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Bernhard Stäber (25.07.2017)
Geschrieben von Judith
Dienstag, der 25. Juli 2017

Interview mit Bernhard Stäber

Literatopia: Hallo, Bernhard! Im August erscheint mit „Kein guter Ort“ der dritte Band Deiner Thriller-Reihe um Arne Eriksen. Was erwartet den Psychologen dieses Mal?

bernhard staeber2017Bernhard Stäber: Hallo, Judith! In „Kein guter Ort“ arbeitet Arne Eriksen in einer psychiatrischen Klinik. Eine seiner Patientinnen hat in einem verlassenen Hotel auf einem nahen Berg ein verstecktes Tagebuch gefunden. Einige Jahre zuvor geschah dort an der Rabenschlucht ein Verbrechen mit zwei Toten, aber der Täter wurde nie gefasst. Arnes Patientin ist fasziniert von dem Geheimnis um das Hotel Rabenschlucht und beginnt in der Vergangenheit herumzustochern. Und Arne, der ihre Besessenheit für den alten Fall beobachtet, gerät bald selbst in tödliche Gefahr.

Literatopia: Was für ein Mensch ist Eriksen? Und wie geht er beim Lösen seiner Fälle vor?

Bernhard Stäber: Arne Eriksen hat norwegische Verwandte, ist aber in Deutschland aufgewachsen und erst zu Beginn der Thriller-Reihe nach Norwegen gezogen. Er betrachtet dieses Land und die skandinavische Kultur daher aus dem Blickwinkel eines Einwanderers, der Norwegen erst Stück für Stück als seine neue Heimat begreift. Er ist ein recht rational eingestellter Mensch und glaubt ausschließlich an Dinge, die sich wissenschaftlich belegen lassen.

Am Polarkreis kommt er allerdings mit der Kultur der Samen in Berührung und damit auch mit einem magischen Weltbild, das seine rationale Sichtweise auf die Welt immer wieder herausfordert.

Literatopia: In „Kein guter Ort“ lässt sich Eriksen von den alten Riten der Samen leiten. Wer sind die Samen? Und inwiefern beeinflussen deren Riten Eriksen?

Bernhard Stäber: Die Samen sind ein indigenes Volk von ursprünglich halbnomadisch lebenden Rentierzüchtern. Sie besitzen eine eigene Sprache und eine Kultur, die stark von den Lebensbedingungen am Polarkreis geprägt ist. Vor ihrer Christianisierung gehörte ihre Religion zum Schamanismus der Polarvölker, einem naturreligiösen Ahnenkult, in dem alles als belebt wahrgenommen wurde. Arne Eriksen lernt in Nordland eine alte Frau kennen, in deren Familie einige dieser Traditionen überdauert haben. Er lernt, sich mithilfe einer Rahmentrommel und halluzinogener Pflanzen in Trance zu versetzen und die Tore zu der Bilderwelt seines Unbewussten zu öffnen. Unter dem Einfluss dieser Erlebnisse lässt er sich stärker als bisher von seiner Intuition leiten, was ihm mehr als einmal das Leben rettet.

kein guter ortLiteratopia: Laut Verlag lässt Du in Deine Thriller Deine Erfahrungen als Auswanderer einfließen. Inwiefern? Spielen die Geschichten beispielsweise an Orten, die Du kennst?

Bernhard Stäber: Im Gegensatz zu Arne Eriksen war mein Auswandern nach Norwegen keine Flucht. Aber wie er habe ich Norwegen anfangs stark aus dem Blinkwinkel von jemandem wahrgenommen, der nicht hier aufgewachsen ist und der daher eine ganz eigene Sichtweise auf diese Kultur hat. Und meine Thriller spielen an Orten, die ich selbst kenne, wie Haugesund, Bergen, Nordnorwegen oder wie im Fall meines aktuellen Romans in meiner Wahlheimat Telemark.

Literatopia: Thriller aus Skandinavien sind momentan unheimlich erfolgreich. Was, denkst Du, macht ihren besonderen Reiz aus?

Bernhard Stäber: Da gibt es ja die unterschiedlichsten Theorien. Meine ist: Die skandinavischen Länder, auch Finnland, sind Länder der Extreme, schon allein wegen ihrer geographischen Lage, mit ihren langen, hellen Sommernächten und verstörend düsteren Wintern. Das spiegelt sich auch in der Mentalität der Menschen wider.

Jenseits der protestantisch-nüchternen Fassaden von biederen Holzhäusern wie aus Astrid Lindgrens Bullerbü-Büchern können sich brutalste existenzielle Dramen abspielen. Diese scharfen Kontraste reizen Autoren wie Leser.

Literatopia: Kannst Du Dir vorstellen, zukünftige Thriller auch in anderen Ländern spielen zu lassen? Welche würden sich für Deine Art von Geschichten eignen?

Bernhard Stäber: Ich kann es mir vorstellen, Thriller in Ländern und an Orten spielen zu lassen, die ich selbst kenne und daher authentisch beschreiben kann. Ich habe zum Beispiel zehn Jahre in Berlin gewohnt und besuche auch Berlin regelmäßig, wenn ich für Buchtermine nach Deutschland komme. Eine Großstadt wie diese ist mit ihrer Vielfalt ein wunderbarer Ort für Thrillerszenarios.

Literatopia: Unter dem Pseudonym Robin Gates hast Du auch Fantasyromane verfasst. Warum hast Du ein englisch klingendes Pseudonym gewählt? Verkauft sich Fantasy mit deutschem Namen schlechter?

kalt wie nordlichtBernhard Stäber: Nein, ganz im Gegenteil: Fantasy von Autoren mit deutschen Namen verkauft sich sogar international, wie Markus Heitz, Cornelia Funke, Kai Meyer oder Bernhard Hennen bewiesen haben. Den Namen Robin Gates habe ich vor vielen Jahren lange vor meiner ersten Veröffentlichung als Pseudonym gewählt, weil ich mit den beiden Worten etwas Spezielles verband. Dann bekam er ein Eigenleben. Mehr und mehr Leute sprachen mich mit „Robin“ an, bis ich in meinem Freundeskreis fast nur noch unter diesem Namen bekannt war. Ich benutze ihn vor allem für meine Veröffentlichungen im Fantastikbereich.

Literatopia: Einige Deiner Fantasyromane spielen in der fiktiven Welt Runland. Wie können wir uns diese vorstellen?

Bernhard Stäber: Runland ist ein komplett von Ozean umgebener Kontinent, den ich vor mehr als zwanzig Jahren erfand. Ursprünglich war er eine von mir gezeichnete Landkarte, zu deren einzelnen Gegenden ich verschiedene Völker und Kulturen beschrieb. Und diese wiederum stellten den Hintergrund für meine späteren Romane „Der Harfner und der Geschichtenerzähler“ und die vierbändige „Runlandsaga“ dar. Es ist eine Welt, die dem frühen Mittelalter ähnelt, und in der Magie wie auch magische Wesen existieren.

Literatopia: Welche Arten von magischen Wesen gibt es in Runland? Elfen und Orks? Oder exotischere Wesen, die Du Dir selbst ausgedacht hast?

Bernhard Stäber: Es gibt in Runland magische Wesen, die an Tolkiens Elfen erinnern, die sogenannten Endarin, und Zwerge, die sich selbst Khorazon nennen. Orks gibt es in Runland keine, dafür einen Clan von Werwölfen und Wesen aus einer anderen Dimension namens Serephin, die als Antagonisten in die Welt von Runland eindringen. Sie besitzen Drachenkörper, können aber ihre Gestalt verändern und das Aussehen von Menschen annehmen. Die Menschen selbst waren ursprünglich nicht in Runland beheimatet. Sie kamen in lange zurückliegender Vergangenheit durch ein magisches Portal nach Runland, als ihre Welt aufgrund einer globalen Katastrophe für sie unbewohnbar wurde.

Literatopia: Auf Deiner Homepage schreibst Du, dass Dich Mythen und Sagen verschiedener Völker inspirieren. Welche beispielsweise?

vaters unbekanntes landBernhard Stäber: Die „Runlandsaga“ zum Beispiel ist vom ältesten schriftlich erhaltenen Schöpfungsmythos der Menschheitsgeschichte beeinflusst, dem sumerischen „Enuma Elish“. Darin ist eine mythische Auseinandersetzung zwischen dem uranfänglichen Chaos und den ordnenden Kräften der jüngeren Götter geschildert. Ich habe Elemente dieser Erzählung in etwas veränderter Form für die Mythologie meiner Welt verwendet.

Literatopia: Früher hast Du die Reiseschreibmaschine Deiner Eltern genutzt oder Tonbänder besprochen. Was waren das für Geschichten, die Du als Kind / Jugendlicher erfunden hast?

Bernhard Stäber: Das waren hauptsächlich Kurzgeschichten, teilweise mit fantastischem Inhalt. Eine zum Beispiel hieß: „Eine Woche voller Montage“ und handelte von einem Jungen, der in einer Zeitschleife feststeckte. Es war aber auch der Anfang eines Romans dabei, ungefähr 50 Seiten eines Kinderkrimis, ähnlich der drei ???, aber die Seiten sind mir verloren gegangen, was sehr schade ist. Ich würde zu gerne noch einmal einen Blick darauf werfen können, was ich damals geschrieben habe.

Literatopia: Ein Junge, der in einer Zeitschleife feststeckt – wäre es also möglich, dass Du vielleicht auch einmal einen Science-Fiction-Roman schreibst? Welche Genres neben Fantasy und Thrillern würden Dich noch reizen?

Bernhard Stäber: Ich habe tatsächlich vor einiger Zeit einmal einen Science Fiction–Roman angefangen, ihn aber nach gut hundert Seiten wieder zur Seite gelegt, weil ich das Gefühl hatte, dass der Blickwinkel, aus dem ich ihn geschrieben hatte, nicht stimmig war. Irgendwann werde ich ihn bestimmt noch einmal umschreiben, weil die Handlung an sich mich einfach nicht loslässt.

Literatopia: Was liest Du selbst gerne? Und hast Du vielleicht ein Lieblingsbuch / einen Lieblingsautor?

sturm der serephinBernhard Stäber: Ich lese sehr gerne Romane, besonders aus dem Fantastikbereich, also Fantasy oder Horror, aber auch Sci-Fi, und aus dem Spannungsbereich, also Thriller und Krimis. Meine momentanen Lieblingsautoren sind Neil Gaiman, David Mitchell und die leider in Deutschland trotz ihrer internationalen Erfolge kaum bekannte Elizabeth Hand. Ihre Thrillerserie um die ausgebrannte Punk-Fotografin Cassandra Neary ist so, wie gute Spannungsliteratur sein muss: kompromisslos, verstörend und stilistisch ein Genuss.

Literatopia: Du gehörst zu den Autoren, die gerne in die Rolle des Geschichtenerzählers schlüpfen und vor Publikum lesen. Was schätzt Du an diesem persönlichen Kontakt besonders?

Bernhard Stäber: Dass es anders als meine natürlicherweise einsame Arbeit an einem Manuskript ein Dialog ist: Ich sitze vor einer Ansammlung von Menschen, die unmittelbar auf das reagieren, was ich lese. Ich kann darauf eingehen, ich kann mich mit ihnen unterhalten, und ich erfahre etwas über meine Leser, die ansonsten die meiste Zeit über für mich Unbekannte sind.

Literatopia: Welche Fragen stellen die Leser Dir? Das Übliche wie „Woher nehmen Sie ihre Ideen?“? Was war die ungewöhnlichste Frage, die Dir jemals gestellt wurde?

Bernhard Stäber: Die Fragen sind so unterschiedlich wie die Leute. Vom Klassiker „Wo kommen deine Ideen her?“ bis zu „Wieviel von dir steckt in Arne Eriksen?“ ist alles drin. Aber die ungewöhnlichsten Fragen kommen von Kindern und Jugendlichen. Ich wurde einmal von einem Teenager gefragt, ob ich schon einmal eine mir verhasste Person als Charakter in einem Buch verwendet hätte, um ihr schlimme Dinge zustoßen zu lassen. Meine Antwort war, dass viele meiner Charaktere einzelne Eigenschaften von Menschen aufweisen, die ich in meinem Leben getroffen habe, dass aber hoffentlich keine dieser Figuren das Abziehbild einer echten Person ist.

Literatopia: Woran arbeitest Du gerade? Wird Arne Eriksen weitere Mordfälle aufklären?

Bernhard Stäber: Momentan arbeite ich an einem Fantasyroman, aber auch an einer neuen Thrillerserie, die diesmal hauptsächlich in Oslo spielen wird. Für Arne Eriksens Zukunft am Polarkreis habe ich ebenfalls neue Ideen. Ich lasse ihn gern ein weiteres Mal einen langen harten Blick in die Abgründe des menschlichen Daseins werfen.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!


Autorenfoto: Copyright by Arild Richard Janzon-Eikrem

Autorenhomepages: http://bernhardstäber.de und http://www.robingates.de


Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 25. Juli 2017
 

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