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Auf die Barrikaden Bd.3 – Wir werden nichts über ihre Weiber sagen (Wilfrid Lupano, Xavier Fourquemin)
Geschrieben von Markus
Sonntag, der 07. Mai 2017

Verlag: Splitter-Verlag; (Februar 2017)
Gebundene Ausgabe: 56 Seiten; 14,80 €
ISBN-13: 978-3958392809

Genre: Historik


Klappentext

Die Revolution ist nicht nur Männersache...

1871. Marie ist weder eine Intellektuelle noch eine Aristokratin und erst recht keine Aktivistin. Sie hätte nicht an der Kommune teilnehmen müssen und sich weiter dem Zorn und der Verbitterung in ihrem Dasein als Dienstmädchen und Tagelöhnerin hingeben können. Aber die Kommune existiert und mit ihr eine einmalige Gelegenheit für Marie, ihre Rechnungen zu begleichen, endlich der Wut, die sich in ihrem Bauch angestaut hat, freien Lauf zu lassen, den Kopf zu heben. Und es all jenen heimzuzahlen, die aus ihrer besten Freundin Eugénie ein Gespenst gemacht haben, dessen irres Gelächter in der Krypta der Verdammten widerhallt. Dafür ist sie auch bereit, sich die Hände schmutzig zu machen....


Rezension

Paris 1858. Marie ist Hausmädchen bei der Familie Jeujard. Der Vater ist ein stolzer Militär, dessen Zeitvertreib die Jagd ist. Seine Tochter Eugénie, für die Marie eine Freundin und Aufpasserin sein soll, ist da gänzlich anders. Sie liest Bücher und macht sich Gedanken um die Welt. Als Eugénie von Eduard, einem Buchmacher, schwanger wird, wird sie von ihrer Familie verstoßen und in ein Kloster gebracht. Kurz darauf wird Marie entlassen, die hier zum ersten Mal Augenzeuge einer großen Ungerechtigkeit geworden ist. Im Jahr 1871 hat sich Marie der Kommune in Paris angeschlossen und trifft nach und nach auf all jene wieder, denen sie in der Vergangenheit begegnet ist. Aber ansonsten ist alles geblieben, die Ungerechtigkeiten der Welt sind geblieben. Und diese führen dazu, dass Marie zu allem bereit ist.

Mit Wir werden nichts über ihre Weiber sagen beschließt Wilfrid Lupano seine Erzählungen über die Kommune in Paris von 1871. In jedem der drei Bände geht es dabei um eine zentrale Frauenfigur. Im ersten Band war dies Elisabeth Dimitrieff, auf die Marie im Laufe der Handlung dann auch trifft. In diesem dritten Band wendet sich Lupano nun erneut einer Frau zu, die so vermutlich in Erscheinung getreten sein könnte. Es ist die Geschichte von Marie Bréban, die Zeit ihres Lebens immer ohnmächtig der herrschenden Willkür und den Ungerechtigkeiten in Paris zusehen musste. Durch die Kommune wird sie befreit, sie ist plötzlich Herr über sich selbst und nutzt ihre neugewonnene Freiheit. Erst relativ gedankenlos, in dem sie dem Frauenbund hilft und das Leben genießt. Als sie aber herausbekommt, was mit Eugénie Jeujard passiert ist, erwacht ihr Gerechtigkeitssinn und bringt sie dazu Dinge zu tun, an die sie zuvor nicht gedacht hätte. Und dies mit einer ausgesprochenen Vehemenz, die keine Grenzen zu kennen scheint. Lupano zeichnet hier das Bild einer einfachen Frau, die nie viel Glück im Leben gehabt hat, aber die trotzdem eine unheimliche charakterliche Stärke in sich birgt, die sie hin und wieder verblendet in ihrer Wut erscheinen lässt. Jedoch sind alle ihre Taten nachvollziehbar. Die Begegnung mit Elisabeth Dimitrieff stellt beide direkt nebeneinander und zeigt damit, wie sehr sie sich gleichen und doch verschieden sind. Ganz stark ist das Ende von Wir werden nichts über ihre Weiber sagen. Hier lässt Lupano im Prozeß von Marie einen Arzt Aussagen tätigen, die auf authentischen Äußerungen in Kommunardinnenprozessen beruhen und einen zum Nachdenken bringen. Besonders in Verbindung mit den dazugehörigen Bildern, entwickeln diese Worte ihre volle Wucht. Lupano macht die Zeit der Kommune erlebbar, womit die Handlung den Leser nicht loslässt. Die Zusammenfassung der Ereignisse am Ende des Bandes verstärkt den Eindruck, nicht nur einen Comic gelesen, sondern einen Blick in die Geschichte erhalten zu haben und das ist vermutlich das Beste, was der Autor erreichen konnte.

Für den dritten Band hat Wilfrid Lupano Xavier Fourquemin als Zeichner ausgewählt. Er überzeichnet die Figuren etwas, allerdings nicht so, dass sie in den Funnybereich abrutschen. Stattdessen tritt das Grauen der Kämpfe und des Alltags dadurch nur umso besser hervor. Es ist ein wahrer Balanceakt, den Fourquemin hier meistert, gerade an Maries Darstellung wird dies deutlich. Mal wirkt sie unschuldig und mal meint man sie in ihrem Zorn nicht mehr wiedererkennen zu können. Ebenso gelingt ihm die Wandlung von Eugénie. Zeichnerisch ist auch dieser Band einfach gelungen und ebenso wie seiner Vorgänger, versteht sich Fourquemin darauf die Geschichte in Bilder zu fassen und zu unterstützen.


Fazit

Auf die Barrikaden – Wir werden nichts über ihre Weiber sagen erzählt die Geschichte einer einfachen Frau in den Wirren der Pariser Kommune und zeigt dabei ihre innere Stärke. Lupano hat mit Auf die Barrikaden eine hervorragende Serie geschrieben, die den geschichtlichen Hintergrund über Einzelschicksale erzählt. Unbedingt lesen.


Pro & Contra

+ spannend
+ starke Figuren
+ historischer Hintergrund
+ sehr gut erzählt

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Wilfrid Lupano:

Rezension zu Auf die Barrikaden – Der Aufstand der Frauen
Rezension zu Auf die Barrikaden – Die roten Elefanten

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 07. Mai 2017
 

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