der Hausmaus mal abgesehen, fügen sich alle »Wesen« in diesem Haushalt zu einem liebevollherzlich-chaotisch-harmonischen Ganzen. So widersprüchlich das klingen mag: Es funktioniert – und öffnet das Herz.

1 LBM uschi 2 0420413 913852365348629 1230595104201221205 nDoch noch etwas verbindet Uschi Zietsch mit ihrem Mann: die Liebe für weitere Pferdestärken. So tummelt sich auf dem kleinen Hof neben dem mannigfaltigen »Getier« noch ein wahrer Fuhrpark von Jeeps, edlen Zweisitzern, etlichen Motorrädern und einem Trike.
Auch eine Pferdekutsche fehlt nicht.
Als Besucher hat man das Gefühl in eine ureigene kleine Welt abzutauchen, in der man sich augenblicklich wohlfühlt. Und die man ungerne wieder verlässt.
Was wesentlich an der Art von Uschi Zietsch (und natürlich auch ihrem Mann) liegt.

Aber auch beruflich zeigt sich Uschi Zietsch als Mensch, der alles, was er macht, mit Herzblut betreibt. So reist sie mit ihrem Mann durch die Lande (oft begleitet von den Hunden) zu Messen, Cons und Lesungen. Doch niemals sieht man sie in derselben Kluft, wie so manchen aus der Branche.

Stets wird vorher liebevoll für sie und ihren Mann thematisch passende Garderobe besorgt (sei es Steampunk, sei es Fantasy), hübsche Sitzhocker, Theken und Roll-ups und vieles mehr. Und auch da hat der aufmerksame Betrachter sofort den Eindruck: Da lächelt einen eine Autorin an, die noch schreibt und agiert, des Schreibens willen. Weil es „in ihr ist“ und heraus muss. Die nicht danach schielt, was gerade „en vogue“ ist. Die authentisch ist. Ein Mensch mit Ecken und Kanten – und Ehrlichkeit, die heute immer mehr auszusterben beginnt.

1 UZ G Kluft Aethercircus Mai 2014 100klNatürlich dürfen bei der Erwähnung ihrer beruflichen »Stationen« auch die Kinderbücher von Uschi Zietsch nicht vergessen werden, die mittlerweile wieder im Fabylon-Verlag erschienen sind.
Wobei ich fast schon wieder beim nächsten Jubiläum bin, denn bei dem von Uschi Zietsch und ihrem Mann gegründeten und betriebenen Verlag steht nächstes Jahr auch ein stattliches Jubiläum ins (Verlags-)Haus. Aber darüber werde ich dann zu gegebener Zeit ebenfalls berichten. Ich habe den Lesern nun die Werke von Uschi Zietsch ans Herz gelegt, die aktuell auf dem Markt erhältlich sind und die ich wärmstens empfehlen kann.
Nun liegt es an jedem selbst, meinem Fingerzeig zu folgen.
Nichts liegt daher näher, diese kleine literarische Reise über USCHI ZIETSCH mit dem Jubiläumsband eben jenes Werkes zu enden, mit dem ich (und auch sie in ihre schriftstellerische Laufbahn) gestartet bin. Dieses erschien anlässlich des diesjährigen Jubiläums als Sonderausgabe im August neu im Fabylon-Verlag.


1 Sternwolke und Eiszauber UMSCHLAG 1STERNWOLKE UND EISZAUBER
Fabylon
Broschiert - 292 Seiten
ISBN: 978-3-943570-77
August 2016 - 10.00 EUR

1986-2016: Jubiläumsausgabe zum Sonderpreis!
Behutsam überarbeitete und erweiterte Ausgabe, mit neuer Karte, Anhang und Rückblick, bereichert durch Zeitdokumente.

Die Legende ist zurück!
Der Kampf um das Träumende Universum beginnt auf Lerranee.
Kelric, ein junger Ziegenhirte aus einem abgelegenen Bergdorf, verfügt über magische Kräfte, ohne es selbst zu wissen. Eines Tages erscheinen drei Magier eines fernen Landes und fordern Kelrics Eltern auf, ihnen den Sohn zu überlassen, damit er zum Meisterzauberer ausgebildet werde.
Kelric trifft seine Entscheidung und zieht mit in die Fremde. Noch ahnt er nicht, was diese Berufung für einen Mann bedeutet: Verzicht und ein Leben voller Einsamkeit und Selbstaufopferung im schicksalhaften Kampf gegen einen dunklen Gott, der Anspruch auf die von zwei sanften Göttern behütete Welt erhebt, aber auch ein Leben voller Abenteuer und des Wissens um Dinge, die normale Menschen nicht einmal erahnen.

Uschi Zietschs Debütroman sorgte 1986 für Furore auf dem sonst von englischen Lizenzen beherrschten noch jungen Fantasy-Markt und begründete ihren bis heute anhaltenden schriftstellerischen Erfolg.

1 UZ letzte 4369860 1326757520675310 5470526357705730896 nDiese Geschichte spielt zeitlich vor den „Chroniken von Waldsee“ auf der Welt Lerranee, genannt „Sternwolke“, im »Träumenden Universum«.

Abschließend wünsche ich Ihnen baldigst entspannte und fantastische Lesestunden mit dieser Ausnahmeautorin. Tauchen Sie in deren Welten ein, sei es nun in das »Träumende Universum« oder andere Abenteuer. Sie werden es nicht bereuen.

Alisha Bionda, November 2016

 

 

Interview mit Uschi Zietsch (2009)

Rezension zu "Fyrgar"

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 15. November 2016
 

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