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Alice - Follow the White (Stephanie Kempin)
Geschrieben von Judith
Dienstag, der 18. Juli 2017

Papierverzierer (2017)
Klappenbroschur, 328 Seiten, 13,95 EUR
ISBN: 978-3959620505

Genre: Fantasy


Klappentext

Alles beginnt mit Bettys Beerdigung, wegen der der Unterricht an Miss Yorks Schule ausfallen muss: Auf einmal stört Zoey die Zeremonie, schießt mehrfach auf den Sarg und verschwindet, als wäre nichts gewesen. Doch wenig später steht Betty aus ihrem Sarg auf und macht sich auf die Suche nach ihrer postmortalen Mörderin. Sie findet Zoey und macht mit ihr kurzen Prozess. Ihre besten Freundinnen Alice und Chloe finden Betty, während sie sich noch über die Leiche beugt. Eigentlich müssten sie Betty verpfeifen, doch schnell beschließen die drei Freundinnen, gemeinsam Hals über Kopf zu flüchten.
Fragen über Fragen bleiben jedoch zurück, wie zum Beispiel, warum Zoey nicht mit echter Munition geschossen hat, die auch Untote zur Strecke bringen kann. Warum ist Betty noch relativ normal, zumindest für eine Untote? Was hat es mit Alice' Spiegelsicht auf sich? Und wohin will sie das verdammt mürrische, weiße Kaninchen mit der Armbrust und dem Welten-Chronografen führen? Eine rasante Achterbahnfahrt hinein in den Kaninchenbau und durch die Welt zwischen den Märchen, der realen Fiktion, jeder Menge Popkultur und der raffinierten Idee, dass es auch so hätte erzählt werden können, wenn die Erzähler vor ein paar hundert Jahren ein bisschen mehr schwarzen Humor gehabt hätten.


Rezension

Alice, Betty und Chloe sind beste Freundinnen – und als Mutare Schülerinnen an der Schule von Miss York. Jede von ihnen verfügt über seltsame Fähigkeiten: Betty kann Eis entstehen lassen, Chloe kann jederzeit tot umfallen und wieder aufstehen und Alice sieht in Spiegeln mehr als andere, weshalb sie möglichst niemals hineinblickt. Als Betty unter merkwürdigen Umständen zu Tode kommt, sind Alice und Chloe am Boden zerstört. Als dann auch noch Mitschülerin Zoey auf den geschlossenen Sarg schießt und sich keiner bei der Beerdigung so richtig darüber wundert, versteht Alice die Welt nicht mehr. Gemeinsam mit Chloe versucht sie herauszufinden, was das Ganze soll, und trifft überraschend auf die untote Betty, die gerade Zoeys Gehirn verspeist. So mancher würde nun schreien und die ganze Schule wachrütteln, doch Alice und Chloe beschließen kurzerhand, mit Betty erst einmal das Weite zu suchen. Auf ihrer Flucht begegnen sie einem sprechenden, weißen Kaninchen, das sie ins Dämmer-Spiegel-Land mitnimmt …

“Alice – Follow the White“ beginnt mit einer sehr skurrilen Situation, aus der heraus sich eine alternative Version von „Alice im Wunderland“ garniert mit Elementen der Grimmschen Märchen entspinnt. Untote gibt’s noch oben drauf, wobei die meisten eher sabbernde Zombies sind, während Betty sich auch nach ihrem Tod erstaunlich gut gehalten hat. Ihre magischen Fähigkeiten sind sogar stärker geworden – ihr Appetit auf Gehirn allerdings auch. Die Geschichte wird teilweise in Form von Tagebucheinträgen aus Bettys Sicht erzählt, weshalb man als Leser zu ihr den besten Zugang erhält. Betty ist frech und authentisch und nimmt all die seltsamen Ereignisse mit einem für sie typischen derben Humor.

Der Rest der Handlung wir in der dritten Person aus Alice‘ Sicht erzählt, wobei sie bis zur letzten Seite leider recht blass bleibt. Alice wirkt unsicher und zurückhaltend und erscheint oftmals mehr wie ein stiller Beobachter statt wie eine handelnde Person. Sie wird von Betty und insbesondere von der willensstarken Chloe angetrieben und lässt sich mitziehen. Selten bringt sie eigene Ideen ein, wobei ihre Spiegelsicht sich für die kleine Truppe als wertvoll erweist. Zum weißen Kaninchen, einem Agenten der Spiegelkönigin, fasst Alice schnell Vertrauen, auch weil sie in ihm eine Bestätigung für ihre als Verrücktheit abgetane Erinnerung an das Dämmer-Spiegel-Land sieht.

Stephanie Kempin hat sich mit dem Thema „Alice im Wunderland“ nur bedingt einen Gefallen getan, denn es gibt inzwischen wahnsinnig viele Adaptionen des Stoffs, viele schlechte, einige gute und wenige herausragende. „Alice – Follow the White“ verspricht schwarzen Humor und Raffinesse, doch der Roman fällt trotz skurriler Ideen eher zahm aus. Die Geschichte kommt lange nicht richtig in Fahrt, zudem wird der Leser auf den etwas mehr als dreihundert Seiten gleich mit drei phantastischen Welten konfrontiert: einer Art alternativem viktorianischem Zeitalter, in dem es Mutare gibt, dem Dämmer-Spiegel-Land (Wunderland) und dem Märenland, in dem es beispielsweise Aschenputtel und ein Lebkuchenhaus gibt. Keine dieser Welten wird richtig ausgebaut, die Charaktere hetzen mehr hindurch und insbesondere im Dämmer-Spiegel-Land greift die Autorin lediglich auf bekannte Motive zurück. Und am Ende bleibt man auf vielen offenen Fragen sitzen. Da tröstet auch die sehr schöne Gestaltung des Buches nicht mehr.


Fazit

”Alice – Follow the White“ ist ein wilder Mix aus Steamfantasy, “Alice im Wunderland” und Märchen. Anfangs faszinieren die vielen skurrilen Ideen, doch Stephanie Kempin macht nichts daraus. Die Handlung plätschert vor sich hin und insbesondere im Dämmer-Spiegel-Land gibt es nichts wirklich Neues. Einzig Betty bringt mit ihren locker-flockigen Tagebucheinträgen etwas Schwung in die Geschichte.


Pro und Contra

+ sehr skurrile Ausgangssituation
+ Betty ist eine unheimlich sympathische Untote
+ viele interessante Ideen
+ leicht zu lesen
+ sehr schöne Aufmachung

- Geschichte kommt nie richtig in Fahrt
- quasi nichts Neues im Wunderland
- Alice bleibt relativ blass

Wertung: sterne3

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 18. Juli 2017
 

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