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Alif der Unsichtbare (G. Willow Wilson)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 26. Januar 2018

alif der unsichtbare

Fischer TOR (Januar 2018)
Übersetzt von: Julia Schmeink
Taschenbuch, 528 Seiten, 9,99 EUR EUR

ISBN: 978-3-596-29936-2

Genre: orientalische Urban Fantasy


Klappentext

Alif, ein junger Hacker in einem arabischen Emirat, sieht es als seine Berufung an, seinen Klienten Anonymität und Schutz vor staatlicher Überwachung zu bieten, ganz gleich welcher politischen Gruppierung sie angehören. Doch als er selbst ins Fadenkreuz der Regierung gerät und sein Rechner gehackt wird, muss Alif sein bisheriges Leben hinter sich lassen und untertauchen. Dass ihm zudem ein uraltes Buch mit dem Titel »Tausendundein Tag« in die Hände gespielt wird, verkompliziert die Sache enorm. Denn sein Inhalt enthüllt die reale Existenz der Dschinn und scheint obendrein der Schlüssel zu einer neuen Informationstechnologie zu sein ...


Rezension

Alif bietet jedem digitalen Schutz, der verfolgt wird, ganz gleich ob Islamist, Kommunist oder anderer politischer Gesinnung. Der junge Hacker bewahrt seine Klienten erfolgreich vor der staatlichen Überwachung, seine Fähigkeiten sind gefragt. Im „real life“ wohnt er jedoch noch bei seiner Mutter und hat Stress wegen seiner Geliebten, die aus einer höheren Schicht stammt. Als sie mit ihm Schluss macht, bricht seine Welt zusammen. Dabei ahnt er noch nicht, dass dies der Beginn einer phantastischen Reise voller Gefahren ist. Als eine Art Abschiedsgeschenk vertraut ihm seine Geliebte ein altes Buch an, das „Alf Yeom“ („Tausendundein Tag“). Und plötzlich wird Alif zum Gejagten, gerät ins Fadenkreuz der Staatssicherheit und gilt als Terrorist …

Die Geschichte um Alif ist ein wilder Mix aus Fantasy und Cyberthriller, wobei die Grenzen zwischen digitaler und phantastischer Welt verwischen. Alifs Schlamassel beginnt, als er von seiner Geliebten Intisar verlassen wird und ein Programm schreibt, das Intisar anhand dessen, was sie schreibt und wie sie es schreibt, im Netz erkennt – und Alifs Existenz vor ihr verbirgt. Eigentlich dürfte dieses Programm nicht funktionieren, aber aus irgendeinem Grund tut es das doch und Alif wird für Intisar unsichtbar. Als er jedoch seine Nachbarin und Freundin Dina bittet, Intisar ein Päckchen zu bringen, mit dessen Inhalt er sie kränken will, bricht Chaos aus. Intisar schickt Dina mit dem „Alf Yeom“ zu Alif und plötzlich ist die Hand höchstpersönlich hinter ihm her – der Mann im Staat, der Alif und andere Hacker vernichten will. Alif ahnt dabei nicht, dass die Hand sich mit Dämonen eingelassen hat.

Gemeinsam mit der vollverschleierten Dina ist Alif fortan auf der Flucht. Auf der Suche nach Helfern stößt er auf Vikram, einen Dschinn – was Alif zunächst nicht glauben kann. Ihm, der zahlreiche Fantasyromane verschlungen hat, fällt es schwer an die Existenz solcher Wesen zu glauben. Die gläubige Dina hingegen hat damit kaum Probleme und erweist sich im Verlauf der Handlung als wertvolle Stütze für Alif. Oft wirkt sie stärker und besonnener als er, der mit Anfang zwanzig noch recht naiv erscheint. Einerseits ist er ein Genie in der Datenwelt, andererseits aber auch ein verwöhnter junger Mann, der schnell in Panik gerät und nicht ernsthaft damit gerechnet hat, irgendwann aufzufliegen.

Der Roman lässt sich grob in zwei Hälften einteilen, wobei Alif in der ersten nach einer kurzen Einführung permanent auf der Flucht ist und in der zweiten sich seinem Gegner stellen muss. Die Hand bleibt lange Zeit ein diffuser Schatten, der Alif verfolgt, und bis zum Ende wird dieser Mann als Antagonist nicht wirklich greifbar. Auch so mancher Nebencharakter bleibt zu blass mit Ausnahme von Vikram und Scheich Bilal. Ersterer gilt selbst unter den Dschinn als gefährlich, erweist sich jedoch als edelmütig (wenn er es will). Zudem begeistert Vikram mit einem derben Humor. Der Scheich hingegen wird zufällig in Alifs Chaos hineingezogen und führt mit ihm interessante Gespräche mit philosophischem und religiösem Charakter, die die Handlung um eine nachdenkliche Note erweitern. Die Fantasyelemente kommen bei all dem etwas zu kurz, wobei es durchaus Szenen mit magischem Flair gibt.

“Alif der Unsichtbare“ wurde 2013 mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet, was der Verlag natürlich kräftig bewirbt. Die Auszeichnung verdankt die Geschichte vor allem der Tatsache, dass sie Fantasy in einem orientalischen Setting inszeniert und dabei die politischen Umwälzungen unserer Gegenwart einbringt. Der Roman enthält jede Menge kritische, aber auch positive Gedanken über den Islam, seine verschiedenen Ausprägungen und das Leben in einer arabisch geprägten Welt, inklusive gesellschaftlicher Spaltungen. G. Willow Wilson gibt der Leserschaft Einblicke in eine Welt, in der verschiedene Volksgruppen unterdrückt werden, in der sich aber auch so manche Frau freiwillig verschleiert. Die Autorin weckt dabei Verständnis für die Religion und zeichnet ein friedliches, menschenfreundliches Bild von ihr, zeigt aber gleichzeitig auf, dass der Islam auch aus Machtgier missbraucht wird.

Über die Aspekte des Islam hinaus beschäftigt sich Wilson mit der Frage nach Freiheit und was man bereit ist, dafür zu tun. Alif ist nur ein Held, wenn er im sicheren Zuhause am Computer sitzt und von der Revolution träumt. Als es im echten Leben drauf ankommt, erkennt er, wie ängstlich er im Innern ist und dass sein bisheriges Leben doch nicht so schlecht war. Gleichzeitig wird die vollverschleierte Dina zur Heldin, die in brenzligen Situationen Mut und Geduld beweist. In der zweiten Hälfte machen die Protagonisten einiges durch, insbesondere Alif durchlebt düstere Szenen, die ihn beinahe den Verstand kosten und die für den Leser kaum zu ertragen sind. Er reift dabei spürbar und begreift nach und nach wie wichtig Freundschaft und gegenseitige Unterstützung ist.

“Vielleicht war das alles, was Freiheit war – ein Moment, in dem alles möglich war, zu schnell eingeholt von dem fürchterlichen menschlichen Instinkt zu bestrafen und zu entzweien.“ (Seite 508)


Fazit

”Alif der Unsichtbare“ besticht mit seinem orientalischen Setting in einem fiktiven arabischen Emirat, das stellvertretend für die islamische Welt mit vielen Facetten gezeichnet wird. G. Willow Wilson übt dabei Gesellschaftskritik, zeigt jedoch auch die positiven Seiten des Islam und die Fehleinschätzungen des Westens auf. Die magische Welt der Dschinn gerät neben der Brisanz dieser Themen fast in den Hintergrund, bereichert die chaotische Geschichte aber mit phantastischen Bildern.


Pro und Contra

+ Alif als Held mit zahlreichen Macken
+ die vollverschleierte Dina als mutige Stütze an Alifs Seite
+ Dschinn und andere magische Wesen
+ Gesellschaftskritik gepaart mit positivem Blick auf den Islam
+ lockerer Schreibstil

- Handlung insgesamt etwas überfrachtet
- Nebencharaktere erfüllen meist nur starr ihre Rollen

Wertung: sterne4

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 27. Januar 2018
 

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