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Bataclan – Wie ich überlebte (Fred Dewilde)
Geschrieben von Markus
Mittwoch, der 27. September 2017

Verlag: Panini; (September 2017)
Gebundene Ausgabe: 50 Seiten; 16,99 €
ISBN-13: 978-3741604430

Genre: Sachbuch/ Biographie


Klappentext

Die Realität ist nur ein Puzzle
aus verschiedenen Wirklichkeiten.
Dies ist nur ein Teil des Ganzen.
Dies ist mein Bataclan.

Mitten im Blut
Mitten unter den Fetzen
Mitten in den Trümmern
Mitten im Entsetzen und im Hass
Da konnte ich nicht fort

Mitten im Blut eines Toten
Mitten unter den zerfetzten Körpern
Mitten in den Trümmern des Lebens
Mitten im Entsetzen und in der Wut
Da hatte ich das Glück, nicht zu sterben

Mitten im Blut eines Toten habe ich gelegen
Mitten unter den zerfetzten Körpern war ich geschützt
Mitten unter den zerstörten Leben habe ich gedacht
Dass ich mitten im Entsetzen und im Wahnsinn
Noch einmal die Chance bekommen habe, euch zu lieben


Rezension

Fred Dewilde ist fast fünfzig, Grafikdesigner und geht gern auf Konzerte. Eigentlich führt er ein ganz normales Leben. Mit seiner zweiten Frau hat er ein kleines Mädchen. Aber dann kommt der 13. November 2015. Fred Dewilde will mit ein paar Freunden eigentlich nur das Konzert der Eagles of Death Metal genießen, doch es alles wird von einem Moment zum anderen anders. Terroristen richten im Bataclan ein Blutbad an. 89 Menschen sterben, viele werden verletzt. Fred Dewilde hat das Glück zu überleben. Aber sein Leben ist ab diesem Moment völlig anders.

Der Anschlag auf das Bataclan dürfte jedem noch gut im Gedächtnis sein. Was für einen Außenstehenden schwer zu verstehen und kaum vorstellbar ist, musste Fred Dewilde durchleben. Der Grafikdesigner, der nur ein Rockkonzert genießen wollte, sah sich plötzlich mit einem Ereignis konfrontiert, welches in der eigenen Vorstellung immer nur anderen passiert. Er erlebte die Gewalt und die Grausamkeit und überlebte wie durch ein Wunder unverletzt. In Bataclan – Wie ich überlebte schildert er das Erlebte und wie er gleich in mehrfacher Hinsicht überlebte. Denn der Anschlag war das Eine, aber das Leben danach, was dieser Moment mit ihm gemacht hat, ist etwas völlig anderes und doch gleichzeitig eine Frage des Überlebens. Schließlich hat er seelischen Schaden genommen, der erst einmal verarbeitet werden muss.
Fred Dewilde beginnt sein Buch gleich mit dem Anschlag. Er schildert ihn und seinen Ablauf, wie er ihn erlebt hat, zunächst auf die ihm bestmögliche Art und Weise. In Form eines 19-seitigen Comics. In intensiven, atmosphärischen Bildern fängt er das Grauen ein, welches die Menschen im Bataclan erleben mussten. Die Terroristen stellt er als Skelette dar, sie sind tot und töten. Eine düstere Art und Weise hätte er nicht finden können. Trotzdem stellt Dewilde sie nicht in den Mittelpunkt. Stattdessen zeigt er, wer und was ihm geholfen hat, zu überleben. Er zeigt seine persönliche Blase in dem Chaos und lässt den Leser so alles hautnah miterleben. Es wird begreifbarer, was im Bataclan passiert ist. Dewildes Strich ist dabei relativ roh, aber direkt, was alles eindrücklicher macht.

Im zweiten Teil erzählt Fred Dewilde sein Leben danach. Dies macht er nicht als Comic, sondern in Textform. Ersteres wäre schwer möglich. Denn Fred Dewilde schreibt hier seine Gedanken auf und zwar so, wie ihm die Themen in den Kopf kommen. Es liest sich fast wie ein Gedankenstrom, der jedoch so viel Struktur hat, dass der Leser ein gutes Bild davon bekommt, wie es in Fred Dewilde ausgesehen haben muss und was er durchleben musste. Dieser Teil ist ebenso intensiv wie der Beginn und lässt den Leser häufiger mal schlucken, angesichts der Schilderungen. Bemerkenswert ist, dass Fred Dewilde nicht den Islam verteufelt oder Hass verbreiten will. Er springt nicht auf die einfachen Antworten an, die Politiker gerne bei solchen Gegebenheiten geben. Er sucht keinen Konflikt, er will keinen Krieg. Stattdessen stellt er die Frage, wie sich so etwas verhindern lässt, wo wirklich die Ursachen liegen und warum die Politik weiterhin die Augen verschließt. All dies packt er auf gerade 48 Seiten. 48 Seiten auf denen alles von ihm auf den Punkt gebracht wird. Fred Dewilde ist kein Profiautor, er ist niemand, der sich von Haus aus darauf versteht, packend zu schreiben und weiß, wie er welche Knöpfe drücken muss. Er schreibt einfach seine Gedanken auf, manchmal etwas ungeordnet, und gerade dies macht die Wirkung auf den Leser aus.


Fazit

Bataclan – Wie ich überlebte ist ein düsterer und intensiver, aber auch Hoffnung machender Bericht eines Überlebenden des Bataclan. Mit Sicherheit ein sehr wichtiges Buch.


Pro & Contra

+ wichtiger Augenzeugenbericht
+ verteufelt keine Bevölkerungsgruppe, sondern ist fair
+ Einblick in die Gedankenwelt eines Opfers

Bewertung:

Aktualität: 5/5
Informationsgehalt: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 27. September 2017
 

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