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Lübecker Rache (Henning Mützlitz)
Geschrieben von Judith
Sonntag, der 16. April 2017

emons: (2016)
Taschenbuch, 272 Seiten, 11,90 EUR
ISBN: 978-3-95451-996-5

Genre: Historischer Kriminalroman


Klappentext

Lübeck 1377. Im Mühlenteich treibt die Leiche eines Freudenmädchens, wenig später wird eine zweite junge Frau tot aufgefunden. Kaufmann Jacob Wallersen befürchtet, seine Geliebte Iken könnte das nächste Opfer sein. Gemeinsam mit der Waise Svanja versucht er, Licht in einen Strudel tödlicher Ereignisse zu bringen, der immer mehr Opfer fordert. Als Jacob erkennt, dass sein eigenes Schicksal davon abhängt, ist es beinahe zu spät ....


Rezension

Es scheint so, als sei endlich Ruhe eingekehrt im Hause Wallersen. Der junge Kaufmann Jacob hat den Tod von Vater und Bruder einigermaßen verdaut und findet sich allmählich in der Rolle als Familienoberhaupt zurecht. Seine Schwester schickt er ins Kloster, da er ihr ihren Verrat nicht verzeihen kann, und er versteht es inzwischen, das Spiel der Kaufleute mitzuspielen und geheimes Wissen auszunutzen. Die Waise Svanja ist währenddessen bei Jacob untergekommen und treibt sich zu gerne in der Stadt herum. Als sie eines Tages die Leiche einer Hure findet und die Wachleute nur wenig Interesse an der Aufklärung des schrecklichen Mordes zeigen, beschließt sie, selbst Ermittlungen anzustellen. Nicht ahnend, dass auch Jacob und seine Geliebte Iken in Gefahr sind …

Wer „Im Schatten der Hanse“ gelesen hat, wird sich schnell in “Lübecker Rache“ einfinden. Es fühlt sich beinahe an, als wäre man nie weggewesen. Kenntnisse aus dem Vorgängerband sind jedoch nicht zwingend erforderlich, da man alles Wichtige in kleinen Rückblicken und Dialogen erfährt. Die Geschichte konzentriert sich dabei stark auf drei Charaktere: Den Kaufmann Jacob, seine Geliebte Iken und das ehemalige Straßenmädchen Svanja, die die Handlung maßgeblich vorantreibt. Ihre Nachforschungen bringen Geheimnisse ans Licht, die Iken und Jacob gefährlich werden. Doch schließlich müssen sie sich ihrer Vergangenheit stellen.

Das mittelalterliche Lübeck ist ein trister Ort voll düsterer Geheimnisse. Die gehobene Gesellschaft macht sich gegenseitig das Leben schwer, Lug und Betrug stehen an der Tagesordnung. Die Armen leben dagegen im Dreck und wissen oft nicht, was und ob sie etwas zwischen die Zähne bekommen. Entsprechend prostituieren sich viele junge Mädchen und nehmen Schläge und die perversen Vorlieben ihrer Kundschaft in Kauf, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Fast jeder Mann in Lübeck scheint schon einmal das Bett mit einer Hure geteilt zu haben, doch keiner spricht darüber und als mehrere Dirnen ermordet werden, scheint keiner um sie zu trauern.

Svanja empfindet das mangelnde Interesse an der Aufklärung der Morde als himmelschreiende Ungerechtigkeit. Eigentlich stammt sie aus wohlhabendem Hause, das Schicksal hat sie jedoch auf die Straße getrieben und Schreckliches durchmachen lassen. Entsprechend wirkt das Mädchen für ihr junges Alter erstaunlich abgeklärt, zudem flucht sie schlimmer als ein Bauer. Bei ihren Nachforschungen erhält sie Unterstützung von dem Franziskanermönch Georg, der unter ihrer rauen Schale den ehrlichen, guten Kern erkennt. Er steht Svanja mit Rat und Tat zur Seite und erweist sich als wahrhaftiger Kirchenmann, dem sein Gelübde wirklich etwas bedeutet. Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchenmännern, die die Dienste von Huren in Anspruch nehmen.

Iken war früher eine Hure, arbeitet nun jedoch als Magd bei Jacob und ist zudem seine Geliebte. Ihr Leben scheint sich zum Besseren gewendet zu haben, doch die Morde an den Huren zeigen ihr, dass sie von ihrer dunklen Vergangenheit nicht loskommt. Ihre Beziehung zu Jacob ist auf Lügen aufgebaut und der junge Kaufmann muss bald schmerzlich erkennen, dass seine Liebe zu Iken seine Familie erneut in Gefahr bringt. Sein Ruf wurde gerade erst wieder hergestellt, doch dieses Mal scheint er endgültig ruiniert zu werden. Durch seine ruhige, höfliche Art ist Jacob eigentlich ein sympathischer Charaktere, allerdings ist er auch naiv und egozentrisch. Seine Rolle als Familienoberhaupt verdirbt ihn zunehmend, sodass man nur bedingt Mitleid mit ihm empfindet. Schließlich ist ihm sein Ansehen teilweise wichtiger als das Leben anderer Menschen.

“Lübecker Rache“ überzeugt vor allem mit seiner dichten Atmosphäre, die eine sehr düstere und damit realistische Version des Mittelalters zeichnet. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal und die Armut treibt die Menschen zu Grausamkeiten, bei denen man das eine oder andere Mal kräftig schlucken muss. Henning Mützlitz veranschaulicht das schwere Schicksal der Huren sehr gut und man entwickelt während des Lesens ein umfassendes Verständnis für deren prekäre Situation. Die meisten Lübecker betrachten sie dagegen als gesellschaftlichen Abschaum, dessen Sünden das Höllenfeuer zur Folge haben. Obwohl der Glaube in der mittelalterlichen Welt stark verhaftet ist, werden seine Gesetze nur oberflächlich gelebt. Schaut man unter die Fassade, erkennt man Heuchelei und Verdorbenheit, vielfach schlimmer als die Lasterhaftigkeit der Huren. Und so sind sie letztliche die wahren Sympathieträger dieser Geschichte, denn sie sind wenigstens ehrlich.


Fazit

“Lübecker Rache“ ist ein düsterer Krimi, der das mittelalterliche Lübeck in all seiner dreckigen Pracht lebendig werden lässt. Svanjas Ermittlungen treiben die Geschichte voran und fördern allerhand düstere Geheimisse zu Tage, die das Leben von Kaufmann Jacob erneut ins Chaos stürzen. Der Roman überzeugt mit seiner dichten, tristen Atmosphäre und bleibt bis zur letzten Seite spannend und authentisch.


Pro und Contra

+ sehr dichte, düstere Atmosphäre
+ unheimlich spannender Kriminalfall
+ Svanja ist sehr sympathisch und unterhaltsam
+ Bruder Georg steht Svanja mit Rat und Tat zur Seite
+ ein Netzwerk aus Lügen und Intrigen
+ Jacob wird von seiner Rolle zunehmend verdorben
+ authentischer Schreibstil
+ echtes, dreckiges Mittelalterflair

o richtig eklige, fiese Antagonisten

- Svanja wirkt manchmal zu erwachsen für ihr junges Alter

Wertung: sterne4.5

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu "Im Schatten der Hanse"

Interview mit Henning Mützlitz und Christian Kopp (2014)

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 16. April 2017
 

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