Freitag, 15. Dezember 2017

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Phantast 18

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Wer fürchtet den Tod (Nnedi Okorafor)
Geschrieben von Swantje
Sonntag, der 04. Juni 2017

Cross Cult (April 2017)
Originaltitel: Who fears Death
Übersetzerin: Claudia Kern
Taschenbuch
480 Seiten, 18,00 EUR
ISBN: 978-3-95981-186-6

Genre: Dystopie/ Fantasy


Klappentext

In einer nicht näher definierten post-apokalyptischen Zukunft werden die dunkelhäutigen Okeke von den hellhäutigen Nuru unterdrückt. Um sich an der Vergewaltigung ihrer Mutter zu rächen und ihr Volk zu befreien macht sich das Mädchen Onyesonwu (dt.: Wer fürchtet den Tod) auf eine lange Reise voller Magie und Gefahren. Ihr Ziel: Den mächtigen Zauberer Daib zu töten - ihren Vater und Vergewaltiger ihrer Mutter.


Rezension

Die kämpferische Onyesonwu wächst unter Menschen auf, die sie fürchten und verachten, weil sie eine „Ewu“ ist: das Kind einer Okeke-Mutter, die im Zuge der brutalen Vergeltungsaktionen nach einem Okeke-Aufstand von einem Nuru vergewaltigt wurde. Nach langer Wanderschaft in der Wüste findet Onyesonwus Mutter in Dorf, in dem sie geduldet wird und ihre Tochter aufziehen kann. Doch die anderen Menschen lassen Onyesonwu nicht vergessen, dass sie keine von ihnen ist. Onyesonwu erfährt die Wahrheit über ihre Herkunft, als sich zum ersten Mal ihre seltsamen Fähigkeiten zeigen: Sie kann ihre Gestalt verändern und noch andere Dinge bewirken. Immer wieder wird sie von beängstigenden Visionen heimgesucht, in denen ihr ein Mann oder ein großes Auge erscheinen und sie weiß, dass ihr jemand nach dem Leben trachtet. Also verrät ihr ihre Mutter, dass ihr Vater ein Zauberer war, der einen mächtigen Sohn zeugen wollte und nun die Tochter töten will, die er stattdessen bekommen hat.

Nun möchte Onyesonwu ihre Fähigkeiten beherrschen lernen. Weil sie eine Frau ist, weigert der Zauberer Aro sich lange, sie als Lehrling anzunehmen, wie er es mit dem jungen Ewu Mwita getan hat. Mwita wurde wie Onyesonwu mit einer magischen Begabung geboren. Am Ende schafft es Onyesonwu jedoch, Aro zu überzeugen, ihre Gaben nutzen zu lernen. Aus ihrer anfänglichen Freundschaft mit dem stolzen, von einer traumatischen Vergangenheit gezeichneten Mwita wird eine leidenschaftliche Liebe. Sie wird jedoch davon überschattet, dass Onyesonwus Fähigkeiten die Mwitas übertreffen, was dieser nicht immer so einfach hinnehmen kann, und dass ihr ein ebenso großes wie tragisches Schicksal bestimmt zu sein scheint. Eine Prophezeiung besagt, dass es ihr bestimmt ist, Nuru und Okeke Frieden zu bringen, doch Onyesonwu ahnt, dass der Preis dafür ihr Leben sein wird.

Schließlich verlässt Onyesonwu mit Mwita, ihren Freundinnen Didi, Binta und Luyu und Ditis Verlobtem Fanasi ihr Dorf, um ihren Vater zu suchen und Rache für ihre Mutter zu nehmen. Onyesonwus Begleiter sind lebendig und kontrastreich geschildert. Die beschwerliche, gefahrvolle Reise stellt die Beziehungen der Freunde und Liebenden auf eine harte Probe. Den zahlreichen Beziehungsdramen unter den Figuren wird viel Raum gegeben. Sie erwachsen jedoch sehr plausibel aus deren Hintergründen und Situation und man hat nicht das Gefühl, dass sie die Handlung verlangsamen.

Unterwegs finden die Figuren heraus, dass Onyesonwus Mission mehr als nur ein persönlicher Rachefeldzug ist, denn ihr Vater hat es sich in den Kopf gesetzt, die Okeke zu vernichten. „Wer fürchtet den Tod“ ist in vieler Hinsicht ein Buch über Gewalt und Unterdrückung, die wiederum mehr Gewalt hervorbringt. Nuru und Okeke, Männer und Frauen scheinen in einer Spirale aus brutaler Unterwerfung und Vergeltung gefangen, der sich auch die Hauptfiguren nicht entziehen können. Onyesonwu, die den Großteil des Buches in der ersten Person erzählt, hat viele sympathische Eigenschaften wie z.B. ihren Mut und ihre Loyalität, aber wenn sie wütend ist oder sich bedroht fühlt, handelt sie oft impulsiv und macht keinen Unterschied zwischen Angreifern und Unbeteiligten.

Onyesonwus Reise ist bringt sie mit faszinierenden Orten und Kulturen in Kontakt, aber verlangt ihr und ihren Begleitern auch große Opfer ab. Die spannende Handlung läuft schließlich auf ein Ende zu, das durchaus ein gutes Finale abgibt. Zugleich fühlt es sich aber seltsam an und lässt den Leser mit der Frage zurücklässt, ob es den Figuren nicht auch hätte gelingen können, ihr Ziel mit weniger Opfern zu erreichen und ob wirklich alles so kommen musste. „Magie“ und „Schicksal“ gehören nicht wirklich zu den befriedigendsten Erklärungen. Hier rächt sich die geheimnisvolle Natur der Magie, die an anderer Stelle sehr zur Atmosphäre beiträgt, denn es wirkt etwas willkürlich, was die magiebegabten Figuren bewirken können und was nicht.

Der Schauplatz des Romans ist ein alternativer Sudan der Zukunft, in dem Technologie – Handys, Motorroller, Computer – zwar nicht gerade im Überfluss vorhanden, aber doch allen vertraut und ein Teil des Alltags ist. Das Gleiche gilt aber auch für die verschiedenen Formen der Magie, derer sich einige Figuren mit großer Selbstverständlichkeit bedienen, die aber dennoch rätselhaft bleibt und viele originelle Formen annimmt. Die Allgegenwart des Unerklärlichen und Übernatürlichen und die sozialen Strukturen (die Figuren leben meist in Dörfern zusammen, in denen archaisch anmutende Traditionen und die religiösen Lehren des „Großen Buchs“ eine große Rolle spielen) sorgen dafür, dass „Wer fürchtet den Tod“ sich mehr wie Fantasy als wie Science Fiction liest. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Geschichte an eine klassische Fantasy-Quest erinnert. Nnedi Okorafors Sprache erweckt Menschen und Schauplätze zu farbenprächtigem Leben.


Fazit

Wieder hat Nnedi Okorafor ein Buch geschrieben, das Elemente verschiedener Genres zu einem eigenwilligen Ganzen verschmilzt und mit einem außergewöhnlichen, einprägsam geschilderten und facettenreichen Setting überzeugt. Markante Figuren, hohe Risiken und originelle Magie machen „Wer fürchtet den Tod“ trotz einiger etwas unbefriedigender Wendungen zu spannender Lektüre.


Pro und Contra

+ Onyesonwu als starke, leidenschaftliche Protagonistin
+ Reise durch ein eindrucksvoll geschildertes, atmosphärisches dystopisches Afrika
+ allgegenwärtige, geheimnisvolle Magie
+ lebendige Nebenfiguren mit komplexen, dynamischen Beziehungen
+ nicht konfliktfreie, aber tiefe und aufrichtige Liebe zwischen Onyesonwu und Mwita

o viel bleibt unerklärt
o Gewalt und Verhältnis zwischen Geschlechtern (Rollenzuweisungen, Beschneidung, etc.) als große Themen, explizite Schilderungen

- einige unbefriedigende Wendungen
- es wirkt etwas willkürlich, was Magie bewirken kann und was nicht

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 3/5


Rezension zu "Lagune"

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 04. Juni 2017
 

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