Freitag, 24. November 2017

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Phantast 18

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Vagant - Vagant-Trilogie 1 (Peter Newman)
Geschrieben von Swantje
Samstag, der 28. Oktober 2017

Cross Cult (Oktober 2017)
Originaltitel: The Vagrant
Übersetzerin: Helga Parmiter
Klappenbroschur
445 Seiten, 16,00 EUR
ISBN: 978-3-95981-495-9

Genre: Fantasy, Science-Fiction, Horror


Klappentext

In einer postapokalyptischen Fantasy-Welt macht sich der namenlose Vagant mit einem Säugling im Arm auf die Reise. Sein Ziel: die letzte Zuflucht der Menschheit. Dorthin soll er ein mächtiges Schwert bringen. Die einzige Waffe, die den dämonischen Usurpator vernichten kann.


Rezension

Die Welt, welche die beinahe göttlichen “Sieben” mithilfe des Ordens der Seraph-Ritter beherrschen, war hochentwickelt. Doch seit der Invasion der Dämonen liegt die sie in Trümmern. Nicht einmal der Eingriff Gammas, einer der Sieben, konnte die Invasoren aufhalten und nun ist Gamma tot, ihr Schwert verschollen. Die Seraph-Ritter sind nur noch ein Schatten ihrer Selbst und ein Großteil der Welt steht unter dämonischer Herrschaft. In den Trümmern futuristischer Städte kämpfen Menschen ums Überleben und wenden sich im Wettbewerb um knappe Ressourcen gnadenlos gegeneinander oder gehen Pakte mit dämonischen Dienstherren ein.

Durch diese Welt wandert ein stummer Mann mit einem Baby und einem singenden Schwert. Er ist auf dem Weg in den Norden, wo die verbliebenen Sieben – jetzt Sechs – und Seraph-Ritter ausharren und den dämonischen Einflüssen noch standhalten. Doch es ist eine lange, gefährliche Reise. Der Erzähler folgt dem Pfad des „Vaganten“ durch die zerstörte Welt, beleuchtet aber auch die Hintergründe des Machtkampfes zwischen zwei mächtigen Dämonen, der diese zwar vom Vaganten ablenkt, aber auch seine eigenen Gefahren schafft. Er berichtet von der verheerenden Schlacht vor acht Jahren, mit der das Ende der Welt seinen Anfang nahm, und von den Wegen einiger Überlebender. Ganz allmählich erfährt man auch, wie das mit dem Kind, dem Vaganten und dessen Mission zusammenhängt (tatsächlich bleibt die Vorgeschichte des Vaganten ein wenig hinter den Spekulationen zurück, zu denen der geheimnisvolle Wanderer im Haupterzählstrang einlädt).

Erst ganz allmählich gewinnt man eine Idee, was für ein Mensch der Vagant ist und was sein Ziel und sein Antrieb sind. Denn obwohl es einen allwissenden Erzähler gibt, der die Gedanken und Handlungen aller Figuren kennt, übt er große Zurückhaltung, wenn es um das Innenleben des Vaganten geht, der sich nur mit Gesten verständigen kann. Durch seine Handlungen lernt man den stummen Mann trotzdem gut kennen: Einen tödlichen Kämpfer, der dennoch immer den friedlichen Weg wählt, wenn er die Chance dazu hat, und der sich hingebungsvoll um das ihm anvertraute Kind kümmert. Die Hilfs- und Aufopferungsbereitschaft des Vaganten inspiriert auch Menschen (und Nicht-Menschen) dazu, über sich hinauszuwachsen und zum ersten Mal seit langem wieder für andere einzutreten. So schließt z.B. der zwielichtige Harm dem Vaganten an, wird ihm zu einem treuen Gefährten und entwickelt väterliche Gefühle für das kleine Mädchen.

Es sind diese Momente, in denen sich Figuren zum Guten wandeln, und die kleinen, unschuldigen Interaktionen zwischen dem Baby und den anderen Figuren, welche die düstere Welt erträglich machen, die Newman entwirft. Zum Beispiel gibt es eine kurze Atempause in der Schilderung, wie eine Stadt von außen von Dämonen bedrängt wird und sich die Menschen in ihrem Inneren gegen andersartige Mitbewohner wenden, als der Vagant und Harm ihrem Schützling bei den ersten Schritten helfen.

Die Beschreibung der von Dämonen beherrschten Welt sind ebenso ekelhaft wie eindrucksvoll. Die Dämonen scheinen primär aus „Essenz“ zu bestehen, die sie in fremde Körper einfahren lassen. Gerade die mächtigeren Dämonen haben dabei das Problem, dass die meisten Körper zu klein und zerbrechlich sind, um sie zu beherbergen, und so sind sie oft hybride Wesen aus vielen Leibern. Sie können aber auch die Körper menschlicher Wesen verformen, ohne direkt Besitz von diesen zu ergreifen, und haben die Macht, mit ihrer Essenz die schwächerer Dämonen zu beherrschen oder zu verschlingen. Es gibt verschiedene mächtige Dämonen mit verschiedenen Interessen und „Stilen“, was die Gestaltung ihrer Körper und Umwelt betrifft. Beispielsweise betreten der Vagant und seine Gefährten das „Wunderland“, die unheimlich organische Stadt, in welcher die mächtige „Sittenlose“ regiert.

Aber auch die Menschen sind sich in diesem Roman keineswegs einig. Viele Menschen in den wenigen noch sicheren Gebieten plädieren für die Auslöschung ihrer von sichtbaren dämonischen Einflüssen berührten Artgenossen oder sind zumindest geneigt, diesen jede Hilfe zu verweigern, und auch die Sieben und die Seraph-Ritter sind alles andere als Lichtgestalten.

„Vagant“ beginnt spannend, einfach weil die Welt einen von Anfang an in ihren Bann zieht und der Vagant zahlreiche gefährliche Abenteuer bestehen muss, und es ist immer etwas los. Gleichzeitig wird das Muster irgendwann klar: Der Vagant kommt an einen neuen Ort, fechtet einen Kampf mit einem Verfolger aus oder rettet ein paar anderen Figuren das Leben, zieht dann aber weiter. Aber gerade, als die Spannung nachzulassen beginnt, kommen neue Elemente hinzu. Das gesamte Buch ist im Präsens geschrieben und, wie bereits erwähnt, aus der mittlerweile recht ungewöhnlich gewordenen Perspektive eines allwissenden Erzählers, der genau weiß, was sich überall abspielt oder abgespielt hat und was jede Figur beabsichtigt und in dessen Erzählung allein das Innenleben des Vaganten einen weißen Fleck darstellt.

Newman findet einprägsame und teilweise ungewöhnliche Formulierungen, um seine postapokalyptische Fantasy-Welt zu schildern. Hier und da irritiert die Wahl einzelner Wörter, aber alles in allem ist das Buch gut geschrieben und voller origineller, faszinierender Details. Für jede Frage, auf die es eine Antwort gibt, werden neue aufgeworfen. So bleiben noch genug ungelöste Rätsel für die beiden Folgebände in der „Vagant“-Trilogie übrig.


Fazit

Peter Newman beschwört eindrucksvoll eine originelle, von Dämonen überrannte Fantasy-Welt mit ausgeprägten Science-Fiction-Elementen herauf und erzählt gewissermaßen um das große Geheimnis herum, welches sein Protagonist darstellt. „Vagant“ arbeitet geschickt mit den Kontrasten zwischen dem vollkommenen Verfall der Zivilisation und der Grausamkeit der Welt und Momenten von Nähe und Güte zwischen den zentralen Charakteren und einigen der Figuren, die ihren Weg kreuzen.


Pro und Contra

+ originelle, farbenprächtig geschilderte Welt
+ berührende Momente der Menschlichkeit vor düsterem Hintergrund
+ außergewöhnliche Erzählweise, geschickter Einsatz eines allwissenden Erzählers
+ einprägsame Figuren
+ spannende ungelöste Fragen
+ einfallsreiche, ungewöhnliche Details

o im Präsens geschrieben
o geschilderte Welt erscheint oft extrem hoffnungslos und brutal

- hier und da etwas irritierende Wortwahl
- Hintergrundgeschichte des Vaganten enttäuscht vor dem Hintergrund der Erwartungen, den der Haupterzählstrang weckt, ein bisschen
- sich wiederholende Muster

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 28. Oktober 2017
 

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