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Der Krieg der Welten (Thilo Krapp, H.G. Wells)
Geschrieben von Markus
Samstag, der 26. August 2017

Verlag: Egmont Graphic Novel; (Januar 2017)
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten; 28 €
ISBN-13: 978-3770455225

Genre: Science Fiction


Klappentext

Diese eng an den Roman angelehnte Graphic Novel versetzt uns in das Viktorianische England, das von dreibeinigen Kampfmaschinen vom Mars angegriffen wird. Die großen Eroberer des Britischen Empires werden plötzlich zu wehrlosen, militärisch völlig unterlegenen Opfern.

„Der Krieg der Welten“ ist grafischer Hochgenuss gepaart mit großartiger Satire – ein böser Seitenhieb auf die Kolonialpolitik des britischen Weltreichs.

Als einer der bekanntesten und bedeutendsten Romane von H.G. Wells und eines der grundlegenden Werke der Science-Fiction-Literatur wurde das Buch 1938 durch eine Hörspielversion von Orson Welles, die an der Ostküste der Vereinigten Staaten teilweise Panik erzeugte, weltberühmt und seit 1953 mehrmals erfolgreich verfilmt.


Rezension

Im Jahr 1898 sieht sich die Menschheit der größten Gefahr in ihrer Geschichte gegenüber. Der Mars greift an und seine Schiffe landen in England. Zunächst passiert nicht viel, aber dann schlagen die Marsianer gnadenlos zu. Das britische Militär hat dem Gegner praktisch nichts entgegenzustellen. Hitzestrahler und ein seltsamer schwarzer Nebel fegen den Widerstand der Menschen in den meisten Fällen hinweg. Robert, ein Philosoph, erlebt die Invasion von den ersten Minuten an mit und irrt durch das in Trümmern liegende Land. Dabei begegnet er anderen Überlebenden und erlebt mit, wie die Marsianer am Ende besiegt werden. Robert berichtet auch von den Ereignissen um seinen Bruder während des Angriffs. Auf diese Weise entsteht im Rückblick ein genaues Bild der Invasion.

H.G. Wells Krieg der Welten dürfte eines der bekanntesten Werke der Science Fiction Literatur sein. Einen großen Anteil daran, dürfte Orson Welles Hörspiel haben, welches dieser so geschickt inszenierte, dass die Menschen in den USA des Jahres 1938 besorgt bei den Behörden anriefen. Dass dies tatsächlich vorgekommen ist, ist wohl unbestritten, nur ob es wirklich zu einer Massenpanik kam, darf bezweifelt werden, denn die Berichte darüber stammen aus Zeitungen, die damals versuchten, das Radio mit allen Mitteln in Misskredit zu bringen.
Krieg der Welten auf das Hörspiel zu reduzieren, wäre aber definitiv falsch. Dafür ist der Roman zu wichtig für die sich entwickelnde Science Fiction der Zeit und ebenso als Kommentar zum britischen Weltreich des Jahres 1898. Wells sah das Verhalten der Briten in den Kolonien durchaus kritisch. Das Machtstreben des Königreiches und das imperialistische Verhalten waren nicht im seinen Sinne. Und so lässt sich sein Werk nicht nur als eine Invasionsgeschichte lesen, sondern ebenso als bissiger Kommentar zu den politischen Zuständen, welcher ganz besonders in der Tatsache hervortritt, dass es eben nicht die militärische Macht Englands ist, die den Sieg bringt, sondern mehr oder weniger ein Zufall und die Unachtsamkeit der Invasoren, die den Bakterien der Erde nichts entgegensetzen können. Für die damalige Zeit war dies mit Sicherheit ein Schlag ins Gesicht der militaristisch eingestellten Briten.
Thilo Krapp hat sich Wells Roman angenommen und hält sich inhaltlich sehr eng am Original. Die einzige große Abweichung vom Roman findet sich im Namen des Erzählers. Bei H.G. Wells hat er keinen, bei Thilo Krapp heißt er Robert. Dies wäre nicht unbedingt notwendig gewesen, aber ergibt durchaus Sinn. So sind die Dialoge zwischen ihm und den anderen handelnden Figuren lebensechter und natürlicher. Ansonsten hält sich Thilo Krapp an den Ablauf der Ereignisse und belässt die Geschichte in der Zeit ihrer Entstehung. Vielleicht wird gerade dadurch umso deutlicher, dass Der Krieg der Welten nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat. Die Satire ist immer noch vorhanden und in Zeiten eines Donald Trumps, der ebenso von sich überzeugt ist wie das Viktorianische Empire, immer noch wichtig. Die Charakterisierung aller Personen, egal wie kurz sie auftauchen, gelingt ihm sehr gut. Das dürfte an Thilo Krapps Arbeitsweise liegen, der sich für seine Charaktere Hintergründe überlegt, die zwar nicht zur Sprache kommen, aber ihre Haltung und Sprache definieren. So gelingt dem Autoren und Zeichner in Personalunion bereits auf der Textseite und Erzählung eine überzeugende Umsetzung des Kriegs der Welten.

Ist Thilo Krapp die Umsetzung der Geschichte also bereits gelungen, so sind seine Zeichnungen ebenso, wenn nicht sogar noch mehr ein Kaufargument für diesen Krieg der Welten. Um das Flair, die Atmosphäre und das Lebensgefühl der damaligen Zeit einzufangen, hat er intensive Recherche betrieben. Da wurde ein Modemagazin herangezogen, um die Kleidung richtig zu gestalten, ebenso wie eine Designzeitschrift der damaligen Zeit, um den Geschmack und die Vorstellungen der Menschen der Zeit zu verstehen und so unter anderem die dreibeinigen Kampfmaschinen auf eine Art und Weise zu gestalten, wie sie sich die Menschen des Jahres 1898 vielleicht vorgestellt haben.
Seine wunderbaren Schwarzweißzeichnungen in Graustufen, die auf sepiafarbenen Papier gedruckt wurden, stimmen den Leser sofort auf die Geschichte und die Zeit ein und nehmen ihn mit auf eine Reise durch ein viktorianisches England, welches von den Marsianern angegriffen wird. Er ordnet seine Panels frei an und gestaltet die Seiten, wie es die Geschichte erfordert. Ruhige und actionhaltige Szenen meistert er gleichermaßen und er legt sehr viel Wert auf Details in allen Bereichen. Man sieht einfach, mit wieviel Liebe zur Geschichte Thilo Krapp an seine Version von Der Krieg der Welten gearbeitet hat.

Am Ende gibt es einen sehr schönen und umfangreichen Bonusteil, in dem Thilo Krapp zeigt, wie er die Figuren entwickelt und welche Gedanken er sich gemacht hat, um H.G. Wells Roman bestmöglich graphisch umzusetzen.


Fazit

Thilo Krapps Umsetzung von H.G. Wells Der Krieg der Welten ist einfach wunderbar anzusehen und äußerst gelungen. Er verfälscht die Intention des Autoren nicht und nimmt den Leser mit in das Jahr 1898 und lässt ihn den Krieg der Welten in perfekten Bildern neu erleben. Dabei zeigt sich, dass Wells Roman auch uns noch etwas zu sagen hat.


Pro & Contra

+ beim ersten Blick auf die Zeichnungen ist der Leser in der Geschichte
+ hält sich eng an die Vorlage
+ große Liebe zum Detail

Bewertung:

Charaktere: 4/5
Handlung: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von H.G. Wells Romanumsetzungen:

Rezension zu Die Zeitmaschine

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 26. August 2017
 

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