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Lisey's Story (Stephen King)
Geschrieben von Trippelschritt
Samstag, der 14. November 2009

Pocket Books (September 2008)
528 Seiten, 16,00 $ (12,48 $ bei amazon.com)
ISBN: 978-1416585718

Anmerkung: Der Roman ist unter dem Titel "Love" bei Heyne auf deutsch erschienen.

Genre: Horror


Inhalt

Die Handlung ist schnell erzählt. Die Witwe des erfolgreichen Schriftstellers Scott Landon will sich von dem schriftstellerischen Nachlasses ihres Mannes trennen und kämpft mit ihren Erinnerungen. Gleichzeitig wird sie von einem Geisteskranken verfolgt, über dessen irreale Motive nur gerätselt werden kann. Das ist für ein Buch von über 600 Seiten zunächst einmal recht wenig, aber der Reichtum von Lisey’s Story liegt in der Tiefe und nicht in der Breite.
Unter der Handlung an der Oberfläche liegen mindestens noch zwei weitere Zeitebenen. Der verstorbene Autor verwickelt seine Frau über seinen Tod hinaus in eine bizarre Schnitzeljagd oder Schatzsuche, an deren Ende eine Belohnung steht. Die Schatzsuche (bool hunt) ist ein Spiel aus Kindertagen, das der Autor und sein älterer Bruder immer gern gespielt haben. Aber dieses Mal geht es um mehr. Der Preis könnte sie vor ihrem Verfolger retten.

Noch einen Schritt rückwärts und tiefer in der Vergangenheit liegt die Kindheit des Autors, ein Albtraum, an dessen Ende sowohl der Tod des Bruders als auch der des Vaters steht. Es sind Geisteskrankheiten, die Menschen zu Monstern machen und in dieser Familie erblich sind. Alle drei Ebenen sind kunstvoll und wie in vielen Romanen von King nicht immer realistisch miteinander verwoben. Daher passt es auch, dass Lisey’s ältere Schwester so ihre Probleme hat. Erst ist sie autistisch, dann bleibt sie völlig teilnahmslos in ihrer eigenen Wahnwelt gefangen, und schließlich wird sie im rechten Moment wieder normal und das in einer überzeugenden Weise innerhalb der Logik des Buches und nicht als Wunder, nur weil der Autor anders nicht mehr weiter weiß und es nun braucht.


Rezension

Es ist nicht all zu mutig anzunehmen, dass Scott Landon viel von Stephen King hat und dessen Frau „little Lisey love“ einiges mit Tabby King gemeinsam hat. King hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass auch er von Dämonen getrieben wurde, die sich nur mit Alkohol in Schach halten ließen, und geistig gestörte Bewunderer kannte das Ehepaar King ebenfalls. Doch ist es kein Schlüsselroman. Und wahrscheinlich ist auch ihre Ehe ganz anders abgelaufen als die von Scott Landon und seiner Lisey in diesem Roman. Und trotzdem, die ganze Geschichte ist eine einzige Liebeserklärung an seine Frau, obwohl oder vielleicht auch gerade weil die Geschichte aus der Perspektive von Lisey geschrieben wurde. Und an keiner Stelle zweifelt der Leser daran, dass die Gefühle anders als aufrichtig und ehrlich sein könnten.

Der Schreibstil ist der eines reifen Autors. Das wird vor allem deutlich, wenn man Kings ersten Bestseller „Carrie“ daneben in den Händen hält. Was bei Carrie Wucht hat, rohe, aufbrechende Emotionen und überall Ecken und Kanten, das erscheint in Lisey’s Story wundersam geglättet wie ein sich durch das Geäst windendes, silbernes Mondlicht. Erinnerungen sind Gedanken, das ist zu viel Hektik nicht angebracht. Lisa ist eine Frau in den Fünfzigern, rational und willensstark. Zwar ist es Scott Landon, der aus der Vergangenheit führt, und Lisey, die folgt, aber ihre eigenen Probleme nimmt sie selbst in die Hand. Und ist nicht zimperlich dabei.

Wenn die Handlung den Leser nicht genügend vorwärts treibt, dann muss es die Sprache tun, müssen die Bilder einfangen, Anspielungen und Querverweise für Neugier oder für Wiedererkennung sorgen. Wie die verschiedenen Zeitebenen miteinander verknüpft sind ist meisterhaft. Wenig harte Rückblenden, immer weiche Übergänge. Erinnerungen, die schnell in Szenen übergehen. Hinein in die nächste Zeitebene, wieder zurück und noch einmal hinein. So wie Erinnerungen manchmal ihre eigenen Wege suchen.

Für wen es möglich ist, Liseys Story in der Originalsprache zu lesen, sollte es tun. Es sind eine ganze Menge Ausdrücke in dem Roman enthalten, die kein Wörterbuch übersetzt. Ausdrücke aus einer Familiensprache, nur Familienmitgliedern vertraut, für eine bestimmte Gelegenheit erfunden, in denen sie benutzt werden dürfen. Die Familie versteht die Nuancen der Sprache und die dazu gehörenden Stimmungen. King macht den Lesern zu Familienmitgliedern, ohne dass das Verständnis darunter leidet. So etwas lässt sich nicht übersetzen.


Fazit

Ein grandioses Buch, das ich vielen ans Herz legen möchte, die die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits und zwischen Träumen, Erinnerungen und Realität mögen. Und es ist auch für die Liebhaber der Sprache. Doch was die stärke dieses Buches ist, könnte auch eine Schwäche sein. Wer in einem Roman nach einem ereignisreichen Plot sucht, Action und Drama wird womöglich nicht zufrieden sein. In Lisey’s Story kommt die Spannung leise daher.


Diese Rezension stammt von unserem Gastrezensenten Trippelschritt - mehr Rezis von ihm findet ihr auf Bibliotheka Phantastika.

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Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 29. November 2017
 

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