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I, Richard (Elizabeth George)
Geschrieben von Almut
Samstag, der 02. September 2017

george richard

Bantam Dell, New York 2003 (Erstausgabe: New York, Bantam Hardcover, 2002)
Trade Paperback, 244 Seiten
15 US-$
Rezension der englischen Originalausgabe
Die deutsche Fassung „Vergiss nie, dass ich dich liebe“ ist erschienen bei Blanvalet, München 2002
ISBN 978-0-553-38242-6

Genre: Mystery


Inhalt

Introduction to "Exposure" / Exposure / Introduction to "The Surprise of His Life" / The Surprise of His Life / Introduction to "Good Fences Aren't Always Enough" / Good Fences Aren't Always Enough / Introduction to "Remember, I'll Always Love You" / Remember, I'll Always Love You / Introduction to "I, Richard" / I, Richard


Rezension

In ihrer ersten Erzählsammlung macht Elizabeth George das, was kaum ein anderer Schriftsteller so gut beherrscht wie sie. Sie lotet die dunkle Seite ganz gewöhnlicher Menschen aus, bringt ihre verborgenen Bedürfnisse und Schwächen zum Vorschein, und legt offen, wie weit ein Mensch in seiner Obsession zu gehen gewillt ist, um sein Ziel zu erreichen. Jeder der fünf originären Erzählungen stellt George eine Einführung voran.

„Exposure“ erschien zuerst bei Sisters in Crime als „The Evidence Exposed“. Ein Sommerkurs an der Cambridge University 1988 inspirierte George zu der Idee. „The Evidence Exposed“ war ihr erster Versuch einer Kriminalerzählung und die erste Kurzgeschichte, die sie in ungefähr zwanzig Jahren geschrieben hatte. Da ihr später manches an der Geschichte nicht mehr gefiel, revidierte sie sie für den Erzählband, änderte für die Neufassung die Erzählperspektive, das Opfer und den Besitzer von Abinger Manor.

Teilnehmer des Kurses „Geschichte der britischen Architektur“ aus Cambridge besichtigen im ländlichen Buckinghamshire Abinger Manor, einem Herrenhaus mit eindrucksvoller Historie, wertvollen Gemälden und unbezahlbarer Rokoko-Silbersammlung. Weitere Besucher an diesem denkwürdigen Tag sind eine deutsche Touristengruppe, zwei Familien sowie ein Pärchen, Scotland Yard-Detective Thomas Lynley und seine Verlobte Helen Clyde. Das Herrenhaus gehört Lynleys Tante Augusta, einer verwitweten Gräfin. Sie will ihren Neffen überreden, sein Herrenhaus in Cornwall für Besucher zu öffnen, indem sie ihm die Gefahrlosigkeit des Unterfangens demonstriert. Während der Führung durch die berühmte Gemäldegalerie erleidet Ralph Tucker, ein Teilnehmer des Geschichtskurses, einen tödlichen Herzanfall.

Lynley, auf dem Land aufgewachsen, entdeckt, dass Tucker ermordet wurde, mit einem in seine Nussmischung geschmuggelten Alkaloid aus den Beeren der Eibe. Wer könnte ein Interesse an Ralphs Tod haben? Vielleicht galt der Anschlag aber auch der jungen attraktiven Polly Simpson, die sich aus Tuckers Nusstütchen bedient hat, dies nicht zum ersten Mal. Lynley übernimmt vorerst die Ermittlungen. Dabei erweist es sich als hilfreich, dass er einige Jahre eine Fotografin als Geliebte hatte. George stattet jeden der anglophilen Kursteilnehmer mit unverwechselbaren individuellen Charakterzügen aus und beschreibt ironisch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Eifersüchteleien, kleinen und großen Gemeinheiten der Kursteilnehmer.

„The Surprise of His Life“ ist inspiriert von einem Doppelmord Anfang der 1990er. Der Mittfünfziger Douglas Armstrong, Generaldirektor von South Coast Oil in Kalifornien, geht seit einiger Zeit heimlich zu einer Wahrsagerin. Bei seinem dritten Besuch sagt sie ihm voraus, er müsse sich auf einen externen Schock vorbereiten, der ihn ins Mark treffe. Douglas ist mit der viel jüngeren, attraktiven Donna verheiratet, von der er besessen ist. In ihm keimt der Verdacht, sie betrüge ihn und werde ihn verlassen. In letzter Zeit scheint sie sich verändert zu haben. Er engagiert einen Privatdetektiv, der herausfindet, dass sich Donna heimlich mit Douglas’ Bruder Michael trifft. Überzeugt, dass die beiden eine Affäre haben, will Douglas seine Frau ermorden.

Die Idee zu „Good Fences Aren’t Always Enough“ lieferte eine Geschichte über eine exzentrische Frau, die George zugetragen wurde. Die Bewohner der hübschen alten Stadt East Wingate stehen in einem Wettbewerb darum, welche Straße in dem Ort perfekt ist, um darin zu leben. Die Auszeichnung hebt das soziale Prestige und die Immobilienpreise. Napier Lane, eine der bevorzugten Wohnstraßen der gehobenen Mittelschicht, könnte bald diese Auszeichnung bekommen. Daher ist es wichtig, wer in das renovierungsbedürftige Haus Nummer 1420 zieht.

Willow McKenna von nebenan, perfekte Ehefrau und Mutter zweier kleiner Kinder, hofft auf eine nette Familie. Stattdessen zieht eine alleinstehende Lehrerin aus Russland ein, die zu Zeiten der UdSSR als Dissidentin verfolgt und in Sibirien gefangen war. Die Lehrerin, Anfisa Telyegin, wohnt mit einer Rattenpopulation zusammen. Nach erfolglosem Gesprächsversuch ergreifen die Nachbarn unter Willows Führung die Eigeninitiative. Willow handelt in besten Absichten und will Anfisa nur helfen.

„Remember, I’ll Always Love You“ sind die letzten Worte von Eric Lawton zu seiner Frau Charlotte, genannt Charlie, und so lautet auch der Titel der längsten Geschichte dieses Bandes. Sie handelt von einer Ehe, die auf einem abscheulichen Satz Lügen aufgebaut ist, der erst im Tod ans Licht kommt. Nach der Beerdigung versucht Charlie zu begreifen, wieso Eric diese letzten Worte gesagt hat. Aufgrund seines seltsamen Verhaltens in letzter Zeit glaubte sie, er habe eine Geliebte und wolle sie verlassen. Von Eifersucht besessen durchsuchte sie in der Woche vor seinem Tod seine Sachen, ohne Ergebnis.

Nun findet sie nach der Beerdigung heraus, dass Eric sie belogen hatte, was seine Familie und seine Arbeit betraf. In ihrem Haus wird eingebrochen, im Bankschließfach findet sie etwa eine halbe Million Dollar ungeklärter Herkunft. Sie entdeckt nicht nur Erics düsteres Geheimnis, sondern die Folgen ihrer eigenen obsessiven Eifersucht. Ein Freund hatte George von einem Mann erzählt, der seiner Frau auf dem „Totenbett“ eine Liebeserklärung gemacht hatte. George reagierte wütend, wie sie in ihrer Einführung schreibt. Den Grund dafür begreift der Leser gegen Ende der Geschichte.

In „I, Richard“ geht es um Richard III., für den sich George seit ihrer Zeit am College interessiert. Richard III. soll seine beiden kleinen Neffen im Tower ermordet haben, um selbst die Krone zu tragen. 1485 fiel er in der Schlacht von Bosworth Field, besiegt von Henry Tudor, dem späteren Henry VII. George wollte Richard rehabilitieren, ihre eigene Version über das Schicksal der beiden Prinzen im Tower schreiben und auf den ihrer Meinung nach wahren Schurken hinweisen, Henry Tudor, der als Sieger die Geschichte umschrieb und Richard zum Bösen machte. Die Erzählung spielt in der Gegenwart. Der kleine Geschichtslehrer Malcolm Cousins ist von Richard III. besessen. Der Ort Sutton Cheney, in dem lebt, liegt in Sichtweite des legendären Bosworth Field, das noch aussieht wie zu Richards Zeiten. In der Nacht vor seinem Tod betete Richard in der St. James Kirche von Sutton Cheney. Malcolm weiß, dass Richard seine beiden kleinen Neffen nicht ermordete, sondern in ein Kloster in Sicherheit vor Henry Tudor brachte.

Es gibt einen Brief von Richard, der seine Unschuld am Tod seiner Neffen beweist. Dieser Brief wurde vor zweihundert Jahren bei Renovierungsarbeiten in der St. James Kirche von dem Küster unter den Dielen entdeckt und geheim gehalten. Der Brief wird seitdem in der Familie von Generation zu Generation weitervererbt. Heutiger Besitzer ist der Küster Bernie Perryman. Bernie ist ein versoffener, herzkranker alter Schulkamerad von Malcolm und hat ihm den Brief einmal im Suff gezeigt. Da Bernie den Brief nicht freiwillig rausrückt, opfert Malcolm sich und geht eine Affäre mit Bernies Frau Betsy ein, täuscht große Liebe vor und will sie so ermuntern, Bernie zu ermorden und ihm den Brief zu geben.

George zeigt in „I, Richard“ den nahtlosen Übergang von Geschichtsschreibung zum Geschichtenschreiben. Ihre Neufassung der historischen Ereignisse ist mit der Entdeckung eines eindeutigen (fiktiven) Beweises clever konstruiert. Eingebettet ist die blutige Historie in den heutigen Alltag, in dem keiner der Protagonisten gut wegkommt und die Beziehungen geprägt sind von mörderischer Gier, Gemeinheit, Ekel und Dumpfsinn.


Fazit

Elizabeth Georges Erzählungen sind sorgfältig ausgearbeitete kleine Mosaiken, deren Steine nach und nach zusammengesetzt ein unerwartetes Bild ergeben. Spannend, unterhaltsam, leicht und satirisch im Ton, mit einer Palette unangenehmer bis gruseliger Charaktere. Jede Geschichte endet mit einer überraschenden Auflösung.


Pro und Kontra

+ Drama, Mord und Totschlag: alle Erzählungen sind Mystery-Geschichten, umspannen aber eine breite Themenpalette
+ eine Geschichte dürfte von besonderem Interesse für Lynley-Fans sein, eine andere für Richard-Apologeten und Historien-Fans
+ viel psychologisches Gespür und reiches Hintergrundwissen über Topographie und Geschichte

Wertung:sterne5

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


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Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 02. September 2017
 

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