Sonntag, 25. Juni 2017

Gewinnspiel

Phantast (Download)

Phantast 17

Neueste Kommentare

Aus aktuellem Anlass: Bitte sendet Eure Antworten via eMail an info@literatopia.de! Bitte nicht unter ...

Weiterlesen...

Anfangs konnte ich garnicht erwarten das Buch zu lesen. Doch als ich das erste Kapitel las, war ...

Weiterlesen...

Ach was, endlich ein neuer Thriller von Wulf Dorn! Wurde ja auch wirklich Zeit, ich freu mich ...

Weiterlesen...

wie viele bücher hat er geschrieben
Guten Tag, haben Sie noch weitere Termine für Lesungen mit Heinrich Steinfest? Wir haben GROSSES ...

Weiterlesen...

Soylent Green (Harry Harrison)
Geschrieben von Almut
Montag, der 12. Dezember 2016

harrison soylentgreen

Mantikore 2013
Originaltitel: Make Room! Make Room! (1966)
Übersetzt von Verena Hacker und Michael K. Iwoleit
Taschenbuch, 312 Seiten
€ 13,95 [D] | € 14,40 [A] | CHF 21,90
ISBN 978-3-939212-36-2

Genre: Science Fiction, Dystopie


Inhalt

New York City in der Zeit vom 9.8.1999 bis zum 1.1.2000. Der achtzehnjährige Billy Chung bricht in ein Luxusapartment ein, dessen Bewohner, Michael O‘Brien, er auswärts vermutet. O‘Brien hält sich jedoch im Bad auf und erwischt Chung, der ihn in Panik mit einem Brecheisen erschlägt und flieht. Für die Bearbeitung von Mordfällen werden in New York City im Normalfall nur geringe Ressourcen aufgewendet. Da jedoch O‘Brien ein Verbindungsmann zwischen dem Syndikat und Politikern war, Freunde in höheren Kreisen hatte und die Gefahr besteht, dass der Mord auf das Konto des expansionsbestrebten Mafiabosses Cuore aus Newark geht, bekommt Detective Andy Rusch den Mordfall mit ausdrücklicher Anweisung zur Aufklärung zugewiesen.

Rusch beginnt eine Romanze mit Shirl Greene, O’Briens Geliebter, die bei ihm einzieht, als O’Briens Mietvertrag ausläuft. Nun wohnt Rusch mit ihr und seinem 75-jährigen Freund Solomon Kahn in einem kleinen Apartment. Während Rusch seiner Polizeiarbeit nachgeht, verschlechtern sich im feucht-kalten Herbst die Versorgungsverhältnisse dramatisch. Die Situation in New York wird bedrohlich, immer mehr Menschen gehen auf die Straße und rebellieren offen, es kommt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, während das zwanzigste Jahrhundert dem Ende zugeht.


Rezension

Soylent Green ist Harry Harrisons achtes Buch, veröffentlicht im Jahr 1966. Der Mitte der 1960er Jahre beobachtbare Status quo wurde zu einem dystopischen Szenario für die Jahrtausendwende fortgeschrieben. Harrisons Roman ist nicht weit entfernt von Die Grenzen des Wachstums, dem Bericht des Club of Rome von 1972. Die Bevölkerungsbombe ist hochgegangen, New York City hat allein 35 Millionen Bewohner, der ländliche Raum ist ein Hochsicherheitsbereich für die Lebensmittelproduktion. Zukunftstechnologien haben allenfalls eine Abschwächung der Entwicklungsprobleme mit sich gebracht. Milliarden Menschen hungern, Hauptnahrungsmittel ist der Fleischersatz Soylent Green. Soylent ist ein Neologismus, der sich aus den englischen Begriffen für Soja und Linsen zusammensetzt.

Wer die ersten beiden Kapitel des Romans liest, ohne etwas über seine Entstehung und den Inhalt zu wissen sowie manche Details vernachlässigt, bekommt den Eindruck, Handlungsort sei das heutige Kalifornien: Wasserrationierungen bei sommerlicher Hitzeperiode, einhergehend mit speziellen Wasserrechten für Menschen, die sich diese leisten können, Protestkundgebungen wie von Occupy, Obdachlose auf den Straßen, wenige Schwerreiche leben in abgegrenzten Arealen mit spezieller Sicherung durch Technologien und Personal.

Die vier Protagonisten des Romans sind Detective Rush, Solomon Kahn, Billy Chung und Shirl Greene. Rush und Kahn gehören zwei Generationen an, Kahn als 75-jähriger Mann kennt noch eine Zeit, in der es sich angenehmer in der Welt leben ließ. Dieses Surrogat einer Vater-Sohn-Beziehung zwischen zwei Menschen, die zufällig zueinander gefunden haben, weil die Wohnung hälftig an sie vermietet wird, bietet Gelegenheit, dem Polizisten, der in diese Welt hineingeboren ist, eine andere Perspektive auf die Verhältnisse zu ermöglichen. Harrison benutzt den Kriminalfall dazu, geschickt eine Zukunftswelt zu entwickeln, wobei der Entwurf etwas Beiläufiges hat.

Harrisons Roman ist der Versuch, eine malthusianisch geprägte Dystopie als Weckruf zu veröffentlichen. Die Probleme, die er anspricht, sind nach wie vor drängend: Überbevölkerung, die Vorstellung vom unbeschränkten Konsum, rücksichtslose Naturausbeutung. Zwar hat sich der malthusianische Ansatz exponentiellen Bevölkerungswachstums realiter als nur vorübergehend korrekt erwiesen. Tatsächlich gibt es seit geraumer Zeit ein abnehmendes Wachstum. Aber zum einen ist es eben Wachstum, und weiter hängt diese abnehmende Rate zusammen mit einem höheren Bestandsniveau, weshalb wir heute zwar nicht die Rate haben, von der Harrison in seinem Buch ausgeht, aber die Gesamtbevölkerung auf diesem Planeten mit über sieben Milliarden Menschen dennoch so groß ist wie in Soylent Green.

Harrison hat für eine spätere Ausgabe ein Nachwort geschrieben (ohne Jahresangabe), in dem er sich zu seiner Zukunftsvision und deren damaliger wissenschaftlicher Fundierung (Belegquellen hatte er früher im Buch, die wurden jedoch irgendwann von den Verlagen rausgenommen) äußert. Auch wenn das Szenario nicht eingetroffen ist, wir haben es hier nicht mit Prognosen, die selten zutreffen zu tun, sondern mit Science Fiction, stimmen die damaligen Annahmen über die Bevölkerungsentwicklung. Und zur Nahrungsmittelproduktion: Heute wird ständig darüber geredet, dass wir auch zwölf Milliarden Menschen gut mit Lebensmitteln versorgen können, weshalb es keinen Grund zur Sorge gäbe. Aber faktisch sieht es doch so aus, dass wir es nicht einmal bei der gegebenen Weltbevölkerung schaffen. Wieso sollte es bei fünf Milliarden mehr Menschen plötzlich gehen? Nur weil es rechnerisch möglich ist? Der Ausbeutungsdruck auf natürliche Ressourcen nimmt zu, zugleich die Verdrängung biologischer Spezies im Zuge der Konkurrenz um Lebensraum, und ein großer Teil der Menschheit hungert oder stirbt heute schon an Unterernährung.

Fleisch ist in Soylent Green nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Es gibt Proteste, Rebellionen, in deren Verlauf Geschäfte geplündert werden, wir erfahren etwas über die Lebensmittelproduktion aus Plankton, Soja und Linsen. Mangelernährung gibt es auch in den Industrienationen, ebenso die Rationierung von Trinkwasser und Energie. Eins der Hauptthemen des Romans scheint die Frage nach einem erträglichen Leben in einer Welt, in Metropolen zu sein, die bestimmt sind durch den Mangel, einen Mangel, der solche Ausmaße erreicht hat, dass es die meisten Güter nur noch kaum oder gar nicht mehr gibt.

Nach Harrisons Roman wurde von Richard Fleischer 1973 ein Film gedreht, "Soylent Green" ("...Jahr 2022...die überleben wollen"). Die wichtigste Änderung gegenüber dem Roman besteht darin, dass ein Manager des mächtigen Lebensmittelkonzerns Soylent Corporation ermordet wird, Detective Frank Thorne (Charlton Heston) den Fall bearbeitet und herausfindet, dass der Mord von der Konzernführung in Auftrag gegeben wurde und das Grundnahrungsmittel Soylent Green aus menschlichen Leichen hergestellt wird.


Fazit

Harry Harrisons 1966 veröffentlichter Roman Soylent Green ist eine intelligente Kombination aus Dystopie, Krimi und Umwelt-Thriller mit starker gesellschaftspolitischer Komponente, eine Geschichte, die nichts an Aktualität eingebüßt hat. Ob es um den aktuellen Oxfam-Bericht zur Verteilung in der Welt geht, um die Problematik der natürlichen Ressourcen oder das Trinkwasser, die Aktualität ist offenkundig.


Pro und Kontra

+ Inspiration und Vorlage für den dystopischen Filmklassiker "Soylent Green"
+ einer der besten und wichtigsten Öko-Thriller
+ vieles kommt bekannt vor aus der Jetztzeit

Wertung:sterne4.5

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 12. Dezember 2016
 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren