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Das große Steampanoptikum (Alex Jahnke, Clara Lina Wirz)
Geschrieben von Swantje
Dienstag, der 20. Juni 2017

Edition Roter Drache (Mai 2015)
Hardcover
192 Seiten, 20,00 EUR
ISBN: 978-3-939459-88-0

Genre: Sachbuch


Klappentext

Die Facetten des Steampunks sind so bunt und so vielfältig wie eine Reise in 80 Tagen um die Welt. Clara Lina Wirz und Alex Jahnke stellen im Steampanoptikum die vielen Variationen des deutschsprachigen Steampunks und die Künstler dahinter vor. Von literarischen Reisen, durchwoben von Aether und Dampf, zu einer Gesellschaft mit guten Manieren; von wahnsinnigen Erfindungen bis zu musikalischen Ausflügen in eine viktorianische Zukunft. Mit dem Steampanoptikum wird dem Genre erstmals der visuelle Raum gegeben, den es verdient. Gekonnt werden Sachtexte mit Prosa, Poetik und Bildern vereint, welche dieses Werk zu einem kurzweiligen Lesevergnügen werden lassen.


Rezension

„Das große Steampanoptikum“ ist eine faszinierende Kombination aus verspielt inszenierten Fotos, Sachtexten und Kurzgeschichten, Interviews und Selbstvorstellungen von „Makern“ und Musikern. Es ist schwer, die Steampunk-Szene kurz und knapp zu beschreiben, da es zwar so etwas wie einen charakteristischen Look gibt und bestimmte Ideen (die Faszination für das Zeitalter der industriellen Revolution, Was-wäre-Wenn-Gedankenspiele um alternative Geschichtsverläufe, die Freude am Selbermachen,…) wichtige Teile der Steampunk-Kultur sind, aber diese werden von jedem anders interpretiert. Diese Vielfalt wird gefeiert und mehrfach beziehen die Autoren und Beiträger klar Stellung gegen eine enge, einschränkende Definition des Steampunkbegriffs. Sehr interessant ist vor allem die erste Handvoll Artikel, in der es um die Ursprünge des Steampunks geht. So kann man zum Beispiel lernen, wo der Begriff überhaut herkommt, was Steampunk und Cyberpunk verbindet oder welche politischen Ideen gerade beim frühen Steampunk mitschwangen.

Danach geht es mit Artikeln über die verschiedensten Menschen weiter, die ihre ganz eigene Art von Steampunk-Kunst machen. Neben Büchern und Comics kommen unter den Rubriken „Die Maker“, „Die Musik“, „Die Mode“ und schließlich auch „Filme und Gruppen“ die Künstler selbst zu Wort oder werden von den Autoren des Buches beschrieben oder interviewt. Diese Texte werden durch Fotografien der Steampunks und ihrer einfallsreichen Geräte und Kostüme ergänzt. Teilweise liest sich das Buch mit seinen kurzen Vorstellungstexten fast ein bisschen wie ein künstlerisch gestalteter Katalog, da zahlreiche Beiträge weniger als erschöpfende Beschreibung gedacht sind, sondern eher darauf abzielen, den Leser dazu zu animieren, z.B. auf den Websites der vorgestellten Künstler vorbeizuschauen.

Zwischen den Artikeln, Interviews und Selbstvorstellungen sind Prosatexte eingeflochten. Einige von diesen sind leider sehr kurz und stellen mehr oder weniger nur eine Figur vor und skizzieren die sie umgebende Welt, bevor sie schon wieder zu Ende sind. Andere wiederum sind deutlich länger und fühlen sich vollständiger an. Nicht alle Geschichten sind gleichermaßen gut geschrieben, aber es sind auch sehr gelungene Texte dabei und gerade Thorsten Küpers düstere Erzählung „Prudence‘ Regiment“ wird mir noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. In Form von Liedtexten diverser Steampunk-Bands kommt auch noch Lyrik dazu, allerdings können nur wenige dieser Texte als alleinstehende Gedichte wirklich überzeugen. Teilweise gehen Sachtext und Fiktion fließend ineinander über, z.B. wenn Christian von Aster die Musiker der Band „Coppelius“ in in Gestaltung und Sprache an E.T.A. Hoffmans Werke angelehntem Ton mit steampunkigen Hintergrundgeschichten ausstattet.

Gerade Leser, die sich bisher nicht so gut mit Steampunk auskannten, werden in „Das große Steampanoptikum“ einen guten Überblick finden und neue Facetten der Szene kennenlernen. Dazu kommt noch die liebevolle Gestaltung des Buches, dass nicht nur mit einem schönen Hardcover-Einband, sondern auch mit durchgängig bunten, individuell gestalteten Seiten und gekonnt inszenierten Fotos von Menschen in fantasievollen Kostümen oder retro-futuristischen Konstruktionen aufwartet.


Fazit

Verspielt, facettenreich und aufwändig gestaltet spiegelt „Das große Steampanoptikum“ die Szene, die es beschreibt, gut wieder und gibt einen informativen Überblick über die Ursprünge und gegenwärtige Vielfalt des deutschen Steampunks. Clara Lina Wirz‘ und Alex Jahnkes Buch ist nicht zuletzt dank der Beiträge zahlreicher Künstler und der gelungenen Verschmelzung von Bildern, Sachtext und Fiktion ein echtes Gesamtkunstwerk.


Pro und Contra

+ schöne, kreative Fotos
+ Vielfalt in Inhalt und Stil der Texte
+ guter Überblick über die Szene
+ offene Interpretation des Steampunk-Begriffs
+ spannender Gegenstand
+ sachkundige Einleitungen
+ gelungene Verschmelzung von Sachtext, Fiktion, Fotographie & Lyrik

o Texte teilweise sehr kurz
o geht häufig eher in die Breite als in die Tiefe

- nicht alle eingeflochtenen Geschichten auf dem gleichen Niveau

Wertung:

Lesespaß: 4,5/5
Informationsgehalt: 4,5/5
Gestaltung: 5/5
Preis-Leistung: 4,5/5

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 20. Juni 2017
 

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